Round Ireland with a SAAB
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„Auf langen Strecken zuhause“ hieß es bei SAAB in den 1980er Jahren. Dann kam GM und nichts war mehr, wie es war. Aus doppelten Dreiecksquerlenkern wurden MacPherson-Vorderachsen, Turbovierzylinder erhielten sechszylindrige Geschwister und die Fahrwerke wurden weich.

Dingle Bild: Benjamin

Plüschig, cayennerot und ohne Turbo begann meine eigene SAAB-Erfahrung.

Was der rote Knut trotzdem kann, durfte er schon 2012 beweisen, als es auf eigenen Achsen nach Schottland ging. 17 Tage und 4.700 km standen damals in der Bilanz der eindrucksvollen Urlaubsfahrt.
Ein SAAB wäre kein SAAB, wenn das sein einziges Abenteuer gewesen sein soll. Und so machten wir uns mit demselben, fünf Jahre und 100.000 km älteren SAAB erneut gen Nordwesten auf: Irland.

Ballycastle. Bild: Benjamin
Round Ireland with a SAAB. 
Teil 1

Es begann in Berlin am 28. April: Nach Feierabend wurde das Auto beladen und es ging zunächst für ein verlängertes Wochenende nach Bremen. Dort spielte am folgenden Tag der dortige Fußballverein gegen denjenigen aus Berlin. Eine gelungene Terminierung für jemanden, der das Weserstadion jahrelang nicht von innen gesehen hatte. Der Abend klang nach einem Stadtrundgang gemütlich an der Schlachte aus.

Tags darauf genügte der SAAB, um nach Cuxhaven zu fahren und von dort per Boot einen Ausflug auf die einzige deutsche Hochseeinsel anzugehen: Helgoland. Nach einer Inselführung mit anschließendem Spaziergang war gerade noch Zeit, um zollfrei einzukaufen und schon legte das Boot zurück zum Festland ab. Im Fischereihafen wurde dann noch ein angemessenes Abendessen eingenommen.

Am Montag, 1. Mai brachen wir von Bremen in den eigentlichen Urlaub auf: Parallel zur Küste zunächst durch Friesland, dann über den Afsluitsdijk – der künstlichen Grenze zwischen Nordsee und Ijsselmeer nach Holland und zum Tagesziel kurz vor Rotterdam.

Dort legte am Mittag des nächsten Tages unsere Fähre nach England ab. Abends in Harwich angekommen, war noch etwas Übungszeit im Linksverkehr vorgesehen. Wir wollten nach Bishop’s Stortford.

In dieser Kleinstadt stoppten wir bereits 2012 und ich wollte unbedingt noch einmal in den wunderschönen dortigen Pub, der ganz im Stil des Art Déco erbaut und eingerichtet ist: The Nag’s Head.
Für die last order waren wir fast ein bisschen früh dran: Eine Baustelle mit irrsinniger Umleitung hatte uns aber über Nebenstraßen und Nebensträßchen geführt, die sogar mittig auf der Fahrbahn sitzende Fasanen zu bieten hatte. Wir brauchten statt der geplanten 90 Minuten fast eine Stunde länger.

Mittwoch, 3. Mai: Newport (Wales) lautete das Tagesziel. Es ging über Oxford mit obligatorischem Stadtrundgang inmitten von Touristenmassen (wegen der vielen Harry-Potter-Schauplätze…), ein Outlet-Center (wegen weiblicher Reisebegleitung) und Bristol dorthin.

Am Wegesrand lag noch Bibury. Dieses englische Dorf hat Anfang des Jahres unter #yellowcarconvoy für Aufsehen gesorgt, nachdem der gelbe Pkw eines Einwohners von mutmaßlich touristisch getriebenen Vandalen demoliert wurde, weil er die photographische Einheitlichkeit störte. Idylle besteht aber nur durch Kontrast.

Bibury Bild: Benjamin

Die Abendstimmung in Bristol nutzen wir für einen Spaziergang durch die Altstadt und aßen dort zu Abend. Newport wurde nach Irrungen und Wirrungen über diverse Brücken kurz vor 22 Uhr erreicht.
Das Hotel stand direkt am Fuße der Transporter Bridge, einer von sechs noch exisitierende Schwebefähren. Diese wurde am nächsten Morgen noch kurz in Augenschein genommen, denn es soll ja noch auf die Nachbarinsel gehen.

