Das Ende der GM Ära in Europa

Von der Öffentlichkeit kaum gewürdigt endete in der letzten Woche die GM Ära in Europa. Kaum jemand nahm von der Übernahme von Opel durch die PSA Gruppe Notiz. GM verabschiedete sich fast geräuschlos. Die deutsche Autoindustrie kämpft währenddessen mit Dieselgate und Kartellverdacht. Da bleibt kaum Raum für Sentimentalitäten.

Opel und Saab in Hamburg. Das Ende der GM Ära.

Es kann aber auch am geringen Stellenwert liegen, den Opel heute für Deutschland hat. Das war nicht immer so in der 88-jährigen Geschichte als GM Unternehmen. Opel – der Name stand eine lange Zeit für Profitabilität und jährliche Überweisungen nach Detroit. Der Marktanteil lag in den 80ern zeitweise bei über 19%, und Opel war ein Stück der alten Bundesrepublik. Ganze Generationen wuchsen mit Kadett und Ascona, später mit Astra und Vectra auf. Opel war vielfältig, solide, und vor langer Zeit sogar Marktführer in der Oberklasse.

Die große Zeit ist lange her, der Wendepunkt muss irgendwo vor mehr als 30 Jahren gewesen sein. Ende der 80er Jahre gab man in Detroit die Losung aus, dass Autos der Zukunft nur noch günstige Transportmittel ohne Image sein sollten. Im Nachhinein die größte Fehleinschätzung des Jahrzehnts, denn zeitgleich starteten deutsche Anbieter eine Strategie, die heute als Premium in aller Munde ist. Erstes Fahrzeug des neuen Denkens bei Opel war der Astra F. Ein billig gemachter Golf Rivale, der erschreckend schlecht verarbeitet war und bereits direkt nach der Produktion im Zeitraffer zu altern begann.

Ausserdem verkündete Opel, dass man in Zukunft kein Innovator, sondern ein “fast-follower” sein möchte. Innovationen der Konkurrenz, die aus den Fabriken der Zulieferer kamen, wollte man rasch und vor allem günstig bei der eigenen Marke einführen. Ein Denken, das bis heute anhält, und das Opel das Image einer günstigen Marke einbrachte.

Das Verhältnis zwischen Opel und Saab

1990 kam Saab zur GM Familie dazu. Die Schweden waren glücklich,  eine Plattform für den neuen Saab 900 gefunden zu haben, und die Buchhalter bei GM freuten sich,  Entwicklungskosten für ein fast fertig entwickeltes Modell gespart zu haben. Das Verhältnis zwischen Trollhättan und Opel war bald von destruktiver Rivalität geprägt. In Hessen sabotierte man erfolgreich viele Entwicklungen von Saab, führte Innovationen lieber bei eigenen Modellen statt bei der schwedische Premiumtochter ein.

Die Schweden galten als unbequeme Querdenker und Querulanten, die zu allem Überfluss immer wieder die Entwickler in Rüsselsheim alt aussehen ließen – zum allerletzten Mal bei der Motorenentwicklung, als man einen Clean-Diesel mit unter 120 g/CO2 pro Kilometer im Saab 9-3 brachte. Was man bei Opel zuvor als unmöglich zurückgewiesen hatte und zu verhindern versuchte.

Der Tiefpunkt des Verhältnisses zwischen Saab und Opel war erreicht, als man den neuen 9-5 im hessischen Stammwerk produzieren wollte. Zum Ausgleich wären in Schweden preiswerte Opel Corsa Kleinwagen vom Band gelaufen. Als im Winter 2009 GM das Ende von Saab beschloss und die schwedischen Mitarbeiter das deutsche Entwicklungszentrum verlassen mussten, sollen die Opel Kollegen begeistert applaudiert haben.

Saab hat GM nicht überlebt. Was bleibt von Opel?

