Tianjin startet Produktion des NEVS 9-3 EV

Am Dienstag startete NEVS die Vorserien-Produktion des NEVS 9-3 EV in Tianjin. Mit einer großen Zeremonie wurde das neue Werk eröffnet, auch wenn es immer noch nicht komplett fertiggestellt ist.

NEVS Tianjin
Präsentation in Tianjin

Der Bau wird rund 400 Millionen € kosten, aber die abschließende Finanzierung steht immer noch nicht. Die Produktion der Vorserie läuft mit Rohkarossen aus Trollhättan; schwedische Mitarbeiter helfen,  ihre chinesischen Kollegen anzulernen. Ab Sommer 2018 soll die Fertigung in Serie starten, bis dahin muss zusätzlich ein Karosseriewerk vor Ort errichtet werden.

NEVS 9-3 EV. Design der Serie? Oder nicht?

Das am Dienstag gezeigte NEVS 9-3 EV entspricht optisch wahrscheinlich nicht der Serie. Die soll sich am Aussehen der Studien orientieren, die ein koreanisches Team für NEVS entworfen hatte. Aber weil mit großer Wahrscheinlichkeit dafür noch keine Werkzeuge existieren, trägt das EV ein älteres Design. Es sieht mehr nach Saab aus als die finale Version und könnte das Design sein, das verworfen wurde,  weil es den NEVS Eigentümern zu sehr Saab und zu wenig asiatisch war.

Das wäre die eine mögliche Version. Eine andere Quelle ist sich sicher, dass NEVS dieses jetzt gezeigte Design in Serie bringen möchte. Weil es günstiger ist und mit weniger Modifikationen verbunden sei. NEVS liefert, wie immer, keine Fakten und öffnet Raum für Spekulationen.

Ob das präsentierte Elektroauto überhaupt ein aktuelles Vorserien-Fahrzeug aus Tianjin oder eine Inszenierung ist, wäre eine andere Frage. Am 15. November wurden die Rohkarossen in der alten Saab Fabrik hergestellt. Mit dem Zug wären sie innerhalb weniger Tage in China, umgehenden Versand nach Belgien vorausgesetzt. Und anschliessend ebenso schnelle Verladung weiter nach Tianjin, rasche Montage und Präparierung für die Show. Zwischen Produktion und Präsentation liegen 20 Tage. Inklusive Lackierung, Logistik und einigen 1.000 Kilometern Distanz.

NEVS ist Meister der Inszenierung, das haben wir in den letzten Jahren gelernt. Bilder aus dem Werk in China und von der Montage gibt es nicht. Eventuell präsentierte NEVS ein Elektroauto, das in der Frickeboa in Trollhättan montiert wurde.

Das Typenschild, gefunden bei sohu.com, weist den Dezember 2017 als Produktionsdatum aus. Das mag Realität sein oder nicht. Aber es liefert die einzigsten, technischen Daten,  die verfügbar sind. Mit mutmasslichen 2.2 Tonnen und 130 kW ist der NEVS 9-3 auf jeden Fall kein Tesla-Jäger. Offizielle technische Daten, die belastbar wären, stehen aus.

Ab dem Jahr 2019 sollen dann jährlich 50.000 Elektroautos hergestellt werden, die zum Teil noch alte Saab DNA in sich tragen. Hinter die Ankündigungen sollte man eine Vielzahl von Fragezeichen setzen. Größtes Problem ist eine nachhaltige Finanzierung, die immer noch nicht sicher ist. Ohne sie wird es nicht zur Serienproduktion im Sommer 2018 kommen. Eine kreative Zwischenlösung, die Lieferung von Rohkarossen aus Schweden etwa, ist nicht möglich. Die Produktions-Lizenz ist an eine hohe Wertschöpfung vor Ort gebunden.

