Projektsaab. Die Leiden des jungen P.

Die gute Nachricht zuerst: Paul, unser Projektsaab, ist zurück auf der Strasse. Seit einigen Tagen haben wir ihn wieder. Die Geschichte der vergangenen Monate war nicht ohne Schwierigkeiten. Aber es hat sich auch Positives ereignet. Natürlich ist es nicht einfach,  ein Auto wie Paul zurück in das Leben zu holen.

Paul, unser Projektsaab in Frankfurt.

Das wussten wir von Anfang an,  und schon vor Monaten hofften wir,  alle möglichen Leiden bereits kuriert zu haben. Die Liste der Dinge, die erneuert wurden, ist beeindruckend;  eigentlich ist fast alles neu,  was relevant ist. So fährt sich Paul auch !  Der Saab rollt straff ab wie ein Neuwagen, er ist ein extrem angenehmes, leises Reiseauto.

Im Oktober letzten Jahres sollte es nach Trollhättan gehen und damit der 9-5 zurück zu seinem Geburtsort. Die erste Autobahnfahrt führte nach Frankfurt, wobei auffiel,  dass Paul nicht gut läuft. Der Durchzug war matt, und auch wenn die 150 PS vom Prinzip her nicht Rennwagen-verdächtig sind – hier stimmte etwas nicht.

Kleine, unangenehme Überraschungen

Die Ursache dafür war schnell gefunden. Ein Unterdruckschlauch, der Klassiker schlechthin, hatte sich gelöst. Ebenfalls gelöst, und das war um einiges ärgerlicher, hatte sich auf der Autobahnfahrt die hintere Stoßstange. Ein Teil davon hatte seinen Halt verloren, nur mit viel Glück und durch die Aufmerksamkeit eines syrischen Gastes in unserem Land passierte nichts Schlimmeres.

Schuld daran waren zwei Schrauben, die mit Abwesenheit glänzten. Wer sie wann gelöst haben könnte,  ist kaum noch zu ermitteln. Die Stoßstange war Original und wurde weder in Kiel, noch später im Saab Hangar angerührt. Fakt ist aber: 2 Schrauben fehlten, was niemand sieht,  wenn er nicht exakt danach sucht. Das fällt nicht ins Gewicht, solange man in der Stadt oder auf der Landstrasse fährt – ist aber fatal, wenn man auf der Autobahn unterwegs ist.

Mit der gelösten Stoßstange war die Fahrt nach Schweden gestrichen,  und ich überlegte mir kurz,  Paul am Strassenrand auszusetzen. Aber nur ganz kurz, bis der erste Ärger verraucht war.

Um die Kosten des Schadens bezahlbar zu halten,  spendierte uns Saab Service Frankfurt eine gebrauchte Stoßstange. Sie wurde neu lackiert und montiert, und am Schluss standen mit anderen Kleinigkeiten weitere 840,00 € auf der Rechnung. Diese sehr ärgerlichen Dinge hat man nicht auf dem Schirm. Sie sind die kleinen und gemeinen Überraschungen,  wenn man ein altes, lange stillgelegtes Fahrzeug mit ungeklärter Historie von der Intensivstation holt.

Motorüberholung nach Werksspezifikation

Der Winter wurde genutzt,  den 9-5 Sportkombi noch zusätzlich zu verbessern. Um unser Charity Projekt auf die technisch sichere Seite zu holen,  überholte Saab Service Frankfurt im Dezember den Motor nach Werksvorgaben. Ohne Berechnung für Material und Arbeitszeit. Als Engagement für die Marke und für eine gute Sache. Für soviel Saab Spirit sagen wir nochmals: Danke!

Paul ist damit, wie man so nett sagt, durchrepariert. Angefangen von Bremsen, Fahrwerk, Turbolader und Kupplung bis hin zum überholten Motor ist alles neu. Es fehlen noch Kleinigkeiten wie das SID, das immer noch Pixelfehler hat und der Knüppel der Gangschaltung, der einfach nicht mehr schön ist. Aber das sind wirklich Luxusprobleme.

Optisch ist der Saab passabel. Er ist mittlerweile 18 Jahre alt. Ein Alter, das nicht viele Alltagskombis erleben. Er trägt die Narben seines Lebens mit Würde und wäre eine gute Basis,  um daraus ein richtig schickes Auto zu machen. Eine Chance für den Besitzer, der nach dem Blog kommt.

Wie geht es weiter? In den kommenden Tagen wird Mark unseren 9-5 Sportkombi übernehmen und dann für ihn verantwortlich sein. Er wird mit ihm zu Saab Treffen fahren,  und im Sommer besuchen wir gemeinsam Pauls Paten. Unser Dank an die Unternehmen, die sich besonders eingebracht haben, und die ein großes Herz für Saab und unser Projekt bewiesen haben !

Unsere Tour wird uns über mehrere Tage von Nord nach Süd führen. Wir werden darüber schreiben und, wenn möglich, auch Fans und Leser treffen. Mehr zum Thema, und viel mehr zu Paul, demnächst auf dem Blog.

18 Gedanken zu „Projektsaab. Die Leiden des jungen P.

  • 25. April 2017 um 10:28 AM
    Permalink

    Ich glaube, in Kiel steht wieder ein Paul, der auf “Rettung” wartet 😉

  • 25. April 2017 um 10:38 AM
    Permalink

    Manchmal sind es die kleinen Sachen, die an älteren Fahrzeugen unglaublich nerven können… und trotz guter Beziehungen recht hohe Rechnungen bescheren. Mir geht zurzeit ähnlich und mein fälliger Dachhimmel muss warten, bis die technischen, nervenden Kleinigkeiten im Reinen sind… mal sehen, was die nächsten Tage bringen…

    Wisst Ihr, welchen Gegenwert die Unterstützung des Saab Service Frankfurt in etwa hat? Motorüberholung nach Werksvorgaben klingt teuer, sehr teuer… schön, dass es noch solche Enthusiasten gibt! Beste Werbung hier im Blog. Mir scheint, dass hier in der Schweiz gerade bei älteren Fahrzeugen eine unglaubliche Wegwerfmentalität herrscht. «Lohnt sich nicht mehr… bedenken Sie, was alles noch kommen kann…», so wird das Fahrzeug erstmal schlechtgeredet und wenn man eine Reparatur doch ausführen möchte, wird komplett freudlos gearbeitet.

