Vor 40 Jahren. Saab verändert mit dem Turbo die Welt.

Wir feiern ein Jubiläum. Schon wieder ! Denn eigentlich hätte es in diesem Jahr viele Anlässe gegeben. Die Marke Saab wäre 70 Jahre alt geworden. Die erste 9-5 Generation kam vor 20 Jahren auf dem Markt. Aber das wichtigste Datum überhaupt ist der September 1977.

Saab 99 Turbo, perlmutt-weiss. Bild: Saab Automobile Archiv/saabblog.net

Vor 40 Jahren. Saab schenkt der Welt den Turbo.

Es war in Frankfurt, es war IAA. Auf dem Saab Messestand steht ein kleiner, perlmutt-weiss lackierter Wagen. Ein Turbo, der Erste der Kult-Marke aus Schweden. Der Saab 99 Turbo zauberte sagenhafte 145 PS aus 2 Liter Hubraum und wuchtete 235 Nm auf die Kurbelwelle. Spektakulär, zumindest für die damalige Zeit.

Weitaus beeindruckender als die Daten auf dem Papier war das Fahrerlebnis. Der 99 Turbo war wie aus einer anderen Welt. Ein braver Sauger, bis dann endlich – nach einem ewig langem Turboloch – der Schub einsetzte. Dann rannte der kleine Saab, als ob alle Elche Schwedens hinter ihm her wären. Größere, stärkere und prestigeträchtigere Fahrzeuge sahen nur noch das Heck. Die wilden Turbo-Jahre hatten begonnen.

Zugegeben, er war unkultiviert und verlangte von seinem Fahrer Einiges ab. Der Frontantrieb hatte alle Hände voll zu tun, um die Leistung auf die Strasse zu bringen. Er war auch etwas zickig, und wollte nach einer schnellen Autobahnhatz sorgsam abgekühlt werden. Nachlaufen lassen im Stand, für einige Minuten, war damals Pflicht. Zumindest bis Saab beim Turbo die Wasserkühlung einführte.

Glühende Turbos in der Nacht, Wassereinspritzung für mehr Leistung. Erhöhen des Ladedrucks, größere Ladeluft-Kühler. Es waren unvernünftige Zeiten, und zukünftige Generationen werden darüber wohl nur den Kopf schütteln. Aber der Turbo war von nun an Teil der Faszination Saab. Im 900, schon etwas kultivierter, aber immer noch mit dem Gefühl, als ob der Nachbrenner zündet. Untermalt von einem herrlichen Turbopfeifen und Auspuffklang. Später im 9000 schon sehr perfekt, extrem souverän und mit Fahrleistungen, die dem gemeinen Verkehrsteilnehmer weit überlegen waren. Wem sich einmal dieses Turbo-Erlebnis in die Gehirnwindungen eingebrannt hatte, der war abhängig. Verloren für alle Zeit. Es gab Saab, und alles andere war ab diesem Zeitpunkt nur noch ein Auto.

Danke Saab für 40 Jahre Turbo!

Saab hat den Turbo nicht erfunden. Aber, und das ist das eigentliche Verdienst, Saab setzte bis zum Ende der Marke konsequent auf diese Technik. Kultivierte sie, verfeinerte sie. Brachte den Softturbo, der das gefürchtete Turboloch konsequent eliminierte.

Heute hat fast jedes Auto einen Motor mit Turbolader. Mal gut, mal nicht so gut gemacht. Meist sehr belanglos und ohne eigenen Charakter. Die Faszination, die Saab-Turbomotoren ausübten, findet man so bei keiner anderen Marke. Saab war Turbo, und Saab war Faszination. Schön, dass wir dabei sein durften. Und danke für tolle 40 Jahre!

12 Gedanken zu „Vor 40 Jahren. Saab verändert mit dem Turbo die Welt.

  • 21. September 2017 um 1:57 PM
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    Toller Artikel. SAAB = Turbo = Lebensgefühl!

  • 21. September 2017 um 2:15 PM
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    ich geniesse den Turbo, in meinem 900 Aero immer noch, mit einen schmunzeln im Gesicht,
    und hoffe der 944er Fahrer hat seinen Schock auf der Deutschen Autobahn vor 25 Jahren erholt

  • 21. September 2017 um 2:15 PM
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    Zitat von Tom: Wem sich einmal dieses Turbo-Erlebnis in die Gehirnwindungen eingebrannt hatte, der war abhängig. Verloren für alle Zeit.
    Jepp, so ist es. Auf den Punkt gebracht. 🙂
    Ich vermisse meinen SAAB…. 🙁

  • 21. September 2017 um 3:49 PM
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    Ich erinnere mich sehr gut, wie ich mit frischem Führerschein den 9000 Turbo meines Vaters fahrend (er auf dem Beifahrersitz) ebenfalls einen Porsche 944 habe auf der Autobahn stehen lassen. Wir hatten beide ein dickes Grinsen im Gesicht

  • 21. September 2017 um 4:22 PM
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    Wobei die Turboentwicklung bei Saab eher einer Gausskurve ähnelt. Den Höhepunkt erreichte sie mit dem 2,3l im Saab 9000 niemals vorher oder nachher hat ein Saabmotor (Benzin) so früh sein volles Drehmoment zu Verfügung gestellt. Ein 9-5 Aero wirkt trotz Mehrleistung gegen einen 9k Aero wie weichgespült.

    • 21. September 2017 um 7:01 PM
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      Das liegt sicher zum Teil an der erheblichen Gewichtszunahme, die mit dem 9-5 Einzug hielt. Da verpufft einiges Drehmoment. Mit den alten vergleichsweise leichten Turbos 9k, 902/9-3I kann man heute noch mancher fettgewordenen Mittelklasse die Fragezeichen ins Gesicht treiben 😉

      • 21. September 2017 um 7:22 PM
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        Stimmt total. Ich war am Sonntag mit Paul über 400 Kilometer unterwegs. Der Unterschied zwischen einem 150 PS 9k und einem 9-5 Kombi ist enorm. Man merkt jedes Kilo mehr auf dem Blech.

        • 22. September 2017 um 11:14 AM
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          Paul harschen und die 210 PS und 320 Nm, die er dann hat, machen das Mehrgewicht locker wett …

  • 21. September 2017 um 7:15 PM
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    Mein Kommentar , will keine schlauen Sprüche abgeben, einfach nur schade das die Zeit vorbei ist. Also den Bestand pflegen , bis es einfach nicht mehr geht, aber das dauerd aber noch .

  • 21. September 2017 um 8:33 PM
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    Ich weiß nicht wieviel Weiß die als Farbe damals hatten, mein 99 Turbo war jedenfalls marmorweiß.
    Das Turboloch war ca 2 Sekunden, dann kam der Bums. Ich hatte daher schon den 900er Lader im 99

  • 22. September 2017 um 9:39 PM
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    Auch wenn ich meinen SAAB liebe muss ich bei diesen Zeilen spontan an meine erste Mitfahrt in einem Tesla S vor zwei Wochen denken. Ich war nur Beifahrer. Die Beschleunigung ist unfassbar – wie von einem anderen Stern! So ungefähr muss sich das wohl vor 40 Jahren auch angefühlt haben.

  • 23. September 2017 um 7:36 PM
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    Saab Turbo Viggen, zwar Baujahr 1999, aber immer noch ein grandioser Antritt aus tiefen Drehzahlen. Macht nicht nur Spass, nein,so ein Viggen macht süchtig.

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