Saab 9000 Anna Projekt. Alles wird gut.

Wenn es einen allgemein gültigen Ratschlag in Hinblick auf den Umgang mit Youngtimern und Klassikern gibt, dann diesen: Niemals aufgeben! Anna kam als Pflegefall im April 2013 zu uns. Stand dann für fast 2 Jahre im Hangar, bis wir die Restaurierung in Angriff nahmen.

Saab 9000 Anna Projekt

Die Voraussetzungen waren nicht gut, der Pflegenotstand war überall spür- und fühlbar. Seit dem Sommer 2015 ist der Saab zurück auf der Strasse. Nach dem Winter-Test mit billigen Reifen rollt der 9000 jetzt mit Michelin-Reifen auf Super Aero Felgen durch den Sommer. Und fühlt sich dabei schon viel besser an.

Denn die Dinge entwickeln sich, trotz einzelner Frust-Attacken, vielversprechend. Der Gutachter bescheinigt dem 9000 einen Zustand  von 2 – 3, was für ein fast 20 Jahre altes Alltagsauto recht ordentlich ist. Und den TÜV im Frühjahr bestand der Anniversary auf Anhieb ohne Beanstandung.

Kleine Mängel. Aber nichts Ernstes.

Eine Kleinigkeit ist als Mangel am Rande zu vermelden. Das EDU blieb beim Start manchmal ohne Funktion. Nicht immer, aber immer wieder. Die Demontage des Armaturenbrett-Deckels zur Überprüfung der Tachoeinheit förderte einen nicht korrekt befestigten Stecker zu Tage. Seitdem funktioniert der alte Saab so zuverlässig wie erwartet.

Alte Autos bringen es mit sich, dass man kleine Probleme oft selbst löst. Man schraubt sich durch sein Auto durch, lernt es kennen, und im Fall des Saab 9000 macht das Spass, weil man einiges über die Philosophie hinter der Marke kennen lernt. Der 9000 ist hochwertig verarbeitet. Alles ist auf ein langes Leben und eine hohe Reparatur-Freundlichkeit ausgelegt. Steckverbindungen sind so ausgeführt, wie man es in einem Flugzeug erwarten würde. Ebenso die Kabelbäume, die dicker als bei modernen Autos sind. Schrauben und andere Komponenten kamen damals noch nicht aus Fernost; sie machen nicht schlapp,  wenn man sie mit dem Schraubendreher anfasst.

Wer das Vergnügen hat und mehrere Saab 9000 Baujahre besitzt, der kann die kontinuierliche Evolution der Baureihe verfolgen. Viele Verbesserungen, etliche Änderungen und vom 9000 CC hin zu den letzten Baujahren wurde der Saab immer stärker in einen fahrbaren Hochsicherheit-Käfig verwandelt. Wenn man beim 9000 selbst Hand anlegt, dann sollte man sich eines dieser fabelhaften Original-Saab Werkstatthandbücher gönnen, die immer wieder bei den bekannten Portalen angeboten werden.

Das Projekt läuft jetzt schon länger als 2 Jahre. Der Saab reifte in dieser Zeit zum guten Auto und wird immer besser. Es lohnt sich Durchhaltevermögen zu haben. Gewartet wird er bei Saab Service Frankfurt, und Gerard Ratzmann hat ein kundiges Auge auf den Saab. Natürlich sind noch, oder schon wieder, Dinge zu erledigen. Der gebraucht erworbene Klima – Kompressor muss ersetzt werden. Und da wäre die Sache mit dem Fahrwerk. Durch den Vorbesitzer wurden Stoßdämpfer verbaut, die ihren Dienst tun, aber nicht wirklich zum Saab passen. Der 9000 rollt unharmonisch ab, da ist weiterer Handlungsbedarf.

Neue Heck-Abdeckung, neues Radio.

Zwischendurch war noch Zeit für ein paar Kleinigkeiten. Die meisten Saab 9000 fahren mit Heck-Abdeckungen durch den Alltag, die durch 20 oder mehr Jahre Sonne ausgeblichen sind. Nicht schön ! Irgendwann war ich das ausgeblichene Teil leid, es passte nicht zum restlichen Zustand des Autos. Ein neuer Bezug durch unseren Sattler, mit einem antrazithfarbenen Stoff,  der auch an anderer Stelle von Saab verwendet wurde, beseitigte den Mangel.