    • 25. April 2017 um 12:32 PM
      Permalink

      Die Original Teile selbst sind bei Orio erfreulich günstig zu bekommen. Teuer ist der erhebliche Arbeitsaufwand. Ich würde mal einen deutlich 4-stelligen Betrag im unteren Bereich veranschlagen.

  • 25. April 2017 um 12:02 PM
    Permalink

    Ob das in der Schweiz wirklich so ist mit dem Wegwerfen älterer Autos und im Speziellen älterer Saabs, weiss ich nicht. Es gibt aber eine auf Saab spezialisierte Werkstatt wo nichts so schnell weggew0rfen wird. In deren Hinterhof stehen ca. 25 Saab, von 99 bis 9-5 ist alles vertreten, die auf ihre Verwertung oder Restauration warten. Nebenbei sind die Preise christlich und die Leistung äusserst kompetent und zuverlässig. Es ist dies die Neuenhof Garage in Kirchberg bei Bern.

    • 25. April 2017 um 4:03 PM
      Permalink

      Da kann ich nur beipflichten! Diese Garage ist wirklich zu empfehlen.

  • 25. April 2017 um 2:50 PM
    Permalink

    Das sind eben die Geburtsschwierigkeiten. Hauptsache ein SAAB mehr bleibt uns erhalten! Operation geglückt würde ich sagen.

  • 25. April 2017 um 3:31 PM
    Permalink

    Tolles Projekt. Ich kenne solche Probleme. Wenn man da keinen langen Finanziellen Atem oder gute Partner hat ist es da schnell vorbei. Gute fahrt Paul. Hoffe das ich ihn mal live zu sehen bekomme.

    • 25. April 2017 um 3:51 PM
      Permalink

      Mark holt Paul am Donnerstag. Er wird dann auf einer Ausfahrt dabei sein…

  • 25. April 2017 um 3:42 PM
    Permalink

    Wie gut, dass ein netter Mitmensch aufgepasst hat… eine “verlorene” Stossstange auf der BAB gehört ja eher zu den Albträumen im Fahrerleben!
    Wichtig ist: jetzt ist PAUL vorzeigbar! 🙂 Allzeit gute Fahrt!

  • 25. April 2017 um 3:47 PM
    Permalink

    Wie immer ein eindrucksvoller Bericht und verständliche Gefühlswallungen. Paul ist nun Dank des Engagement vieler Enthusiasten mit Saab Spirit im Blut fit für ein weiteres Automobil – Leben auf unseren Straßen. Ich freue mich ihn beim Treffen zu sehen.

  • 25. April 2017 um 7:11 PM
    Permalink

    So wir warden Paul am Saabtreffen in THT bewundern koennen. Grossartig !!!!!

  • 26. April 2017 um 7:26 AM
    Permalink

    Werden wir Paul beim intsaab in Dinslaken zu sehen bekommen?

    • 27. April 2017 um 9:23 AM
      Permalink

      Wir sind noch nicht sicher. Es hängt immer von Beruf und Familie ab was geht, und was nicht.

  • 26. April 2017 um 7:41 AM
    Permalink

    Ein frisch inspizierter und überholter Motor?

    Das klingt doch so, als wäre Paul jetzt begierig auf ein Geweih.

    Zumal der 2.0t wohl der Motor von allen ist, dem die Schweizer prozentual zu dem
    größten Zuwachs an Leistung und Drehmoment verhelfen. Von 150 auf 210 PS und von
    240 auf 320 Nm, wenn ich Zahlen richtig im Kopfe habe …

    Ich kenne den Motor mit Werks- und Hirschsoftware. Nach dem Upgrade hat man ein vollkommen anderes Auto.
    Sehr, sehr empfehlenswert nicht nur für Eilige. Der enorme Zuwachs an Durchzug kommt auch einer entspannten
    Fahrweise ohne Drehzahlorgien sehr zu gute.

    • 26. April 2017 um 8:10 AM
      Permalink

      Wow, coole Idee! DAS wäre doch mal ein Prestige-Projekt und würde zeigen, was man aus fast vergessenen Gammel-Saabs noch zaubern kann.
      Blog, wie wäre es mit einem Add-On? Neue Sponsoren etc, viel Arbeit, aber die Sache wert?
      Allez, courage!

    • 27. April 2017 um 9:22 AM
      Permalink

      Die Idee ist sehr verlockend, aber reiner Luxus. Unser Budget gibt das nicht her.

      • 27. April 2017 um 10:02 AM
        Permalink

        Schon mal bei Hirsch angefragt?

        Vielleicht können die das spendieren? Für Pauls Modelljahr ist die Software meines Wissens ohnehin signifikant im Preis reduziert. Die Schweizer Spendierhosen wären also keine übergroßen …

  • 7. Mai 2017 um 3:58 PM
    Permalink

    Gerade sind ja Aufkleber ein wichtiges Thema. Gibts Gedanken Pauls Motorhaubenaufkleber in einer Kleinserie fertigen zu lassen? Ich hätte riesiges Interesse für meinen 9-3 SC.

Kommentare sind geschlossen.