NEVS und DiDi besiegeln zukünftige Zusammenarbeit

Es gibt Artikel, da ist bereits die Überschrift schwierig. Was ist gestern in Trollhättan geschehen, und welche Auswirkungen werden die Ereignisse auf die alte Saab Fabrik haben? Der Versuch einer Zusammenfassung.

NEVS und DiDi vereinbaren Kooperation. Pressebild: NEVS

Mittwoch, der 25. Oktober in Trollhättan. Es scheint sich Bedeutendes zu entwickeln. NEVS hat zur Pressekonferenz gebeten. Mit vor Ort sind Gründer Kai Johan Jiang, Regierungschef Löfven, Bürgermeister Akerlund, CEO Tilk und Liu Haijiang als Abgesandter von DiDi Chuxing. Hochkarätiger könnte die Runde nicht besetzt sein, zumindest nicht in Trollhättan.

Unterzeichnet wird die strategische Partnerschaft beider Unternehmen. DiDi wird Elektroautos von NEVS kaufen, man will gemeinsam entwickeln, und man möchte viel Geld investieren. Jeder freut sich, alle sind zuversichtlich, ein großer Tag für den Standort Trollhättan.

NEVS veröffentlicht im Anschluss eine Pressemeldung. Das war es.

Fakten? Fehlanzeige.

Wir hatten in der Vergangenheit das Privileg,  von NEVS lernen dürfen. Über die Kommunikations-Kultur chinesischer Unternehmen zum Beispiel. Der gestrige Tag enttäuscht in dieser Hinsicht ebenfalls nicht. Fassen wir also zusammen: Im Vorfeld wird von einer Investition von fast einer halben Milliarde € gesprochen. Die Summe wird später nirgendwo mehr auftauchen,  und sie wird auch in keiner Mitteilung erwähnt werden. Ebenso unklar wird bleiben, in welcher Form und Umfang sich DiDi an NEVS beteiligen wird. Als Aktionär, als Mehrheitsgesellschafter, oder mit einem neu zu gründenden Joint-Venture?

Völlig im Nebel bleibt auch die Bedeutung für den Standort Trollhättan. Im ersten Überschwang wird von zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Stallbacka gesprochen. Bis auffällt, dass keine Zahlen genannt werden. Und dass in den letzten Monaten im ehemaligen Saab Werk die Zahl der Arbeitsplätze von rund 1.000 Mitarbeitern auf geschätzt unter 700 reduziert wurde.

Ein weiteres Interview von Kai Johan Jiang mit sverigesradio bringt ebenfalls wenig Erhellendes, und schon gar keine harten, belegbaren Fakten. Der Inhalt: DiDi Chuxing wird Miteigentümer, die zukünftige Zusammenarbeit wird umfassend sein. DiDi wird bei NEVS Elektroautos kaufen, die natürlich die besten der Welt sein werden. Die Investition ist erheblich und wird auf mehrere Schritte aufgeteilt.

Immerhin, erste Gelder seien bereits eingetroffen, wodurch die Liquiditätskrise zumindest für den Moment entschärft sein sollte. Vermutlich handelt es sich dabei um die von Stefan Tilk in einem früheren Interview angekündigten 25 Millionen US Dollar. Geld,  um die nächsten Monate zu überstehen, mehr nicht.

Und definitiv, so Kai Johan Jiang, werde NEVS in Zukunft in Trollhättan Autos bauen. Aber zuerst in China.

Chinesisches Staatstheater gestern in Trollhättan?

Nicht ganz. Mehr ein Hauch von großer Politik. China Experte Frédéric Cho sieht den gestrigen Tag positiv. Als ein Signal, das gut aufgenommen werden könnte in Peking. Der Mobilitäts-Gigant DiDi liegt voll auf der politischen Linie der Partei, Schweden und Saab haben einen guten Ruf in Asien. Die gestern begonnene Liaison des Elektroauto-Startups aus der Stallbacka und des Uber Rivalen DiDi ist ein erster, kleiner Schritt. Mittelfristig könnte er gut für alle Akteure sein.

16 Gedanken zu „NEVS und DiDi besiegeln zukünftige Zusammenarbeit

  • 26. Oktober 2017 um 2:27 PM
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    Und wenn dann noch irgendwann wieder SAAB an den angekündigten hochwertigen Fahrzeugen steht, wäre die Geschichte perfekt – NEVS geht aber auch (rückblickend gibt es ja einige erfolgreiche Hersteller, die im Laufe ihrer Geschichte umbenannt wurden – beispielsweise DKW in Audi).

    • 26. Oktober 2017 um 7:26 PM
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      …und die große alte deutsche Luxusmarke Horch wurde zu Trabant!
      Stimmt zwar nicht ganz weil die DKW Basis genutzt wurde und einige Zwischenschritte notwendig waren (F8, F9, P70). Aber die wurden dann im Horch-Werk in Zwickau zusammengeleimt.

