Fiktion Saab. Ein Ausblick in die Zukunft.

Endlich.

Ungeduldig stehe ich am Fenster, schaue auf die Einfahrt und harre der Dinge die da kommen. In meiner rechten Hand liegt der Schlüssel meines 9-3 Hirsch Convertible. Im Hintergrund meine Tochter – sie versucht mit mir zu kommunizieren, was jedoch aufgrund des Mangels an Konzentration meinerseits nicht möglich ist.

Saab 9-x Air Concept. Bild: Saab Automobile AB

Meinen ersten Saab kaufte ich 2009, kurz nachdem das erste Mal bekannt wurde, dass Saab pleite ist. Sozusagen aus Trotz. Und ein wenig vielleicht auch aus dem Grund, dass ich mir durch die gefallenen Preise endlich einen Hirsch leisten konnte. Ab da war es für Saab ein Auf und Ab.

Der Tiefpunkt war der Moment, als es aus Trollhättan hieß, dass eine neue Marke etabliert wird, nämlich NEVS. Es geht zwar nur um eine Automarke die verschwunden ist, jedoch war es für mich auch ein Zeichen, dass Individualität nicht mehr gewünscht war. Man sah sich ja schon als Individualist, wenn man einen Audi fuhr, ein iPhone besaß und in einer IKEA-Möbelhauskopie wohnte.

Ich erinnere mich noch ganz genau an zwei Momente, die Licht in die Causa Saab brachten. Der erste Moment war, als die Saab AB berichtet hat, eine Division zu bilden, die sich als Zulieferer für den automobilen Bereich sieht; der zweite Moment war der, als ich im schwedischen Fernsehen sah, dass die Familie Wallenberg einen NG Saab 9-5 SC zu offiziellen Anlässen nutzt.

Schon damals war ich mir sicher, dass früher oder später ein Zulieferer auch ein Auto bauen wird. Wie sich später herausstellte, wartete man lediglich auf ein Zeichen, wohin sich die Antriebstechnik entwickeln wird und man wollte über die diversen Pleiten und die GM Vergangenheit Gras wachsen lassen.

Saab 9-x Air Concept. Bild: Saab Automobile AB

Es war die Zeit, in der der Diesel in Verruf geriet und das Elektroauto seinen Boom erlebte. Damals wurde mir bewusst, warum sich Saab nie wirklich beim Thema Diesel engagierte. Es war einfach nicht möglich, diese Technik innerhalb eines vernünftigen Rahmens sauber zu bekommen. Und eigentlich waren WIR ja auch naiv und blind. Niemandem ist aufgefallen, dass – während man beim Benziner bei der Abgasuntersuchung eine Sonde in den Auspuff gesteckt hatte (um absolute Werte zu erhalten) – bei dem Diesel der Test lediglich im Auslesen des Fehlerspeichers bestand.

Da musste doch etwas faul sein.

Und die Elektromobilität? Nun ja, der Boom dauerte auch einige Zeit – bis man anfing, die richtigen Fragen zu stellen. Wie sieht es mit der Ökobilanz des Stromes für diese Fahrzeuge aus? Woher kommen die Edelmetalle für die Batterie? Wohin mit der alten Batterietechnik? Sehr schnell wurde klar, dass reine Elektromobilität nicht der Weisheit letzter Schluss und „nur“ für die Luftsauberkeit in den Städten ein Segen ist.

In ihrer Gesamtheit aber eine mittlere Katastrophe für die Umwelt bedeutet.

Der Wirtschaft bot Sie jedoch ein Wachstumsschub, denn diese muss ja (in unserer endlichen Welt) immer unendlich wachsen. Und NEVS? Es stellte sich heraus, dass deren beide Steckenpferde, Elektromobilität und das Modell des „nicht Besitzens“, in China funktionierte, in Europa jedoch sehr wenige Freunde fand. Selbst in Deutschland war „Carsharing“ (welches dem NEVS Model ähnelt) ein Verlustgeschäft und funktionierte nur in 4 Städten mehr schlecht als recht.

Und entgegen der Meinungen diverser Marktforscher möchten die Menschen nun mal „Sachen besitzen“. Somit dauerte es nicht lange und NEVS zog sich mit der Produktion auf seinen Heimatmarkt China zurück und das Werk stand wieder zum Verkauf. Der Rest ist Geschichte.

In meine Einfahrt biegt ein LKW ein, die Ladebordwand öffnet sich und heraus fährt mein neuer Saab. Endlich. Auf dem Weg nach draußen gebe ich meiner Tochter den Schlüssel meines alten 9-3 Convertible in die Hand.

Ihr Kommentar? „Dass ich das noch erleben darf.“

In Gedanken sage ich „Dito“.


Danke an Martin für den Blick in die Saab Zukunft! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheiten im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?
Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

5 Gedanken zu „Fiktion Saab. Ein Ausblick in die Zukunft.

  • 14. Juli 2017 um 11:14 AM
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    Spannend, aber, was ist das jetzt für einen Saab der da aus dem LKW ausgeladen worden ist? Habe ich etwas überlesen oder nicht verstanden? Der Hirsch gehört jetzt wohl der Tochter oder?
    Wie auch immer, Saab fahren ist so oder so eine gute Entscheidung!

  • 14. Juli 2017 um 12:11 PM
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    Klasse Story! Danke! Es wäre zu schön, wenn diese Fiktion Realität werden würde – gerne aber ohne die angedeuteten Katastrophen.

    Das Saab 9-x Air Concept hab ich nun schon mehrmals live und in Farbe im Saab Museum bewundern dürfen und finde, dass es eine Tragödie ist, dass dieses Auto nie in Serie ging – jedenfalls bisher noch nicht…

  • 14. Juli 2017 um 1:01 PM
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    Fiktion zum Wochenende, Danke! 🙂
    Ein neuer SAAB vor der Tür, immer ein Lächeln im Gesicht!
    Die SAAB-Geschichte ist noch nicht zu Ende…

  • 15. Juli 2017 um 9:57 PM
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    Ich hätte nichts dagegen wenn es so kommen würde.

Kommentare sind geschlossen.