Neues kommt. Bewährtes bleibt.

Im Dezember 2016 – fast genau 5 Jahre,  nach dem Ausscheiden von Saab aus dem Zirkel aktiver Hersteller – verschwinden in der Stallbacka die letzten Überbleibsel einer großen Marke. An der nördlichen Zufahrt wurde in der vergangenen Woche der Saab Schriftzug demontiert.

Der letzte Tag..

Eine Zeremonie zum Ende einer Epoche

Im Rahmen einer kleinen Zeremonie übergab Jonas Hernqvist, zuvor bei Saab Automobile und jetzt Direktor Sales und Marketing bei NEVS, den berühmten Schriftzug an den Kurator des Saab Museums. Peter Backström war mit einem umgebauten Saab 9000 Transporter vor Ort,  um mit Helfern das Schild in das Museum zu transportieren.

Dort wird es, auf dem Freigelände, seinen neuen Standort finden.  Die schwedische Presse notierte das Ereignis als den Tag, an dem der letzte Saab Schriftzug vom Werksgelände verschwand. Und hatte dabei doch glatt die zweite Zufahrt übersehen, wo ein identisches Schild die Besucher begrüßt. Das steht noch, aber nicht mehr lange. Am kommenden Mittwoch wird es ebenfalls demontiert.

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NEVS hatte die Saab Fans aufgerufen,  auf Instagram ihre Erinnerung an das weltweit beliebte Motiv zu posten – als gut gemeinte, freundliche Geste und als kleine Verbeugung vor der Geschichte. Peter Backström bekam von Jonas Hernqvist eine Collage der Bilder überreicht, zwei weitere Collagen wurden unter den Einsendern verlost.

Und jetzt? Die Tatsache, dass man die Schriftzüge nicht demontiert, auf einen Tieflader verfrachtet und einfach weggefahren hat, spricht für einen sensiblen Umgang mit der Vergangenheit. Der neue Markenname steht für den Aufbruch in eine neue Ära. Der Schriftzug an der Zufahrt präsentiert sich sowohl technisch unterkühlt als auch wertig. Er ist kompatibel zu dem Anspruch, den NEVS an sich selbst stellt. Gleichzeitig ist er ein klarer Schnitt mit der Vergangenheit. Vorerst.

In Zukunft müssen dann Produkte für NEVS und die angekündigte Bewahrung und Weiterschreibung des Saab Erbes sprechen. Wir werden sehen.

Saab ist überraschend langlebig

Wenn eine Marke von der Bühne abtritt, dann ist sie meist rasch vergessen. Wir erinnern uns an Rover, die Marke,  an die sich niemand mehr erinnern mag. Oder an Lancia, noch so ein großer, alter Name. Bei Saab ist es anders ! Mal wieder ! Die Marke bleibt, und sie erweist sich als überraschend langlebig. Was nicht nur mit der angekündigten Rückkehr der Saab AB in die Autoindustrie zu tun hat.

Man hatte in Schweden für den deutschen Markt ab 2012 einen starken, jährlichen Rückgang der Saab Umsätze vorhergesagt. Und lag damit falsch !  Die Umsätze mit Original Saab Teilen während der letzten 5 Jahre kann man als stabil bezeichnen, der Rückgang liegt in einem niedrigen, einstelligen Bereich. Das wiederum ist erstaunlich.

Deutschland ist damit ein sehr starker Ausnahmemarkt für Saab. Und auch Österreich. Dort feiert die kleine schwedische Kultmarke in diesem Jahr ein Revival mit einem steigenden Absatz von Original Teilen. Diese erfreulichen Entwicklungen sind auch der Kontinuität in Eschborn zu verdanken, wo Verlässlichkeit und langfristige Planungen sich auszahlen.

Saab baute Langzeitautos, Saab Fahrer mögen ihre Fahrzeuge. Das hat auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun und mit dem Wissen, dass es keinen Nachschub mehr geben wird. Vielleicht nutzt man seinen Saab auch bewusster und verantwortungsvoller, als es noch vor Jahren der Fall war. Womit Saab-Menschen einmal mehr Trendsetter für ein beginnendes Umdenken wären.

Wie auch immer: Bewährtes bleibt, Neues kommt.

20 Gedanken zu „Neues kommt. Bewährtes bleibt.

  • 13. Dezember 2016 um 11:39 AM
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    Das spricht sehr für die gute Arbeit bei Orio! Und, ja, schön dass wenigstens auch in Zukunft ein SAAB zeichen in Trolhättan zu finden sein wird!

  • 13. Dezember 2016 um 11:48 AM
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    und doch kommt ein wenig Wehmut auf…. die stillisierten Schneeflocken tuen ihr Übriges

  • 13. Dezember 2016 um 12:07 PM
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    Neben den SAAB Fans die Ihre Autos hegen und pflegen und ORIO die einen guten Job machen, spielt auch der Saabblog eine bedeutende Rolle.
    Er hält das Interesse an der Marke wach und auch den einen oder anderen neuen SAAB Fan weiß er zu begeistern.

