Liquiditätskrise und Probleme bei NEVS halten an.

Das chinesische Elektroauto Startup in der alten Saab Fabrik kämpft immer noch mit Problemen. Die Engpässe der Liquidität dauern an, der Einstieg eines neuen Großaktionärs verzögert sich. Und die Zukunft in der Stallbacka sieht im Moment nicht rosig aus.

NEVS. Unernehmen in der Krise.

Die Krise begann im Sommer 2016

Angefangen hatte die Krise bereits im letzten Sommer. Teamsun schied aus dem Kreis der NEVS Aktionäre aus. Publiziert wurde das nicht, nach außen herrschte Schweigen. Nach unseren, nicht offiziellen Informationen, erfüllte der Teilhaber finanzielle Zusagen gegenüber NEVS nicht. Für das Unternehmen ein großes Problem. Denn der Kapitalbedarf ist enorm.

Seitdem verschlechtert sich die Liquidität von Monat zu Monat. Rechnungen konnten nicht mehr pünktlich beglichen werden, externe Berater erhielten im Sommer keine Vertragsverlängerung mehr. Als weiterer Rückschlag verliessen Leistungsträger das Unternehmen. Seit Monaten wird in der Stallbacka ein strikter Sparkurs gefahren.

Im August 2017 wurde der Einstieg eines neuen Aktionärs bekanntgegeben, verbunden mit einer Kapitalspritze. Auch hier liegt alles im Ungefähren. Es gab keine Pressemeldung, nur eine Notiz in der Lokalzeitung. Die Hintergründe des Neueinstiegers? Nicht zu klären. Bei der Beijing Zhigan Shenghuo Technology sind weder Eigentümer noch der Unternehmenszweck zu ermitteln. Ebenso unklar ist immer noch die Höhe der Anteile, die übernommen werden sollen.

Wenn sie denn übernommen werden… Die Kapitalspritze in Höhe von 91 Millionen € hätte die ärgsten Probleme lösen können. Aber das Geld ist bisher nicht, oder nur zum Teil,  in Schweden angekommen. Als Grund nennt NEVS CEO Stefan Tilk im Interview Probleme, die Gelder nach Europa zu überweisen. Was möglich sein kann, denn die Administration in Peking hat die Richtlinien zur Devisen-Bewirtschaftung in den letzten Jahren immer wieder verschärft.

Verhandlungen mit Didi verzögern sich

Die Lage ist angespannt, und das nun schon seit Monaten. Ein Aktionär ist ausgeschieden. Ein zweiter hat Probleme mit der Zahlung. Die Krise verschärft sich in einer Phase mit sehr hohem Kapitalbedarf. Währenddessen investiert die Konkurrenz und will den Markt mit Elektroautos fluten. Und auch die Verhandlungen über den Einstieg von Uber Rivalen Didi als Großaktionär kommen nicht zum Abschluss. Ursprünglich für das Ende der Sommerpause geplant, hofft NEVS nun,  in der ersten Oktober-Woche Vollzug melden zu können.

Die Situation erscheint grotesk. In China schult NEVS Mitarbeiter, in Schweden könnte es jetzt um die Existenz gehen. Die Bilanz nach 5 Jahren fällt trübe aus. Der personelle Aderlass hält weiter an, das Tübitak Projekt für das türkische Elektroauto ist gescheitert. Auch zur Auftragsfertigung im früheren Saab Werk kam es nicht. Ausser der Vermietung von Test-Einrichtungen und der Herstellung von Karosserie-Teilen werden kaum Einnahmen erwirtschaftet. Von einer Fahrzeug-Produktion ist in Schweden nichts zu sehen. Und dass die NEVS Elektroautos den Status der Serienreife haben sollen, darf mit einiger Skepsis betrachtet werden.

Das von Ex-CEO Bergman einst im Überschwang als das “größte Industrie Projekt Schwedens” bezeichnete Startup steht vor großen Problemen. Ob es in Schweden überhaupt Zukunft haben wird, werden die nächsten Wochen zeigen.

