Round Ireland with a SAAB
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Mit dem Start in die zweite Woche wurde es politisch: Die Grenze ins britische Nordirland wurde überquert und Londonderry, in Irland spricht man von Derry, besucht. Das Rathaus hält eine umfangreiche Ausstellung über die Kolonialisierung durch Britannien bis zu den Spannungen der jüngsten Vergangenheit zur Besichtigung bereit.

Dark Hedges Bild: Benjamin

Die einstige und weithin erhaltene Stadtmauer ist auch heute noch als Grenze zu den umliegenden mehrheitlich irischen Vierteln erkennbar.

Londonderry Bild: Benjamin

Die letzte Tour des Tages durch die Destille von Bushmills verpassen wir um wenige Minuten, sodass der Spaziergang inmitten der Basaltsäulen des Giant’s Causeway ausgedehnter ausfällt. Auf dem Weg zum Abendessen begeben wir uns zudem noch auf die Suche nach den dark hedges, einer jahrhundertealten und filmbewährten knorrigen Allee. Die Abendsonne lässt diese Szenerie jedoch gänzlich anders wirken, als es die Filme üblicherweise bezwecken…

Giants Causeway Bild: Benjamin
Dark Hedges Bild: Benjamin

Nach entspannter Nachtruhe folgt schon die letzte Etappe auf der irischen Insel: Die Strecke nach Belfast.

Auch dort bleibt es politisch: Auf einer Black Taxi Tour (die einzige Fahrt der Tour, die auf Rädern, jedoch nicht denen des SAAB stattfindet) erfahren wir von einem einheimischen Iren Details, Hintergründe und immer noch aktuelle Auswirkungen des britisch-irischen Konflikts. Dieser ist inzwischen von der Straße weitestgehend in die Politik verlagert, unter der Oberfläche sind aber auch für den unbedarften Besucher ungeklärte Fragen von großer Intensität spürbar.

Belfast Bild: Benjamin

Die faktenorientierte Geschichte der Stadt Belfast und der wichtigen Werften erleben wir dann im Titanic-Museum. Ein beeindruckendes modernes Gebäude mit einer sehr aufschlussreichen, umfangreichen und spannenden Ausstellung rund um Belfast, das gleichnamige Schiff, ihren Untergang und die Folgen (für Menschen, Seefahrt und – das hat mich überrascht – die frühen Massenmedien).
Ab dem Abend und über Nacht begeben wir uns dann per Fähre auf die erste Etappe des Rückwegs: Nach England, genauer Liverpool. Der SAAB hat zum ersten Mal einen Stellplatz mit Seeblick auf Deck. Unsere Kabine liegt auf derselben Höhe nur einige Meter weiter vorn. Um 7.30 Uhr werden wir anlegen und werden versuchen, einigermaßen ausgeschlafen zu sein.

Zunächst ohne Frühstück geht es nach Crewe: Wir werden kurz im (Bentley-)Showroom in Versuchung gebracht, die Wertschätzung des alten Gefährten treibt uns aber wieder hinaus und in Richtung von Chatsworth House. Die Strecke führt durch den Peak District, englisches Mittelgebirge. Eine Trasse, die – diesmal überraschend – ebenfalls fahrerisch sehr ansprechend ist: Rauf, runter, Kurven, scharfe Kurven und immer wieder mal eine nette Gerade. Rundherum rundliche Hügel, ein paar Bachläufe und allerlei Getier schmücken ansprechend.

Die besagte Behausung beherbergt einst und heute eine adlige Familie und war wohl Jane Austen Inspiration zu Pride and Prejudice. Die Besichtigung des Anwesens samt Garten nahm den Nachmittag in Anspruch, sodass die restlichen Tageskilometer am Abend als Fastfood verzehrt wurden: auf direktem Weg ins Quartier.

Chatsworth House Bild: Benjamin

Zum Ausgleich des weiblichen Ausflugsziels am Vortag, begann der folgende Tag mit einem Abstecher nach Northampton: 78 Derngate. Das letzte und gleichzeitig das einzige architektonische Werk von Charles Rennie Mackintosh in England. Weitgehend erhalten, restauriert und zu besichtigen. Der Innenausbau im Stil der frühen klassischen Moderne kann für das Jahr 1917 als vorauseilend bezeichnet werden. Fast Art Déco, etwas ausklingender Jugendstil.

Es folgte Cambridge. Ein weiteres Ziel, das ich bereits 2012 angesteuert hatte. Der Beifahrerin war es neu und ich genoss den Kontrast zu Oxford: Es wirkt offener, weitläufiger, ist weniger überlaufen und empfängt den Besucher freundlicher. Das Duell um die persönliche Präferenz gewinnt Cambridge. Nach dem Stadtrundgang wollte uns die Stadt auch kaum wieder loslassen: Berufsverkehr am Spätnachmittag.
Harwich erreichen wir dementsprechend spät, haben das Abendessen allerdings schon unterwegs genossen.

Selbstverständlich findet sich aber noch die Zeit für einen Absacker im angeschlossenen Pub des Quartiers. Die besonderen, örtlichen und nur fassweise verfügbaren Biere waren allerdings durch den Konsum der übrigen Gäste schon stark in der Vielfalt eingeschränkt worden. Wir wurden dennoch fündig und das musste sein, war es doch der letzte Abend auf der Insel, im Linksverkehr. Ich mag diese gefühlte Absurdität: Links fahren, links steuern.

Holland Bild: Benjamin

Am nächsten Morgen geht es wieder auf die Fähre; zurück nach Holland. Am Freitagabend fallen wir dann zum familiären Besuch bei meinem Bruder im Ruhrgebiet ein und samstagsabends erreichen wir schließlich wieder Berlin. Seit Hafen Hoek van Holland sind es knapp 800 km, weitgehend unspektakulär.

Insgesamt sind wir 15 Tage unterwegs, legen etwa 4.500 km zurück, fahren fünfmal Fähre und der 18 Jahre und 212.000 km gelaufene SAAB 9-3 liefert klaglos. Allen Unkenrufen zum Trotz macht der GM-SAAB fahrerisch Laune und der eine oder andere Passant hatte unterwegs sogar ein Lächeln für den roten Sonderling aus der Fremde auf den Lippen.

Die nächsten Ziele sind diesmal schon terminiert: Wir sehen uns auf der Pre-Tour von Kiel zum SAAB-Festival und im August auf dem IntSAAB in Dinslaken. Der rote Knut steht bereit und wartet nur auf den nächsten Trip.

2 Gedanken zu „Round Ireland with a SAAB
 (2/2)

  • 23. Juni 2017 um 11:10 AM
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    Toller Teil 2 und sehr stimmungsvolle Bilder! Vielen Dank!

  • 23. Juni 2017 um 11:36 AM
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    Schöner Bericht und tolle Fotos! Danke und Gruss aus der CH
    Hans

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