Saab Geschichte aus Hamburg. Saab Virus.

Infiziert wurde ich vermutlich im Sommer 2003, als ich mit meinen Sohn auf der Suche nach einem schönen Cabrio war. Junior war auf dem MX 3-Trip und ich war einfach nur mit. Diese Keksdose ist einfach nichts für mich, denn zum Ein- und Aussteigen braucht man einen Schuhanzieher und wenn man dann drin sitzt, stellt man mit 1,93 m Körpergröße fest, dass man so ein Auto nur offen fahren kann, denn der Kopf ist deutlich oberhalb der Windschutzscheibe.

Saab Cabriolet 1999

In diesem Zusammenhang schlenderten wir auch bei Dello (Automeile HH Nedderfeld) herum und ich entdeckte diverse Saab 900 Cabrios. Was sind denn das für Autos, aus Schweden, dieses Design, darf ich mal Platz nehmen? Ich durfte und habe mich sofort wohl gefühlt. Ich vermute, hier wurde ich infiziert. Zu dem Zeitpunkt fuhr ich einen Firmenwagen mit Stern und deshalb bestand für mich kein Handlungsbedarf.

Die Zeit geht ins Land, Firmenwagen kommen und gehen und irgendwann hatte ich die Idee; man kann ja auch mal offen fahren. Ich hatte genug „Spielgeld“ angesammelt und wollte mal über den Markt gehen, aber meine Lebensgefährtin sagte; so ’n Quatsch, wir brauchen kein Cabrio, wir brauchen eine neue Couch, Wohnung muß überholt werden, neue Eingangstür für die Laube und so weiter.

Dann kam der Frühling 2015 und ich war schneller. Bei uns um die Ecke wurde ein Saab 9-3 Cabrio für kleines Geld angeboten. Ins Auto springen und hinfahren war eins! Da stand er also, ein dunkelblauer 99’er Saab 9-3 2,0i Cabrio. Nach 12 Jahren Inkubationszeit hat der Virus voll zugeschlagen. Das Dach sah gut aus, hier und da leichte Lackschäden (nichts dramatisches), am Radio funktionierte nur ein Frontlautsprecher. Der erste Eindruck durchaus gut. Mit etwas Starthilfe, vom freundlichen albanischen Autohändler, sprang er an. Motor läuft nach kurzer Zeit rund.

Jetzt der große Moment, funktioniert das Dach!? Was soll ich sagen, Dach öffnet ohne Problem, also rote Nummer dran und auf zur Probefahrt. Diese Fahrt führte uns zu unserem Schrauber des Vertrauens zum Check der Hardware. Und obwohl wir Mitte März haben bleibt das Dach natürlich offen. Die Automatik schaltet butterweich, Lenkung und Geradeauslauf einwandfrei, keine seltsamen Geräusche. Unser Schrauber wirft einen Blick auf das Auto und hat sich auch gleich verliebt. Der Test ergab; neuen Anlasser und neue Ventildeckeldichtung, der Rest ist super.

Also zurück zum Albaner und handeln, als er anfängt von seinen kleinen, hungernden Kindern zu reden, weiß ich, Schmerzgrenze ist erreicht. Wir sind uns einig und am 25.03.2015 steht ein „neuer“ Saab bei uns in der Straße. Auf meinen Wunsch hat der Schrauber auch gleich noch TÜV machen lassen, einziger Mangelpunkt, die Blinkerleuchte links ist nicht mehr orange genug!

Mit viel Vorfreude haben wir dann auf den Sommer gewartet und jeden Tag mit Sonne (und auch ohne) ausgenutzt. Bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, Saabfahrer grüßen sich!

Dann allerdings ein Wermutstropfen, es gibt Dinge an einem Saab die meinen polnischen Schrauber überfordern. Ich wollte eine Fernbedienung im Schlüssel haben, denn von der originalen Fernbedienung gab es nur noch eine und die funktionierte nicht immer. Ein Saab Autohaus direkt um die Ecke sollte Abhilfe schaffen. Großspurig wurde alles zugesagt, aber am Ende habe ich viel Geld bezahlt und wenig bzw. falsche Funktionen erhalten.

Aber aus Fehlern lernt man und jetzt habe ich den Händler (übrigens eine Unterstützer des Blogs) gefunden, bei dem ich richtig gut aufgehoben bin.

Und weiter geht’s mit dem Virus, auch für meine Freundin musste ein neues Auto her. Der vorhanden Astra F tat’s nicht mehr. Ich habe sofort einen Saab vorgeschlagen und wurde als Spinner hingestellt, was mich aber nicht aus der Ruhe brachte. Mit etwas Zeit im Hintergrund, wir hatten ja genug Autos (Firmenwagen und 9-3 Cabrio) machte ich mich im Netz auf die Suche. Ein Kombi und Diesel (das war noch vor dem Dieselskandal) sollte es auf jeden Fall sein. Nachdem wir uns dann mehrere Saabs angesehen und Probe gefahren hatten entdeckten wir einen wunderschönen schwarzen 2005’er 9-3 1.9 TiD SC Vector, gefahren von einem Studenten, der sich nach etwas anderem umgeschaut hatte.

