NEVS 9-3 Elektroauto Konzept. Fragen und Hintergründe.

Gestern konnten wir erste Bilder vom NEVS 9-3 Elektroauto Concept präsentieren. Die Fahrzeuge selbst werden ab dem 7. Juni auf der CES ASIA zu sehen. Es wird der erste Messeauftritt von NEVS sein.

NEVS Fabrik in Trollhättan

Bemerkenswert sind einige Details im Hintergrund, die wir von NEVS nahestehenden Kreisen erfahren haben. Bisher mussten wir von der Tatsache ausgehen, dass die Produktion nur in China stattfinden wird. Das Unternehmen hatte im Sommer 2016, vermutlich unter dem Druck eine Produktionslizenz zu erhalten, angekündigt,  Trollhättan nicht in den Fertigungsprozeß einzubeziehen. Zuvor war man davon ausgegangen, dass Karosserieteile aus Schweden per Bahn nach China verschickt würden. Im Werk Tianjin sollte dann die Endmontage stattfinden.

In Trollhättan kam es auf Grund dieser Entscheidung nicht zu den angekündigten Neueinstellungen. Die Enttäuschung war groß.

Karrosseriebau jetzt doch in Trollhättan?

Jetzt steht man bei NEVS kurz davor, den ursprünglichen Plan zu reaktivieren. In der Anfangsphase der Produktion soll die Rohkarosse des NEVS 9-3 im schwedischen Werk gepresst werden. Für Schweden wäre das eine gute Nachricht.  Denn es würde zusätzliche Arbeitsplätze am ehemaligen Saab Standort bedeuten.

Für die NEVS 9-3 Limousine ist Tianjin als Montageort festgelegt. Das Werk ist allerdings noch nicht fertig, und wie weit NEVS im Zeitplan liegt,  ist schwer zu sagen. Das NEVS 9-3X SUV, oder korrekter gesagt der Offroad Kombi, könnte hingegen in Longyan vom Band laufen. Das New Long Ma Werk gehört zur NEVS Gruppe und stellt unter anderem rein elektrische Kleintransporter her.

Rein theoretisch wäre unter diesen Rahmenbedingungen auch eine Produktion der Elektroautos in Trollhättan möglich. Wenn bereits Karosserieteile in Schweden hergestellt werden, spräche wenig dagegen. Anzeichen dafür gibt es aber bisher keine. Denn NEVS müsste dafür den Personalstamm aufstocken.

Wie realitätsnah die Pläne sind,  ist schwer einzuordnen. Dass die gezeigten Fahrzeuge Concept Cars sind, und nicht die Serie präsentieren, lässt jedenfalls leichte Zweifel daran aufkommen, dass NEVS seinen Zeitplan einhalten kann. NEVS sucht weitere Partner, um die nötigen Mittel für den Start der Produktion und für neue Werkzeuge zu erhalten. Dabei geht es mindestens um dreistellige Milionen Beträge. Nicht in Yuan/RMB, sondern in Euro. Ausserdem muss die Phoenix E Plattform weiter entwickelt und zur Reife gebracht werden. Zumindest wenn man 2020 ein komplett neues Produkt auf den Markt bringen will. Einen Ausblick dazu soll in Shanghai zu sehen sein.

Eine nicht einfache Situation. Denn für NEVS sollte es oberste Priorität haben, die Produktion anzufahren. Nur wenn Elektroautos mit dem NEVS Logo in China und Europa in großen Stückzahlen auf die Strasse kommen, ist das Startup glaubwürdig. Und nur dann, wenn die Produktion läuft, auch ein attraktiver Partner für weitere Teilhaber.

Viele Frage, keine Antworten.

Und es stellen sich weitere Fragen. Was verbirgt sich eigentlich hinter die Mobilitäts Dienstleistungen, die Headline der gestrigen Pressemitteilung waren? Fakten lieferte NEVS jedenfalls keine. Ausserdem wäre da die Partnerschaft mit dem Elektroauto Startup Iconiq. Das besitzt weder ein eigenes Werk, noch ein fertig entwickeltes Produkt oder eine eigene Plattform dafür. Wahrscheinlich auch nicht die Mittel zur Realisierung der eigenen Pläne. Statt dessen setzt Iconiq auf NEVS und die Phoenix E Plattform, die ab 2020 die Marke zum Fliegen bringen soll.

Zum Schluss sollte man noch Nachdenken über die Rahmenvereinbarungen, die NEVS vorliegen. Sie kamen von Volcino, Panda New Energy und State Grid. An ihrer Erfüllung hängt die Produktion des NEVS 9-3 Elektroautos und damit das Schicksal des Unternehmens. Die Produktion sollte eigentlich schon lange laufen. Wie sehen die Partner diese Situation?