Die Fähre war alt, fuhr vier Stunden, legte in Fishguard ab und in Rosslare an. Für die Übernachtung war Tramore vorgesehen. Ein Ort an der Südküste, das gebuchte Zimmer hatte Meerblick und lag auf einem Hügel, sodass die Aussicht auf die Bucht grandios war. Es sollte nicht das letzte Zimmer mit großartiger Aussicht bleiben.

Am Freitag reisten wir auf die Halbinsel Dingle in den gleichnamigen Ort. Dieses vorläufige Highlight hatte am Freitagabend die richtigen Attribute der klassischen Irland-Romantik zu bieten: ländliche Idylle, Pubs und darin Bier und Livemusik.

Dingle Bild: Benjamin

Der Unterwegshalt in Cork hatte seinen Höhepunkt in der Kirche St. Anne, in welcher wir die eigenhändig gespielte „Ode an die Freude“ mit dem Geläut über die Nachbarschaft schallen ließen. Man möchte dort nicht wohnen…

Die weitere Anfahrt auf Dingle verlief über eine einzige schmale kurvige Straße zwischen ansteigendem Berg mit Wiesen und Schafen auf einer Seite, sowie Mäuerchen oder Hecken, dahinter Klippen, unten etwas Strand und danach Atlantik auf der anderen Seite. Mit einem Wort: Grandios.

Auch bewegen die Einheimischen ihre Fahrzeuge nicht gerade langsam. Ansteckend… Generell sei zum Autofahren bemerkt: Wer seinen Wagen kennt, beherrscht ihn auch auf der anderen Seite der Straße. Außerdem hat Irland erleichtenderweise metrisch beschriftete Schilder mit km und km/h.

Landschaftsbewohner Bild: Benjamin

Dafür haben sie irritierenderweise zweisprachige Ortsangaben, deren willkürliche Reihenfolge es erforderlich macht, sie vollständig zu lesen.

Nichtsdestotrotz kam der Fahrspaß auch in den folgenden Tagen nicht zu kurz: Ein Rundkurs über die Halbinsel Dingle als Teil des Wild Atlantic Way, dann der Conor Pass, dessen Breitenbeschränkung für Fahrzeuge auf 1,8 m lautet und bei schlechtem Wetter nicht passierbar ist. Die Überquerung des Shannon River per Fähre, danach die Hochebene des nahezu unbewohnten Burren National Park. Sträuchern und Schafen begegnet man inmitten von felsiger Ebene, die in der Ferne von Berggipfeln umringt ist. Die Straßen schlängeln sich und man fährt solange allein, bis man in der anbrechenden Dämmerung eine uneinsehbare rechtwinklige Kurve erreicht… glücklicherweise prägt Erfahrung den Instinkt.

Conor Pass Bild: Benjamin
Burren Bild: Benjamin

Am Samstagabend ging es im studentischen Schmelztiegel Galway auf die innerstädtische Piste: Abendessen, Pub und Unterhaltung waren nicht schwer zu finden. Dank besten Wetters war alles auf den Beinen und unter freiem Himmel unterwegs: Musik gute Musik an jeder Ecke und allerlei fröhliche Menschen aus allem Teilen der Welt. Sehr empfehlenswert.

Connemara weckte am folgenden Morgen erneut den romantischen Autofahrer: Lough an Lough zwischen kargen rundlichen Bergen, Wiesen mit Schafen und Felsen. Dazwischen schlängelte sich Asphalt und den teilt man mit der übrigen Szenerie. Worte reichen nicht, um das alles zu beschreiben: Ihr müsst es selbst erleben!

Connemara Bild: Benjamin

Mit Blick auf Lough Gill und Parke’s Castle übernachten wir nahe Sligo.


Morgen startet Teil 2 der Irland Tour.  Danke an Benjamin für die Saab Story! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheiten im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?
Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

2 Gedanken zu „Round Ireland with a SAAB
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  • 22. Juni 2017 um 12:04 PM
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    Da bekommt man ja Fernweh …

    Auch ich war mal mit einem SAAB-Fließheck (9000) auf der linken Seite unterwegs. Das hat mir mächtig Spaß gemacht.

    Schade, dass die Fährverbindung Hamburg-Harwich eingestellt wurde. Andererseits bekommen viele deutsche Saabfahrer so eine gute Ausrede, ein paar Kilometer mehr zu fahren, wenn sie auf die Insel wollen.

    Freue mich auf Teil 2. Schöner Bericht.

  • 22. Juni 2017 um 7:55 PM
    Permalink

    Ein sehr schöner Bericht mit tollen Bildern! Das macht Spaß und Lust auf SAAB, Urlaub und mehr….

    Danke!

Kommentare sind geschlossen.