Ein fast historischer Tag in der alten Saab Fabrik.

In der letzten Woche geschahen merkwürdige Dinge in Trollhättan. Das Fernsehen war vor Ort,  und sowohl bei der lokalen Zeitung als auch bei SVT konnte man über einen Produktionsstart lesen. Der Durchbruch für NEVS? Oder was war geschehen?

NEVS 9-3 Elektroauto Rohkarosse in der alten Saab Fabrik. Photo Credit: SVT

In der alten Saab Fabrik wurden tatsächlich für eine sehr kurze Zeit wirklich wieder Rohkarossen hergestellt. 112 Stück, um genau zu sein. Die Hälfte davon bleibt in Schweden, der Rest ging auf den Weg nach China. Dort soll ab Dezember die Pilot-Produktion des NEVS 9-3 Elektroautos starten. Schwedische Mitarbeiter unterstützen die chinesischen Kollegen vor Ort.

Ab Sommer 2018 soll es dann soweit sein. NEVS startet dann (endlich) die so oft angekündigte Serienproduktion. Im ersten Jahr sollen 10.000 Elektroautos gebaut werden, dann 50.000 pro Jahr. Für China sind damit etwa 1.500 neue Arbeitsplätze verbunden. Für Trollhättan 70.

Ein fast historischer Tag. NEVS entzaubert sich.

Das Ereignis ist, aus Sicht des langjährigen Chronisten, als fast historisch zu bezeichnen. Denn es zeigt, dass NEVS endlich in der Realität angekommen ist. Das nach eigener Einschätzung “größte Industrieprojekt Schwedens” ist auf Mittelstandsniveau geschrumpft. Nachdem man uns über Jahre mit ambitionierten Visionen versorgt hatte, ist das Resultat extrem ernüchternd.

Der Ist-Zustand: In Trollhättan ist die Belegschaft auf unter 800 geschrumpft. Im Sommer sollen 70 neue Arbeitsplätze entstehen, um Komponenten für das NEVS 9-3 Elektroauto nach China zu liefern. Von neuen Modellen und einer Fertigung in der ehemaligen Saab Fabrik wird schon lange nicht mehr gesprochen. 2020 oder 2021 könnte in Trollhättan wieder produziert werden, so sagt  man. Räumt aber ein, dass es dafür keine konkreten Pläne gibt.

Mit 50.000 Fahrzeugen ist das Werk in Tianjin bei weitem nicht ausgelastet. Und nicht profitabel. Zur Erinnerung: In Trollhättan liegt die Kapazität bei 170.000 Einheiten, in China bei 200.000 pro Jahr. Mit 50.000 Elektroautos bleibt NEVS ein Nischenanbieter, der keine Rolle auf dem Markt spielen wird. Ausserdem müssen alle Rohkarossen in Tianjin hergestellt werden. Ein Press-Werk existiert noch nicht, die Finanzierung gilt als nicht gesichert. Aber an der Wertschöpfung vor Ort hängt die Produktionslizenz.

Ernüchterung für Trollhättan.

Die Perspektiven für Trollhättan sind ernüchternd. Ausser den 70 neuen Arbeitsplätzen, die für den Sommer 2018 geplant sind, wird es auf längere Sicht keine Neueinstellungen geben. NEVS zieht nach China und versucht das Glück mit einer Plattform, die zu weiten Teilen aus dem Jahr 2002 stammt. Entwicklungsarbeiten an neuen NEVS Fahrzeugen, davon kann man auf Grund anhaltend schlechter Kapitalisierung ausgehen, wird es maximal auf Sparflamme geben.

Währenddessen wird die “alte” Auto-Industrie zurückschlagen. Die Dinosaurier von VW und Co kündigen Investitionen in Milliardenhöhe an. Sie werden ab 2020 den Markt mit vielen Neuheiten fluten. Die chinesische Administration will Elektroautos in Massen? Kein Problem. Sie wird sie bekommen. Von GM, VW, Daimler und Co.