7 Gedanken zu „NEVS 9-3 Elektroauto Konzept. Fragen und Hintergründe.

  • 1. Juni 2017 um 11:32 AM
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    Gestern hatte ich einen Artikel gelesen, nach dem sich die durchschnittliche Entwicklungszeit für ein komplett neues Auto auf 30 Monate beläuft. NEVS hat jetzt 60 Monate für ein Concept benötigt. Unklar ist die Produktion und Trollhättan steht vor der gleichen Situation wie schon im Sommer 2016. Das wird, auch wenn mir das Concet irgendwie gefällt, nie was.

  • 1. Juni 2017 um 11:45 AM
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    Die Fragen, die gestellt wurden, haben ihre Berechtigung. Bei einigen Fragen kommt bei den möglichen Antworten wieder GEDULD mit ins Spiel. Kennen wir ja. 🙁
    Z. Zt. wäre es unter diesen offenen Fragen ja schon ein “Vorteil”, wenn die Gehälter weiter gezahlt werden…
    In der 23 KW sehen wir weiter…, so lange ist es ja nicht mehr. 😉

  • 1. Juni 2017 um 2:24 PM
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    Wenn man mal bedenkt was bis jetzt bei NEVS entwickelt und produziert wurde,dann kommen einem schon Zweifel ob das noch was wird.

  • 1. Juni 2017 um 4:33 PM
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    Ein s.g. Concept Car zu präsentieren, dass so sehr an ein Serienmodell erinnert, das man schon lange kennt – das sogar älter aussieht als Serienmodelle, die es bereits gibt oder schon mal gab, ist schon auch eine reife Leistung.

    Ich kann mich nicht erinnern, so etwas jemals zuvor gesehen zu haben. Schon gar nicht von SAAB.

  • 2. Juni 2017 um 12:25 AM
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    Ich verstehe dieses teils unreflektierte Genörgel von Wissenden (?) und Unwissenden nicht. Saab hat eine lange Geschichte von grossen Visionen, Studien und nichteingehaltenen Versprechen und dergleichen. Und Saab hat auch eine lange Geschichte des Mangels – an Ressourcen und Geld. Dennoch war und ist man in Schweden erfinderisch. Das Blechteil der Tür eines Saab 900 von 1993 ist bis auf minimalste Unterschiede identisch mit der eines Saab 99 von 1968. Trotzdem fahren beide Saabs komplett unterschiedlich und sind technologisch verschiedene Autos. Keinem dieser Dauernörgler würde dieser Fakt je auffallen, geschweige denn stören. Wer nun den Arbeitern und Entwicklern in Schweden und China mit diesem Dauer-NEVS-Shitstorm den ohnehin schwierigen Start mit absurdesten Erwartungen digital medial schwer macht, weil der NEVS 9-3 für China auf einem 2002 präsentierten Konzept basiert, sollte doch lieber zur anderen Chinesisch-Schwedischen Marke wechseln, denn Volvo baut auch gute Autos.

    • 2. Juni 2017 um 2:29 PM
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      Woher weißt du, welchem Nörgler wann was auffällt? Wer nörgelt ist per se geistig minderbemittelt?

      Ich nörgle auch viel an NEVS rum, weiß aber beispielsweise sehr wohl etwas über Türen. Übrigens hat auch der andere schwedisch-chinesische Hersteller seine Türen von den späten 60er bis in die 90er Jahre identisch gehalten. Auch die Front- und Seitenscheiben. Bei den Limousinen und einem 2-Türer (142,144, 164, 244 und 264) wurde auch die Heckscheibe nie geändert. Beim Kombi wurde sie irgendwann (nach einem Vierteljahrhundert) dann etwas größer …

      So what? Das waren ganz andere Zeiten!

      Wie kann man ein globales Start-Up im 21. Jahrhundert und im Zeitalter von Industrie 4.0 bloß damit vergleichen, dass findige Schweden beider Marken in der späten Nachkriegszeit ihre Entwicklungs- und Produktionskosten klein gehalten haben? Ich sehe da überhaupt keinen Zusammenhang …

      NEVS kann entweder ein zeitgemäßes und zukunftsfähiges Auto liefern, oder eben nicht. Darüber kann man vielleicht streiten, sollte es aber lieber lassen …

      Vor allem aber kann man es sich aber sparen, über den Charakter und Intellekt der jeweiligen Vertreter der einen oder anderen Position zu spekulieren. Das ist echt daneben.

  • 2. Juni 2017 um 2:43 AM
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    Sadly what I see is the last of the 9-3’s pre Saab bankruptcy, plus a few tweeks.//

    Where is the new platform and 9-3……..

    Maybe I am still wrong, but when I see NEVS using SAABS’ old ideas, and transferring it’s technoligy to china, where is the tomorrow for Sweden, (just rapeing of the local engineering).

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