Marktcheck. Saab 9-5 I Gebrauchtwagenpreise.

Im Schatten des 9-5 NG, der als letzter Saab gilt, blühen beim 9-5 I die kleinen Spekulationen. Während die Gebrauchtwagenpreise tendenziell niedrig sind, ziehen sie bei Ausnahme-Exemplaren kräftig an.

Saab 9-5 I Produktion in der Stallbacka. Bild: Saab Automobile AB

Die Frage wäre, ob der 9-5 I überhaupt als Objekt zum Spekulieren taugt. Es gibt Fans, die sehr viel Geld in den Erhalt ihres Saabs investieren, jenseits irgendwelcher Marktpreise. Sie entscheiden richtig, denn der 9-5 ist ein Langzeitauto par Excellence. Vernünftige Pflege durch kundige Hände vorausgesetzt, ist die Mechanik unzerstörbar, die robuste Elektronik jederzeit reparierbar. Die Karosserie ist relativ resistent gegen Rost, der Komfort auf der Langstrecke mit wesentlich jüngeren und teureren Autos vergleichbar.

Trotzdem ist der Kauf schwierig. Die Auswahl ist begrenzt, die Preisentwicklung nicht einheitlich. Eine späte Chrombrille kann gleichviel kosten wie ein 2001er Modell. Diesel notieren überraschend stabil. Der durch Motorschäden zur fragwürdigen Legende gewordene 3 Liter Isuzu Diesel ist robuster als sein Ruf. Wenn man ihn zurückhaltend bewegt,  hat er die Qualitäten eines Landmaschinenmotors. Nur hektische Autobahnfahrten schlagen ihm auf das Gemüt und verkürzen die Lebensdauer nachhaltig.

Trotzdem ist vom Kauf eines Diesels abzuraten. Zum einen wegen der bekannten Umweltdiskussion. Zum anderen wegen der fragwürdigen Laufkultur, die alle Dieselantriebe jenseits des 6-Zylinders betrifft.

Saab 9-5 I als Spekulationsobjekt

Der Einstieg in Export-Modelle beginnt schon bei lächerlich wenigen 100 €. Vernünftige Fahrzeuge gibt es zwischen 4- bis 5.000 €. Ein früher 1998er 9-5 kann ähnlich teuer sein wie ein 2003er oder 2006er Modell. Es entscheidet nur der Pflegezustand. Immer wieder kommen Seniorenfahrzeuge auf den Markt. Geringe Laufleistung, komplettes Scheckheft, Historie beim Saab Händler. Sie kommen als Linear, Vector oder Aero auf den Markt. Wer sucht,  muss allerdings schnell sein. Denn bei der Rentnergang startet die kleine Spekulation.

Die Fahrzeuge werden aufgekauft von Händlern oder geschäftstüchtigen Privatpersonen, die mit einem erheblichen Aufschlag den schnellen Gewinn suchen. An dem Erfolg der Spekulation kann man zweifeln. Überteuerte Fahrzeuge, oft in kaum begehrten Farben und Ausstattungen, haben lange Standzeiten.

Richtig schöne Fahrzeuge zu finden ist schwer, man muss schon über die Landesgrenzen hinaus blicken. Eine Art Saab 9-5 Paradies hat sich in der Schweiz gebildet. Gute, spannende Saab 9-5, angemessene Preise. Da der schweizer Kunde und die Werkstätten viel akribischer mit der Erhaltung von Fahrzeugen sind als wir Deutschen, kann die ein oder andere Perle dabei sein.

Besonderen Reiz haben die 9-5 Anniversary Modelle. Zwar gilt die Chrombrille nicht als das schönste Modell der Baureihe, aber sie hat innere Werte. Mit dem Facelift gab es viele Einsparungen bei kleinen Dingen, aber im Gegenzug das beste Fahrwerk aller 9-5 I. Ausserdem gab es die letzte Ausbaustufe der legendären Trionic Motoren. Die kann man, bei dem Downsizing Drama aktueller Fahrzeuge, gar nicht hoch genug schätzen.