NEVS sieht sich als Saab Nachfolger

Ein weiteres Problem liegt im Alter der Plattform. Die Saab 9-3 Limousine hätte als Neuauflage bei den Fans eine Chance gehabt. Im Jahr 2013 und 2014. Aber nicht 2019 oder 2020 auf einem harten Markt ohne NEVS Fan-Basis. Und da liegt das vielleicht größte Problem. Zum Auftakt, zu sehen auf Instagram, zitierte NEVS mal wieder die angeblich große Vergangenheit. Der Ursaab wurde mal wieder bemüht, aber NEVS ist eben nicht Saab – und weder Erbe, noch ein legitimer Nachfolger.

NEVS und das Team von Stefan Tilk  benötigen in den kommenden Monaten viel Glück. Die Lage des chinesischen Startups ist etwas besser als vor Wochen. Aber immer noch angespannt, und nichts ist sicher. Und der Weg ist noch lang !

25 Gedanken zu „Tianjin startet Produktion des NEVS 9-3 EV

  • 7. Dezember 2017 um 10:24 AM
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    Vielleicht passt der Original Kühlergrill von SAAB und am Lenkrad und Motorhaube das SAAB Emblem :):):)
    Sieht sonst ganz passabel aus !

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    • 7. Dezember 2017 um 10:42 PM
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      Vielleicht passen auch die Komponenten und ermöglichen eine E-Umrüstung für den einen oder anderen Original-Saab. Für ein solches Set würde ich mich auf jeden Fall interessieren.

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  • 7. Dezember 2017 um 10:45 AM
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    Beitrags-Zitat:
    “… NEVS ist eben nicht Saab – und weder Erbe, noch ein legitimer Nachfolger”

    Genau auch meine Meinung – Punkt

    Also, was soll diese Diskussion über andere Autos aus China, …wenn dort ein Sack Reis umfällt…

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    • 7. Dezember 2017 um 11:08 AM
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      Interessant, vor noch nicht allzu langer Zeit wurde hier geschwärmt wie NEVS das Saab Erbe übernommen hat und für viele “Fans” ein Nachfolger sei, der sich seiner Wurzeln bewusst ist und diese große Erbe behutsam weiterentwickelt/entwickeln will.
      Jeder der das nicht so sah, war irgendwie Pessimist oder ein Schwarzmaler…

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      • 7. Dezember 2017 um 11:30 AM
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        Tja Daniel. Leider haben auch Pessimisten irgendwann recht, ich hätte mir eine positive Entwicklung für das Saab Werk und das Erbe gewünscht. Die Saab Veteranen sahen es schon immer mit größtem Misstrauen, und auch sie lagen richtig.

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        • 7. Dezember 2017 um 1:38 PM
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          In diesem Fall waren die Pessimisten allerdings die Realisten…Das sage ich ganz ohne Schadenfreude o.ä. sondern bestärkt mich nur darin, gerade bei Themen die mich besonders interessieren/betreffen/denen ich gutes Gelingen wünsche möglichst objektiv wenn nicht sogar erstmal emotionslos zu begegnen. Jeder hätte wohl Saab ein gute Zukunft gewünscht, allerdings spätestens bei den ersten strukturellen Problemen…egal, wir konnten ja alle beobachten wie sich die Lage in Schweden entwickelt hat.
          Mich hat von Anfang an eine Sache besonders irrritiert: Die ganze Welt lässt in China produzieren weil es da so schön billig ist. Ausgerechnet die Chinesen wollen in Schweden Autos bauen die mehrheitlich auf dem chinesischen Markt landen? Ökonomisch macht das wenig Sinn.

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          • 11. Dezember 2017 um 3:32 AM
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            Swade argued the same point, and you and he are so right….

            From my point, it is NEVs taking the local know how, and transferring it to China….!!

        • 8. Dezember 2017 um 1:57 PM
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          Hallo Tom!
          Vielleicht waren die “Pessimisten” ja auch nur Realisten?! Ich gehöre auch (seit 2014) dazu. Jeder der sich etwas in der Wirtschaft auskennt weiß, dass das gesamte Vorgehen in Trollhättan von Beginn an problematisch war. Wie eine Übernahme funktionieren kann hat uns ja Volvo gezeigt. So und nur so kann etwas nachhaltiges entwickelt werden. Saab ist und bleibt Geschichte. Nevs interessiert mich persönlich nicht.
          Allen Saabfahrern eine schöne Weihnachtszeit.

