Marktcheck. Saab 9-3 II Gebrauchtwagenpreise (bis MY 2007)

Saab pflegte die Tradition langer Modellzyklen. Der 9-3 II wurde 2002 vorgestellt und zum Modelljahr 2008 grundlegend verbessert. 2011 folgte die nächste Überarbeitung. Mit fast 10 Jahren Produktionszeit kann man von 3 verschiedenen Lebensabschnitten des Saab 9-3 II sprechen.

Saab 9-3 Limousine. Bild: Saab Automobile AB

Saab 9-3 II. Ein lustloser Beginn.

Das erinnert mich stark an den klassischen Saab 900, der sein Leben als Saab 99 begann und permanent verbessert und überarbeitet wurde. Bei seiner Premiere 2002 wurde der 9-3 II mit einiger Skepsis empfangen. Nicht nur von der Motorpresse, die fast zwanghaft eine Opel Verwandschaft konstruierte, die so nicht bestand. 70% der Teile waren Saab pur, den Rest teilte man sich mit der Verwandschaft aus dem GM Regal.

Auch die Händler waren misstrauisch, und das mit gutem Grund. Die Materialauswahl im Innenraum war für Saab Maßstäbe unterirdisch, die Verarbeitung lustlos, und an der Langlebigkeit konnte man Zweifel haben. Dass es bis zum März 2005 nur eine Limousine gab, das Cabriolet lassen wir aussen vor, denn es wird einen eigenen Marktcheck bekommen, machte die Sache nicht besser.

Dazu lieferte Trollhättan ein eigenes Bus-System und eine Navigation,  die exklusiv von und mit Saab entwickelt worden war. Sie beeindruckte durch Unzuverlässigkeit und Fehlfunktionen. Erstmals gab es in der kleineren Saab Baureihe auch ein manuelles 6-Gang Getriebe als Option. Es stammte aus Opel Produktion, war unpräzise zu schalten und sorgte für Frust. Viele Kunden griffen daher zum bewährten 5-Gang Saab Getriebe.

Die 9-3 II Gebrauchtwagenpreise der ersten Jahre sind im Keller

Der 9-3 II war bei seiner Vorstellung sicher das schlechteste Auto, das Saab je abgeliefert hatte. Aber die Dinge besserten sich. Von Jahr zu Jahr konnte man eine bessere Verarbeitungsqualität feststellen, auch wenn die Materialien erst mal billig blieben.

Der Gebrauchtwagenmarkt spiegelt exakt die Produktqualität dieser Zeit wieder. Gebrauchte 9-3 II der frühen Modelljahre sind günstig zu bekommen. 2.000 oder 3.000 € – und man ist dabei. Besonders günstig ist der Einstieg, wenn es um einen Diesel geht. Die Gebrauchtwagenpreise sind am Boden und liegen weit unter den vergleichbaren Benzinern.

Bis zum Modelljahr 2006 ist der Einstieg für ein halbwegs gepflegtes Exemplar deutlich unter 5.000 € möglich. Aber Vorsicht: Wichtig ist eine durchgehende Wartungshistorie,  und auch Rost ist durchaus ein Thema. Selbst der Stempel des Saab Händlers im Wartungsheft schützt nicht davor. Ein genauer Blick ist ratsam.

Denn in der Menge der angebotenen Fahrzeuge gibt es nicht nur verwohnte Exemplare. Saab 9-3 II aus Liebhaber- oder Rentnerhand überraschen durch einen guten Zustand, den man so oft nicht erwartet hätte. Sie sind kaum teurer als ungepflegte, abgewirtschaftete Fahrzeuge, weil es der Markt nicht hergibt. Aber man kann damit glücklich werden.

Ein paar spannende Exemplare haben wir bei unserem Marktcheck dennoch gefunden.

Saab 9-3 1.8t Vector Sportkombi 2007. 83.218 Kilometer.
Saab 9-3 Vector 1.8t. Bild: Auto Forum Hulb

Der passende Motor, die beliebteste Farbe. Scheckheft bei Saab gepflegt, eine schöne Stoff-Lederkombination in der Innenausstattung. Deutlich unter 10.000,00 € zu haben. Würde mit schönen 17″ oder 18″ Felgen, Original Saab natürlich, zu einem richtigen Eyecatcher mutieren. Steht in Böblingen zum Verkauf.

Saab 9-3 1.8i Edition Limousine 2007 44.000 Kilometer
Nur ein Sauger, aber mit Potential. Saab 9-3 1.8i. Bild: Net-Cars

Der 1.8i ist kaum beliebt,  und ich getraue mich fast nicht das Wort “Winterauto” zu schreiben. Wie wäre es mit dieser gepflegten Limousine, als Saab Winterauto, wenn der 9-5 NG in der Garage bleibt? Kein Turbo, aber besser als das Fabrikat zu wechseln und Potential für viele Winter. Steht in Düsseldorf zum Verkauf.

