Warum 3mal 95 plus Hirsch, noch lange nicht gefühlte 9000 ergibt…

Teil 3:  1000 km am Stück nach Kroatien

Liebe Leser, wie ich schon vor einiger Zeit im ersten und zweiten Bericht schrieb, war es für mich ein langer Weg zu der schwedischen Marke. Mittlerweile war ich stolzer Besitzer zweier Saabs.

23 Jahre alt
23 Jahre alt

Einen 95 Aero Baujahr 06 und einen 92er Saab 9000.Er kam ganz heimlich. Und wurde mein Favorit. Scarabäusgrünmetallic mit Pamir- Lederausstattung. Seitdem er im Haushalt war, lies ich oft den 95er stehen. Bewusst.

Er lief und lief. Ohne Probleme.

Sommer 2015. Urlaub ist angesagt.

Ja, auch wenn bei uns gefühlter tiefster Herbst ist. Ja, auch bei uns konnte man noch vor zwei Monaten im T-Shirt Saab fahren.

Zurück zum Sommer.

Ziel: Kroatien. Mit drei Kindern war es logisch – ich musste Auto fahren. Lange Auto fahren. Mein Entschluss stand- kann man im 23 Jahre alten Auto das riskieren? Ich bin zwar manchmal verrückt, aber noch lange nicht lebensmüde. Deswegen ging es zum Saab Zentrum Zwickau. Inspektion und Durchsicht – damit alles läuft im grünen.

Kurzer Anruf kam zurück- alles ok. Bis auf den Keilriemen. Der wäre extrem gefährdet. Also schnell noch bestellt und getauscht. So gerüstet war er startklar.Und alle im Freundeskreis schauten mich mit grossen Augen an.

Du willst…????

Ja, ich will. Basta. Ende. Irgendwann ging es los. Die Kinder im Fond mit den Spielsachen und Malbüchern gut gelaunt. Es sollte sehr heiß werden. Die Klima lief und lief. Manchmal schon fast zu kalt. Auch wenn es viele nicht so nachvollziehen können- der 2.3-16 V ohne Turbo ist kein lahmer Geselle.

180, 190 und er braucht gerade seine 10 Liter.

Viele wundern sich, wenn du auf einmal mit deinen Dinosaurier im Rückspiegel auftauchst. 1.2 TSI- na, danke Herr Nachbar- war’n netter Versuch. Bergauf. Geh Rasen mähen und nicht Auto fahren damit! Erster Zwischenstopp – Österreich. 600 km sind weg. Der Tank fast leer. Wir steigen aus – keine Rückenschmerzen.

Am nächsten Tag geht es weiter. Es wird sehr heiß. Stau – überall Stau. Karawankentunnel. Und das bergauf im Stop und Go. Die Kupplung ist noch die erste bei 205.000 km. Und ich merke keinen Schlupf.

Zwischenbilanz.

Bis jetzt hat mich noch kein älteres Auto überholt. Wenn ich überhaupt eines gesehen habe. Ich glaube nicht. Am nächsten Tag zeigt das Aussenthermometer 37 Grad. Wir fahren eigentlich nur 400 km heute und sollten 13:30 laut Navi da sein.

Doch es kam ganz anders.

In Slowenien von der Autobahn runter geht gar nix mehr. Stau. Fast Stillstand. Wir stehen in der adriatischen Sonne ungeschützt- nur mit der Klimaanlage bewaffnet. Sie läuft und kühlt. Irgendwann mache ich den Fehler und reguliere etwas wärmer, damit der Temperaturunterschied nicht zwischen Innenraum und Aussen zu hoch ist.

Ergebnis?

Sie kühlt gar nicht mehr. Irgendwann bekomme ich kaltes Wasser auf die Füsse beim Auskuppeln. Zum Glück sind die Sitze hell und wir haben noch ein Schiebedach. Es geht extrem langsam voran. Es wird immer wärmer.

Und die Kühlmitteltemperatur steigt weiter. Ich beobachte sie genau.

Aus und einkuppeln- bergauf. Geht schon zwei Stunden so. Die ersten Fahrzeuge stehen am Rand mit geöffneter Motorhaube. Keines davon ist älter als 10 Jahre.

Und mein Grüner?

