Alte Schweden: SAAB beim Oldtimerkorso 2017 in Völklingen (und Volvo auch…)

Metaphern rund um das Thema Stahl hätte man an diesem Sonntag viele bemühen können. Vom stahlgrauen Himmel sprechen können, der sich über das Saarland und weite Teile der Pfalz gelegt hatte. Oder von den Träumen aus Stahl, Blech und Leder, die sich gedrängt durch die Innenstadt von Völklingen, der ehemaligen Stahlstadt im Saarland, schieben.

SAAB zum ersten: Peter Diller im SAAB 96, in den Farben des Schwedenrallye-Siegers 1976. Dahinter der Favorit des Autors: Ein Alfa Romeo Montreal.

Und natürlich auch vom schwedischen Stahl, jahrelang ein Kernelement der schwedischen Autobauer SAAB und Volvo und Sicherheitsgarant. Alte Schweden standen im Zentrum des Oldtimerkorsos, der wie jedes Jahr zum verkaufsoffenen Sonntag im Herbst zelebriert wird, mittlerweile in der 16. Auflage. Mit dem schwedischen Stahl schließt sich dann der Kreis zur Stahlstadt ohne große Bögen.

Als ich von dieser Themenwahl aus der Zeitung erfuhr, da war es nur ein kurzer Griff zur Tastatur, um eine E-Mail an Heinz Rupp, einen der Organisatoren, zu schreiben und mein Anliegen zu schildern, über den Korso im allgemeinen und die aufgefahrenen Schweden im Besonderen – und SAAB im ganz besonderen – zu berichten. Mein Anliegen stieß nicht auf taube Ohren, bereits einen Tag später meldet sich Arno Harth, Mit-Organisator, telefonisch bei mir. Die Details und Unterstützung sind schnell vereinbart, die räumlich wie sprichwörtlich kurzen Wege im Saarland zeigen hier ihre Wirkung, ein guter Standplatz in der Nähe des Streckensprechers wird mir zugesichert, ebenso ein Blick hinter die Kulissen und in die Fahrzeugmeldungen.

Trotz des Termins Mitte Oktober herrschte in den vergangenen Jahren eigentlich stets herbstlicher Sonnenschein. Nicht so dieses Jahr. Sprühregen und windige zehn Grad verwässern Fahrern und Zuschauern ein Stück weit die Vorfreude, als – gewohnt souverän und mit seiner launigen Moderation eine Attraktion für sich – Streckensprecher Michael Maisch die Fahrer pünktlich um 13 Uhr 30 auf die Strecke schickt. Wohl wegen des Wetters sind mit etwa 160 gemeldeten Fahrzeugen diesmal weniger Starter gemeldet als in den vergangenen Jahren. Insbesondere Cabriofahrer scheint das Herbstwetter abgeschreckt zu haben, nur wenige offene Wagen finden sich in der Kolonne, und noch weniger davon mit offenem Verdeck.

Den Anfang bilden die Motorräder, bald füllt sich die Rathausstraße mit einem Geruch von Motoren, denen Feinstaubfilter, Abgasreinigung und Umweltzonen Fremdworte sind, die damit allerdings das Salz in der Suppe des Einheitsbreis sind, der sonst sich über unsere Straßen ergießt. Es folgen die Traktoren, dann eröffnet der 1967er BMW 2000CS von Heinrich Zimmer die Parade der Personenfahrzeuge. Der BMW, der die Startnummer 1 trägt, wird später einen Sonderpreis erhalten, für sechzehn (16) aufeinanderfolgende Teilnahmen.

Die Resonanz in der Gemeinschaft der Schwedenfahrer ist in diesem Jahr leider gering, keine zehn schwedischen Fahrzeuge finden sich. Das wundert auf der einen Seite nicht, ist das Saarland bei den Importwagen doch eher dominiert durch die Franzosen, durch Renault, Peugeot und Citroen. Auch die hier ansässigen Ford-Werke haben für eine starken und langlebigen Kundenstamm und eine aktive Oldtimerszene gesorgt. Opel sowieso, auch Amerikaner gibt es einige, die Nähe zu den amerikanischen Militärbasen in Rheinland-Pfalz spricht für sich. Schweden sind hier exotisch, entsprechend ist die niedrige Zahl schwedischer Anmeldungen, so enttäuschend sie auch ist, nicht unerwartet.