Und heute? Saab hat die GM Ära in Europa nicht überlebt. Und GM hat sich von Opel frei gekauft. Der Kaufpreis ist niedriger als die Milliarden an Pensionsverpflichtungen, die von den Amerikanern übernommen werden. In Detroit wollte man raus aus einer Marke und einem Markt, für den man keine profitable Zukunft mehr sieht. Das ist die ungeschminkte Wahrheit hinter der Geschichte.

Und wirklich, bei Opel sieht es jenseits aller Parolen düster aus. Motoren und Getriebe gelten seit Jahren als veraltet, die Fabriken sind nicht ausgelastet. Zwei Werke sollen geschlossen werden, Zukunftstechnik – Fehlanzeige. Der Ampera E und seine Technik  gehört GM. Seit Jahren wird jedes zweite Opel-Fahrzeug in Deutschland als Eigenzulassung auf den Markt gedrückt. Das Unternehmen ist defizitär,  und in Grossbritannien bricht gerade der Markt für Vauxhall weg.

Opel für China?

Die Franzosen werden mit der alten Marke Opel einen rigiden Sanierungskurs fahren. Der neue Corsa wurde gestoppt, weil er noch auf einer GM Plattform aufgebaut hätte. Stattdessen kommt er auf einer PSA Plattform. Ab 2020 wird eine Umsatzrendite von 2% erwartet, jährlich steigend. Was der PSA Konzern mit der Marke Opel vor hat, ist zu erahnen.

In China kämpft die Gruppe mit Schwierigkeiten und bekommt, zum Verdruss von Großaktionär Dongfeng, keinen Fuss auf den Markt. Der neue, exklusiv für China gebaute Citroen C6 ist ein Flop. Die Marke Opel könnte es richten. Chinesen stehen auf deutsche Labels. Vielleicht sogar, wenn sie auf französischen Plattformen aufbauen. Eventuell auch nicht. Dongfeng, so sagen es Gerüchte, hat einen Blick auf die bei Opel entwickelte GM E2XX Plattform des Insignias/Buick Regal geworfen und würde diese bevorzugen.

Die Geschäftsführung von Opel bekam mit der Übernahme durch die PSA Gruppe eine großzügige Prämie auf die Konten. Ex-Opel Chef Neumann wird als zukünftiger Audi CEO gehandelt. Den Mitarbeitern der alten, deutschen Traditionsmarke und ihren Standorten sollte man Glück für die Zukunft wünschen. Sie könnten es nötig haben.

16 Gedanken zu „Das Ende der GM Ära in Europa

  • 9. August 2017 um 11:23 AM
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    Spannender Artikel. Es stellt sich mir die Frage, was mit SAAB passiert wäre, wenn GM es nicht getötet hätte? Wäre SAAB ein Teil von PSA, OPEL, oder chinesisch? Oder eine Marke von VOLVO?

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    • 9. August 2017 um 4:23 PM
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      Man sollte sich nicht zu sehr an alten Marken-Namen (wie beispielsweise SAAB) festklammern. Wichtig ist doch eigentlich, was ein Hersteller auf die Räder stellt – es sollte in der Autoindustrie, bei mittlerweile enorm hohen Stückzahlen weltweit, insbesondere eine gute Umweltverträglichkeit mit sich bringen.

      GM und fast alle anderen alten Hersteller trotzen diesem Erfordernis bisher standhaft. Wäre der kleine schwedische Hersteller aus Trollhättan bei einem dieser Konzerne untergekommen, wäre dies nach jetzigem Kenntnisstand vermutlich kein gute Sache geworden – ähnlich wie damals unter GM.

      Ich wäre dagegen höchst erfreut, wenn man endlich ein umweltfreundliches und auch sonst gut gemachtes Auto made in Trollhättan kaufen könnte – wenn NEVS draufsteht, wäre dies für mich ganz bestimmt kein Argument dagegen.

      Sehr gerne würde ich den bereits gezeigten 9-3 X – EV mal ausprobieren. Es könnte evtl. ja auch mehr daraus werden – Voraussetztung ist natürlich die Möglichkeit des käuflichen Erwerbs. Das es geht, zeigt uns doch TESLA!

