Automarken der Zukunft

In den vergangenen Tagen hatten wir viel über die Zukunft in Trollhättan gesprochen. Am 19. Oktober feierte in Göteborg eine weitere, neue Marke ihren Einstand. Lynk & Co ist der neueste Brand aus dem Geely Konzern. Aufregend, denn sowohl bei Lynk als auch bei NEVS werden die Weichen von früheren Saab Entwicklern gestellt.

Mats Fägerhag Lynk Co Event Göteborg. Foto: David Cheskin/Lynk Co
Mats Fägerhag Lynk Co Event Göteborg. Foto: David Cheskin/Lynk Co

Die Karriere des Mats Fägerhag als Entwicklungschef bei Saab endete im Dezember 2011. Kurze Zeit später unterschrieb er bei Volvo als Manager für Entwicklungspartnerschaften. Nur ein kurzzeitiges Intermezzo, schon einige Zeit später wurde Fägerhag als CEO zu CEVT gerufen. Die von Geely finanzierte Gesellschaft im Göteborger Stadtteil Lindholmen entwickelte sich in kurzer Frist zu einem Ingenieursunternehmen mit mehr als 1.900 Mitarbeitern.

Die Karriere des Mats Fägerhag

Jetzt hat Fägerhags Laufbahn einen weiteren, beeindruckenden Höhepunkt erreicht. Er entwickelt produktionsfertige Fahrzeuge für Geely, liefert die Basis für neue, kompakte Volvos und lenkt zukünftig mit Lynk & C0 seine eigene Automarke. Denn Lynk hat das Hauptquartier ebenfalls in Lindholmen und ist Teil von CEVT.

Die neue Marke ist digital, sie adressiert ein junges Publikum. Entwickelt wird in Göteborg, die Gestaltung verantwortet mit Peter Horbury ein früherer Volvo Designchef. Produziert wird in China, der Lynk & C0 01 wird im 4. Quartal 2017 auf den Markt kommen und im Jahr 2018 auch in Schweden verfügbar sein.

Zukunftsweisend ist die Marke, denn alle Fahrzeuge sind mit Ericsson Technik ständig online. Der kommende App Store steht allen Entwicklern offen, Lynk Co liefert externen Programmieren die Entwicklerumgebung. Beim Vertrieb beschreitet man in Göteborg konsequent neue Wege. Kurzfristig gab es Spekulationen, dass die neue Marke das Volvo Vertriebsnetz nutzen würde. Dem ist nicht so.

Vertrieb über eigene Stores

Man spart so die Vertriebskosten von geschätzten 20 – 30%, gibt den Preisvorteil an den Kunden weiter, und verkauft über das Internet und eigene Stores. Zusätzliche externe Servicepoints könnten vielleicht dazu kommen. Für die Produkte wird es einen festen, transparenten Preis geben. Tesla und Apple lassen grüßen, unrealistische Listenpreise und Rabattschlachten sind zumindest hier Vergangenheit. Geliefert wird vom Hersteller direkt zum Kunden.

Der Lynk 01, ein weiteres Fahrzeug einer Gattung ohne die unsere Welt scheinbar nicht leben kann, basiert auf der neuen CMA Plattform. Sie dient als Basis für die neue 40er Serie von Volvo, Fahrzeuge der Marke Geely, und eine ganze Generation des neuen Anbieters aus Lindholmen. Lynk wird zusätzlich zum SUV ein Fließheck und ein MPV zeigen, in Europa gehen zur Markteinführung Plug-in-Hybride an den Start.

Shared Economy & Flatrates

Natürlich setzen auch die Strategen bei Lynk & Co auf shared Economy und Flatrates. Wer es möchte, der kann sein Fahrzeug für andere Benutzer freigeben und so während der ungenutzten Zeit Geld verdienen. Lynk & Co liefert einen Vorgeschmack auf eine Industrie im Wandel. Zielgruppe ist ein großstädtisches Publikum in der Altersgruppe von 25 bis 35 Jahren – Menschen, die mit dem Smartphone und mit Flatrates aufgewachsen sind.