Das Schöne an dem Auto, es ist komplett ausgestattet und ich meine wirklich komplett ausgestatten. Zusätzlich 8-fach bereift, alles auf Alufelgen. Laufleistung 214.000 km allerdings gab’s bei 95.000 einen neuen Motor. Die Probefahrt deckte einige Mängel auf, alles Kleinigkeiten, aber Futter für die Verhandlung. Lange Rede kurzer Sinn, wir haben „zugeschlagen“ und seit April 2016 steht ein zweiter Saab bei uns in der Straße. Der SC hat dann allerdings etwas ins Kontor eingeschlagen denn Drallklappen und AGR-Ventil mussten gemacht werden. Aber die Substanz ist gut und deshalb haben wir das Auto auf Vordermann gebracht.

Der Vorbesitzer hatte auch etwas Vogelsch….. zu lange auf der Motorhaube liegen lassen und eine begabter Lackierer hat auch dies beseitigt. Der geneigte Leser wird feststellen, wir wollen die Autos auf jeden Fall am Leben erhalten. Die Kleene (kommt halt aus Berlin) hat dann auch noch die Bremssättel rot angemalt und jetzt steht das Auto da, fast wie ein Neuwagen. Sie ist inzwischen auch bei Saab angekommen. Sie liebt ihr Auto über alles und hat inzwischen festgestellt, man wird plötzlich von wildfremden Menschen angesprochen und man redet über Autos, auch als Frau!

Eine weitere tolle Erfahrung war unser Treffen mit den Saab-Freunden Erftkreis, bei denen wir uns 2016 spontan zur Rallye angemeldet hatten. Obwohl wir wildfremde waren, wurden wir aufgenommen, als ob wir schon immer dabei gewesen wären. Rallye 2017 war natürlich dann eine gern wahrgenommene Pflichtveranstaltung und auch 2018 sind wir schon wieder mit dabei. Vielleicht treffen wir hier zum 40 jährigen Jubiläum der Saab-Freunde mal den „Paul“, von dem es hier so viel zu lesen gibt.

Saabine ist jetzt im Winterschlaf und deshalb habe ich Zeit Euch von meinem Virus zu erzählen. Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig unterhalten und sende Euch

saabige Grüße aus Hamburg,
Henning


Danke an Henning für seine Saab Story! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheit im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?

Der Countdown läuft, Einsendeschluss ist der 31.12.2017. Wir freuen uns darauf!

5 Gedanken zu „Saab Geschichte aus Hamburg. Saab Virus.

  • 28. Dezember 2017 um 11:27 AM
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    Das hat der Henning aber sehr schön geschrieben, kann ihn gut verstehen…..
    Und auch meiner Frau, sonst null autoafin, gefällt Saab!
    Euch allen im Blog wünsche ich alles, alles Gute für das kommende Jahr und natürlich schöne Saab-Touren. Herzliche Grüße in die Runde




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  • 28. Dezember 2017 um 1:06 PM
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    „… ein wenig unterhalten …“

    Aber ja. Aber ja und wie ! ! ! Vielen Dank für die tolle Story.

    1.) wundere ich mich, dass es hier am 28.12 überhaupt etwas zum Lesen gibt. Und …

    2.) ist das eine richtig gute Geschichte. Richtig, richtig gut. Eine Vater-Sohn-Aktion, die in einer generationsübergreifenden Affinität zu Saab endet, das ist schon auch irgendwie weihnachtlich. Ist ja ein Familienfest. Und es ist eine SAAB-Geschichte. Und es ist eine unerwartete noch dazu.

    Unerwartet nicht nur, weil sie zwischen den Feiertagen publiziert wurde, sondern auch, weil jemand mit Firmenwagen und ohne „Notwendigkeit“ noch 2015 den Weg zu SAAB gefunden hat.

    Was für ein tolles Kompliment an die schwedischen Autos.
    Und eine Bestätigung für alle SAAB-Freunde. Danke ! ! !




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  • 29. Dezember 2017 um 10:07 AM
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    Tollle Story Danke Henning




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  • 29. Dezember 2017 um 3:26 PM
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    Hallo Henning,

    schöne Story, überbrückt die Tage bis zum neuen Jahr sehr schön.
    Mit 193cm ist die Auswahl der Cabrios schon sehr eingeschränkt, das kenne ich 😉

    Als ich meine Mutter mal bei ihren französischen Löwen abholte, habe ich mich in einem Anfall geistiger Umnachtung in so ein offenes Blechdach-Cabrio gesetzt. Dabei habe ich mir die Ecke des viel zu flachen und viel zu weit nach hinten gezogenen Fensterrahmen mitten ins Gesicht gehauen. Meine Laune war „schlagartig so gut“, dass sich kein Verkäufer mehr in die Nähe wagte… Meine Mutter bugsierte mich dann auch recht zügig aus dem Laden, bevor die gute Kinderstube ganz abhanden kam 🙂




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  • 30. Dezember 2017 um 4:30 PM
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    Hallo Henning,

    nicht alle „Viren“ sind schädlich. Im Gegenteil einige sind sogar sehr heilsam bzw. extrem lindernd. Schön, dass dich ein solcher „guter Virus“ befallen hat. Weiterhin viel Spaß mit der SAAB-Flotte.




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