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  • 9. August 2017 um 11:34 AM
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    Vor ein paar Jahren hat noch niemand damit gerechnet, dass GM wirklich hinschmeisst. Für Opel wird das richtig hart, die rosa Brille braucht man sich da erst gar nicht aus der Schublade holen. Die Autoindustrie ist nicht mehr das, was sie mal war.

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  • 9. August 2017 um 1:32 PM
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    Es war schon beim “Ende” von SAAB Cars abzusehen, dass es OPEL auch bald erwischen wird. Dank einiger fähiger Manager, welche zwischenzeitlich das Haus verlassen haben, hatte sich das noch hinausgezögert. Was kommt hängt einzig und alleine von den Franzosen und Chinesen ab. GM hat sich final mit dem “neuen Mazda Klon Insignia” und dem gähnend langweiligen Astra letztmalig blamiert und konnte nicht mehr anders, als das Kapitel zu schließen. Ich denke OPEL wird hops gehen – Schade !

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  • 9. August 2017 um 3:13 PM
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    Die Modellpaletten von PSA und Opel sind praktisch identisch. Von daher hab ich den ganzen Deal nicht richtig verstanden… wer ausser dem Top-Management hat da einen Vorteil? Vor allem den zahlreichen Opel-Mitarbeitenden wünsche ich alles Gute für die kommenden Jahre und dass die alte deutsche Traditionsmarke irgendwie den Kurs wieder findet.

    In meinem Urlaub habe ich vor 2 Wochen einen Opel Astra als Mietwagen erhalten. Zuerst herrschte Freude, ein Opel in Irland ist doch ganz OK. Die Ernüchterung folgte schnell: sehr zäher und schlapper Benzinmotor, monochromes Radiodisplay (wie bei den Japanern in den 80er Jahren) und viele störende Kleinigkeiten. Baujahr: 2016. Auch mit viel gutem Willen und der Annahme, dass die irischen Mietwagengesellschaften nicht gerade das Topmodell mit Vollausstattung ordern, war das Fahrgefühl und die Materialanmutung dieses einjährigen Autos rund 10 bis 15 Jahre hinter der Zeit. Dabei war er von aussen eigentlich ganz nett anzusehen. Schade, aber das machen die Mitbewerber selbst aus Fernost mittlerweile viel besser…

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    • 10. August 2017 um 12:32 PM
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      ..hatte, als ich meinen neuen 9-7x gehohlt habe, eine Golf mieten wollen und einen neuen Astra mit Turbo und Navi incl. Carplay bekommen. Der war gut zu fahren und komplett auf der höhe der Zeit. Nur der SAAB-gewohnte Turboschub hat gefehlt, der Durchzug insgesamt aber gut. Auh der Innenraum war mit dem von mir vor 5 Jahren zuletzt gefahren Astra nicht zu vergleichen und durchaus angenehm.

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  • 9. August 2017 um 9:40 PM
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    Spannend. Guter Artikel.

    Vielen Dank an den Autor und viel Erfolg an die Opelaner! Wäre ja doch schade um die Marke, auch wenn man als SAABist wenig Positives mit ihr verbindet …

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  • 10. August 2017 um 5:35 AM
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    Ganz ehrlich, ich hätte nie einen Opel haben wollen. Für die Mitarbeiter habe ich Mitgefühl, aber die Marke ist einfach über. Da sind ganz andere Hersteller von der Bühne verschwunden. Aber halt, ein einziges Modell gab es doch, welches mir noch heute gefällt, der Calibra Turbo. Vielleicht der einzige Opel, der in den letzten Jahrzehnten konkurrenzfähig war. Schöner als der Corrado oder das Audi 80 Coupe. Und die in Finnland produzierten Modelle waren wirklich gut verarbeitet.

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  • 10. August 2017 um 6:16 AM
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    Alles was gibts in Buick ist gestohlen werden. Hab schon vor Jahren geschrieben, das GM hat nur Technologie etc gestohlen … alle haben siuch uber mir gelacht ….. Danke fur dieses Aintrag, das bestatig, hab Recht gehabt!!! Unseren Autos sind schon langst herrgestellt worden ….. Bin 60 und fahre nur Saab, ganzes Leben!

