NEVS verhandelt mit neuen Investoren

NEVS verhandelt,  um weitere Investoren an Bord zu holen. Diese Meldung ging am letzten Freitag über P4 Väst in die Welt. Überraschend kam sie nicht, dem Unternehmen stehen in den nächsten Monaten gewaltige Investitionen ins Haus.

NEVS Trollhattan

Eine entscheidende Phase. NEVS braucht jetzt viel Geld.

Das Startup im früheren Saab Werk hat mehrere, große Aufgaben auf der Liste. Da ist das neue Werk in Tianjin, das Produktionsfähigkeit erlangen muss. Das erste eigene Produkt, ein Elektroauto,  das partiell auf dem Saab 9-3 basiert, soll im 2. Halbjahr 2018 in die Fertigung gehen. Dazu kommt die Etablierung einer Lieferkette, der Aufbau von Vertrieb und Aftersales-Aktivitäten. Angekündigte Mobilitätsdienste müssen ebenso wie eine neue Generation von Fahrzeugen finanziert  werden.

Mit der aktuellen Gesellschafterstruktur scheint das Unternehmen die Investitionen nicht realisieren zu können.  NEVS möchte weitere Investoren an Bord nehmen, die Liquidität und Synergieeffekte bringen, aber nicht zwangsläufig aus China sein müssen. Parallel dazu laufen Gespräche mit Herstellern, welche die Fertigung in Trollhättan mit zusätzlicher Produktion auslasten könnten. Im Interview, das Mattias Bergman letzte Woche EFN gab, ist es nachzulesen.

Das alles ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren, während des Saab Festivals 2015, waren diese Punkte ein mehr oder minder öffentlich diskutiertes Thema. Der Fertigungsbereich von NEVS arbeitet seit Jahresbeginn unter neuer Führung am Neustart, und seit dem Winter 2016/17 erzählt man in Trollhättan wieder mal über den bevorstehenden Einstieg weiterer Anteilseigner.

Die Zeit eilt. Wenn der Zeitplan gehalten werden soll.

Fest stehen zwei Dinge. Die Zeit drängt, wenn das Elektroauto – Startup auch nur annähernd den Zeitplan einhalten möchte. Das Team aus der Stallbacka ist zu vergleichen mit einer Crew, die aufbricht,  um einen Berg zu besteigen. Man plant, kauft die Ausrüstung, begibt sich in das Basislager,  um dann den Berg zu erklimmen. Wo steht NEVS?  Aktuell ist man damit beschäftigt,  den Rucksack zu packen, die große Reise hat noch nicht einmal begonnen.

Sämtliche Visionen, alle vorliegenden Bestellungen, haben nur dann einen Wert, wenn man Elektroautos mit dem NEVS Logo tatsächlich auf die Strasse bringt. Fest steht aber auch – bei NEVS ist nach fast 5 Jahren nichts in Stein gemeißelt. Die Eigentümerstruktur wird sehr wahrscheinlich nicht so bleiben wie sie ist. Sie wird sich verändern, vielleicht noch mehrere Male. Vielleicht stehen Fusionen mit anderen Startups an, und eventuell geht NEVS eines Tages in einem anderen Unternehmen auf.

Andere Neueinsteiger mit großen Ambitionen sammeln ähnliche Erfahrungen. Lynk & Co hat den Europa Start verschoben, weil man zuvor in China eine Vertriebsstruktur aufbauen muss. 700 Stützpunkte sollen ab Jahresende die Fahrzeuge der neuen Marke an den Kunden bringen. Eine gewaltige Investition. Aber nur ein Vorspiel für die geplante weltweite Präsenz. Dabei kann die neue Marke Lynk auf die Netzwerke von Geely und Volvo zugreifen. Ein Netz, das weder NEVS, noch seine jetzigen Anteilseigner zur Verfügung haben.

Für Trollhättan ist die Entwicklung der nächsten Monate von Bedeutung. Gelingt es dem Management,  das Unternehmen während der folgenden 5 Jahre als Anbieter hochwertiger Mobilitätsdienstleistungen am Markt zu etablieren, dann könnten in der Stadt etliche zusätzliche Jobs entstehen.

Bleibt die Frage im Raum, warum CEO Mattias Bergman die Nachricht quasi in einem Atemzug mit der Ankündigung der ersten Concept Fahrzeugen streute? Eine Antwort, vielleicht die einzigste sinnvolle, könnte sein, dass der Einstieg eines neuen Partners kurz bevorsteht.

10 Gedanken zu „NEVS verhandelt mit neuen Investoren

  • 16. Mai 2017 um 9:03 PM
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    “… könnte sein, dass der Einstieg eines neuen Partners kurz bevorsteht.”

    Könnte aber auch sein, dass das Gegenteil der Fall ist. Derlei Ankündigungen von Vorankündigungen scheinen mir eher Beruhigungspillen für die Fachwelt und Köder für Investoren zu sein.

    Wären NEVZ und ein potentieller Investor sich schon mehr oder minder einig, bräuchte Bergmann keine vagen Ankündigungen mehr, sondern würde in Kürze ganz einfach liefern.