Leider musste auch das gute Blaupunkt Radio nach einem Defekt ersetzt werden. Da es auch Blaupunkt nicht mehr gibt, sind die Ersatzteile rar oder, wie in unserem Fall, gar nicht mehr zu bekommen. Als optisch akzeptable Alternative kam ein DAB+ Radio von Continental in den 9000. Seine Optik entspricht den Becker Modellen, die Saab als Zubehör eine Zeitlang beim 9-5 anbot. Ob es dauerhaft bleibt, oder doch durch wieder ein 90er Jahre Radio getauscht wird, werden die kommenden Monate zeigen. Sound und Empfangsleistung jedenfalls stimmen, und es fügt sich harmonisch in das Cockpit des 9000 ein.

Alles gut? Ja, der Saab ist auf einem guten Weg. Und auch ich fühle mich gut dabei. Vielleicht hat sich in den letzten Jahren meine Perspektive auf Autos allgemein verändert. Es kann aber auch an der aktuellen Abgas- und Mobilitätsdiskussion liegen. Man sieht Youngtimer und Klassiker mit anderen Augen.

Das Saab 9000 Anna Projekt hatte die massivste CO2 Emission vor rund 20 Jahren während der  Produktion abgeliefert. Es ist gepflegt und in einem guten Zustand. Der Saab verbraucht zwischen 1- bis 2 Liter mehr Kraftstoff, als es ein aktuelles, vergleichbares Fahrzeug tun würde. Im jetzigen Zustand hält er noch einmal 20 Jahre durch. Mindestens ! Wie lange müsste man einen Neuwagen bewegen, bis seine Ökobilanz besser als die des alten Saabs wäre?

Youngtimer zu bewegen fordert von uns ab und zu den ein oder anderen Kompromiss – ist aber gelebte, nachhaltige Realität. Egal was man uns über die Zukunft der Mobilität erzählen möchte.

22 Gedanken zu „Saab 9000 Anna Projekt. Alles wird gut.

  • 23. August 2017 um 5:32 PM
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    Ja, man geht beim Bewegen eines Youngtimers ein paar bedeutungslose Kompromisse ein. Aber das Fahrgefühl, die guten Sitze, die schlichte, aber (meistens) funktionierende Technik gleichen das aus meiner Sicht mehr als aus.

    Letzte Woche Luftdruckprüfung nach einer Fehlermeldung am BMW 2er ActivTourer meiner Frau: 20 Minuten Dauer, viele Fehlermeldungen, eine Kalibrierungsfahrt… und unheimlich viel gefluche zweier Personen… ich seh den Vorteil der ganzen Technik nicht, ich seh ihn einfach nicht… ich bin gespannt, was der 2er in 5 Jahren noch so alles anzeigt…

  • 23. August 2017 um 6:03 PM
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    Tolles Statement Tom, kann ich 100% zustimmen. Auch beim Schrauben habe ich die gleichen Feststellungen gemacht, alles ist massiv und für die Ewigkeit “aus dem Vollen geschnitzt” 🙂

    Patrick, die tolle Technik ist nicht zu Deinem Vorteil verbaut, sondern zuerst für die Serviceindustrie. Wenn die dann sagt, es lohnt nicht mehr, sollst Du zügig neu kaufen. Wir jetzt bei den Dieseln, von denen sich viele mit Hardware nachrüsten liessen – ist nicht gewollt..

  • 23. August 2017 um 6:53 PM
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    Hallo Tom, wieder ein schöner Artikel zum 9000er. Trifft bei mir , als bekennender 9000er Fahrer, natürlich auf 100%ige Zustimmung. Das Auto ist in seiner Gesamtheit kaum zu schlagen. Und der Öko-Aspekt spielt da natürlich eine ganz große Rolle. Ich hoffe nur, die da oben lassen und diese Fahrzeuge noch lange fahren. Ja, und mit den Kleinigkeiten lernt man gut zu leben….

  • 23. August 2017 um 6:57 PM
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    dazwischen gehört natürlich ein …. uns … hin

  • 24. August 2017 um 2:10 AM
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    Ich kann Tomm nur zustimmen, es giebt kein schöneres gefühl, als ein Langzeitauto wie dem SAAB 9000 zu fahren. Gebaut für die ewigkeit und gedacht als allzweckwaffe (Sowohl als Arbeits-, Familien-, Langstrecken-, Schlechtwege und edles Businessauto gedacht). Mann muss zwar ab und zu kleine Kompromisse eingehen, aber das Gefühl, die Geräuschkulisse (Das Geräusch eines ECHTEN Blinkerralais), die auf Komfort statt auf Optik (und Rückenschmerzen) ausgelegten Sitze, der duft von fast schon verschwenderisch dicken Leder, das ist wie eine Sucht!

