Tesla Produktion zukünftig im Saab Werk?

Die Autoindustrie ist im Umbruch, vieles ist möglich. Dass Tesla auf der Suche nach einem europäischen Standort für eine komplette Produktion ist, ist allgemein bekannt. Neben Standorten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Portugal ist auch Trollhättan im Gespräch – und damit das ehemalige Saab Werk.

Saab Werk Trollhättan. Produktion des Saab 9-3. Bild: Saab Automobile AB

Tesla Produktion in Trollhättan. Schwedisches Wunschdenken?

Die Kontakte zu Tesla wurden erstmals im Frühsommer 2016 geknüpft. Laut Sverigesradio sind sowohl Business Sweden als auch der Verband der Autoindustrie FKG an den Gesprächen beteiligt. Man sieht einen harten Wettbewerb um Tesla, aber auch große Chancen.

Die Infrastruktur in Südschweden ist stimmig, der Weg zu den größten europäischen Märkten ist kurz. Vor Ort in Trollhättan existiert viel Erfahrung im Automobilbau und ein funktionierendes Netzwerk von Lieferanten. Die schwedische Autoindustrie im Jahr 2017 ist, dank ausländischer Investitionen, eine Erfolgsgeschichte. Wozu ein Autowerk, das seit Jahren unbenutzt auf der Wiese steht, so gar nicht passen will.

Natürlich ist im harten Wettbewerb um einen möglichen Tesla Standort auch Wunschdenken mit dabei. Aber eine bestehende Fabrik könnte im Rennen um den Zuschlag eine Trumpfkarte sein, auch wenn sie umgerüstet und modernisiert werden müsste. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Forschungs- und Entwicklungszentrum von NEVS mit Windtunnel, Laboren und Teststrecke. Ausserdem ist Trollhättan ein Forschungs- und Innovations-Brennpunkt der Autoindustrie.

In der den letzten Jahren bekundete NEVS immer wieder Interesse an einer Auftragsproduktion. Es gab Gespräche mit diversen Unternehmen, wozu auch Tesla gehörte. Zu einem Auftrag kam es aus bisher nicht. NEVS Industrial Services (NIS) arbeitet an einem Neustart und hat sich dazu die Unterstützung eines erfahrenen Valmet Automotive Managers gesichert. Valmet Automotiv, früher Saab Valmet, ist als Auftragsfertiger auch für deutsche Marken tätig.

Tesla und NEVS im direkten Wettbewerb?

Was gegen eine Tesla Produktion im ehemaligen Saab Werk sprechen könnte, ist die Modellplanung von NEVS. Die ab 2020 angekündigten Fahrzeuge könnten im gleichen Preis- und Marktsegment plaziert sein wie das kommende Modell 3 von Tesla. Beide Unternehmen stünden in direkter Konkurrenz zueinander, was eine gemeinsame Produktion mindestens fraglich erscheinen liesse.

Bliebe die Möglichkeit, dass NEVS das Werk längerfristig verpachtet oder gleich komplett verkauft. Für NEVS wäre Trollhättan zukünftig ein reiner Forschungs- und Entwicklungsstandort, so wie es bei CEVT in Göteborg und der neuen Marke Lynk & Co ist. Das allerdings ist reine Spekulation, für die es keine Belege gibt.

Tesla hat angekündigt,  sich innerhalb von 2 Jahren zu entscheiden. Für Trollhättan wären es Hunderte neuer Arbeitsplätze, und vielleicht noch der Standort für eine Batteriefertigung dazu. Was aber auch für NEVS von Interesse sein könnte.

12 Gedanken zu „Tesla Produktion zukünftig im Saab Werk?

  • 27. Februar 2017 um 10:48 AM
    Permalink

    Traum und mögliche Wirklichkeit…
    Auf jeden Fall gut für die Region um Troll-City! 🙂

  • 27. Februar 2017 um 11:14 AM
    Permalink

    Ich gebe zu, dass ich im ersten Moment auf das heutige Datum geschaut habe…

  • 27. Februar 2017 um 11:48 AM
    Permalink

    Ich vermute das Volvo früher oder später zuschlägt. Oder Lynk & Co und CEVT. NEVS kann es einfach nicht, das China Mobil soll erst 2018 auf den Markt kommen. Ist nicht sehr überzeugend in meinen Augen.

  • 27. Februar 2017 um 2:05 PM
    Permalink

    Bedeutet Standortsuche denn tatsächlich, dass Tesla einen fremden Hersteller mit der Fertigung betrauen will?
    Ich dachte, die hätten sich bislang durch eine für die Branche ganz erstaunliche Autonomie hervorgetan?
    Ein Standort ist ja zunächst eine Immobilie und nicht gleich ein Partner …

    Wäre es möglich, dass Tesla das Werk kauft und NEVS ganz nach China geht?