Wo in einem Saab feudale 2.0, 2.3 oder 3.0 Liter Hubraum werkeln, liefern aktuelle Angebote 3-Zylinder auf einen Liter verteilt. Will man wirklich so fahren? Noch gibt es Alternativen, und die sind erfreulicherweise gar nicht teuer. Drei Beispiele, die alle aus der Schweiz kommen.

Toller BioPower Anniversary in stimmiger Ausstattung. Foto: Garage Melillo
Saab 9-5 BioPower Vector Anniversary 2007. 119.000 Kilometer.

Hätte ich irgendwo im Hangar Platz, ich würde ihn umgehend kaufen. Der 9-5 Anniversary entspricht im Detail genau dem Modell, dass ich bestellt und auf Grund der Langsamkeit eines früheren  Saab Händlers nie bekommen habe. Tolle Ausstattung, stimmige und seltene Farbgebung mit passenden Akzenten im Innenraum. Ein Liebhaber- oder Sammlerstück. Steht in Oberentfelden/Schweiz. Preis: 7.200,00 € ca.

Saab 9-5 Vector 2005 aus erster Hand. Bild: Wilengarage
Saab 9-5 2.3t Vector 2005, 112.000 Kilometer

Ein sagenhaftes Ersthand-Exemplar in seltener Farbe und sehr guter Ausstattung steht in Niederglatt /Schweiz. Die Wilengarage lebt Saab, der Kombi ist mehr als nur eine Versuchung wert. Preis: 7.300,00 € ca.

Saab 9-5 BioPower 2007. Bild: Garage Rais SA
Saab 9-5 2.0t BioPower Anniversary 2007. 119.00 Kilometer

Ein weiteres, sehr gut ausgestattetes Exemplar steht in Delémont / Schweiz zum Verkauf. Unsere Nachbarn bevorzugen offensichtlich Automatikversionen, wie man merkt. Der 5-Gang Automat harmoniert sehr gut mit Turbomotoren und wird sogar notorische Hand-Schalter überzeugen. Der Preis: 8.200,00 € ca.

Der Import aus der Schweiz ist relativ einfach. Der ADAC gibt wichtige Hinweise,  und Agenturen an den Grenzübergängen bereiten auf Wunsch den Vorgang der Verzollung für eine überschaubare Provision vor.

Ein Saab ist ein Saab. Ein Saab ist robust, sicher, schnell. Und immer auch ein wenig extravagant. Aus diesem Grund braucht auch ein 9-5 I eine kundige Hand. Wartungsstau und Mängel entstehen durch falsche Sparsamkeit und Werkstätten mit wenig Saab spezifischem Fachwissen. Und dass Saabs immer die Rolle des Exoten einnahmen, ist der Anteil wirklich guter Werkstätten gering.

Für den 9-5 mit seiner robusten Technik ist die Pflege durch einen sachkundigen Betrieb wichtig, will man über Jahre Spass damit haben. Auch wenn die Gebrauchtwagenpreise relativ niedrig sind, die Auswahl ist knapp. Und das wird sich kaum ändern.

16 Gedanken zu „Marktcheck. Saab 9-5 I Gebrauchtwagenpreise.

  • 18. Juli 2017 um 12:52 PM
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    Das Attribut “Senioren-” oder “Rentnerfahrzeug” war für mich bisher immer der Grund ein Fahrzeug nicht in die engere Wahl zu nehmen. Die haben zwar oft wenig gelaufen aber wer mal beobachtet wie diese Leute Autofahren weiß warum.

    • 18. Juli 2017 um 1:08 PM
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      @Daniel

      Das kann man sehen wie man mag. Meine Erfahrung sagt, dass diese Altersgruppe auf die Dinge achtet. Ein Auto hat einen hohen Stellenwert, weil bar bezahlt und nicht geleast.