    Ich als Stolzer 18 jahre junger 9000 fahrer hatte (leider) nen golf 7 gtd als Fahrschulauto. Ist zwar echt ein schöner Wagen aber es fühlte sich alles so Synthetisch an. Null leben im auto. Man steigt ein, fährt, steigt wieder aus und hat nicht das Verlangen länger fahren zu wollen. Vollkommen Leblos.

    Und auch wirtschaftlich ist es ein Aspekt einen Youngtimer zu fahren:

    Vergleich: Mann kauft sich nen Neuwagen für z.b 30000€

    Kauft man stattdessen einen Youngtimer für ca. 5000€ hätte mann 25000€ (!) für den erhalt des wagens.

    Und der Schadstoffausstoß bei der Produktion eines Neuwagens (Vor allem bei Hybrid, und Elektroautos) ist viel höher als als der erhalt eines Youngtimers (Technisch guter Zustand vorausgesetzt!). Und mann will wirklich nicht die heute Geldgierigen manager unterstützen.

    Mann weiß auch bei einem Youngtimer dass er zu 100% läuft und erst jenseits der 250000km erst eingefahren ist. Bei einem Neuwagen giebt es bei vielen Herstellern schon bei geringer Laufleistung und eingehaltenen Service und Schonenden Fahrstil schon Probleme haben. Man weiß halt nicht was man Kauft (Ich will nicht alle über einem Kamm scheren, es giebt auch sehr tolle und zuverlässige neue Autos).

    Und vor allem: ES HAT STIL

  • 24. August 2017 um 2:56 AM
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    Bin immer wieder erstaunt, wie gut mir der 9000 in silber gefällt, einer Farbe, um die ich sonst einen großen Bogen machen würde. Schön, dass diesem Exemplar soviel Geduld und Herzblut anvertraut wird. Auf ein langes Autoleben ! Wenn der Vorbesitzer den Wagen jetzt so sehen würde…

    • 24. August 2017 um 1:44 PM
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      Anna ist nicht wirklich silber. Im COC, der Geburtsurkunde, steht grau als Farbe. Übrigens auch bei meinem 9-3 I Aero, der ebenfalls (silber) grau ist.
      Die Vorbesitzerin fährt jetzt ein VW Klappdach Cabrio. Für sie war Anna nur ein Fahrzeug zum Verbrauchen. Beim Volkswagen schätze ich mal wird es ähnlich sein.

      • 24. August 2017 um 6:48 PM
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        Interessant. Aber der Farbcode ist 247 silber, oder ? Der 9000 wurde durch einen EOS ersetzt ? Das sagt natürlich viel aus… ;-( Schön, dass er jetzt ein richtiges Zuhause gefunden hat.

        • 24. August 2017 um 8:19 PM
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          Farbcode ist 268, ein Silber-Farbton der ab 1997 verwendet wurde aber in den Papieren scheinbar durchgehend als grau geführt wird.

          Ja die ehemalige Besitzerin, eine nicht mehr ganz so junge Dame, fährt jetzt EOS. Ich denke sie konnte mit dem 9000, den ihr Mann als Neuwagen gekauft hat, schlicht und ergreifend nichts anfangen. Bin froh dass er bei uns gelandet ist.

          • 25. August 2017 um 4:36 AM
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            Interessant. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber für mich sind das zwei unterschiedliche Farbcodes für eine und dieselbe Farbe. Mit Einführung des 9-5 hat Saab aus mir mir nicht bekannten Gründen das Silber Metallic, welches zuvor unter dem Code 247 vermarktet wurde, in 268 umdeklariert. Bis MY97 gab es den 9000 und den 900NG in 247 silber. Im letzten Modelljahr 98 gab es dann den 9000 und den 900NG in 268 silber. Allerdings muss die Farbe trotzdem identisch sein, da der Lackstift 12799108 für beide Farbcodes vermarktet wird, wenn auch auf der Verpackung lediglich 268 steht. Schwedenteile, Skandix, etc. geben jedenfalls beide Farbcodes als Referenz an.

          • 25. August 2017 um 9:31 AM
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            Die Farbe kann nicht identisch sein, da es unterschiedliche Dupont Codes für den Lackierer gibt. Code 247 = Dupont Code F0911 und wurde von 1995 bis 1997 verwendet. Code 268 = Dupont Code F5025 und gab es von 1998 bis 2007.