Lynk tut vieles, was auch NEVS tun wird – mit einem geschätzten Vorsprung von 1 bis 2 Jahren. Bei NEVS, das ist meine Einschätzung, wird man noch etwas progressiver und mutiger sein, auch im Fahrzeugdesign. Lynk bekam für sein zukunftsweisendes Konzept eine Menge Anerkennung in der Presse, in manchen Vorstandsetagen wird man jetzt sehr genau die Reaktion des Marktes und der Kundengruppe beobachten.

Automarken der Zukunft

Schweden hat zwei Mobilitätsanbieter der Zukunft am Start. In Göteborgs Lindholmen und in Trollhättan. Das lässt auf interessante Zeiten schließen, spätestens dann, wenn beide Automarken der Zukunft auf dem Markt sein werden. Und es stellt sich die Frage, ob Fägerhags progressiver Lynk & Co Brand eines gar nicht so fernen Tages die gute, alte Marke Volvo kannibalisieren wird.

5 Gedanken zu „Automarken der Zukunft

  • 11. November 2016 um 10:46 AM
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    Moin Tom.
    Interessanter Bericht!

    Ich bin in dem Zusammenhang ja auch mal gespannt, wie es mit den heute noch üblichen/normalen Autohäusern in 10-20 Jahren so aussieht ….. ob die die Entwicklung auch ähnlich sehen oder evtl. gar heimlich schon um ihren Fortbestand fürchten?

    Der Weg der Hersteller scheint ja (teils?) weg davon zu gehen (siehe Tesla) ….

  • 11. November 2016 um 12:09 PM
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    Ich glaube nicht, dass Lynk Volvo in naher Zukunft kanibalisieren wird. Dafür ist die Zielgruppe eine andere und es gibt immer noch viele Leute, die ein Fahrzeug besitzen wollen und nicht nur mieten. Dafür ist Volvo zu etabliert.
    Ich persönlich kann der Shared Economy und den Flatrates sowie zusätzlichen Konnektivitätsaspekten nichts abgewinnen, obwohl ich vom Alter eher zu den Lynk-Zielgruppe gehöre.
    Gerade im Premiumbereich ist ein Fahrzeug für mich ein gewisser Luxus, den ich nicht leichtgläubig untervermieten will.
    Wenn ich im Auto sitze, konzentriere ich mich auf die Fahrt und höre vielleicht noch Musik. Vielmehr als Fahrspaß und gutes Design braucht ein Auto für mich nicht. 🙂

    • 11. November 2016 um 7:03 PM
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      Exakt! Unterschreibe ich zu 100%!

  • 11. November 2016 um 12:55 PM
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    Ein dramatischer Umbruch in der Autoindustrie und sehr spannend weil gleich bei 2 Startups Ex SAAB Mitarbeiter am Zug sind. Ich gehöre voll zur Zielgruppe, aber habe ich Lust ehrlich darauf? Die Antwort kommt von NEVS und LYNK auf der Strasse sind 😉

  • 14. November 2016 um 9:42 AM
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    Ich denke die Geely Konzernstruktur wird aufgehen. Dies wird wahrscheinlich auch bei anderen Konzernen wie VW, Renault oder GM so sein. Bei NEVS wird sich zeigen ob diese neue Mobilität von den Benutzern angenommen wird. Ich glaube aber das es noch sehr lange dauern wird bis die Analog-Freaks, wie ich einer bin, ausgestorben sind. Ich denke jeder Hersteller wird gut beraten sein mit der Strategie, das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen. Man kann auch Autos mit elektrischem Antrieb bauen, ohne gleich vernetzt zu sein und sich fahren zulassen. Ich jedenfalls möchte ein Auto besitzen, selber pflegen und waschen und steht`s bereit vor der Haustüre stehen haben und nicht ständig unter der Obhut von Big Brother unterwegs sein. Solange es Hersteller gibt, die mir dies im Neuzustand anbieten können, werde ich dort Kunde sein. Ist ja eh schon fast Wurscht wer dieser Hersteller ist, solange er ordentliche Qualität liefern kann, wenn`s keine neue Saabs mehr gibt.

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