18 Gedanken zu „Liquiditätskrise und Probleme bei NEVS halten an.

  • 19. September 2017 um 11:37 AM
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    Danke für den Artikel! Das ist spannend und dramatisch. Es scheint, dass es nach 5 Jahren dem Ende entgegen geht. Warum sollte jemand dort einstiegen und weiter Geld verbrennen? Immerhin gäbe es ja da eine Fabrik zu verkaufen. Vielleicht schlägt ein richtiger Hersteller zu, von Amateuren habe ich eigentlich genug.

  • 19. September 2017 um 11:56 AM
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    Das wäre alles nur zum Lachen, wenn es nicht unser Trollhättan betreffen würde. So ein stümperhaftes Management findet man selten. Da der Name SAAB zum Glück nicht in der Hand von Nevs ist, wäre es doch perfekt, die Marke neu aus der Taufe zu heben, mit deutschen und schwedischem Management. Ein kleines Unternehmen, welches sich auf zwei zukunftsträchtige Modelle konzentriert. Ich weiß was viele nun denken: “ist der Björn übergeschnappt?” Mag sein. Aber träumen darf man doch noch. Oder?

    • 19. September 2017 um 12:03 PM
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      Träume müssen sogar sein! Und “unser Trollhättan” finde ich eine tolle Formulierung. Ich leihe sie mir bei Gelegenheit aus 😉

      • 19. September 2017 um 5:59 PM
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        Hallo Tom
        Der Traum müsste kein Traum bleiben. Ist natürlich schwer umzusetzen, aber nicht unmöglich.
        Die Formulierung kann gerne ausgeliehen werden.

    • 19. September 2017 um 4:45 PM
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      Hallo Björn, den Traum habe ich auch schon seit einigen Jahren. So richtig will und werde ich mich auch nicht an den Gedanken >nie wieder etwas aus “unserem Trollhattän” zu bekommen< gewöhnen. Aber stümperhafte Managements gibt es leider mittlerweile reichlich, bspw. bei Bombardier, BER usw. 🙁

      • 19. September 2017 um 5:54 PM
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        Hallo Marco. Da hast Du natürlich Recht. Wir sind immer mehr von Stümpern, Jasagern, und Leuten ohne Rückgrat umgeben. Das ist ja ( auch politisch ) so gewollt. Aber es gibt genug Ausnahmen, die Unternehmen sinnvoll und nachhaltig führen. Ich hätte mir gewünscht, das der schwedische Staat zumindest die Rekonstruierung abgesichert hätte. Gute Manager hätten aus Saab eine kleine und Produktive Firma machen können. Aber schaut euch die (ehemals) namhaften schwedischen Firmen an. Ich verstehe nicht wie Schweden sein” knoff hoff” so vor die Wand fahren lässt.
        Die Argumentation “Globalisierung” soll ja vieles Erklären. Ist aber nur eine Ausrede.
        Ich wiederhole mich. Aber hegt und Pflegt eure Saabs. Ich habe mir gerade aus Trotz noch ein Cabrio (letztes Facelift) gekauft. Ich werde solange es noch fahrbare Saabs gibt immer Saab fahren.