    • 27. Februar 2017 um 2:25 PM
      Permalink

      Tesla wird wohl lieber kaufen, bauen, pachten. NEVS könnte das Werk verpachten und eine Schicht mieten. Ein Verkauf in der aktuellen Lage ist nicht besonders wahrscheinlich. Aber auch nicht komplett unmöglich.

  • 27. Februar 2017 um 2:17 PM
    Permalink

    Wollen die NEVS-Leute eigentlich selber mal was auf die Beine stellen oder ausgerechnet einer amerikanischen Konkurrenzfirma die Möglichkeit der Produktion für europäische Märkte in Trollhättan einräumen??

    Das Gespräche darüber stattfanden, hatte ich nicht mitbekommen. In meinen Augen ist das Ganze mehr als merkwürdig und läßt mich leider immer mehr an NEVS zweifeln. Was wollen die eigentlich mit dem SAAB-Erbe und viel beschworenen SAAB-Spirit künftig in die Tat umsetzen – ich fürchte für SAAB-Enthusiasten kommt da wirklich nicht mehr viel!

    • 27. Februar 2017 um 2:31 PM
      Permalink

      Aktuell verfestigt sich der Eindruck, dass sich immer mehr in Richtung China verschiebt. Ob Saab Erbe neu interpretiert wird, und ob man mittelfristig überhaupt Wert darauf legen wird, sehe ich mit einem immer größeren Fragezeichen.

      • 27. Februar 2017 um 5:09 PM
        Permalink

        Als eingefleischter SAAB-Liebhaber nehme ich es nicht nur NEVS übel, wenn letztendlich nichts genießbares mehr herauskommen sollte – bekanntlich haben viele Köche zum Verderben beigetragen. Allen voran der ehemalige amerikanische Chefkoch GM. Ein hollländischer Jungkoch sowie die schwedischen Hilfsköche (Legislative und Judikative) haben ihre Unfähigkeit dann ja zusätzlich mit unter Beweis gestellt – klar, dass langsam für den Feinschmecker alles irgendwie ungenießbar wird (vermutlich eben auch mit dem aktuellen chinesischen Chefkoch Jiang).

        Es ist an der Zeit, sich nach einem neuen automobilen Leckerbissen umzusehen – TESLA ist es in meinen Augen aber irgendwie auch nicht. Wo soll man nur fündig werden?

  • 27. Februar 2017 um 3:24 PM
    Permalink

    wenn die Entwicklung und die Produktion soweit auseinanderfallen, werde ich wohl nicht mehr willens sein, dort ein Auto zu kaufen. Dafür bin ich zu sehr Europäer.

    Allerdings ist die Idee weder unplausibel noch mir fremd. Tatsächlich hab ich das verschiedentlich für Apples Auto vorgeschlagen, das ja nun wohl nicht mehr kommt.

  • 27. Februar 2017 um 3:39 PM
    Permalink

    Die Frage ist ob NEVS es nicht einfach verpasst hat zur richtigen Zeit eine Auftragsfertigung in das Werk zu holen. Jetzt steht es schon 6 Jahre still und die Anlagen werden dadurch nicht besser. Kompetenz ist weiter gezogen nach Göteborg und ich denke wir sehen am Ende einen Verkauf.
    Nicht unbedingt heute oder nächsten Monat. Aber mittelfristig sicher. Als Alternative kommt der Abriss, aber NEVS wird in Schweden sicher nie auch nur ein Elektroauto herstellen.

  • 28. Februar 2017 um 9:42 AM
    Permalink

    ….genau so ist es. Ich habe immer gesagt das war es mit Saab. Hätte ein seriöser Investor Saab aus dem laufenden Betrieb übernommen und kontinuierlich weiterentwickelt, so hätte das gut gehen können -siehe Volvo-. So war ist und bleibt Saab Geschichte. Leider

  • 28. Februar 2017 um 9:59 AM
    Permalink

    Es ist wie es ist. In der jetzigen Weltanschauung muss alles wachsen, boomen, expandieren. Das wäre mit Individualautos wie SAAB über den Weltmarkt zwar auch möglich, aber nicht in der rakentenhaften Steilkurve wie es die “Experten im Geld vermehren” hoffen. SAAB Automabile ist Geschichte und das wird erst einmal so bleiben, bis ich wieder in die Garage gehe, den Schlüssel umdrehe und losfahre. TESLA traue ich grundsätzlich alles zu. Gemeinsam mit NEVS in einer Werkshalle sehe ich aber das ganze nicht. Zu groß ist das Mißtrauen gegenüber den “Copy-Paste-Chinesen” und umgekehrt dürfe es wohl ähnlich sein. Ich denke TESLA wird nach “Billighausen” gehen, weil es die Aktionäre so wollen.

Kommentare sind geschlossen.