Saab 9000. Die aktuelle Marktlage.

Wir haben in den letzten Monaten immer wieder über die Herkunft des ersten großen Saabs geschrieben. Seine Entstehung,  Innovationen, die lange Produktionszeit. Der 9000 hatte uns viel über die Marke Saab und ihre spannendsten Jahre erzählt.

Cockpit Saab 9000 CSE Anniversary Ausstattung 1998.

Im letzten Teil der Artikelserie geht es um die aktuelle Marktlage. Überraschend viele 9k, mehr als vermutet, haben die Jahre überlebt. Ein Saab 9000 kann auch heute noch als alltagstauglich gelten. Er ist, wenn man klassisches, skandinavisches Blech mag, ein unproblematischer Einstieg in die Klassiker- und Youngtimer-Welt.

Natürlich bemerkt man, im direkten Vergleich mit modernen Fahrzeugen, dass die Jahre nicht spurlos an dem Saab vorübergegangen sind. Seine Bedienung erfordert etwas mehr an Kraft und Aufmerksamkeit, seine fahrdynamischen Qualitäten entsprechen dem Stand der 90er Jahre. Dafür entschädigt der 9000 mit einem großen, hellen Innenraum, einem fast feudalen Raumangebot und Flexiblität ohne Ende. Er entschleunigt unseren automobilen Alltag auf wunderbare Art. Der Umgang mit dem 9000 weckt den Schweden in uns. Gelassenheit wird dann zur Gewohnheit, Drängeln und Rasen ist etwas für die Anderen.

Der 9000 ist in den letzten Jahren immer seltener auf unseren Strassen geworden. Er ist raus aus dem Alltag, und damit auch raus aus dem Gebrauchtwagengeschäft und entwickelt sich immer mehr zu einem Klassiker. Es kann sogar geschehen, dass wildfremde Menschen auf dem Parkplatz auf einen zustürmen, nur um über den Saab zu sprechen. Das passierte beim 9000 früher nie oder so gut wie nie. Mittlerweile sollte man darauf vorbereitet sein.

Die Marktlage

Wer einen Saab 9000 fahren wollte, der bekam viele Jahre Zustände wie im Paradies geboten. Scheckheftgepflegte Fahrzeuge aus erster Hand, sehr nahe am Neuwagenzustand, gab es reichlich im Angebot. Liebevoll gepflegt von meist älteren Herren, echtes Garagengold mit Handwäsche und allem,  was so dazu gehört. Die Preise waren mehr als günstig,  und wer etwas Geduld hatte, der konnte nach Farbe und Motorisierung wählen.

Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei. In Deutschland sind im Moment 3 bis 4 Dutzend Fahrzeuge im Angebot. Davon sind zwei Drittel Verbrauchswagen, für die sich niemand mehr erwärmen kann. Dem typischen Gebrauchtwagenkäufer sind sie zu alt, für Fans sie zu schlecht. Die Preise beginnen bei ein paar hundert Euro,  und ihr Kauf als Restaurationsobjekt lohnt sich so gut wie nie.

Nicht viel besser sah es in diesem Jahr in der preislichen Mittelklasse von 3.500- bis 5.000 € aus. Leser auf dem Blog suchten,  fanden aber nicht immer das passende Auto. Entweder waren Preis und Leistung nicht kompatibel oder die Einschätzung des Zustands durch den Verkäufer zu optimistisch. Einige Leser kauften stattdessen einen frühen 9-5 als Alternative. Andere haben Geduld und suchen immer noch.

Gut und gleichzeitig billig ist beim 9000 vorbei. Qualität fordert ihren Preis,  und das bemerkt man bei der aktuellen Preisentwicklung. Vor einigen Jahren lag die Schallgrenze für einen wirklich guten 9k um die 6.000 €. Mittlerweile kratzen die ersten Fahrzeuge an der 10.000 € Marke. Dafür werden aber Historie, Originalität und ein sehr guter Zustand vorausgesetzt.

Die Alternativen

Das Kaufverhalten der Saab Gemeinde unterscheidet sich kaum von den Fans anderer Marken. Gesucht sind, im Originalzustand, die leistungsstarken Aeros, Anniversarys und das letzte Baujahr. Für normale CS oder CSE gibt es einen kräftigen Preisabschlag. Das ist nachvollziehbar – aber auch langweilig.

Denn es gäbe jenseits des üblichen Beuteschemas noch einiges zu entdecken. Fahrzeuge in den kultigen Innenfarben der späten 80er Jahre, die seltenen Zwischenmodelle beim Übergang zum CS, oder gute und preiswerte CC als Sauger. Diese Fahrzeuge sind die echten Individualisten,  und auch heute noch kann man sie im guten Zustand für kleines Geld bekommen.