      Was ich sagen will? Nur der Name ist es nicht!

    • 30. Oktober 2017 um 11:52 PM
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      DKW wurde nicht in Audi umbenannt. Die Auto Union war ein firmenkonglomerat bestehend aus DKW, Wanderer, Audi und Horch. Audi wurde von A.Horch nach internen streitigkeiten bei HORCH gegründet. Audi bedeutet auf lateinisch HORCH.

  • 26. Oktober 2017 um 2:38 PM
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    “With DiDi actively taking part in the design and development phase, we will make sure that the vehicles will be fully adapted for the needs of our customer”, says Stefan Tilk.

    China liefert Design und Produktion, Schweden das Erbe einer ehemals stolzen Marke.

    Von mir aus können die auch Kühlschränke produzieren, die haben dann genauso viel mit SAAB zu tun.

    • 26. Oktober 2017 um 3:08 PM
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      …auch eine Idee: SAAB-Kühlschränke für die Welt!
      Schickes zeitloses Design,
      stark im kalten Auftritt, da im Innenraum perfekt individuell regelbar,
      natürlich extrem sparsam im Stromverbrauch,
      Als Benefit: 1 Monat ABSOLUT Vodka oder 1 Tafel MARABOU pro Woche 😉

  • 26. Oktober 2017 um 2:47 PM
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    Die Gesichter im Hintergrund…- Begeisterung sieht anders aus!?!

    • 26. Oktober 2017 um 6:58 PM
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      Das kann schon so sein. Der Termin scheint recht kurzfristig anberaumt worden zu sein. Löfven war unabhängig von NEVS in der Hochschule in Trollhättan. Da scheint NEVS die Gunst der Stunde genutzt zu haben.

  • 26. Oktober 2017 um 2:59 PM
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    Hat den irgendwer hier noch Vertrauen in NEVS? Nach mehr als 5 Jahren permanentem Auf und Ab? Scheinbar findet man immer wieder irgendjemanden, der bei den Glücksrittern investiert. Ich sehe da kein Plan, kein Ziel, und keine Substanz. Dennoch Danke an Tom. Das Drama bleibt zumindest lesenswert.

  • 26. Oktober 2017 um 3:18 PM
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    Danke Tom, für diese aktuelle Info.
    Irgendwie bleibt das Herz ja doch in Trollcity hängen, und daher ist diese Info über NEVS auch wichtig. Das SAAB-Drama ist beendet, das von NEVS (noch) nicht… Bitte dran bleiben.
    Augenscheinlich ist es für chin. Geschäftsmanager leichter Gelder/Interessenten für die e-Mobilität zu finden, als für Flughäfen…: Haan, Lübeck, Parchim 😉

  • 26. Oktober 2017 um 3:24 PM
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    Abandoned place Trollhättan……

  • 26. Oktober 2017 um 3:56 PM
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    Also mal wieder ein euer Anteilseigner für NEVS, bauen die eigentlich irgenwann mal Autos oder ist das Unternehmen nur dazu da irgenwelche Joint Ventures zu knüpfen.
    Mich würde auch mal interessieren wo der ganzen Strom für die weltweiten Elektroautos eigentlich herkommen soll und auch die ganzen Rohstoffe (seltene Erden) für die Batterien?

    Ich möchte einen neuen SAAB fahren mit Gasantrieb !!!

  • 26. Oktober 2017 um 5:24 PM
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    Encore un espoir !! La voiture électrique c’est bien, mais ça ne fait pas encore beaucoup de Km. Le Gaz et l’Ethanol n’intéressent malheureusement plus personne, je désespère, pourtant une Saab ou NEVS Flex fuel hybride intéresserait beaucoup d’européens et d’américains.

  • 26. Oktober 2017 um 6:52 PM
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    Danke für den Bericht. Etwas vernünftiges hat NEVS noch nicht fertig gebracht. Das einzige was die gut können, andere nach Unterstützung anzubetteln. 3 Jahre und was ist passiert? NICHTS !!!

  • 27. Oktober 2017 um 2:06 PM
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    Sehr kennzeichnend fuer ein Chinesishes Unternehmen. Eben wenn es sehr Positiv sein kann wird mit wenig Woerter so etwas an die Oeffentlichkeit gebracht. NEVS hat jetzt schon einige Partner und die kommen auch nicht wenn die Firma benahe Tod ist. So druecken wir wieder mal die Daumen und warte ab…….

  • 27. Oktober 2017 um 5:48 PM
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    According to ttela.se are they now going to produce EVs earlier at the Trollhättan factory.
    Very good News

  • 27. Oktober 2017 um 6:03 PM
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    nicht das ich doch noch ein iSAAB bekomme,….oder iNEVS ??? na mal abwarten, wenigstens bekommt die Yuccapalme in der Ecke genügend Wasser

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