      • 18. Juli 2017 um 2:45 PM
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        Klar die lassen jede Inspektion beim Händler machen. Das hilft aber auch nicht wenn die jede zweite Mauer beim Ausparken mitnehmen, oder 80km/h im zweiten Gang fahren. Alte Leute fahren außerdem viel Kurzstrecke, das mögen Saabmotoren im 9-3I und 9-5I noch weniger als andere. Wer sich dann noch an die viel zu langen Ölwechsleintervalle seitens Saab hält muss sich nicht wundern, wenn er trotz “scheckhefgepflegt” bei 150tkm einen Motorschaden hat wegen Ölkohle. Da kaufe ich lieber einen 9-5 mit 250000 Langstreckenkilometern der immer schön warm und kalt gefahren wurde und alle 10000km frisches Öl bekommen hat.

  • 18. Juli 2017 um 1:05 PM
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    Lecker was die Schweizer im Angebot haben. Da kann man neidisch werden. Die Chrombrille gefällt mir immer besser!

  • 18. Juli 2017 um 1:57 PM
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    Nehmt uns bitte nicht alle guten Gebrauchte weg! Auch in der Schweiz existiert eine Treue Saabfahrer Gemeinschaft.

    • 18. Juli 2017 um 2:54 PM
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      Das ist nicht beabsichtigt! Die Schweizer sind schon immer die größte Leserschaft nach den Deutschen auf dem Blog.

  • 18. Juli 2017 um 3:02 PM
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    Wirklich verdammt schöne Autos in der Schweiz. Ich mag die Chrombrille immer mehr 😉

  • 18. Juli 2017 um 4:10 PM
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    In Schweden kann von stabilen Preisen beim 9-5 nicht die Rede sein – die Autos verlieren schneller an Wert als der 9-3. Das wurde mir zumindest in der Werkstatt in Växjo neulich erklärt, und ich kann es aus zahlreichen Blocket-Recherchen nachvollziehen. Mein 9-5 TiD Griffin wurde neulich mit 79.000 kr bewertet – durchaus realistisch (Blocket-Vergleiche und andere Quellen). Im Februar 2016 (und mit 25.000 km weniger) habe ich dafür 114.000 kr bezahlt. Ich habe allerdings auch den Eindruck, dass Fahrzeuge in Topzustand schnell weg sind – aber auch für die werden eben nicht mehr dieselben Preise verlangt als noch vor 1-2 Jahren.

  • 18. Juli 2017 um 8:25 PM
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    Die ersten Bilder des 9-5SC waren für mich damals der Grund, noch schnell den letzten 9000CSE zu kaufen. Das aufgesetzte Heck ist nicht designtechnisch nicht meins, auch beim 9-5NG nicht.
    Aber die 9-5 Limos sind wirklich nett und saabtypisch zeitlos. Der rote oben auf der Blogseite ist einfach genial.
    Die Limos sind sicher auch nicht so runtergewohnt wie viele Combi, denen es ähnlich ergeht wie den Schräghecks.

  • 18. Juli 2017 um 8:29 PM
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    Sehr schöne Fahrzeuge und das kommt durch vielleicht baldigen Familienzuwachs auch sehr in mein Beuteschema 😉
    Aber aktuell auch noch einen guten 9³ SportCombi als Benziner Vector oder Aero zu finden, ist auch mehr als nur schwierig. Was soll in einigen Jahren nur aus den ganzen schönen TiD oder TTiD werden, wenn die Regierung meiner Meinung nach den weiterhin aktuell noch alternativlosen Diesel weiter so verteufelt.
    Saabige Grüße, Marco

  • 19. Juli 2017 um 10:45 PM
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    Ja, der 9-5 ist schon ein besonderes Auto (für mich).
    Ich fahre meinen 2,3l-Vector jetzt schon mehrere Jahre. Immer zuverlässig und sparsam. Klingt fast wie ein Langweiler. Ganz im Gegenteil: Super Fahrspaß garantiert.
    Alle drei Gebrauchtwagenvorstellungen in diesem Bericht hatten etwas für sich, aber ich schaffe es sowieso nicht mich von dem “Alten” zu trennen. Warum auch: Ist immer noch ein schönes Flugzeug!
    An jeden der einen 9-5 fahren darf: Glückwunsch.