    Auf mich wirkt das alles verzweifelt. Zumindest wirkt es äußerst zweifelhaft …

    • 17. Mai 2017 um 10:17 AM
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      Prognosen sind bei NEVS schon immer schwierig. Die einzigste logische Erklärung, warum man gerade jetzt die Öffentlichkeit sucht, scheint der bevorstehende Einstieg eines weiteren Investors. Aber der Blog ist nur Chronist der Ereignisse in Trollhättan.

      • 17. Mai 2017 um 12:11 PM
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        Die Suche nach Öffentlichkeit und Publicity finde ich ja auch auffällig, sehe aber mehr als eine logische oder mögliche Erklärung für Bergmanns Öffentlichkeitsoffensive.

        Alles steht vermeintlich kurz bevor – Modellpräsentationen, Erprobungsphasen, Produktionsstart, Markteinführungen –oder ist angeblich schon in trockenen Tüchern (Deal über hunderttausende Fahrzeuge). Tolle Braut. Gute Mitgift. Genau das würde man auch potentiellen Investoren erzählen.

        Vielleicht hat NEVS gerade erst realisiert, dass sie Investoren brauchen und steht am Anfang der Suche? Vielleicht haben bereits Gespräche stattgefunden, sind aber gescheitert? Wer weiß?

    • 17. Mai 2017 um 10:22 AM
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      Da ist doch alles merkwürdig. Diese unklaren und vagen Vermutungen haben wir doch bei Saab auch schon mal erlebt.
      Die Außendarstellung von NEVS ist auch nicht verbindlich. Ich vermute, da die chinesische Regierung ihre Fördergelder auch nahe Null gefahren hat, das es bei NEVS jetzt schon Probleme gibt. Mich interessiert NEVS auch gar nicht. Lasst uns lieber über unsere Marke SAAB reden und schreiben. Der Blog heißt ja auch SAAB Blog. net und nicht NEVS Blog.net.
      Allen Saabfahrern eine schöne Woche.

  • 17. Mai 2017 um 9:48 AM
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    Einen Vergleich mit Bergsteigern kann man machen – wie die meisten Vergleiche hinkt aber auch dieser. Ich finde, NEVS ist bereits unterwegs und nun wären erfahrene Bergführer sinnvoll, da es um einen doch eher schwierigen Aufstieg geht.

    Bleibt abzuwarten, welche erfahrenen Bergführer (Investoren) den Aufstieg absichern – nach den sehr umfangreichen Vorbereitungen wäre es NEVS zu wünschen, dass erfolgreiche Partnerschaften zustandekommen und der Aufstieg sicher fortgesetzt werden kann.

    Bezüglich des gestern veröffentlichtes Bergman-Interviews bleibt noch anzumerken, dass man sich keinesfalls zu sehr auf ein Diestleistungspaket versteifen sollte. Die Akzeptanz für NEVS in der Öffentlichkeit wäre deutlich größer, wenn Autos auch unter herkömmlichen Gepflogenheiten angeschafft werden könnten – füf mich ist dieses Gedöns um Mobilitätsdienstleistungen auch eher abschreckend!

  • 17. Mai 2017 um 9:56 AM
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    Es ist schon der pure Wahnsinn. Da steht ein Werk in Schweden, das man vergammeln lässt. Statt dessen baut man ein Werk in Tianjin, mit Geld das man nicht hat. Einfacher wäre es gewesen zuerst eine kleine Produktion in Schweden zu etablieren und dann in China zu investieren. Tesla baut auch erfolgreich Autos in den USA und verkauft sie sogar bis nach China. Hat das bei NEVS noch keiner gemerkt?

    • 17. Mai 2017 um 11:49 AM
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      NEVS ist nunmal chinesisch. Und anders als Volvo ist NEVS ein Start-Up. Wer was wann wo bauen darf wird also vom national-chinesischen Interesse diktiert. Der Neubau des Werkes war wohl eher eine politische und keine wirtschaftliche Entscheidung.

  • 17. Mai 2017 um 10:31 AM
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    Muss Franken Troll recht geben. Und wen man keine ganz tiefe “Taschen” hat muss man vorsichtig sein und Schritt fuer Schritt gehen, bestimmt wenn noch kein Produkt da ist was man vermarkten kann.

  • 17. Mai 2017 um 11:00 AM
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    Tesla verbrennt Geld und sammelt auch immer wieder Geld bei Investoren ein. Der Unterschied ist, die einen bauen Elektroautos, die anderen haben in 5 Jahren noch nichts an den Start gebracht und haben ein merkwürdige Strategie. 2020 ist Volvo schon lange mit einem Luxux Elektroauto auf dem Markt und andere auch. NEVS wird dann niemanden mehr interessieren.

  • 17. Mai 2017 um 11:51 PM
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    Alle großen Autokonzerne haben mittlerweile Elektroautos auf ihre Fahnen geschrieben, zudem haben die großen Konzerne in Sachen Forschung und Entwicklung sowie finanziell wesentlich mehr Möglichkeiten als NEVS ,da kommt ja seit Jahren überhaupt nichts.
    NEVS ist für mich eine Totgeburt ,hoffentlich ist da bald Schluss und dann hoffe ich irgendwie auf ein wirklichen SAAB Neuanfang.

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