Was kaufst Du Dir denn einen alten Saab…

Was kaufst Du Dir denn einen alten Saab, in Deiner Situation macht es doch nur Sinn einen Neuwagen zu leasen !!

Saab 9000 Aero. Bild: Saab Automobile AB/Archiv saabblog.net

Als Autofan habe ich ab den Achtzigern beginnend in der Automobilbranche gearbeitet und in der Zeit  mein Faible für besondere gebrauchte Autos mit dem gewissen Etwas ziemlich ausgelebt. Der Umbau einer ehemaligen Mercedes W 123-200D-Automatik-Taxe auf einen 300 D mit Fünfgang-Lenkradschaltung und durchgehender vorderen Sitzbank, den Aufbau einer Giulia von Alfa Romeo und einer Volvo Amazone 123 GT, die beide dann zugunsten einer Weltreise verkauft wurden, haben mich immer zwischen Exoten mit heftigem Arbeitseinsatz oder finanziellem Invest und dann wieder „braven“, stabilen Autos wie Mercedes 190 D 2.5 turbo und BMW 323 eta-E 30 hin- und herpendeln lassen.

Ab 1997 ging dann alles „geordnet“ zu: ich fuhr bei meinen neuen Arbeitgebern fabrikneue Dienstwagen und wechselte oft das Fahrzeug wegen der vielen Reiserei. Allerdings bekam da meine alte Liebe zu den Autos mit dem Stern die ersten groben Kratzer und ich stellte bei meinen „Zweitwagen“ fest, dass die schwedischen Autos aus Göteborg schon auch sehr stabil und bequem sein können. Mit Dienstwagen aus Ingolstadt kam ich zunehmend in den Genuss von Fahrzeugen, die man sicher und etwas fahraktiver bewegen kann.

Der Gedanke einen Schweden zu fahren, der ein dynamisches Fahrgefühl vermittelt, begann in meinem Kopf zu geistern. Die Fahrzeuge aus Trollhättan spielten dabei aber keinerlei Rolle, da ich zum einen zu der Zeit immer am liebsten Hecktriebler oder Allradler fuhr, zum anderen mir noch die Flüche meiner Kollegen aus der freien Werkstatt im Gedächtnis waren, wenn sie sich als Schrauber der deutschen Marken hatten breitschlagen lassen, einen Kunden mit Trionic-Fahrzeug zu bedienen.

Als ich mich 2014 entschloss als Berater selbstständig zu machen und weiterhin viele Kilometer auf deutschen Straßen anstanden, sagte mein Steuerberater: „Am besten leasen Sie ein Neufahrzeug, da können Sie den Aufwand direkt geltend machen!“ Diese Aussage passte nun aber gar nicht zu meinen Vorstellungen von Selbstständigkeit und freien Entscheidungen des Unternehmers und so kaufte ich mir einen gut erhaltenen Volvo V70 I von einem pensionierten Kinderarzt, der beschlossen hatte den Führerschein altershalber abzugeben und den von mir „Studienrat“ genannten dunkelblauen Kombi zu veräußern. Der „Studienrat“ tat gute Dienste, hatte aber irgendwann mal über 300 tkm „auf der Glocke“ und zu viele große anstehende Reparaturen, sodass ich mir dachte: was gibt es eigentlich noch individuelleres im täglichen Autoeinerlei als ein 18 Jahre alter dunkelblauer Volvo Kombi?

Es kam wie es kommen musste und ich hing an in den Tiefen des Internets über Saab zu recherchieren. Kurz danach war ich auf den einschlägigen Verkaufsplattformen unterwegs, um einen dieser schönen, auch gerne etwas sportlichen Autos zu finden. Beim ehemaligen Saab-Händler C+N-Autotechnik in Neuss strich ich immer öfter über den Hof und freute mich darüber, dass dort nicht nur Saabs angeboten und repariert werden, sondern auch offensichtlich viele Karossen stehen, bei denen es darum geht durch Ausschlachten dem Kundenstamm für kleineres Geld Gebrauchtteile zukommen lassen zu können.

Ich weiß noch, als wäre es heute, als ich dann vor einem Jahr meine Visitenkarte dort platzierte, mit der Bitte mich anzurufen, wenn ein Auto mit dem besonderen Etwas und in gutem Zustand, am liebsten einen 9000er, reinkäme. Der 9000er hatte es mir deshalb grundsätzlich angetan, da ich viel alleine unterwegs bin, aber auch gerne mit viel Gepäck und großer Familie reise.

Zwei Monate klingelte das Telefon und der Freundliche meldete sich mit den Worten: „Ich habe hier etwas ganz spezielles“, sodass ich direkt losfuhr. Auf den sechs Kilometern dorthin gingen mir so Schlagworte wie „Teileversorgung“, „komplizierte Motorsteuerung“, „noch nie selbst an so einem Auto geschraubt“ usw. durch den Kopf. Und dann stand er da: ein nicht aufbereiteter, nicht gewaschener, originaler Saab 9000 Aero mit italienischer Auslieferungshistorie, deshalb 2ltr. Motor. Wir nahmen ihn hoch auf die Bühne und nach der Probefahrt war ich innerlich ziemlich begeistert………20 Jahre alt, in einem sehr guten Zustand der Karosserie, durchgehender Wartungshistorie in den letzten 6 Jahren bei den Saab-Fachleuten in Neuss und das alles mit ca. 160 tkm……ich war schon ziemlich nervös, als ich nachhause kam.