Saab 9-3 Aero Hirsch Limousine 2003 143.000 Kilometer
Saab 9-3 Aero Hirsch Limousine von Leser Remo. Bild: Remo Widler

Aus Liebhaberhand kommt die Saab 9-3 Aero Limousine von Blog Leser Remo. Mit Hirsch Leistungssteigerung und Zubehör wie den Sport-Pedalen und den Hirsch Felgen nicht einfach zu finden. Steht in der Nähe von Zürich zum Verkauf.

Empfehlung: Modelljahr 2007 und 1.8t

Der Geheimtipp sind die Zwischenmodelle des Modelljahrs 2007. GM unternahm,  was notwendig war und griff durch. In zwei Schritten wurde zuerst der Innenraum und die Technik entrümpelt, ein Jahr später erhielt die Karosserie ein Facelift. Zum Modelljahr 2007 zogen bessere Materialien in den Innenraum ein. Das Leder wurde strapazierfähiger, das billige US-Plastik des Armaturenbretts kam auf den Müll. Das anfällige Bus-System und die Navigation wurden entsorgt, die Schweden griffen in das Konzernregal. Heraus kamen eine sehr gut funktionierende Klimatisierung, eine akzeptable Navigationslösung und Soundsysteme auf der Höhe der Zeit.

Die Zwischenmodelle tragen den Pelz innen, was durchaus seinen Reiz haben kann. Vernünftige Kombis oder Limousinen findet man für teilweise deutlich unter 10.000 €. Der intelligenteste Kauf ist der 1.8t Motor. Er ist günstiger als Aero und Co, es handelt sich aber um den gleichen Basismotor. In Verbindung mit Hirsch Tuning leistet er fast 200 PS, was kaum Wünsche offen lässt.

Viel Leistung für den kleineren Geldbeutel bietet der V6 – aber nur in der Anschaffung. Der Verbrauch ist hoch, das Thema der Steuerketten sollte nie ausser Acht gelassen werden. Muss sie auf Grund von Längung erneuert werden, ist ein 4-stelliger Betrag fällig. Am unteren Ende des Leistungsspektrums rangiert der 1.8i. Bei Saab Kunden war er nie beliebt, denn ohne Turbo. Im Netz findet man immer wieder gepflegte Exemplare mit geringer Laufleistung und sehr langen Standzeiten.

Der 9-3 II reifte beim Kunden,  und spätestens ab dem Jahr 2007 wurde daraus ein richtig gutes Auto. Ein Langzeit Auto übrigens, für das 500.000 Kilometer Laufleistung kein Problem ist – wenn man auf einen Benziner setzt, was im Hinblick auf die Diesel-Diskussion zu empfehlen wäre. Vom Saab Hype, so wie beim 9-5 NG, wurde der Pre-Facelift 9-3 übrigens nie berührt. Er ist ein braves Auto für den Alltag, das für kleines Geld Individualität und Sicherheit bietet.

Leider auch ein Auto für Werkstätten ohne Saab Erfahrung und für den günstigen Anbieter mit den 3 Buchstaben. Wer ein richtig gutes Exemplar im gepflegten Zustand sucht, der muss Geduld mitbringen, denn selbst Saab Händler finden kaum welche für den Ankauf.

17 Gedanken zu „Marktcheck. Saab 9-3 II Gebrauchtwagenpreise (bis MY 2007)

  • 14. August 2017 um 11:14 AM
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    Guter Beitrag! Ich würde mal sagen ein gepflegter 9-3 I bringt mehr ein, als ein früher 9-3 II. Das sind typische Afrika-Export Kandidaten. Diesel ist im moment sowieso unverkäuflich, es sei denn man nutzt Merkels Abrwrackprämie 2.0 und wechselt zu einem weiteren Diesel der üblichen Verdächtigen. Was ein Irrsinn!

  • 14. August 2017 um 1:37 PM
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    Der Rote sieht richtig nett aus!

  • 14. August 2017 um 1:50 PM
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    Sollte man sich den roten nicht sichern? Egal ob 1.8i oder nicht ??

    • 14. August 2017 um 3:37 PM
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      Wenn man ein Standzeug statt ein Fahrzeug sucht…Bis man da die möglichen Standschäden behoben hat, wahrscheinlich ein Rentnerauto, viel Kurzstrecke und der Wagen wurde nie richtig warm.

