Saab 9-3 Aero Cabriolet. Formel Spass 324.000.

Unser Saab 9000, das Anna Projekt, hat ein Problem. Der Klimakompressor scheint undicht, er muss in die Werkstatt. Wie immer ist der Hof bei Saab Service Frankfurt voll mit Fahrzeugen,  die auf ihre Reparatur warten. Auf der Strasse vor dem Areal parken weitere Kundenfahrzeuge.

Fahrspass mit 324.000 Kilometern. Saab 9-3 Aero Cabriolet

Die Nachfrage scheint einen neuen Höchststand erreicht zu haben. Vom 9-5 NG über 900, 9-3 und alten 9-5 bis zum 9000 und 96 hat sich hier alles versammelt,  was Saab jemals produziert hat. Eine Portion Geduld habe ich mitgebracht. Alles kein Problem! Für die Heimreise bekomme ich ein Cabrio.

Auf mich wartet ein 9-3 Aero Cabriolet aus dem Privatbesitz von Gerard Ratzmann. Der offene Saab ist eine Art rollende Restauration für sein persönliches Vergnügen – die, so vermute ich, irgendwann einmal fertig werden soll. Was ich mir bei der Auftragslage als Herausforderung vorstelle. Der vordere Stossfänger im Viggen Design ist neu montiert und unlackiert. Die Nebelleuchten fehlen noch, aber egal. Ein Aero steht für Spass, und ein Saab Cabrio sowieso.

Der Kilometerstand: 324.000… Autos, die soviel auf der Uhr haben,  werden in Deutschland kaum noch eines Blickes gewürdigt. Soviel steht fest. 200.000 ist viel, 300.000 steht für das Ende der Lebenszeit. Ein Fall für die Diesel-Umweltprämie. Alles klar?

Ich starte und rolle aus Frankfurt-Fechenheim in Richtung Autobahn. Das Cabrio verwindet fröhlich vor sich hin, aber das war schon im Neuwagenzustand so. Die antike Asin-Borg-Warner 4 Stufen Automatik schaltet wie gewohnt. Der Innenraum hat Gebrauchsspuren. Klar. Aber keine,  die auf 324.000 Kilometer schließen lassen würden. Die Viggen Sitze sind straff, das Leder ohne Risse, das Armaturenbrett auch. Etwas Lederpflege plus Farbe, und alles wäre fast wie neu. Das Display der Klimaautomatik verliert seine Pixel, aber wen interessiert das wirklich?

Dieser Saab ist böse. Sehr sogar…

Der Saab fädelt sich auf die Autobahn. Hinter mir versucht ein asthmatisches SUV,  Fahrdynamik zu simulieren und das Cabrio von der Bahn zu jagen. Sport-Taste aktivieren? Wozu? Das Gaspedal leicht gestreichelt, der Turbo presst Ladedruck in den Södertälje Motor. Der offene Saab prescht nach vorne wie ein Wikingerschiff im Angriffsmodus. Das SUV verendet irgendwo im Rückspiegel. Dieser Saab ist böse. Sehr sogar.

205 PS? Niemals !  Mehr. Viel mehr. Keine Ahnung wie viele. Aber 230 oder 240 PS werden es schon sein. Gut eingefahren, oder gut optimiert.

Rückblende. Als Trollhättan den B205R auf den Markt brachte, war er der erste 2.0 Liter Motor mit mehr als 100 PS Literleistung ab Werk. Die Dauerhaltbarkeit war damals in der Fachpresse ein großes Thema. Wie lange hält so etwas? Mehr als 324.000 Kilometer auf jeden Fall, und noch viel länger,  als es die superoptimierten Kleinmotoren in heutigen Fahrzeugen tun werden.

Der Wartungszustand des Cabriolets ist toll, was ich auch nicht anders erwartet hätte. Das Herz schlägt heftig, und ist kerngesund. Ich mag dieses Auto. Es ist klassischer Saab Stil. Die kleine, gebogene Frontscheibe, die intime Enge, das niedrige Dach. Wer den alten 900 mochte, der wird auch die Art von 900 II und 9-3 I lieben. Der Nachfolger war schon wieder eine ganz andere Sache.