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          • 8. Dezember 2017 um 5:20 PM
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            Der Verkauf von Volvo an Geely hatte eine völlig andere Ausgangslage als das Geschachere um SAAB-Automobile – der Verkäufer Ford hat anders als GM den Verkauf höchst seriös abgewickelt und meines Wissens beispielsweise keine Patente gesperrt, wie dies bei GM insbesondere für den SAAB 9-5 II der Fall war. Außerdem hatte Volvo unter Ford keine Produktpalette, die immer mal nur ein sog. Facelift über sich ergehen lassen mußte (der 9-5 I wurde im Großen und Ganzen unverändert fast 13 Jahre unter der Ägide von GM produziert).

            Mit nur einem Modell – 9-3 II – hatte NEVS es deutlich schwerer, etwas brauchbares auf die Beine zu stellen, als Geely mit der breiten Volvo-Produktpalette.

            Ein wirklich umweltfreundliches Auto sucht man derzeit bei Volvo allerdings dennoch vergebens – ich drücke der NEVS-Crew weiterhin die Daumen!

  • 7. Dezember 2017 um 10:51 AM
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    Bonjour. Merci pour votre commentaire sur NEV, après quelques informations techniques pourquoi démolissez vous NEV. Ils tentent de remettre en route une NEV/Saab, malgré les difficultés financières ils feront des voitures en Chine, mais avec l’esprit chinois. Je souhaite voir cette voiture en Europe.

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    • 9. Dezember 2017 um 6:47 PM
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      Non, nom de dieu, jamais une voiture chinoise. C`est pas seulment les Saabiens qui pensent comme ca, il suffit connaitre l`histoire de Tibet et la politique megalomane chinoise, mais les Saabiens ont plus des raisons apres les anecdotes voyous quand ils ont pris l`usine. Au moins le nom Saab pourrait etre sauvè.
      Denn es hätte mich extremst gestört, plötzlich das Label von einem Chinesen auf der Motorhaube spazierenzufahren.
      PS: Blogspende kommt demnächst und sicher, sorry für die Verzögerung.
      Liebe Grüsse und eine schöne Vorweihnachstzeit allen!

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  • 7. Dezember 2017 um 12:34 PM
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    Wir werden sehen…
    So eine tolle “Show” hatten wir schon einmal! Daraus wurden dann ca. 100 neue SAAB, und aus die Maus.
    Danke für die Info über NEVS. Nicht umwerfend positiv.
    Neue SAAB gibt´s wohl kaum in naher Zukunft…

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  • 7. Dezember 2017 um 1:21 PM
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    Das Design des hier gezeigten 9-3 gefällt mir sehr gut – es ist nach wie vor irgendwie zeitlos und der Wagen sieht besser aus als jeder neue Mercedes. Wenn Technik und Qualität stimmen, wäre dieses Auto durchaus auch für Regionen außerhalb Chinas interessant.

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    • 7. Dezember 2017 um 3:39 PM
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      Ich befürchte Du könntest enttäuscht werden. NEVS plant ein möglichst günstiges Produkt für Flottenbetreiber. Den Privatkunden hat man nicht im Visier. Und auch sonst geht der Kurs komplett in Richtung “sharing economy”…

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  • 7. Dezember 2017 um 4:31 PM
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    Mich tangiert dieses Thema eher weniger, schon weil ich nicht in einer Großstadt wohne und solche Lösungen für mich nicht interessant sind. Das Ergebnis bereits realisierten CarSharing-Konzepte konnte ich vergangenes Wochenende in Berlin deutlich sehen. An den Straßenrändern wild abgestellt Kurzzeitmiet- PKW, oft ein SMART, werden oft lieblos und aus Zeit- Kostengründen durch die Stadt geprügelt, ums sie dann schnellst möglich wieder abzustellen. Mit der Umsetzung dieser Konzepte wird bei den Nutzern einer weiterer allgemeiner Werteverfall dem PKW gegenüber einsetzten und das Thema Fahrzeug nur noch als reine Dienstleistung gesehen werden. Zudem verschwindet ein weiteres Kulturgut ins Museum. Ich sehe das vielleicht zu drastisch, aber da lege ich mich lieber neben meinen Saab in die Garage schlafen und hoffe auf besser Träume……Ein Grund mehr unsere Fahrzeug weiter und lange zu erhalten.