Läuft und kühlt. Wobei die Nadel immer mehr steigt. Ist langsam kurz vor Rot. Und da bleibt sie. Ich hoffe das Beste. Er hält durch. Bis Abends 20:00 Uhr. 10 Stunden für 400 km. Die Kinder sind alle. Ich auch. In den zwei Wochen läuft er immer unauffällig. Auch die Klimaanlage.

Gegen Ende des Urlaubs mache ich mir Gedanken ob ich mir das noch einmal antun muss – Samstags. Diesen Stau im Rückreiseverkehr. Und die Hitze.

Der Saab mit Staub eingehüllt läuft und läuft. Und erntet auch dort respektvolle Blicke. Weil er noch fährt und das sehr gut. Also es war mein Wille, Freitag Abend auf Nacht zurück. Dann ist es kühler, weniger Verkehr und die Kinder schlafen.

An den Freitag ist auch noch einmal irre heiß. 39 Grad. Ich tanke ihn voll bis zum Rand.

17:00 Uhr- Start! Mein kleiner Talladega – Run hat begonnen!

Es läuft am Anfang wieder etwas zäh. Dann auf der Autobahn- immer was gesetzlich erlaubt ist. Der Kofferraum ist voll – auch mit wunderbaren kroatischen Schnaps.

Sehr zu empfehlen.

Es läuft wie am Schnürchen. Der Tank? Wird gar nicht leer. Nachts um zwölf in Österreich kurze Kontrolle. Nachtanken? Ich will mal sehen wie weit ich komme.

Weiter geht’s.

In Deutschland lass ich ihn laufen. Immer 180. Leider ist das H1 Licht nicht die Welt- auch nicht mit den besten Zubehörbirnen am Markt.

Aber er fährt.

Nach 770 km muss ich raus- Nachtanken in Bayern. 60 Liter. Unter 8 Liter! So wenig hab ich noch nie verbraucht. Der 2.3 schnurrt wie ein Kätzchen. Es geht an München, Nürnberg und Hof vorbei.

Kurz nach vier Uhr früh bin ich zuhause.

Ich stell den Motor ab und schau nach hinten- alles schläft- mit eingeschalteter Leselampe. Ich wundere mich über dieses Auto. 23 Jahre alt? Ich steig aus und spüre die laue Sommernacht. 1000 km am Stück. Nonstop. Ohne Sitzbeschwerden.

Auf langen Strecken zuhause…

Fortsetzung folgt…

8 Gedanken zu „Warum 3mal 95 plus Hirsch, noch lange nicht gefühlte 9000 ergibt…

  • 2. Dezember 2016 um 11:12 AM
    Permalink

    Sehr coole Geschichte. Die Sitze sind unschlagbar!
    Jetzt geh im Winter einmal in den Norden und du siehst das nicht nur die Klima sondern auch die Heizung für +/- 40 Grad ausgelegt ist…. Für mich ist der 9000 das beste Auto. Schade hat es (noch nicht) den Kultstatus des 901.

  • 2. Dezember 2016 um 11:41 AM
    Permalink

    Hallo ,
    Da ließt man es wieder ,es geht NICHTS über einen SAAB .Der Alte Grundsatz …auf langen Strecken zu Hause …paßt auch noch nach 23 Jahren .Hoffe das er Dich weiterhin nicht im Stich läßt …getreu dem Motto …Er kam ..SAAB …und siegte .

  • 2. Dezember 2016 um 11:47 AM
    Permalink

    Ich kann diese Erfahrung nur bestätigen…
    Egal ob Trollhättan, Husum, Eisenach oder Dinhard… Mein 21 Jahre alter 9000 ist bei mir die Reiselimousine Nummer eins und hat mich bisher immer wohlbehalten überall hin und auch gesund und entspannt wieder zurück nach Österreich gebracht. Und das mit einem Komfort und Verbräuchen, die bei einem “Neuen” auch nicht besser sein können…

    liebe Grüße
    Gerald

  • 2. Dezember 2016 um 5:33 PM
    Permalink

    Auch wenn ich von einem 901er schreibe: Ein SAAB wie der 901 oder der 9000, sind auf langen Strecken zu Hause und dort ohne nennenswerte Probleme, sofern dieser richtig gewartet wurde! Hatte sich bei meinem letzten 901er wieder bewahrheitet. Bin kurz nach dem Kauf, mit besagtem 901 gute 40 Km bei Schneefall und Sommerreifen drauf, zuerst bergab und später auf der Rückfahrt der gleichen Strecke, bergauf in Serpentinen gefahren. Wohlige Wärme dank Sitzheizung, der genialen Heizung und das bei einem Alter von knapp 22 Jahren und knapp 230000 Km mit dem ersten Motor…Ich hätte bei dem Alter und einem Modell einer anderen Marke (ausser noch Volvo) Bedenken gehabt, diese Strecke bei diesen Witterungsbedingungen zu fahren.