  • 20. Juli 2017 um 11:25 AM
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    Sag ich ja schon lange! In der Schweiz gibt es sehr, sehr gute Saab Angebote und wenn ich nicht schon 5 Saab hätte, dann hätte ich den Eis-Blauen 95er Kombi schon längstens gekauft!
    ( hätte, hätte, Fahrradkette… 🙂 )

  • 20. Juli 2017 um 11:32 AM
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    Automatic in der Schweiz, ja was sonst? 80 km/h ausserorts und alle gefühlte 500 Meter ein Dorf mit Tempo 50, dann 120 km/h auf der Autobahn mit den notorischen Linksfahrer mit 115 km/h!! Da kann ich mir die Rieglerei im Schaltgetriebe doch wirklich sparen oder?

  • 20. Juli 2017 um 11:55 AM
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    9-5I Diesel Automatik, wäre ein herrliches Langstreckenauto, wobei ja auch die 2,3 Benziner große Reichweiten schaffen. Bei uns in Österreich gibt es momentan keine interessanten 9-5I Angebote

  • 25. Juli 2017 um 12:58 PM
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    Hallo zusammen,

    nur eine kleine Einschränkung bezüglich eines Automatikgetriebes:

    Die Hersteller behaupten, dass das Öl für diese Automaten während der gesamten Fahrzeuglebensdauer nicht gewechselt werden muss. Reines Marketing-Blabla!

    Bei jedem Automaten sollte eine Getriebeölspülung nach ca. 80.000 km durchgeführt werden (bei Stadtverkehr in noch kürzeren Abständen). Kostenpunkt ca. 420 Euro. Wird dies nicht eingehalten, dann setzen die verschleißbedingten Verunreinigungen das – sinnigerweise . innerhalb des Automatikgetriebes installierte Filter zu, wodurch der Öldruck allmählich absinkt und die Schaltrucke vor allem zwischen Fahrstufe 3 und 4 bzw. beim Wechsel von N auf D sehr stark spürbar sind.
    Will man das Filter des Aisin-Warner-Getriebes reinigen, dann heißt dies Getriebe ausbauen und zerlegen. Absolute Fehlkonstruktion, die aber auch bei ZF-Getrieben zu finden ist.

    Weitere, für Automatik typische Nachteile sind:
    – kein Anlassen des Motors über Kupplung auf Fahrbahngefälle möglich
    – keine Möglichkeit, über Anlasser und eingelegtem 1. oder 2. Gang das Auto aus einer Gefahrenzone zu entfernen, wenn der Motor nicht mehr laufen sollte.

    Da ziehe ich auf jeden Fall ein manuelles Schaltgetriebe vor! Da ich jeweils einen 2,2 TiD besitze, einer mit manueller Schaltung, der andere mit Automatik, bei der das Original-Öl nach 150.000 km noch im Getriebe schwappte (ich kaufte dieses Auto mit dieser km-Leistung gebraucht), kann ich leider nur von Automatik abraten.

    Gruß, Uli

    • 25. Juli 2017 um 6:38 PM
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      Gutes Thema. Ich habe auch meinen Schaltern inzwischen nach und nach allen einen Getriebeölwechsel zukommen lassen.
      Das Ergebnis ist spürbar besseres Schalten, bei den 9000 fast neuwagengleich. Die sind eben inzwischen in einem Alter, das ein normales Autoleben überschreitet, da ist dann neben Schläuchen etc. auch mal das Getriebe dran.

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