      • 14. August 2017 um 8:00 PM
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        Wenn er 10 Jahre unbeweglich in einer Scheune stand, dann schon.

      • 15. August 2017 um 8:44 AM
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        Wo ist das Problem? Einmal alle Öle tauschen und ein Blick in die Ölwanne. Dann vorsichtig einfahren, ein Renner wird er so wie so nicht 🙂
        Bei einem 9000 mit 150 TKm wäre ich heute auch mistrauisch, bei dem nicht. Der hat so wenig gelaufen, der kann eigentlich noch nicht mal böse verdreckt sein.

        • 15. August 2017 um 10:05 AM
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          Man sollte das ganze nicht pauschalieren. Es hängt viel von der Historie und dem Pflegezustand ab. Kilometerstände sind, in beide Richtungen, Nebensache um so älter das Fahrzeug ist. Bei einem robusten 9k oder 900 hätte ich sowieso wenig Sorgen.

          • 15. August 2017 um 12:17 PM
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            Naja wir reden ja hier nicht von einem 911 aus einer Porsche Sammlung sondern von einem 9-3 der seinerzeit sicher nicht “zum Wegstellen” gekauft wurde sondern sehr wahrscheinlich als Gebrauchsauto. Mit der Motorisierung ist das zu 99% ein Auto eines Menschen älteren Semesters der damit zum Arzt oder Einkaufen gefahren ist. Da würde ich ganz genau hinsehen in welchen Intervallen z.B. das Öl gewechselt wurde. Den Verschleiß z.B. an Lagerschalen kann man nicht einfach durch einen Flüssigkeitswechsel “beheben”. Auf der anderen Seite ist natürlich nicht jeder hochkilometrige automatisch die bessere Wahl. Wenn ein Wagen mit vielen Kilometern auf Langstrecke bewegt wurde, regelmäßig frisches Öl gesehen hat ist der Verschleiß nur minimal und oft deutlich geringer als bei vielen der sogenannten “Rentnerfahrzeuge”. Dafür muss man so einen Motor natürlich zerlegen damit man das mal sieht. Das Fahrprofil vieler dieser Fahrzeuge ist sehr nah an dem was Saab und andere Hersteller in ihren Gebrauchsanleitungen als “erschwerte Bedingungen” beschreiben.

  • 14. August 2017 um 2:38 PM
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    Ich selbst hab mir im Januar dieses Jahres einen 2.0T Autom. SC (blau,04/2007 EZ, Innenraumfacelift, Vollaustattung) günstig erstanden (km 214tkm aktuell) – und ich muss sagen, der beste Saab, den ich je hatte. Kein Rost, steife Karosserie, 1a Motor. Getriebe ließ ich kürzlich nach T. Eckardt spülen, der Meister meinte, Getriebe und Motor 1a. Das Design des Kombis ist zeitlos und stellt selbst neuere Modelle in den Schatten. Ich fahre den Wagen jetzt 8 Monate und hatte keinerlei Defekte (obwohl das Auto schon über 10 Jahre ist). Ich hatte in den letzten 12 Jahren mehrere Sääbe (9000, 9-5aero, 9-3III Hirsch step2 Cabrio, 900II), mein aktueller macht mir bislang aber am meisten Freude – obwohl es der billigste war:) Viel Auto für wenig Geld. Sicher, schnell und für die Größe geräumig und praktisch – und durchdacht. Ein Jammer, dass es keine Fortsetzung gibt. Beste Grüße, F. Hirsch

  • 14. August 2017 um 9:02 PM
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    Der rote Sedan ist ja schon recht witzlos eingepreist. Wenig Ausstattung, unbeliebter Motor und “letzte Inspektion bei 34tkm” – die ist ja bei der durchschnittlichen Jahresfahrleistung auch schon ewig her.

    Der schwarze Combi hat keine Haifischflossen- , sondern eine Stabantenne. Das hab ich ja noch nie gesehen.

    Mein SportCombi hat nach 11 Jahren nun 220.000km auf der Uhr. Ermüdungserscheinungen gibt es kaum. Das Auto ist immer noch voll alltagstauglich, nicht von “vorgestern” und macht Spaß. Für jemanden, der so bequem, einigermaßen modern und zuverlässig jeden Tag von A nach B kommen will, ist ein 9-3 II immer noch eine gute Wahl. Ältere Modelle bekommen mit zunehmendem Alter schon diverse Zipperlein.

  • 15. August 2017 um 10:12 AM
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    Der 9.3 II ist als Alternative für den Winter des Überdenkens wert. Ich bleibe jedoch, trotz aller Bedenken derzeit bei meinem 9.5 Diesel zum “überwintern”, trotz 280.000 km. Denn der 9.5 NG soll ja lange erhalten bleiben.