Die Nachhaltigkeit

Wer sich überlegt,  mit dem 9000 durch den Alltag fahren zu wollen, der sollte den CS einem CC vorziehen. Bei der zweiten Auflage des 9000 ist die Ersatzteilversorgung besser, die passive Sicherheit höher, und die Motoren mit der Trionic zeitgemäßer.

Die Anschaffung eines 9000 ist eine intelligente Entscheidung. Das Wort “Wertverlust” darf man aus seinem Sprachschatz streichen, denn das hat der 9k schon hinter sich. In den 80er und 90er Jahren wurde Saab von Journalisten immer wieder verdächtigt,  Mercedes Qualität zu liefern. Die Stuttgarter standen damals für Solidität, und die Gerüchte haben sich bewahrheitet. Die Technik ist bei normaler Wartung unverwüstlich, Verschleißteile sind verfügbar. Gut sortierte Saab Partner, mit einem Blick für das Klassiker- und Youngtimer- Geschäft, halten das bereit,  was Orio nicht mehr liefern kann.

Vor 5 Jahren veröffentlichte ich auf dem Blog eine Kaufberatung zum “Schnellen Schweden aus der Oberklasse“. Sie ist, mit Einschränkungen, immer noch aktuell. Man könnte sie heute um das Thema Nachhaltigkeit ergänzen. Das Wort hatte ich damals, im Zusammenhang mit Saab, noch nicht im Gebrauch. Heute schon, und es ist eines unserer Zukunftsthemen.

Wer sich in den 80er und 90er Jahren einen Saab 9000 kaufte, der entschied sich bewusst für ein sehr teures, extravagantes Fahrzeug – einen Technologieträger und Wegbereiter der Turbo-Technologie in der damaligen Oberklasse. Dass er auch so viel Nachhaltigkeit in sich trägt, konnte man damals nicht ahnen. Besser geht es nicht !

Der 9000 begleitet uns auch im Jahr 2017. Unser Anna Projekt ist im Winterbetrieb,  und wir berichten,  wie sich der 9000 in der kalten Jahreszeit schlägt. Ausserdem gibt es die Teile 1-3 unserer Saab 9000 Saga zum Nachlesen:

Teil 1: Saab 9000. Der erste Tech-Saab.

Teil 2: Saab 9000. Das Auto aus der Hightech Schmiede.

Teil3: Saab 9000. Björn Envall schenkt der Welt einen Keil

12 Gedanken zu „Saab 9000. Die aktuelle Marktlage.

  • 22. Dezember 2016 um 11:10 AM
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    Hallo Tom….wieder einmal ein paar schöne Zeilen über den 9000er………als ich mich vor ein paar Wochen mich durchgerungen habe, endlich einmal die andere schwedische Marke auszuprobieren und direkt in Hände eines 9000er AEROs gelaufen bin, ahnte ich noch nicht, wieviel Herzblut Saabfahrer rund um diese Marke investieren…….danke dafür!!

    • 22. Dezember 2016 um 12:21 PM
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      Freut mich zu lesen! Herzlich willkommen bei Saab!

  • 22. Dezember 2016 um 12:13 PM
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    9k sind auch nach 20 oder 30 Jahren noch klapperfrei! SAAB Qualität vom Feinsten!

  • 22. Dezember 2016 um 1:01 PM
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    Hey und was ist mit dem CD? :/

    • 22. Dezember 2016 um 2:15 PM
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      Schiebe es bitte auf den vorweihnachtlichen Stress. Natürlich gehört der CD auf die Liste der Individualisten. Er ist unterschätzt, aber viel mehr als nur eine Überlegung wert.

      Übrigens, als kleine Wiedergutmachung, wir digitalisieren gerade altes Saab Filmmaterial über den CD. Geht irgendwann im nächsten Quartal online.

  • 22. Dezember 2016 um 1:04 PM
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    Neulich erst drüber geredet, der 9000 Markt ist tot.
    Entweder verbrauchte Gurken bis 1000€ oder Top Modelle ab 10000€.

    • 23. Dezember 2016 um 12:29 AM
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      Die Mittelklasse gibt es auch noch. Dieses Marktsegment ist nur recht illiquide: es gibt wenig Nachfrage und wenig Angebot. Aber zumindest gibt es kein Mißverhältnis zwischen den Marktteilnehmern; es dauert nur etwas, bis diese zusammenkommen.
      In dieser Preisklasse habe ich diesen Sommer meine Veronica verkauft – für die Nichtleser meines Blogs: ein 9000 CC turbo mit 320.000km, übrigens ein Unfallwagen. Dafür aber recht rostarm und mit lückenloser, nicht nur durch Scheckhefte nachgewiesener Wartungshistorie. Hat zwei Jahre gedauert, einen Käufer zu finden, aber dafür war dann auch ein angemessener Erlös drin.

