Mein langer Weg zu einem Saab

Ich bin in den 60igern in einem Dorf im nördlichen Saarland in unmittelbarer Nähe zu mehreren Garnisonen der US-Streitkräfte aufgewachsen. So war es auch normal, dass in den Ortschaften um diese Garnisonen herum viele Amerikaner wohnten und ihre Fahrzeuge auf der Straße parkten.

Saab 9-3 Cabriolet. Bild: Saab Automobile AB
Saab 9-3 Cabriolet. Bild: Saab Automobile AB

Und so geschah es eines Tages, dass ich ein Fahrzeug mit US-Zulassung mit einer Karosserieform sah, die ich zuvor so noch nie gesehen hatte. Es war die Karosserieform, die wuchtigen Stoßfänger vorn und die Innenausstattung mit Ledersitzen, ja, was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick. Leider kann ich mich jedoch nicht mehr an die Modellbezeichnung erinnern.

Den Namen Saab hatte ich zuvor noch nie gelesen, geschweige denn ein solches Fahrzeug schon einmal gesehen Auf jeden Fall war er für mich, den Bub vom Dorf, viel eleganter, nein eher mondäner als alle bisher gesehen PKWs und ich wurde von dem Wunsch beseelt, so einen willst du auch einmal fahren. Zu der damaligen Zeit war ein solcher Wunsch quasi gleichzusetzten mit dem Wunsch einmal ein Raumschiff wie die Orion besitzen zu wollen (für alle Nachgeborenen – das Raumschiff Orion aus der Filmserie Raumpatrouille, der Science Fiction Klassiker schlechthin).

Ich wurde älter und der Saab verblasste in den Erinnerungen. So fuhr ich dann später zunächst einen Peugeot, mehrere Renault, einen Mazda, einen BMW und auch mehrere VW-Passat Kombi.

Die Kinder waren nun schon groß, ein Kombi brauchte ich daher nicht mehr aber ein neues Fahrzeug musste her. Bei der Suche nach einem adäquaten Fahrzeug stieß ich bei einem Händler in Kaiserlautern auf einen blauen Saab 9-3 und es machte Klick, die verschütteten Erinnerungen kam plötzlich wieder hoch und auch der Wunsch einmal ein solches Fahrzeug zu fahren. Obwohl das Fahrzeug in einem sehr guten Zustand mit geringer Laufleistung war, kam er dann doch nicht in Betracht. Ich wolle mir ein Dieselfahrzeug aufgrund der doch großen Entfernung von meinem Wohnort zur Arbeitsstätte in Kaiserslautern kaufen.

Ich war aber nun erneut vom Saab-Virus infiziert und suchte nun auch gezielt nach einem Saab Diesel. Ich wurde dann bei einem Autohändler in Heppenheim fündig und kaufte dort einen grün/grauen Saab 9-3 Diesel und ich war glücklich.

Leider hielt mein Glück nur etwas mehr als 4 Jahre und 90.000 km und aufgrund Fahrwerksprobleme und den damit verbundenen hohen Reparaturkosten musste ich mich leider 2006 von ihm trennen. Meine Ehefrau wollte nun aber ein Fahrzeug mit mehr Übersicht und höherer Sitzpositionen und somit kam ein anderer Saab leider nicht mehr in Frage. Aber der Saab-Virus war nicht abgetötet sondern lauerte nur auf seine Chance wieder aktiv zu werden.

Diese Chance ergab sich im Sommer 2014. Wir diskutierten die Frage, ob ich mir ein Motorrad oder ein Cabriolet kaufen soll. Meine Ehefrau tendierte zwar eher zum Motorrad aber ich wollte, nachdem ich mehrere Wochen das VW Cabriolet meiner Schwester gefahren hatte, ein Cabriolet und zwar, wie könnte es anders sein, ein Saab Cabriolet.

Das Saab-Virus hatte nämlich seinen Weg aus dem Unterbewusstsein schon wieder verlassen als ich ein Jahr zuvor bei einem Kollegen sein Saab 9-3, 2.2t, Cabriolet sah. Der Wunsch nach einem Saab war ab da wieder präsent.

Es gelang mir meine Ehefrau von den Vorzügen eines Cabriolets zu überzeugen und machte mich dann auf die Suche nach einem entsprechenden Fahrzeug. Ich wollte aber ein Fahrzeug ab Baujahr 2006 mit geringer Laufleistung und die Fahrzeugfarbe sollte weder schwarz noch silbern sein.

Über die Suchmaschine autouncle.de fand ich dann an einem Sonntag ein viel versprechendes Angebot in Schweinfurt. Es war nur die Autobeschreibung aber noch keine Bilder eingestellt. Dies hielt mich jedoch nicht davon ab sofort am folgenden Tag bei der Firma anzurufen und mir das Fahrzeug reservieren zu lassen. Ich packte meine Ehefrau ins Auto und dienstags fuhren wir nach Schweinfurt zur Autobesichtigung und Probefahrt.

Bei dem Fahrzeug handelte es sich um ein blaues 9-3 Cabriolet 2.0t Vector. Es war bis auf die Reife in einem guten Allgemeinzustand, alle Papiere waren vorhanden, 6. Gang Getriebe, Baujahr 11/2006 mit 57.000 km, also erstmal perfekt. Die Probefahrt verlief zu meiner Zufriedenheit und auch meine Frau war von dem Fahrzeug begeistert und das Virus hatte fortan ein neues Opfer gefunden.