  • 3. Dezember 2016 um 12:46 AM
    Permalink

    Tja, dann muss ich wohl auch noch meinen Senf dazu geben. 1981 Golf 1; Südfrankreich und zurück; Rückenschmerzen! Das ging dann noch Jahre so weiter. 1989 Lancia Delta Turbo; Spanien und zurück; Rückenschmerzen! Auch das ging über Jahre so weiter. 1995 Audi A4 Turbo; Österreich, Italien u. s.w.; Rückenscherzen! Auch das leider über Jahre. Bis 2006 noch einige Alfa 156; Italien Österreich etc. Und was soll ich sagen, spätestens nach 200km Fahrtstrecke natürlich wieder Rückensckenschmerzen! Ab 2010; der erste SAAB; ganz viele Touren und Urlaube auch z. T. mit 1000km am Stück; und natürlich keine Rückenschmerzen. Seitdem nur noch SAAB und obwohl jetzt nicht mehr ganz so jung erfreulicherweise keine Rückenschmerzen mehr!!! Fazit: Die SAAB, die ich bisher gefahren bin, sind für mich quasi “mobile Rückenschulen” und so soll es noch lange bleiben.

  • 4. Dezember 2016 um 8:55 PM
    Permalink

    Eine sehr schöne Geschichte und so realistisch. Da ich seit der ersten Fahrt mit einem 9000der ,1993, 2,3t CSE in schwarz mit Crosbok Felgen und beigen Leder nicht mehr an ihm vorbei komme bestätigt das erzählte nur noch mehr.
    Als ich letzte Woche in den Ruhrpott durfte, hin und zurück 1300km hatte ich auch die Wahl zwischen 9-5 , 9-3 Cabrio und dem Uwe ,9000CD . Nun ratet mal mit welchem ich gefahren bin! 🙂 Rückenschmerzen? Auf keinem Fall!
    Nicht nur ich würde mich sehr freuen wenn ihr bei unserer nächsten Saabausfahrt Sachen im Frühjahr mit dabei sein würdet!
    Bin schon auf die Fortsetzung gespannt!
    PS: Der 2,3 muss ja wirklich sehr sparsam sein, 8l schaffe ich nie! 🙂

  • 5. Dezember 2016 um 7:46 AM
    Permalink

    Und mal wieder denke ich beim lesen, wie wenig sich das Auto seit dem 9000 entwickelt hat.
    Ein Vierteljahrhundert Stillstand. Eine ganze Generation!

    Das ist auch eine Generation an Werbetextern, die Jahr für Jahr wieder Spielereien und technische Kleinigkeiten zu nichts geringerem als einer Revolution hochstilisiert haben. 23 Revolutionen später fahren noch immer Menschen täglich ihre 9000er, als sei nix gewesen. Und es war ja auch fast nix.

  • 5. Dezember 2016 um 12:05 PM
    Permalink

    Wahrscheinlich waren die 9000er qualitativ doch besser als die neuen Modelle von Saab. Mein9-5
    Baujahr 2006 hat es im Urlaub nicht mal von Schleswig Hollstein bis nach hause geschafft.Und das bei gerade mal 96000 km. Das ganze passierte am Tag der Rückreise, einem Sonnabend. Das Fahrzeug vollgepackt und drei Fahrräder auf der Hängerkupplung (der ,,freundliche” Schlepperfahrer wollte mich erst gar nicht mitnehmen). Die Familie fuhr mit dem Zug nach Hause und ich hatte noch ein verlängerdes Wochenende in Kiel. Dank der professionellen u. sehr freundlichen Hilfe vom Autohaus Lafrentz konnte ich dann am Montag Nachmittag meine Heimreise fortsetzen. Diagnose: Hochdruckschlauch der Servolenkung geplatzt und Zündkassette defekt. Das war dann noch einmal ein großer Griff in die Urlaubskasse.

Kommentare sind geschlossen.