  • 13. Dezember 2016 um 12:35 PM
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    Sehr treffend, Toms Gedanken zur Entwicklung des Ersatzteilgeschäfts.

    Auch bei mir steigt die Bereitschaft, in einen guten Erhaltungszustand zu investieren. Bei einer anderen Marke würde ich das Verhältnis von Marktwert zu Investition wohl nüchterner betrachten …

    Aber SAAB ist eben SAAB und es gibt keinen Nachschub an Neuwagen mehr. Das macht aus allen SAABs unabhängig vom Alter gefühlte Klassiker. Und wenn es nur (m)eine Chrombrille SC ist.

    Und anscheinend waren SAAB-Fahrer schon immer Langzeitbesitzer. Ich habe in den letzten Monaten mehrere ältere Herren gesprochen. Alles Erstbesitzer, von denen leider keiner seinen SAAB verkaufen wollte. Verständlich, wenn man seit 20 Jahren mit seinem 9000 verwachsen und zufrieden ist …

    • 13. Dezember 2016 um 1:59 PM
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      Zusätzlich zum Ersatzteilgeschäft muss man noch sonstige Aktionen zur Werterhaltung sehen. Rostvorsorge und Versieglung war 2016 ein ganz großes Thema bei den Werkstätten die Saab leben. Der Trend wird auch anhalten.
      Und ja, die alten Herren mit den 9k sind schon zäh und hängen an ihren Autos. Im Hangar stehen 2 aus erster Hand, absolut tolle Saabs!

    • 13. Dezember 2016 um 2:13 PM
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      Die Autos sind einfach zu gut. Der Druck zum Fahrzeugwechsel war nicht hoch genug. Vielleicht auch ein Grund warum SAAB eingegangen ist.

      • 13. Dezember 2016 um 2:39 PM
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        Ausserdem hatte SAAB Modellwechsel immer sehr sparsam vorgenommen. Die Autos wurden so nie künstlich gealtert wie es bei anderen Marken der Fall ist.

  • 13. Dezember 2016 um 3:19 PM
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    Man sollte mit dem Orio Lob jetzt nicht übertreiben. Die Mehrheit der Ersatzteile ist für die jüngste Fahrzeuggeneration und selbst da gibt es nicht mehr alles. Verschleißteile sind noch am besten zu bekommen. Bei älteren Fahrzeugen sieht es dagegen schon recht mau aus. Teilweise noch Restbestände die abverkauft werden, andere Teile sind selbst für Geld nicht mehr zu bekommen und nachproduziert wird da nichts. Lohnt sich eben nicht.

    • 13. Dezember 2016 um 4:47 PM
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      Ist das wirklich so? Wenn ja, wäre es schrecklich für unser gut erhaltenes 9-3 I Cabrio (2001) – einige hundertausend Fahrzeuge von diesem Typ werden doch bestimmt weltweit noch gefahren.

      Wieso sollte sich die Nachproduktion von Teilen hier nicht lohnen? Außerdem verlängert sich die Nutzungsdauer der Fahrzeuge, da vorwiegend nur im Sommer gefahren wird – die Herstellung von Teilen wäre somit doch auch weiterhin über viele Jahre lukrativ.

      • 13. Dezember 2016 um 5:30 PM
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        Natürlich produziert Orio auch ältere Teile nach, aber eben nicht alles. Manchmal existieren Werkzeuge oder Lieferanten nicht mehr, oder die Mindestmenge ist einfach zu groß. Man sollte da vorsichtig mit Behauptungen sein und bitte nichts pauschalieren @Daniel

        Ausserdem gibt es immer mehr Nachfertigungen von Drittanbietern. Die Hausmarken von Skandix, Skanimport und Schwedenteile nur mals als Beispiel genommen.

        • 14. Dezember 2016 um 7:31 PM
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          Ich kann nicht sehen, dass ich pauschalisiert habe und deine Antwort lese ich jetzt mal nicht so, dass man Blogunterstützer nicht kritisieren darf…
          Aber mal ein paar Beispiele: Zweiteilige Servodruckleitung für den 9-3I original nicht mehr erhältlich. Auspuff original mit der ovalen Chromblende nicht mehr erhältlich. Embleme für 901 und andere teilweise nicht mehr erhältlich (Hirsch konnte mir nach einem Unfall den Schriftzug “SAAB” oder war es “9-3”? für das CV nicht mehr besorgen. Druckleitung für 9k Automatik nicht mehr zu bekommen, auch nicht als Nachfertigung. Getriebeteile für den 901, nur noch einzelne Restbestände zu bekommen. Steuergeräte el. Sitze 9k, keine Chance. Interieurteile ebenfalls sehr, sehr schwierig, z.B. Sitzheizungsmatten. Das sind jetzt nur meine persönlichen Erfahrungen.