        • 19. September 2017 um 10:34 PM
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          Hallo Björn, Du sprichst mir direkt aus meinen Gedanken. Meine Hoffnung war ebenfalls, dass der Staat/die Regierung/die Parteien erkennen, dass man einen der wichtigsten Rohstoffe, das vorhandene Wissen, nicht einfach so herschenken wird. Aber die Realität hat es gezeigt, dass Erfahrung und Wissen in der heutigen Welt leider nicht viel wert zu sein scheint. Anderseits wäre es bestimmt auch extrem schwer gewesen, eine kleine Marke weiterhin bei diesem globalen Wahnsinn am Markt zu halten.
          Leider erlebe ich täglich vieles aus der jünsgten Saab-Geschichte bei mir auf Arbeit und bei uns im Konzern in ganz Deutschland. Da versteht man nahezu täglich die Welt nicht mehr und wir waren in unserem Betrieb fast über 160 Jahre (vor allem ohne dem Konzern) sehr erfolgreich. Seit nunmehr aber ca. 5 Jahren geht es unglaublich schnell bergab, weil “Fachleute” in entsprechenden Positionen in der Konzernführung SEHR fragwürdige Entscheidungen treffen. In 2 Jahren wäre 170 jähriges Jubiläum und nach heutiger Sicht scheint es unmöglich, dass da der Betrieb üebrhaupt noch existiert. So sieht wohl scheinbar die Zukunft aus 🙁
          Um auf Saab zurück zu kommen. Auch wenn ich einen 9³ TTID habe, werde ich ihn mit GRÖßTER FERUDE, solange es mir Vater-Staat erlaubt, fahren, hegen und pflegen und vor allem genießen!!! Ja genau 🙂
          Saabige Grüße aus der Lausitz
          Marco

  • 19. September 2017 um 12:07 PM
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    Nach 5 Jahren so ein Ergebnis ? Da wächst langsam die Enttäuschung. Zu Anfang hab ich mir noch gedacht, dass ganze könnte ja interessant werden, (auch wenn ich persönlich nicht viel von E-Autos halte) habe gehofft das man in naher Zukunft wieder das Erbe von Saab auf den Straßen sieht. Aber so ?? Da scheinen die Chinesen aber schnell die Lust an ihrem neuen Spielzeug verloren zu haben.

    Da hoffe ich schon fast das NEVS Pleite geht, das Werk wieder frei wird und der letzte verbliebene SAAB Konzern einspringt. Die Namensrechte sind ja gesichert. Je länger die Geld-Probleme von NEVS anhalten desto eher hoffe ich das sich da was in die Richtung bewegt. Bei einer Pleite gäbe es das Werk auch nochmal ein wenig billiger als vor 5 Jahren.

    Vielleicht wagt man dann im Hohen Norden einen Neuanfang…vielleicht mit einer Retro Version eines 900 ? Betrachtet man die IAA scheint es im Trend zu sein, Konzepte für ehemals erfolgreiche Modelle zu präsentieren…

  • 19. September 2017 um 1:57 PM
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    Why would foreign companies invest in China if they can’t use the profit from selling goods there or making Business with chinese companies
    That can’t be true

    • 19. September 2017 um 3:46 PM
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      It`s real! A problem for all Chinese companys to invest outside China!

  • 19. September 2017 um 5:03 PM
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    Man kann wirklich froh sein, dass die Namensrechte entzogen worden sind um weiteren Schaden von der Marke Saab abzuwenden. Saab hatte schon zu Lebzeiten viele Talfahrten. Dieser Entwicklungsprozess von NEVS wurde von der Saab AB augenscheinlich früh genug erkannt. Dieses Auf und Ab mit dem derzeitigen Eigentümer ist ein einziges Trauerspiel. Ich bin momentan noch kein Fan von Elektromobilen, da die Reichweiten inakzeptabel und die Infrastruktur noch nicht passt und Saab als Elektroauto…..never, aber das ist meine persönliche Einstellung. Mal gemutmaßt News geht den Bach runter, wage ich zu bezweifeln das sich ein neuer Investor findet der dieses In die Jahre gekommene Werk übernimmt um dort Autos zu bauen. Saab war immer eine Nischenmarke für Querdenker und ich glaube nicht das diese Marke ein Revival erlebt, obwohl sie es verdient hätte.
    Seht es mir nach, ein zufriedener Saab 9-3 II Cabrio -Fahrer.
    Gruß Ralf

  • 19. September 2017 um 6:42 PM
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    So blöd das klingt aber eine Insolvenz könnte für ein Saab Comeback gut sein. So könnte ein pfiffiger Unternehmer die Insolvenzmasse für einen kleinen symbolischen Betrag erwerben und mit Staatsbürgschaften Saab wiederbeleben.
    Machbar ist dies aber nur mit einem nachhaltigen Konzept. Die Firma müsste eine kleine und überschaubare Firma sein, welche eine Kundschaft bedienen will, die nicht dem Mainstream nachgeben will. Aber leider sehe ich keinen Willen bei der Fortführung einer nachhaltigen Fahrzeugmarke. Und wenn wir ehrlich sind, ist der Ruf von Saab und seinem Management nicht gerade eine positive Visitenkarte. Leider

    • 20. September 2017 um 10:58 AM
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      Da ist doch nix mehr, was man erwerben könnte (oder sollte) …
      Der Zug ist abgefahren!