Nach einigen Verhandlungen konnte ich das Fahrzeug zu einem guten Preis kaufen und war happy, ich hatte endlich wieder einen Saab. An dem darauffolgendem Samstag fuhren wir mit dem Zug nach Schweinfurt und nahmen überglücklich unser Cabriolet in Empfang. Auf der Heimfahrt wuchs unsere Begeisterung über die guten Fahrqualitäten des Fahrzeuges stetig an, wir hatten einen guten Kauf getätigt.

Seit dieser Zeit bin ich wieder stolzer Besitzer eines Saab, den ich aber bestimmt nicht mehr hergeben werde. Er wird gepflegt und gehegt und ich kann ihn hoffentlich an meinen Enkel weitervererben. Ich hoffe, ich habe das Virus schon an ihn weitergegeben, denn als Baby erhielt er von mir einen Body mit einem selbst gezeichneten Saab-Cabriolet darauf.

Danke an Arnold für seine Saab Story! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration? Der erste Kontakt mit der Kult Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört.
Was immer es ist, schreibt uns.

7 Gedanken zu „Mein langer Weg zu einem Saab

  • 6. Dezember 2016 um 12:38 PM
    Permalink

    Schöner Bericht, sehr schicker Wagen, tolles Foto! 🙂

    Ähnlich war es bei mir als “kleiner Jüngling”.
    Erster Kontakt bei einem Bauunternehmer (Freund meiner Eltern), der dieses “komische neue Osteuropa-Auto” fuhr (ein 900 Turbo 16V Fließheck in schwarz mit Gummispoiler und Leder in beige), obwohl er doch sonst immer nur die teuersten und schnellsten Öfen hatte (Alfa, Porsche, Mercedes, Quattro, Jaguar, etc.).
    Komischerweise fand ich den Wagen damals zwar sehr schräg, war aber dennoch absolut fasziniert davon (ohne zu wissen, was Saab ist oder bedeutet), so dass mir das Fahrzeug immer in Erinnerung blieb (und ich war eigentlich nie ein großer Autofan). Erst viele Jahre später wurde mir klar, was das da damals für ein Auto genau war.

    Und als mein Vater dann Jahre später keinen BMW mehr wollte und eine Alternative suchte, habe ich ihm als “Heranwachsender” dann Saab empfohlen (u.a. auch, weil gerade eine Saab-Filiale bei uns aufgemacht hatte … und Saab zu der Zeit echte “Rennmaschinen” im Programm hatte).

    Naja …. und seitdem fuhr mein Vater bis zur Abgabe des Führerscheins Saab …. und ich “lebe” diese Tradition in speziell ausgeprägter Version nun (hoffe, möglichst lange noch!!!) weiter!!!

  • 6. Dezember 2016 um 1:40 PM
    Permalink

    Tolle Wagen, wunderbare Geschichte. Ich wuensche dir noch sehr lange Zeit dieses Vergnuegen damit fahren zu koennen, and danach Ihre Enkel :). Mit solche Besitzer wird Saab noch lange rumfahren.

  • 6. Dezember 2016 um 2:58 PM
    Permalink

    Ja, auch ich danke für den Bericht. Angesprochen hatte mich das eingestellte Foto. Ein Cabriolet in Electric-Blue (oder ersatzweise auch in Lime-Yellow) zieht mich magisch an. Wirklich auffallend, schöne Farben für ein außergewöhnliches (Flug-)Fahrzeug. Die Begeisterung teile ich mit Dir.
    Danke für die Mühen und das Einstellen der Geschichte.
    Glück auf und viele sonnige Tage im nächsten Frühjahr / Sommer.

  • 6. Dezember 2016 um 8:26 PM
    Permalink

    Ich liebe diese Geschichten, bekomme immer wieder eine Gänsehaut wenn ich sie lese.
    Habe auch eine Geschichte zu erzählen , muß sie nur erst vorbereiten.
    Meinen ersten SAAB habe ich 1987 durch einen Elch Unfall verloren in Norwegen….3 weitere Saab folgten….
    Wie gesagt Ich werde die komplette Geschichte demnächst berichten.

  • 7. Dezember 2016 um 8:03 AM
    Permalink

    Tolle Geschichte! Es ist immer wieder spannend zu erfahren wie die Leute zu Saab gelangten, und wie die Story bis heute verlief und anhält. Dies und technische Hilfen sollten diesen Blog ausmachen. Bitte weiter so.

  • 7. Dezember 2016 um 9:18 AM
    Permalink

    Vor einiger Zeit hatte ich ebenfalls einen Bericht geschrieben. Dieser befindet sich hier:

    http://saabblog.net/2015/09/22/saab-langzeitbericht/

    Mittlerweile fahre ich keinen SAAB mehr. Ich wollte den Uebergang zu einer Youngtimer-Marke nicht mehr mitmachen da ich geschäftlich ein aktuelles Fahrzeug für den Alltag benötige. Die SAAB-Zeit war trotzdem etwas besonderes, abseits vom Mainstream.

  • 7. Dezember 2016 um 6:16 PM
    Permalink

    Ja lieber Arnold so ist das, und es lässt dich nicht mehr los!
    Schöne Geschichte die du da erzählt hast!
    Ich habe mir im Herbst meinen 10. Saab, ein 93er 2005 Cabrio in Lime green metallic gekauft. So kommt es, dass ich zur Zeit 4 Saab habe, nicht einer zuviel.
    Allzeit gute Fahrt! Gruss aus der CH, Hans

Kommentare sind geschlossen.