Jahresausblick 2017 – aus Saab Sicht.

Ich mag Jahresrückblicke nicht leiden. Sie recyclen in der an Nachrichten armen Zeit das, was man bereits irgendwann und irgendwo gehört hat. Und oft sind es Themen, die man nicht noch einmal vertiefen möchte. Aus diesem Grund gab es keinen Rückblick auf das Jahr 2016,  und wir starten mit einem Ausblick auf das,  was kommt.

Bessere Zeiten. Muller, Jonsson und Mullers neuer Dienstwagen. Bild: Saab Automobile AB

Unser erster Blick geht, wie es sich für den Blog einer skandinavischen Marke gehört, nach Schweden. Präziser gesagt,  nach Vänersborg, wo sich am 24. Januar der Vorhang zum letzten großen Akt des Saab Dramas öffnen wird.

Muller und Jonsson vor Gericht

6 Jahre nach dem Ende der Autoproduktion in Trollhättan werden führende Manager der Saab Automobile AB vor Gericht zitiert. Es geht um den Vorwurf der Steuerhinterziehung und der Wirtschaftskriminalität. Die Anklage ist in Schweden nicht unumstritten; anfängliche Vorwürfe relativierten sich im Laufe der Ermittlungen.

Die dramatischen Ereignisse rund um Saab  werden noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Es könnten vielleicht spannende, bisher nicht bekannte Details zur Sprache kommen,  und wir werden den Verlauf des Verfahrens im Blick behalten.

Der letzte Verhandlungstag ist für den 29. März festgesetzt. Das ist Zufall oder nicht. Der Tag, an dem 2011 die Bänder zum Stillstand kamen. Ein Urteil wird im Mai oder Juni 2017 erwartet.

Seit eben diesem schicksalhaften 29. März steht die Produktion in der Stallbacka dauerhaft still, sehen wir von einigen kurzfristigen Unterbrechungen ab. Das Werk hat einen neuen Besitzer, der vor 5 Jahren einzog, und wir hatten viele Hoffnungen, die sich (bisher) alle nicht erfüllt haben.

NEVS und das China Modell

Eigentlich wollte man im August 2016 200 neue Mitarbeiter für die Produktion einstellen, das Presswerk in Betrieb nehmen, und Karossen für das NEVS EV herstellen. Daraus wurde nichts, wie wir wissen. Die Pläne wurden in Abstimmung mit der chinesischen Administration geändert, in Tianjin entsteht ein komplett neues Werk statt nur einer Montageeinrichtung. Zum Jahresende 2017 oder Anfang 2018 will NEVS, dann mit mehr als 12 Monaten Verspätung, die Produktion beginnen.

Allerdings fehlen bis heute immer noch die kostspieligen Lizenzen zum Vertrieb des NEVS Elektroautos und zum Betrieb der neuen Fabrik. Ohne Lizenzen keine Produktion, kein Elektroauto, und auch kein Geschäftsmodell.

Das lange Warten auf Lizenzen ist nicht ungewöhnlich. Auch Volvo erlebte Monate im Wartestand, bis die Freigabe kam. Das ist allerdings schon einige Zeit her, und in den vergangenen 12 Monaten hat sich in China vieles fundamental verändert.

Die Lizenzen sind wichtig für NEVS

Neueinsteigern wird der Zugang zum Markt immer mehr erschwert, Lizenzen nur noch zurückhaltend erteilt. Die Administration in Peking legt immer mehr Wert auf eine nachhaltige Entwicklung und die Förderung nationaler Anbieter. Hersteller müssen ihre Planung zum Vertrieb, der Kundenbeziehung, der Schulung von Technikern und Personal, und der Zukunftsfähigkeit bis hin zur finalen Entsorgung offenlegen.

Die verschärften Regeln zur Devisenbewirtschaftung wurden bis in den Herbst 2017 hineinverlängert,  und Peking fördert nur noch eine kleine, sehr überschaubare Zahl an Herstellern von Elektroautos.

Die große, lukrative Party in China, die mit dem Elektroauto-Boom 2016 einherging, ist am Abklingen. Die üppigen staatlichen Subventionen werden ab 2017 Jahr für Jahr zurückgefahren, und ab 2020 wird es überhaupt keine Prämien für den Kauf eines Elektroautos mehr geben.