    Saab forever!!! Hab 4 Stk Zuhause…..

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  • 10. August 2017 um 12:58 PM
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    Danke für den Hintergrundartikel über den GM-Abschied. Trauere dem Abschied nicht nach. Für OPEL sieht es bitter aus… Doch mal schauen, wie die jetzigen “TOP-Anbieter” aus Germany die aktuelle Motor- und Vertrauenskrise überstehen… Ich hoffe, TESLA und Co. jagt weiter viele Kd. ab!

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  • 11. August 2017 um 2:10 PM
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    Letztlich hat GM es versäumt, die einzelnen Konzernmarken rechtzeitig klar voneinander zu trennen. Synergien sind eben nicht alles. Tata agiert bei Jaguar und Land Rover viel geschickter. Auch Geely scheint bei Volvo ein kluges Management zu haben. Jetzt, wo durch das Dieselgate die deutschen Premium-Marken enorm unter Druck geraten und die Kunden nach Alternativen suchen fehlt eine Marke wie Saab. Bin gespannt, wann und vor allem wie Borgward endlich aus den Startlöchern kommt…

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    • 14. August 2017 um 9:46 AM
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      Wer sagt denn, dass Saab nicht auch in einem “Dieselgate” verwickelt gewesen wäre wenn es die Marke noch geben würde. Nur weil man mit Schweden schöne Bilderbuchlandschafte a la Pipi Langstrumpf verbindet und Saab so ein kleiner “unangepasster” Hersteller war? Die hätten die Abgaswerte auch einhalten müssen und das entweder nur mit riesigem technischen Aufwand hinbekommen was dementsprechend teuer ist und vom Kunden auch bezahlt werden muss. Noch weniger Gewinn hätten die ohnehin nicht verkraftet.

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  • 12. August 2017 um 1:15 PM
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    Das man als Konzern die Deviese haben kann nicht innovativ zu sein war mir echt neu, ich hab den Artikel bis heute ein paar mal gelesen, nun ist mir auch vieles klar warum die Ehe SAAB-GM nicht klappen konnte. Daniel Düsentrieb trifft auf Buchhalter :-O !! Aber so richtig will das immer noch nicht in meinen Kopf, warum ein Weltkonzern sich nicht 3000 Entwickler und Monteure in Schweden leisten will. Und nun noch Opel abgestoßen, also noch weniger Amerikaische Autos auf Europas Straßen.

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  • 16. August 2017 um 12:18 PM
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    Vor vielen Jahren, als mein erster SAAB mal defekt war (Drosselklappe), hatte ich einen Opel Corsa als Leihwagen. Aber mal abgesehen von den fehlenden 80 PS, die sich natürlich bemerkbar machten, hatte ich da an dem Opel nichts auszusetzen. Das war grade die Zeit, als Opel erkannt hat, dass man sich nicht gesund sparen kann und wieder Geld für die Modellentwicklung ausgegeben hat.

    Erneut Kontakt hatte ich dann erst neulich wieder, als an meinem aktuellen SAAB der Schlauch zum Turbolader gerissen ist und ich einen naheliegenden Opel-Händler ansteuern musste, der früher auch mal das SAAB Zentrum Saarbrücken umfasste. Während der Reparaturdauer konnte ich mich eine ganze Weile umsehen, und das meiste, was ich gesehen habe, sah schon ziemlich schick aus, besonders der neue Insignia, auch wenn die Platzverhältnisse sehr an einen Maßanzug denken lassen. Gut, gefahren habe ich nichts, aber die Berichte in der Presse waren durchweg recht positiv.

    Ich bin gespannt, was Opel jetzt unter französischer Ägide wird… dass die auch Autos bauen können, davon bin ich überzeugt. Die Frage ist für mich, wie die Modellpaletten aneinander angepasst werden, oder ob die Märkte regional aufgeteilt werden (Süd- und Nordeuropa, o.ä.).

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