13 Gedanken zu „Ein fast historischer Tag in der alten Saab Fabrik.

  • 20. November 2017 um 10:43 AM
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    Les résultats sont modestes, je ne désespère pas de les voir monter, car en Chine tout semble possible.

  • 20. November 2017 um 1:42 PM
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    Hart aber fair. Danke für die (ernüchternden) Infos.

  • 20. November 2017 um 2:13 PM
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    Und dafür 5 Jahre? Die spinnen…

  • 20. November 2017 um 3:06 PM
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    So unfaehtr fuer die Arbeiter und Angestellten von das ehemalige Saab Werk in Trollhattan.
    Dieses Werk sollte so bald wie moeglich wieder aktiv werden und damit ist die Suche nach ein realisticher Einhaber, den die volle Kapazitaet nuetzen kann, wieder so entschiedent.

  • 20. November 2017 um 3:21 PM
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    Und für diese Endscheidung gehen Jahre ins Land…
    Es zeigt sich, das die chin. Ingenieure augenscheinlich weiterhin eher Nachbauen können, als innovativ entwickeln…
    Wenn die “Dinos” aus der EU und den USA die El.-Mobilität in China hinbekommen, dass wäre der Hit! Fast unglaublich…
    Danke für den harten/realistischen Artikel.

  • 20. November 2017 um 4:50 PM
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    Super!
    Bin ich gleich wieder bedient!
    Aber VW baut auf elektro Basis nur Kleinwagen, also keine Konkurrenz.
    Es ist schön zu hören, dass sich endlich wieder was bewegt im Saab Werk. Aber so hat sich das nun keiner vorgestellt.

    Kann nur sagen: Möge der Greif uns erlösen und Saab -Scania wieder auferstehen, aufdas wieder wahre Meisterwerke des Automobilbaus in Trollhattan entstehen.
    Ahmen!

  • 20. November 2017 um 5:57 PM
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    Wenn NEVS das erste Fahrzeug baut , haben andere Hersteller schon längst den Markt erobert. Sind halt unfähig. Was machen die Eigentümer eigentlich den ganzen Tag ,scheinbar nichts , das schon über Jahre. Toller Job.

  • 20. November 2017 um 6:36 PM
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    NEVS versucht wohl (mal wieder) irgendwas zu produzieren damit wohl irgendwelche Finanzinvestoren aufspringen.
    Hoffentlich hat das Theater bald ein Ende…

  • 20. November 2017 um 6:38 PM
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    Es war doch davon die Rede, dass auch DiDi Chuxing künftig E.-Autos mit entwickeln wird. So schlecht dürfte die Finanzlage dabei eigentlich nicht sein.

  • 21. November 2017 um 4:18 PM
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    do you know what’s the difference between you and Volvo?
    Volvo has broke down more tested cars than you have all produced since 2012, including parts, components, saab 9-3, etc.

  • 21. November 2017 um 7:34 PM
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    Denke mal über kurz oder lang werden die Maschinen für die Fertigung der Rohkarossen in Schweden abgebaut und nach China verschifft. Macht ja sonst auch keinen Sinn. Irgendwann ist das Werk nur noch eine leere Hülle.

    • 21. November 2017 um 9:54 PM
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      Ich vermute mal die werden lediglich die Presswerkzeuge nach China bringen wenn die Fabrik soweit ist. Die alten Pressen und Produktionsstraßen bleiben in Trollhättan. Das alte Zeug in China zu nutzen macht meines Erachtens wenig Sinn. Die ABB Roboter im Bild sind auch nicht mehr taufrisch.
      NEVS sollte mal mit Tesla reden. Die brauchen für das Modell 3 Produktionskapazitäten.

      • 22. November 2017 um 10:56 AM
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        Diese Vermutung haben viel Saab-Veteranen auch. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Das Werk ist natürlich nicht mehr taufrisch. Es “schläft” ja schon seit Jahren. Tesla wird mehr dazu tendieren ein Werk auf die grüne Wiese zu setzen, bei einem chinesischen Unternehmen wird man sicher nicht produzieren. Sogar beim neuen Werk in China hält man chinesische Partner aussen vor, auch wenn das einige steuerliche Nachteile bringt.

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