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  • 7. Dezember 2017 um 5:09 PM
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    NEVS ist und bleibt eine Gurkentruppe . Das die mit SAAB Werbung machen ,ist eine Frecheit Unsere Schätzchen pflegen und hegen bis zu H-Kennzeichen.

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  • 7. Dezember 2017 um 6:04 PM
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    Toll!

    Für was präsentieren die das Auto eigentlich?
    Wenn es nicht offiziell zu kaufen ist und nicht mal das richtige Design ist, was bitte soll dann diese Präsentation?
    Da bleibt ja doch nur der BAIC für den Ex-Saab Kunden.
    Ne echte Veralberung, finde ich!
    Das Geld hätte man sich echt sparen können.

    Eric

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  • 7. Dezember 2017 um 6:16 PM
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    NEVS hat das alles mehr oder minder gründlich vergeigt. Die hätten die Chancen wie Volvo gehabt, aber das ist vorbei. 2021 oder 2022 wird keiner mehr auf NEVS warten. Das ganze ist nur grotesk und ich kenne kein Unternehmen das so gründlich alle Chancen in den Eimer gehauen hat wie diese Truppe.

    Einfach nur ein Trauerspiel ;-(

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  • 7. Dezember 2017 um 6:36 PM
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    Dem kann ich mich nur anschliessen.

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  • 7. Dezember 2017 um 6:49 PM
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    Ich habe selber schon einige feierlichen “Eröffnungen” in China mit erlebt. Da werden vor der Tür Unmengen Böller gezündet die Glück bringen sollen. Allerdings war das auch alles nur Fassade, um Gelder frei zu bekommen. Tatsächlich hatte das ein oder andere Werk noch nicht einmal Kunden. Es wurde in einen großen Maschinenpark investiert, gefeiert, und anschließend stillgelegt. Egal, wir haben unser Geld bekommen, von wem auch immer. Diese ganze chinesische Wirtschaft kommt mir vor wie ein Apachen-Pup, nur Fassade, die mühsam von hinten gestützt wird

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  • 7. Dezember 2017 um 7:32 PM
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    Stimme Franken Troll zu 100% zu!

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  • 7. Dezember 2017 um 8:04 PM
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    Interessante Geschichte! Wo sonst hätte man sowas erfahren?
    Aus meiner Sicht macht es aber kein Sinn eine Vorserie mit einem anderen Design zu präsentieren, als die die später in Serie gehen soll. Und deswegen bin ich doch eher positiv überrascht das es doch jetzt eher an SAAB erinnert als die entäuschenden Messfahrzeuge.
    Die zwanzig Tage für den Transport nach China und Aufbau des Wagens halte ich auch für zu sportlich. Zollformalitäten würden den Zeitplan weiter verzögern. Eventuell wurde vieles in Trollhättan vormontiert- vielleicht auch fertig gestellt.
    Um einen funktionsfähigen Prototypen zu produzieren brauch es viele verschieden Gewerke und ein erfahrenes Team und Equipment. Das gibt es Trollhättan!

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  • 9. Dezember 2017 um 8:43 AM
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    SAAB killed by GM eaten by nevs

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    • 9. Dezember 2017 um 9:55 PM
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      Die Meldung stimmt nicht. Sie basiert auf einer missverständlichen Interpretation eines Interviews mit Kai Johan Jiang. Das Dementi der ursprüglichen Quelle kam schon am Freitag sehr zeitnah, ab die Meldung zieht trotzdem um die Welt.

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