          • 25. August 2017 um 4:45 PM
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            Wie gesagt, komisch, dass der o.g. Lackstift dann für beide silber Farbcodes vermarktet wird…

  • 24. August 2017 um 11:27 AM
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    Ein sehr schöner 9k. Jeder € ist gut angelegtes Geld! Qualität wie diese wird es nie mehr geben, und 9k in diesem Zustand sind schwer zu finden. Vielleicht werden sie in der Familie vererbt und nicht verkauft?

  • 24. August 2017 um 11:52 AM
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    Ich kann den nur zustimmen. Fahre jetzt den zweiten 9k nachdem ich meinen ersten dummerweise vor Jahren verkauft habe.
    (Siehe Fahrbericht hier im Blog- Scarabäusgrün!!)
    Der 95er lief zwar als mein Hauptfahrzeug weiterhin, aber ich vermisste die Rundumsicht und die tolle Verarbeitung.

    Letztes Jahr rettete ich nen Anny 97er vorm Verwerter.
    Ist n tolles Auto. Wirklich.
    Der Komfort schlägt beim sitzen den 95er
    Um Welten.
    Und jeder der mitfährt ist begeistert vom Platz.
    Da passt auch mal ein zerlegter Schrank locker rein.

    Leider muss ich feststellen das meiner trotz regelmäßiger Wartung zum rosten neigt-
    Obwohl er fünf Jahre jünger ist als mein alter ehemaliger 92er. Selbst unter der Rücksitzbank.
    Werde da noch einiges machen müssen.

    Ich kann den 9000er nur empfehlen- selbst als 2.3 Liter Sauger. Fährt super und sparsam.
    Absolute Kaufempfehlung!!!!

  • 24. August 2017 um 1:20 PM
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    Danke für den schönen Artikel. Das Auto sieht wirklich fantastisch aus. Das weckt natürlich das Interesse bei mir, mir auch irgendwann einen 9000 zu kaufen. Allerdings selbst in Schweden gar nicht mehr so leicht, ein Fahrzeug in gutem Zustand zu bekommen. Oder…Restaurieren!

    • 24. August 2017 um 1:41 PM
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      In Schweden werden momentan einige 9000 CC restauriert. In den üblichen FB Gruppen sieht man was alles so in Scheunen überlebt hat. Sehr faszinierend!

      • 24. August 2017 um 7:35 PM
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        Das wäre doch auch einen Artikel wert, vor allem für diejenigen, die mit FB nichts anfangen können…

  • 25. August 2017 um 9:05 AM
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    Toller Artikel! Ich liebe den Saab 9000 und bin stolzer Besitzer 5 solcher Fahrzeuge(2 Aero, Anni, CD, CC) Es ist wie positive Sucht, welche einem immer wieder Freude und Leidenschaft bringt! Dieses Auto vereint wirklich alles was man braucht und die Leistungsentfaltung empfinde ich als wesentlich imposanter als bei neueren Fahrzeugen(für mich zählt nur das Gefühl)
    Vielen Dank Tom! Grüsse aus der Schweiz

    • 25. August 2017 um 12:19 PM
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      Das gute Gefühl.

      Oh ja, das Gefühl zählt. Ich glaube nicht, dass der Markt künftig noch Autos sehen wird, in denen man sich so gut fühlt wie in einem SAAB oder einem schönen Oldtimer.

      • 25. August 2017 um 3:23 PM
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        Dafür wird es sicher bald noch ein Assistenzsystem mehr geben. Das Fahrwerk bekommt eine “Vintage-Taste” und es wird zeitgleich der Duft alten Leders versprüht. Ist natürlich TÜV-relevant und nach Ablauf der Garantie ein KO-Kriterium mehr für das Premiumprodukt.

        • 25. August 2017 um 9:00 PM
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          Die Vorstellung ist lustig …

          Besonders die Vintage-Taste in einem SUV. Plötzlich wird bei 125 abgeregelt und die Lenkung zugleich so schwammig, dass man ab 100 mindestens die ganze Spur braucht. Und bei Seitenwind geht es ab in die Leitplanke!

  • 28. August 2017 um 6:59 PM
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    Eine der feinste Saabs den ich kenne.
    Oh, warum habe ich die 9000 Anniversary nicht behalten?
    Warum sieht Man diese 9000-er so wenig auf der Strasse?
    Darum, Tom, gut gemacht!!

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