      Es gibt also durchaus bei 900 und 9000 noch sehr brauchbare Autos im mittleren vierstelligen Preisbereich. Man muß sich dann halt von der leider noch viel zu oft anzutreffenden Suche nach Papierform verabschieden – und sich jedes Auto anschauen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Dann hat die Karre halt 300.000 oder 400.000km… Na und? Wenn das Ding wenig bis kaum Rost hat, manierlich fährt und am Besten auch noch einen prallgefüllten Ordner mit Werkstattrechnungen mitbringt, dann ist das gegenüber einer vernachlässigten Kurzstreckengurke mit halbem Kilometerstand dennoch sicher der bessere Kauf.
      Kaufinteressenten, schreibt Euch das endlich hinter die Ohren: Die KilometerZAHL ist vollkommen irrelevant! Wichtig ist, WIE die Kilometer zustande gekommen sind.

  • 23. Dezember 2016 um 2:14 PM
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    Toll zu lesen!

    Nur das mit den Fahrdynamischen Qualitäten hätte ich so lapidar nicht dargestellt. Mit dem 2.3T markierte SAAB damals die Spitze und der ist noch immer ganz locker fahrdynamisches Mittelfeld*.

    Nach wie vor werden schwächere Neuwagen angeboten – schwächer sogar als die SAAB-Sauger.

    *Es sein denn, ein Jungschwede hat für über 300 PS und mehr als 500 Nm unter der Haube gesorgt. Auch das soll es ja geben. Dann fährt der 9000 weiterhin im Spitzenfeld.

  • 23. Dezember 2016 um 3:18 PM
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    Ich bin erst seit kurzem stolzer Besitzer eines 9k. Nachdem ich im Sommer schon Saab fahren im 900 CV genießen darf, war der Wunsch einfach zu groß auch im Winter Saab zu fahren. Leider kam nach wenigen Tagen die Erkenntnis auf, dass der “Wintersaab” ja eigentlich viel zu schade dafür ist…..Sonst kann ich deine Worte nur bestätigen, Ein Traum dieses Auto fahren zu dürfen! Der helle edle Innenraum (Leder, Sitzheizung, Holz, Tempomat), die tolle Rundumsicht, das entschleinigen im Alltag, die tollen Sitze, der große Kofferraum usw. Und ich habe “nur” einen 9k 2.0i CSE Bjh.97.

    Saabige Grüße!

  • 23. Dezember 2016 um 8:57 PM
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    Was sagt eigentlich die Community dazu, dass der Saab 9000 der einzige Saab ist, der das Zündschloss nicht in der Mittelkonsole hat? Das ist der einzige Punkt, der mir am 9000 nicht so gefällt, ansonsten gefällt er mir sehr gut

    • 24. Dezember 2016 um 12:42 PM
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      Man kann damit leben, kein Problem 😉 Die Schwierigkeiten beginnen erst dann, wenn man von einem 9-3 auf den 9000 umsteigt und aus Gewohnheit das Schloss in der Mitte zu suchen beginnt 😉

  • 24. Dezember 2016 um 7:37 AM
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    Danke für den tollen Artikel über den 9k.
    Allerdings muss ich sagen, das die Kurve über das Angebot nicht immer dieses Jahr gleich war. Ich habe die Marktlage vom 9k dieses Jahr jede Woche verfolgt, weil ich selbst nen zweiten wollte.
    Anfang des Jahres gab es bis zu 60 Exemplare im Netz. Recht viele im unterschiedlichen Zustand. Dann kam der Frühling und plötzlich deckten sich viele mit nen 9000er ein. Mai, Juni, Juli war nix mehr los.
    Aber dann im Spätsommer tauchten ganz viele gute auf. Zum Teil top motorisiert und ganz unterschiedlicher Baujahre. Der Preis ging bei fast allen nach unten. Ich selbst fand dann meinen Anny den ich wollte in meiner Farbe- amethystviolett. Und ich schlug zu als der Preis, den Gedanke nicht los lies- Hauptsache weg mit den Fahrzeug.
    Bei vielen lief der TÜV aus- auch bei den richtig gut motorisierten- und viele Verkäufer brauchten wahrscheinlich über den Winter ne leere Garage. Im September standen über 80 Exemplare im Netz. Als es kälter wurde ging der Bestand dramatisch wie von Tom beschrieben nach unten.
    Seit Ende Oktober hat dann sich der Bestand so gut wie gar nicht geändert. Es gibt leider viele “Gurken”. Und die wenigen Guten wurden über Nacht teuer. Ich denke das erst im Frühjahr wieder mehr Auswahl herrscht. Einige werden in Garagen verschwunden sein, weil es den Besitzer leid tat sie zu verschleudern.
    Für mich ist der 9k, mittlerweile im täglichen Einsatz. Er wird gefordert, aber auch gepflegt. Und nach 20 Jahren klappert noch sogar noch nix.
    Und viele zeigen sich interessiert. Im Alltag.
    Er ist n besonderer Saab, weil die Laufleistung bei guter Pflege fast unerheblich ist.

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