Formel Spass 324.000

Man fährt, man hat Spass und bekommt schlagartig gute Laune. Der Turbolader schaufelt Luft, der Motor hängt begierig am Gas. Man vergisst nach einiger Zeit den Kilometerstand. 324.000? Auch nur eine Zahl. Die Narben am Blech? Ein echter Kämpfer trägt die Verletzungen seines Lebens aufrecht und mit Stolz. Ich beginne den alten Schweden zu mögen. Er hat meine Sympathie.

Also bekommt er einen Artikel auf dem Blog und ein Fotoshooting. Ungeschminkt, ungewaschen, nicht geschönt. So wie er ist. Cool und authentisch eben. Danke nach Frankfurt!

13 Gedanken zu „Saab 9-3 Aero Cabriolet. Formel Spass 324.000.

  • 19. Oktober 2017 um 2:17 PM
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    Hallo Tom,
    wieder so ein schöner, herrlich emotionaler Beitrag….
    Ich fahre seit Juli auch wieder ein SAAB 9-3 Aero Cabrio, ich bin von diesem Auto einfach begeistert. Es macht jedes mal wieder Spass den Motor zu starten und über die Landstraßen zu düsen. Das Verdeck tut’s gerade nicht, aber egal – Reparaturpotential für das nächste Jahr:)

    Grüße
    Thomas

  • 19. Oktober 2017 um 4:09 PM
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    Großartig! Die alten Kisten haben Spasspotential ohne Ende. Spürt man förmlich im Bericht!

    • 19. Oktober 2017 um 6:14 PM
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      Genau! Klasse Bericht 🙂

  • 19. Oktober 2017 um 5:21 PM
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    Hallo Tom,

    wir haben auch so Cabrio – mit dem schönen Heckspoiler.

    Was ich aber nicht so ganz verstehe, ist die Bemerkung: Das Cabrio verwindet fröhlich vor sich hin, aber das war schon im Neuwagenzustand so. Sicher, es gibt leichte Qunarzgeräusche auf holpriger Straße – aber bei 200 Sachen liegt der Wagen völlig steif und fest auf der Autobahn und die Kilometerleistung liegt auch schon bei weit über 200.000.

    Liegt es vielleicht an den Reifen?

  • 19. Oktober 2017 um 9:20 PM
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    Wir fahren auch so einen aus dem Jahr 2000. Ein 9-3 SE Limited Edition Sondermodell in Schwarz. Er hat gerade mal 130.000km auf der Uhr. Ich finde dieses Auto so unglaublich schön. Ich hoffe er bleibt uns noch sehr lange erhalten. Er hat das Zeug zum Klassiker. Dafür bekommt er eine gute Behandlung im SAAB Service Halle. Unser Modell hat allerdings “nur” 150PS. Ich überlege schon seit einiger Zeit ob ich den Motor mit Maptun o.ä. ein bisschen mehr Dampf machen lassen sollten. Kann ich das dem Motor antun? Hat da jemand Erfahrung?

  • 19. Oktober 2017 um 9:26 PM
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    Hallo Tom, ich kann jede Minute deiner leidenschaftich beschreibenen Emotionen verstehen und nachvollziehen. Bei mir ist das nicht anders, aber bei mir lösen die Saab 9-3 ll und insbesondere die “gehirschten” genau die gleichen Gefühlsausbüche aus. Da kann noch was kommen.!

  • 19. Oktober 2017 um 11:12 PM
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    Genau so ist das – hab meinen offenen 9-3 I Aero aus der letzten Baureihe mit dem Viggen Bodykit (EZ 3/2003) mit 168Tkm wieder ohne Mängel durch den TÜV! Läuft super und sieht immer noch fantastisch aus!
    Heute noch mal das schöne Wetter genossen und ins Winterquartier gebracht…
    Ich kann deine Gefühle voll nachvollziehen… Einfach ein geiles Auto!