Wer zu spät kommt, der verpasst nicht nur das Beste, sondern eben auch die großzügigen Subventionen. Bei 170.000 vorbestellten Fahrzeugen, die verspätet auf den Markt kommen werden, kann man über die Auswirkung auf das Geschäftsmodell nur spekulieren.

Saab Festvial 2017 und IntSaab in Deutschland

Der Saab Jahresausblick wäre nicht komplett  ohne die zwei großen Festivals,  die auf uns zukommen. Vom 9. – 11. Juni findet in Trollhättan das internationale Saab Festival statt. Die Heimat von Saab ist immer eine Reise wert, egal wie lang die Anfahrt ist.

In den vergangenen Jahren gab es immer eine Pre Tour über Kiel – Göteborg nach Trollhättan. Rund 50 Fahrzeuge, die Zahl der Teilnehmer ist limitiert, die sich gemeinsam über den Inlandsvägen auf den Weg machen. Vermutlich wird es auch in diesem Jahr zu einer Pre Tour kommen, die Zeichen stehen nicht schlecht. Die finale Entscheidung steht noch aus, mehr dazu in den nächsten Tagen auf dem Blog.

Zwei Monate nach dem Saab Festival startet die IntSaab 2017. Das Internationale Saab Festival findet jedes Jahr in einem anderen Land statt, Ausrichter sind immer die nationalen Clubs. In diesem Jahr ist der 1. deutsche Saab Club stolzer Gastgeber für die Fans. Das große Treffen findet auf der Trabrennbahn in Dinslaken statt.

Zwei tolle Saab Ereignisse im Jahr 2017, die man in seine Terminplanung einfließen lassen sollte. Und auch auf dem Blog ist Einiges in Bewegung. Nicht alles, was bisher Gewohnheit war, wird Bestand haben. Aber anderes, neues wird kommen. Morgen geht ein neues Feature online,  und wir stellen unsere Idee zur Diskussion.

7 Gedanken zu „Jahresausblick 2017 – aus Saab Sicht.

  • 9. Januar 2017 um 11:56 AM
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    Über eine Pre-Tour nach Schweden, gemeinsam mit anderen SAAB Fans, würden wir uns sehr freuen! Wir warten auf News!

  • 9. Januar 2017 um 12:37 PM
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    Werde mich Muhe geben beim beiden Treffen anwesend zu sein. THT ist immer eine Reise wert und Dinslaken ist so in der Naehe von Belgien.
    Binn auch gespannt was das Gerichtsurteil sein wird. Hoffe das nicht nur diese zwei die sich soviel Muehe gegeben haben Saab zu retten es jetzt ablegen muessen gegenueber, ja wer hat dies eigentlich gefoerdert, doch nicht die Regierung vom Schweden?

  • 9. Januar 2017 um 1:14 PM
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    Wenn ich mir die real existierende Flut neuer Hersteller, zuletzt Faraday Future, ansehe dann könnte man heulen. Selbst Fisker ist zurück. Alles sind präsent, alle werben und sind auf Shows. Nur bei NEVS sieht man gar nichts. ist schon traurig.

  • 9. Januar 2017 um 9:21 PM
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    Ich denke nach wie vor daß NEVS es nicht schafft auf den Markt zu kommen.
    Vielleicht erleben wir wie unsere Marke SAAB noch einmal das Licht der Welt erblickt

  • 9. Januar 2017 um 10:30 PM
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    Wenn NEVS die Lizenz nicht erhalten sollte, könnte man die Fahrzeuge doch auch auf den europäischen Markt bringen. Oder stelle ich mir das zu einfach vor?

    • 10. Januar 2017 um 10:10 AM
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      So einfach ist das (leider) wirklich nicht. Das NEVS EV ist konsequent für China als Fahrzeug im Mietwagen und Taxibetrieb ausgelegt. Ausserdem sieht NEVS China als Chance schnell auf Stückzahlen und Profitabilität zu kommen. In Europa hätte man als komplett unbekannte Marke wohl nur geringe Chancen, die zu erwartenden Stückzahlen wären zu gering und der Ertrag zu gering.

  • 11. Januar 2017 um 12:33 PM
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    Ich hoffe, dass wir es dieses Jahr nach Trollhättan schaffen, aber Juni ist immer ein wenig schwierig, dass wir da genügend Zeit haben, von Wien aus hinzufahren.
    Reicht es für Dinslaken, wenn man sich 2-3 Wochen vorher anmeldet, oder musst das schon jetzt gemacht werden?

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