Trotz der Umstände besticht das schwedische Fahrerfeld durch Exklusivität und durch Motorsportprominenz. Den Reigen der Schweden eröffnet ein Volvo P1800E von Robert Pallien, der mit seinen eleganten Linien eher italienisch als schwedisch anmutet und die Latte für die folgenden Fahrzeuge hoch hängt. Es sei vorweggenommen, dass diesmal entgegen des Sprichworts am Ende die Ersten auch die Ersten sein werden.

Mit am Start ebenfalls, wenn auch außer Konkurrenz, ein Volvo P210 Duett, gefahren vom Schweden Ingmar Persson, Urgestein der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft. Bis Anfang der 80er selbst als Rennfahrer aktiv, war er danach als Mechaniker und Teamchef eines der Gesichter der DTM, ab Mechaniker im nach Ihm benannten Team, für das unter anderem Prominenz wie Per Stureson, Olaf Manthey oder Uwe Alzen ins Lenkrad griffen und das die Meisterschaft 1985 gewinnen sollte, und später noch eine Reihe von Rennsiege feiern konnte.

Flexibilität zeigte die Jury beim Anblick des Volvo C202, der sich statt bei den anderen Schweden bei den Nutzfahrzeugen – entsprechend seiner Gestalt – eingereiht hatte. Da er hier ziemlich einzigartig herausragte und zunächst für einen Steyr Pinzgauer mit Volvo-Tarnung gehalten wurde, korrigierte man diese Fehleinschätzung mit der spontanen Einrichtung der Sonderkategorie „Alter Schwede: Nutzfahrzeuge“, die Besitzer Sebastian Heckmann auch prompt für sich entscheiden konnte.

SAAB machte innerhalb der ohnehin kleinen Schwedengruppe seinem Ruf als Marke der Individualisten alle Ehre: grade zwei SAAB sind gemeldet, vom gleichen Typ 96, dafür beide echte Hingucker. Der eine, pilotiert von Peter Diller, glänzt in den Farben des Schwedenrallye-Siegers 1976 und darf sich immerhin mit dem Titel des Deutschen Meisters im historischen Rallyesport 2011 schmücken.

Als echter Individualist zeigt sich jedoch der zweite SAAB: Der Fahrer muss spät gemeldet haben, war eine Stunde vor Beginn des Korsos jedenfalls noch nicht im Fahrerlager. Auch trägt das Fahrzeug nicht das sonst übliche Schild mit der Wagennummer, daher muss der Fahrer auch anonym bleiben, der Meldezettel scheint im Trubel untergegangen. In einem dunkelgrünen Saab 96 treibt er das Feld der großen Amerikaner, der BMW, Opel und Ford vor sich her, verfolgt nur noch von einem Opel und einigen Nutzfahrzeugen – mehr SAAB geht eigentlich kaum.

Nach eineinhalb Stunden ist alles vorbei, als letztes rollen die LKW und Feuerwehrfahrzeuge über die Strecke. Die Preise werden überreicht, auch in diesem Jahr kann man der Jury dabei zu ihrer Wahl wieder gratulieren. Auch wenn von mir aus der Siegerpokal im ein oder anderen Fall an ein anderes Fahrzeug gegangen wäre, so gab es am Ende doch in allen Kategorien verdiente Erstplatzierte. Dass den Preis in der Kategorie der alten Schweden kein SAAB, sondern der Volvo P1800E gewann, ist zu verschmerzen.

Mein herzlicher Dank zum Abschluss nochmal an die Organisatoren, Heinz Rupp, Achim Schmitt und Arno Harth, sowie an Moderator Michael Maisch für die Unterstützung.

Und mein Aufruf an die SAAB-Gemeinschaft fürs kommende Jahr: Auch wenn wir Individualisten sein wollen, kann es nicht schaden, ab und zu mal Flagge zu zeigen. Die weiteste Anreise in diesem Jahr ging über 130 km aus dem nördlichen Luxemburg. Das müsste doch zu toppen sein… Sonderpreis hin oder her.

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