  • 15. August 2017 um 1:21 PM
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    Unabhängig von der hier beschrieben schlechten Verarbeitungsqualität und der etwas missglückten Materialauswahl im Innenraum, finde ich persönlich den Saab 9-3 II sowohl (und auch insbesondere) als Limousine, natürlich als Cabriolet sowieso, aber auch als Kombi absolut zeitlos und elegant zugleich, was mir bei einer Begegnung mit einem der genannten Sääbe immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das passiert natürlich auch bei früheren Modellen oder beim zuletzt gebauten 9-5 NG, jedoch hat es mir der 9-3 II einfach etwas mehr angetan. In 9 Jahren mit den 9-3tid; 9-3ttid und dem 1.8t hatte ich nur kleiner Mängel zu verzeichnen, so dass ich zu den negativen Aspekten nichts beitragen möchte, wenngleich diese sicher gerechtfertigt sind. Ich finde diese Baureihe erhaltenswert und halte den Kauf eines entsprechend gepflegten Fahrzeugs absolut empfehlenswert. Auch die Innengestaltung ist in meinen Augen absolut gelungen. Die Empfehlung von Tom für den 1.8t Motor in Verbindung mit Hirsch Tuning, kann ich nur bestätigen. Mit einer Hirsch Abgasanlage macht der Saab dann noch etwas mehr Spaß.

  • 15. August 2017 um 3:19 PM
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    Hallo. Habe einen 93 Coupé Diesel ” anni” baujahr 8.2001. km 330000 ca. Leider leuchtet seit mind. 10000 km die motorkontrollleuchte , bekam keine Werkstatt weg. Muss sagen “Kid” läuft immer noch top, jeden Monat Berlin – Schweiz und verbraucht ca. 5,7 l max. Wenn ein Idee oder Tipp hat was die Leuchte betrifft, würde mich freuen. Bronco33@gmx.de

    • 15. August 2017 um 3:27 PM
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      Vermutung: Kabelbaum. Das Spiel haben wir aktuell mit einem 2001er 9-5. Schwierige Diagnose. Lösung: Bypass an der kritischen Stelle.

    • 16. August 2017 um 11:27 AM
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      Prüfe mal alle! Unterdruckschläuche. Sollten die schon seit 330000km im Auto sein, einfach tauschen. Kostet kaum etwas und oft ist damit der Fehler einer CE behoben.

    • 20. August 2017 um 5:10 PM
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      Da hift es, den Minuspol der Batterie fuer ca. eine halbe Stunde abzuklemmen!

  • 16. August 2017 um 8:17 PM
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    Auch wir haben 2 9-3 II. Einen 2010 9-3X mit 100tkm und einen 2006er 19 TID SC mit 200tkm. Beide stets gepflegt. Obwohl beide Scheckheftgepflegt (u.a. Im. Himberg) macht uns der Diesel im Moment massiv Probleme. Während bis 200tkm nur die üblichen Verschleißteile (Koppelstangen, 1x Feder vorne, Batterie, Bremsen, LiMa und die typischen Dieselprobleme AGR und die Klappen) fällig waren mutiert er jetzt zum Roulette. Jede zweite Ausfahrt ist was hin. Kein Scherz! Zahnriemen gerissen weil Wasserpumpe stecken blieb, dann der Dieselfiltersensor gebrochen (was einen Feuerwehreinsatz wegen ausrinnenden Diesel erforderte), dann Notprogramm wegen vollen DPF, dann Ladeluftkühler hin. Nun steht er wieder weil er auf Standgas läuft und Kein Gas annimmt. Wir sind echt verzweifelt weil ihn mein Sohn (noch ohne Job) für den weg zur Uni (Ca 120km pro Richtung) benötigt und als Diesel halt super günstig ist. Habe schon schlechtes Gewissen meinem Sohn gegenüber weil er sonst sehr zuverlässig war. Und er liebt und hegt ihn stets. Denken jetzt an Verkauf (unabhängig vom Dieselgate) weil er mittlerweile so unzuverlässig geworden ist. Jede zweite Fahrt steht er…Traurig, aber die Tage scheinen nun gezählt zu sein… und ich Angst habe das er zum Faß ohne Boden wird (bei dem was wir in den letzten Monaten investiert haben). Vom gerechtferigten Meckern meiner Frau im Moment ganz abgesehen… Meinen 9-3X sehe ich dadurch nur sehr selten und wenn dann am We wenn mein Sohn daheim ist…. fahre halt den Smart Diesel meiner Frau… wenigstens ein Cabrio :-). Hoffe Ihr habt mehr Glück mit euren 9-3 II

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