      Und wie lange würde ein Comeback brauchen? Und hätte das dann noch irgendwas mit unseren (alten) SAABs zu tun?

      Nein danke, auf diesen Traum verzichte ich gerne und auf NEVS auch.

    • 20. September 2017 um 12:12 PM
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      Davon träume ich auch, obwohl ich weiss dass es nicht sein wird und schon gar nicht bevor China wieder raus ist:
      Saab Flugzeuge übernimmt mit Staatsbürgschaften die Fabrik, bestellt Pressen für den da
      https://i2.wp.com/saabblog.net/wp-content/uploads/2013/02/2014-Saab-9-3.jpg (danke Tom)
      und bietet dann als endlich wieder schwedischer Autobauer den neuen 9-3 mit allen Karosserieformen als Elektro, Hybrid oder nur mit dem herrlichen 2.0 Turbo an.
      Als Zugeständnis für unsere immer real-life-untüchtigere Jugend mit ihrer Smartphone-Nabelschnur wird dann in Gottes Namen ein elektronischer Chauffeur integriert, der sich per App befehlen lässt.

  • 20. September 2017 um 10:13 AM
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    Die positive Visitenkarte sind die alten langlebigen, und neueren immer noch über den Durchschnitt sicheren SAABautos!

    Mein Traum wäre ja das Geld von Apple kommt Herr Wiedeking Chef ist und in Trollhättan innovative, schicke iSAAB vom Band purzeln. ….und nach 10Jahren GM übernommen wird!

  • 20. September 2017 um 11:27 AM
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    Die Schweden gehen mit der SAAB-Automobilsparte höchst merkwürdig um. Bereits die SAAB AB hatte nicht genügend Mumm, eine international bekannte und geschätzte Marke auszubauen und damit am Leben zu halten – man trennte sich bereits vor fast 20 Jahren vollständig von der Autosparte (Verkauf an GM).

    Nach dem Scheitern der Amerikaner war auch der schwedische Staat samt seiner tollen Insolvenzverwalter völlig überfordert – das vorläufige Ergebnis unter NEVS braucht eigentlich nicht weiter kommentiert zu werden. Aber vielleicht kriegen sie ja noch die Kurve – dies sollte sich innerhalb der kommenden Monate endgültig herauskristallisieren.

    Den Wunsch nach einem neuen Investor, der mit der SAAB AB anbändelt und dann alles richtig macht, halte ich für Träumerei.

  • 20. September 2017 um 2:31 PM
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    What a sad state of affairs. But, certainly not a surprise. Within months of NEVS acquiring SAAB is was evident that these people had no idea or interest in maintaining SAAB as we knew it. They had an ill advised plan to manufacture electric cars based on shaky financial promised from a city in China. They had no idea of the value of SAAB as a brand beloved by many all over the world including a heavy presence in North America (and I apologize for living in a country with an insane and infantile leader). They could easily have resumed production and continued in the direction set by Victor Muller while doing research and development of electric vehicles. But they let the factory and the work force wither away, lost their dealership network, their reputation, and all else. It’s wonderful to maintain a dream that this time a benevolent angel will step in and rescue SAAB from such an ignominious end, but so unlikely to be true.

  • 22. September 2017 um 9:17 AM
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    Zumindest haben die Chinesen es geschafft den VOLVO-Konkurrenten SAAB loszuwerden … dazu hat es gereicht – zu mehr nicht !

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