Ein Mittsommerwochenende in Schweden. Teil 1.

Mit dem Mittsommerfest in Schweden ist es so eine Sache: Natürlich will man etwas besonderes machen, die Natur genießen und nicht in der Stadt bleiben. Aber wie wird das Wetter? Viele Leute haben “stugor”, also Wochenendhäuser, oder Boote – das haben wir nicht.

Ferienhaus, typisch schwedisch, und ein typisch schwedisches Auto.

Aber es gibt viele Campingplätze, die man mit dem Auto von Stockholm aus erreichen kann. Unsere Freunde Ela und Robert hatten einen Campingplatz im St:Anna-Schärengarten ausfindig gemacht, direkt an der Ostsee südöstlich von Söderköping. Die beiden fuhren mit ihrem Golf Variant nach St:Anna und als wir (meine Frau, meine Tochter, ich und der Hund) später am Freitagabend mit dem Saab ankamen, war das Zelt schon fast aufgebaut.

Tyrislöt Camping heißt der Platz und ich war beeindruckt – wohl einer der schönsten Campingplätze, die ich bisher in Schweden gesehen habe. Wir hatten auch noch einen der besten Stellplätze, mit Meerblick. Am “Midsommarafton” (Freitag vor Mittsommer) haben wir direkt am Meer gegrillt, aber das Wetter war wie vorhergesagt, instabil, kühl und bald nach dem Essen kam starker Regen auf, der die ganze Nacht anhielt. Aber all das macht nichts, wenn man den Sonnenschein und den frischen Geruch in der Luft am Morgen danach genießen kann!

Am Samstag machten wir mit dem Saab einen Ausflug nach Söderköping – eine schöne mittelalterliche Kleinstadt, vor allem durch ihre Lage am Götakanal bekannt. Dort gibt es im Sommer viele Touristen, die sich vor allem auf die “Smultronställe”-Eisdiele stürzen; Schlangen von 50 – 100 Meter Länge sind die Folge. Ela und Robert blieben bis Montag, aber wir reisten schon am Sonntag ab, da meine Frau wieder nach Polen mußte.

Den Saab wollte ich eine Weile in Schweden behalten und daher war der Plan, dass wir zunächst zum Fährhafen nach Karlskrona fahren. Von dort wollte ich alleine nach Solna zurückkehren. Die Fahrt nach Karlskrona über die E22 verlief ohne Probleme, aber langsamer als gedacht. Als wir am Fährterminal ankamen, wartete man am Check-in nur noch auf zwei Passagiere und einen Hund.

Nach einer kurzen Verabschiedung fuhr ich weiter Richtung Norden, 500 km lagen vor mir. Allerdings nahm ich nicht die E22 entlang der Ostsee über Kalmar, sondern Riksväg 28 über Emmaboda und Kosta, dann sollte es weitergehen über Hultsfred, Vimmerby und Kisa Richtung Linköping, wo die Autobahn E4 nach Stockholm führt. Riksväg 28 ist für mich eine besondere Straße, weil sie oft wie durch den Wald geschnitten erscheint und keine Wildzäune hat. Das Verkehrsaufkommen dort ist relativ gering und ich bin schon einige Male diese Strecke gefahren.

Während der ersten 75 km verlief die Fahrt völlig normal. Die letzten Wochen gingen mir durch den Kopf. Am 8. Juni hatten wir mit der Stenalines-Fähre von Gdynia aus Schweden erreicht. Mit uns reisten ein 9-5 NG und ein Saab 96, beide offenbar auf dem Web zum Saab-Festival in Trollhättan. Das war auch unser erstes Ziel, und nach der morgendlichen Ankunft in Karlskrona wir erreichten die Stadt nach einer schönen Mittagspause im Stadtpark von Jönköping.

Während des Festivals gab es am Samstag eine “bilutställning” hinter dem Museum. Da stand unser Saab auch, wenn auch ohne große Hoffnung auf eine Auszeichnung – die bekam in unserer Kategorie eine blaue 9-5 NG-Limousine. Wir waren beide begeistert von Trollhättan, auch wegen der Kanäle und Spazierwege in der Nähe. Danach verbrachten wir zwei Wochen in Solna und es kam das Mittsommerwochenende, was nun zu Ende ging.