Der Ruf des 9000er Aero war auch mir als Automobilfan nicht verborgen geblieben, aber dass welche mit dem 2 ltr-Motor ausgeliefert wurden, machte mich in meiner Unkenntnis misstrauisch. War da vielleicht im Nachhinein ein anderer Motor reingepfuscht worden?

Ich rief meinen Freund an, der damals seinen Job als Vertriebler für Schreibutensilien aufgab, um fortan sich vom „Fähnchen“-Gebrauchtwagenhändler zum Geschäftsführer einer großen Niederlassung der Marke aus Wolfsburg hochzuarbeiten. Er kannte zwar aus seinen früheren Zeit auch den Saab 9000 Aero und die Legenden darum, sagte aber dann den entscheidenden Satz, der mich zur Hingabe an diese neue Leidenschaft veranlasste: „Was kaufst Du Dir denn einen alten Saab, in Deiner Situation macht es doch nur Sinn einen Neuwagen zu leasen !!“ ……mir schoss durch den Kopf, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen, ich kaufte sofort den „Silberfisch“ und heute, nach 20 tkm in 10 Monaten habe ich diesen Schritt noch keinen einzigen Tag bereut.


Danke an Matthias für seine Saab Story! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheit im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?

Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

10 Gedanken zu „Was kaufst Du Dir denn einen alten Saab…

  • 14. November 2017 um 11:10 AM
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    Bonjour, comment puis je traduire en français? Merci

    • 14. November 2017 um 1:35 PM
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      You may use the translation module at the main menu!

    • 14. November 2017 um 4:16 PM
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      Salut Michel,

      Tu peux faire le copy paste dans ce site: https://www.deepl.com/translator.html, c`est le meilleur.
      Salutations
      Martin

      Danke für den Beitrag! Hoffentlich wird der 9000 einmal auch so einen Status wie der 900 bekommen, verdient hätte er es allemal.

  • 14. November 2017 um 1:17 PM
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    Aha, den aero9k mit 2,0l Hubraum, wieder ne Bildungslücke geschlossen! Mein aero hat 2,3 und macht auch nach 20 Jahren immer noch Spaß! :-))

  • 14. November 2017 um 5:30 PM
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    Schöne Geschichte. Die 2.0 Aero sind in Italien aus Hubraum-Gründen (Versicherung) angeboten worden. Also ja is auch ein echter 9000 Aero. Auch wenn man eigentlich dabei immer nur an den 2,3 denkt 😉

    Hab den selben in Schwarz stehen. Auch aus Italien. Hab aber dann gleich den 2.0 gegen einen 2.3 Motor ausgetauscht 🙂

    • 14. November 2017 um 8:35 PM
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      Ich denke es waren Steuergründe, die für den 2.0 Liter verantwortlich waren.

      • 15. November 2017 um 4:02 AM
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        Absolut korrekt. Als ich noch BMW fuhr gab es den E30 für den italienischen Markt auch als 320iS. Den im Text erwähnten 323e kenne ich aber nicht, ich hatte mal einen 325e, viel Drehmoment, relativ sparsam, aber vor allem ein Dauerläufer, unzerstörbar…

  • 14. November 2017 um 8:59 PM
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    Meinen geliebten Hobby-9000er Anni fährt seit 2 Monaten unsere Tochter mit frischem Führerschein. Lieber Schwedenstahl um sie herum wie Kleinwagenpuffer…. Sie ist mächtig stolz darauf, und der 9000er ist halt echt cool, auch bei den Kids. Letzte Woche hat er neuen TÜV bekommen, problemlos, mit 286000 km. Danke auch an Saab Borghardt in Paderborn für den besten Service an unseren Saabs.
    Borghardt in PB ist wirklich eine Empfehlung, auch wenn er im Blog keine Werbung macht.

  • 15. November 2017 um 9:41 AM
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    Eine tolle Geschichte. So oder so ähnlich haben wir alle mit der Saableidenschaft begonnen. Von solchen Storys lebt dieser Blog. Ich als selbständiger Unternehmensentwickler habe auch kein neues Auto geleast. Ich fahre mit meinem Saab Cabrio zu den Kunden, und werde immer in ein interessantes Gespräch verwickelt. Die Resonanz ist stets positiv und die Erkenntnis
    aus den Gesprächen ist: Mainstream fährt Massenware, Individualisten fahren Saab.
    Allen Saabfahrern immer gute Fahrt.

  • 26. November 2017 um 10:17 AM
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    Wenn es den 9000 heute noch neu gäbe, ich würde ihn wieder kaufen!
    Da hätte keine dieser vollvernetzten Datenkraken eine Chance.
    Jede Fahrt macht Spass und ist nach einem harten Tag einfach nur entspannend. Mein „Dienstwagen“ ist als solcher nun fünf Jahre und knapp 70 TKm im Einsatz (gesamt 21Jahre / 240 TKm).
    Im Sommer nehmen ihm seine drei Kollegen einige Km ab 🙂
    Ich kann bestätigen, dass ein alter gepflegter SAAB durchweg gut ankommt.

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