  • 19. Oktober 2017 um 11:53 PM
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    „Genau so ist das – hab meinen offenen 9-3 I aus der [aller-] letzten Baureihe mit dem Viggen Bodykit“ (gebaut 4/2003) letztes WE noch einmal durch‘s Mittelgebirge bewegt.. wunderbar emotional geschrieben, paßt auf den Saab, auch und gerade auf den sich einfahrenden Motor..

    Es ist der Mix aus empfunden emotionalen, spontanen Artikeln wie diesem, und Hintergrundberichten wie dem Trollhättan-2012-Manager-Treffen, der diesen Blog ausmacht. Und dabei ist es meinerseits nicht so wichtig, ob arbeitstäglich oder 2-mal im Monat (Extrembeispiel!) neue Einträge erscheinen, es ist diese Qualität, die ihn lesenswert macht!

  • 20. Oktober 2017 um 11:22 AM
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    Ich mag diese Berichte. Voll die Rose Brille aufgezogen und dann ab ins Auto. Wenn der so wie beschrieben fährt hat der Vorbesitzer bestimnt einen hohen 4 stelligen Betrag investiert. Wenn nicht tut es der nächste Besitzer. Wir haben 5 stellig invertiert und das auto belohnt dann mit neuwertigen fahreigenschaften. Aber mal ehrlich. Es gibt keinen rostfreien sabb es sei denn man hat ihn komplett beseitigt ubd ein 2.0t motor mit 300 tkm ist schon mehr als einmal aufgemacht worden. . wer so ein Auto kauft muss noch viel geld beseite legen sonst hat er in zukunft stress das auto am leben zu halten. Die 205 ps sind das nett kosten aber dafür bei der Versicherung richtig aufschlag. Ich mag saab ubd vor allem die fans mitder rosa Brille und dem dicken Portemonnaie. Schliesslich will man ja sein Auto irgendwann mal wieder ohne Verlust verkaufen

    • 22. Oktober 2017 um 4:05 PM
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      Sorry, aber das stimmt nun wirklich nicht. Mein 2.0t hatte mit 300tkm noch keinen “aufgemachten” Motor, es sei denn, den Wechsel der ZKD zählt man schon zum “Motor aufmachen”. Erster Motor, erstes Getriebe, erste Ketten und mutmaßlich der erste Turbo. Alles unauffällig und auch größere Investitionen waren nicht in Sicht. Und selbst wenn, bei 300tkm darf auch ruhig das ein oder andere mal “kommen”. Der 9-3I war noch nicht so eine qualitative Krücke wie seine Nachfolger.

  • 20. Oktober 2017 um 3:21 PM
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    Hallo

    Solche zeitlosen Klassiker werden heute leider nicht mehr gebaut!
    Und, ja er verwendet sich gern der Ys3d.
    Selbst das Coupe!
    Trotzdem ein altagstauglicher Wagen, egal ob Cabrio, Coupe oder Limo. Ich liebe diese Saabs der 90er.
    Sie sind elegant, nicht protzig, trotzdem schnell und bei eingehaltenen Wartungsinterwall äußerst zuverlässig.
    Deshalb fahre ich meinen ganzjährig.
    Denn auf einen alten Saab ist immer verlass!
    Und nach 200.000 sind die Motoren dann auch eingefahren. =)

  • 20. Oktober 2017 um 8:21 PM
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    heute war noch mal Cabriowetter,…..wenn auch mit dem 2005er 9-3 🙂

  • 21. Oktober 2017 um 6:21 PM
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    Schöner Bericht über meinen Lieblings-Saab. Ich habe das Privileg gleich die ganze 9-3 I Familie zu besitzen und auch zu fahren. Mein Favorit ist das Aero Coupe mit Maptun Stage 1 und Viggenbody. Ich finde das 9-3 Coupe einfach formvollendet, schlicht und schön. Und erst noch praktisch.

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