Ich fuhr weiter auf dem Riksväg 28 und Eriksmåla war das letzte Dorf, was ich passierte. Es ging weiter durch den Wald. Plötzlich war ein großes Tier vor dem Auto, es kam von rechts aus dem Wald gesprungen und sah aus wie ein Elch. Ich bremste sofort und so stark ich konnte. Es knallte überall und ich sah nichts mehr durch die Windschutzscheibe. Es schien, als ob alles im selben Moment geschah. Der Wagen kam schnell zum Stehen, zum Glück war er nicht weit von der Straße abgekommen. Die Airbags waren nicht ausgelöst worden und ich war unverletzt. Ich stieg aus und schaute mich um.

Keine anderen Autos in Sicht, und kein Tier war auf der Straße zu sehen. Ein paar Meter weiter sah ich einen Feldweg auf der rechten Seite und ich fuhr das Auto dorthin, um es von der Straße wegzubekommen. Dann stieg ich wieder aus und lief die Straße zurück. Bald sah ich auf der anderen Straßenseite im Graben ein Tier liegen, es bewegte sich nicht.

Auf der Straße sammelte ich ein paar Kleinteile auf, die vom Auto stammten. Ansonsten sah ich nichts weiter auf der Straße oder daneben, außer meinen Bremsspuren rechts neben der Straße. Danach rief ich die Polizei, um den Wildunfall zu melden und die Schäden am Wagen zu beschreiben. Motorhaube, Stoßstange, Scheinwerfer, Motorhaube, Windschutzscheibe, Scheibenwischer, Dach. Der nächste Anruf zu “Motormännen” (der schwedische Autoklub), um ein Abschleppfahrzeug zu bestellen.

Eine halbe Stunde später kam ein Auto mit Gelblicht an, allerdings nicht der Abschleppwagen. Es war ein Jäger, der bestätigte, dass es sich bei dem Tier um eine Elchkuh handelte. Eine Weile später kam der Abschleppwagen. Der Fahrer fuhr den Saab selbst auf den Wagen und wir fuhren zusammen nach Växjö zu einer Saab-Werkstatt. Der Fahrer und ich hatten eine angeregte Unterhaltung – er war selbst Besitzer eines 9-5 SC.

Er erzählte mir von einem anderen Wildunfall, der sich am am selben Tag auf derselben Strecke ereignet hatte. Der Fahrer eines neuen Audi A6 sah plötzlich einen Elch vor sich und riss das Steuer herum. Der Elch verschwand und der Audi kollidierte mit mehreren Bäumen, so dass alle Airbags ausgelöst wurden. Am Auto entstand großer Schaden, aber zum Glück wurde auch bei diesem Unfall niemand verletzt.

Nach einer Nacht im Hotel im Växjö ging ich zur Werkstatt von Kronobergs Bilaffär. Wie so häufig hatte ich die Mütze vom Saab-Museum auf, und auf die wurde Mattias, der Meister dort, sofort aufmerksam. Ah, es gibt sie noch, die Saab-Fans! Ja, in der Tat, ein paar sind noch übrig, erwiderte ich scherzhaft. In der großen Fahrzeughalle nebenan standen drei 9-5 SC, ein 9-3 SC und ein 9-5 NG, alle in Topzustand. Was man leider von meinem Saab nicht behaupten konnte. Nach einer ersten Begutachtung war Mattias verhalten optimistisch, daß die Versicherung die Reparatur bezahlen würde.

Er versprach mir, der Versicherung bis Ende der Woche den Kostenvoranschlag zu schicken – wenn möglich, würde er mit gebrauchten Ersatzteilen kalkulieren. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch aus Nachhaltigkeitsgründen.

Wie geht es weiter nach dem Unfall? Teil 2 des Mittsommerwochenendes folgt morgen.

4 Gedanken zu „Ein Mittsommerwochenende in Schweden. Teil 1.

  • 27. Juli 2017 um 11:19 AM
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    Danke für die Geschichte! Freue mich schon auf Teil 2!

  • 27. Juli 2017 um 11:51 AM
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    Wauw, haben Sie richtig Glueck gehabt. Bin auch schon gespannt auf Teil 2.

  • 28. Juli 2017 um 10:36 PM
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    Guten Abend,
    auch für mich eine kurzweilige Geschichte mit tollen Fotos.
    Teil II werde ich sofort lesen, da er ja bereits erschienen ist.
    Danke für das Erstellen des Artikels. Alles Gute.

  • 31. Juli 2017 um 9:55 AM
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    Glück gehabt! Der SAAB hat seine “Verpflichtung” erfüllt!
    Wie gut, dass früher alte Elchunfälle in die Sicherheitskonstruktionen eingeflossen sind!!!
    Aber schade um den 9-5-er…
    Bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht!
    Danke für die Impressionen!

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