          Was die Nachfertigungen betrifft: Die Teile sind teilweise das Auspacken nicht wert. Fahrwerksbuchsen als Nachfertigung kann man bei jedem Ölwechsel mitwechseln da die Qualität unterirdisch ist. Ich will das den Firmen gar nicht vorwerfen weil die ökonomischen Zwänge machen auch vor Orio und den anderen von dir genannten Firmen keinen Halt. Wenn die Teile die Originalqualität hätten würden die 15 Jahre und länger halten. Das lohnt sich nicht da 500 Stück produzieren zu lassen, die liegen die nächsten zwanzig Jahre im Regal.

      • 14. Dezember 2016 um 11:08 AM
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        Den gleiche Typ fahre ich auch (BJ 2000). Tolles Auto!
        Letztes Jahr hatte ich Ärger mit undichten Hydraulikzylindern des Verdecks. Alle 4 Zylinder wahren undicht. Den damaligen Zulieferer gibt es nicht mehr. Ich hatte dann eine Firma in Lübeck ausfindig gemacht die meine Zylinder generalüberholt haben. Bisher ist alles dicht.
        In den USA hatte ich mir über Ebay einen original SAAB Getränkehalter besorgt der in den Radio- Schacht eingebaut wurde. Dieses Teil war auch nicht mehr bestellbar.
        Was ich damit sagen will: Man kann es auch als eine Herausforderung ansehen nicht mehr bestellbare Teile auf anderen Wegen zu besorgen. Mir persönlich macht das großen Spaß.

  • 13. Dezember 2016 um 4:40 PM
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    Wehmut kommt immer noch auf…, fast möchte ich sagen: ich will (!) es einfach nicht glauben! 🙁
    Das die Orio-Absätze stabil oder sogar steigend sind, hat sicher auch etwas mit dem Blog zu tun. Positives wird berichtet und ein SAAB vor der Tür ist weiterhin für viele(?) erstrebenswert. Gut so. SAAB soll ja auch langlebig bleiben! 😉
    Von Orio wünsch ich mir persönlich einen Kabelbaum…, dann wäre die SAAB-Welt wieder rosiger!

  • 13. Dezember 2016 um 7:47 PM
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    Ist schon traurig anzusehen. Bin froh, genau an diesem Schild noch ein tolles Foto mit meiner 9.3 Limousine gemacht zu haben. Das kommt nie wieder.

  • 14. Dezember 2016 um 8:50 PM
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    Als vergangenes Wochenende mein Bruder seinen neuen Renault Zoe präsentierte, parkte er neben meinem 9k. Ich ergriff die Rede und lobte den 9k aufgrund seiner Langlebigkeit als “voll öko”. Und wir wollen sehen, ob der Renault in 20 Jahren noch so gut dasteht…

    • 15. Dezember 2016 um 1:39 PM
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      Der Zoe hat keine Chance. Der hat spätestens in 10 Jahren seinen ersten Recyclingzyklus. Der 9k ist dann immer noch da. Ausserdem hat er einen Vorsprung von 20 oder 30 Jahren, so was von Langlebigkeit haben die ganzen modernen Kisten nie im Leben.

  • 15. Dezember 2016 um 1:43 PM
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    Musste das Schild ausgerechnet mit einem VOLVO-Kran abgebaut werden….

    • 15. Dezember 2016 um 4:01 PM
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      Ich würde sagen “Immerhin wurde das Schild…” 😉 Ich bin doch nicht der Einzige der beide schwedische Marken vor der Tür hat? Selbst der Kundendienstchef bei meinem Volvohändler fährt noch einen Saab…
      Aber klar, man kann die Botschaft auch anders lesen…Wer hat den längeren Atem?

  • 15. Dezember 2016 um 2:08 PM
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    So lange Orio die notwendige Ersatzteilen liefert fahre ich weiter meine tolle 9-5NG. Meine 900 Cabrio von 1987 und meine 96-er von 1961 fahre ich auch weiter mit Unterstuetzung von Saab Clubs und Lieferanten wo mann immer die notwendige Ersatzteilen finden kann.
    So auch ohne diese Schriftzug am Eingang wo Saab immer seine Autos gebaut hat bleiben wir Saab fahren.
    Bin aber auch sehr zufrieden das dieses beruehmte Schriftzug jetz zum Saam Museum geht.
    Hoffentlich kann man auch da weiter diese schoene Bilder machen vom Saab bevor dieses Merkmahl.

  • 15. Dezember 2016 um 4:50 PM
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    Tom, Du hast Recht – die alten Marken ….
    Irgendwie bin ich da wohl infiziert. Neben der 9-5 Chrombrille hat es deswegen letztes Jahr einer der ganz späten Lancia Y in unseren Fuhrpark geschafft. Ich hoffe sehr, dass die Eratzteilversorgung noch einige Jahre erhalten bleibt. Immerhin ist das Fahrzeug ja praktisch ein Fiat 500 …

    https://flic.kr/p/zkoS3N

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