„Es hat „zoom“ gemacht…“

Es muss im Herbst 1969 gewesen sein: Der Vater meines Sandkastenfreundes verkaufte seinen Buckelvolvo und auf dem Hof stand ein nagelneuer Saab 99 in beige. Er wurde von zwei Herren aus Frankfurt in das Dorf in Schleswig-Holstein gebracht, in dem ich aufwuchs.

Der Ur-Saab fährt mit (aufsteigend!), damit klar ist, wie alles begann.
Der Ur-Saab fährt mit (aufsteigend!), damit klar ist, wie alles begann.

Ich war damals 6 Jahre alt und sehe mich heute noch das erste Mal in diesem Auto sitzen, zutiefst fasziniert von der gebogenen Frontscheibe, dem großen Raum auf dem Armaturenbrett, wo die Tabakspfeifen des Fahrers ihren Platz fanden sowie dem Zündschloss zwischen den Vordersitzen.

Dieses Auto war ganz besonders und so anders als der Ford Taunus (P 5) meines Vaters. Kurzum mich befiel in so jungen Jahren der automobile Neid – obwohl der Ford äußerlich viel größer war, aber er hatte nur 60 PS und der Saab „fast 100“, wie mir mein Freund versicherte (und wenn ich damals gewusst hätte, dass der Motor des Ford auch in einem Saab 96 sitzt, hätte mir das auch nicht geholfen).

Die Jahre gingen buchstäblich in das Land auf dem ich aufwuchs. Jedes Mitfahren in dem Saab wurde zum Erlebnis und gegen Ende der 70er wurde aus dem Saab in der Familie meines Freundes ein Volvo 264 GLE in weinrot metallic, mit 6 Zylindern und sage und schreibe 140 PS (der übrigens wieder von einem neueren Saab 99 abgelöst wurde). Unser Ford war in der Zwischenzeit einem Peugeot 504 gewichen – auch schön aber eben kein großer Schwede und auch nicht so stark und sicher.

Es dauerte ewig, aber 1981 bekam ich mit dem Tag meines 18.Geburtstages meinen Führerschein und erwarb gesponsert durch meinen Vater einen Ford Fiesta und ein Jahr später, noch als Abiturient, einen Mercedes 220D/8, W115 mit 60 PS. Es war klasse: Straßencruising mit langfristiger Planung von Überholmanövern – Zeit bekam eine andere Bedeutung und der Begriff „Fahrdynamik“ wurde (vorübergehend) aus meinem Wortschatz gestrichen.

Innerhalb relativ kurzer Zeit folgte dem Daimler ein Passat Kombi (mit 75 PS – wegen der Dynamik!) und dann wieder ein W115 (Hauptsache groß und cruisen).

Im Herbst 1984, 15 Jahre nach dem kindlichen Saab – Erlebnis begegnete ich auf dem Hinterhof eines kleinen Autohändlers in Schleswig mit ähnlicher Vehemenz wie damals erneut einem Saab: Ein 900 GLs in grünmetallic, aus 1979, 101.Tkm, 107 PS, 1. Hand. Preis 4400,- DM.

Ich war Zivildienstleistender (mit Nebenjob), fing an zu rechnen und zu recherchieren (Ersatzteile, Werkstatt etc…), verkaufte den Mercedes und kaufte mir dieses Auto. Mein erster Saab! Ein Traum! Ihm folgten zwei weitere (nacheinander 900 GLs aus 1981 und 900i aus 1985) jeweils in Silber.

Nach Studium und Berufsaufnahme und den Dingen, die das Leben so mit sich bringt, änderten sich die Prioritäten und die automobile Leidenschaft verlor an Bedeutung.

Nachdem das Getriebe des 900i nicht mehr wollte und ich schnell ein neues Auto brauchte, folgten ein paar Automarkenexperimente: 2-mal BMW (320i und 520i, immer gebraucht) und 2-mal VW (Golf IV und V, jeweils neu). Alle Autos waren okay und funktional – aber eben nur funktional, einfach nur um mehr oder minder komfortabel von A nach B zu kommen.

Meine Frau war es!! Sie, die beste von allen und selbst eigentlich nicht Saab affin, gab mir den Schubs, den man(n) manchmal braucht um zu merken, was man will. „Wenn Du den Golf verkaufst, dann kannst Du Dir ja wieder einen Saab holen, z.B. ein Cabrio…?“ (!!!!!)

Gesagt, getan! Ein 900II, schwarz, 2,3 mit Holzlenkrad und CD Wechsler, hellem Leder, Sitzheizung, Klima und… ach egal! Es war ein Saab!

Mein älterer Bruder, von mir mit dem Saab Virus infiziert (er fuhr einen 9000 bis der TÜV bei einem Kilometerstand von über 400T die Trennung vollzog und heute einen 9-3 I, 18 Jahre alt, der aussieht, als hätte er gestern noch im Laden gestanden), fragte mich, wie das für mich sei wieder Saab zu fahren: „Als käme man nach Hause“ war meine Antwort.

Der aktuelle 9-3
Der aktuelle 9-3

Durch das Segeln wurde klar, dass man mit einem Cabrio nicht wirklich viel transportieren kann und so wurde aus ihm ein 9-5 Kombi 2.0 t in schwarz aus dem gleichen Jahr wie der Projekt- „Paul“, (nur nicht so schick). Auf der Überführung von Osnabrück nach Kiel rief ich meine Frau an, um meine Begeisterung von dem Fahrgefühl zum Ausdruck zu bringen.

Heute, mittlerweile 53 Jahre alt, fahre ich meinen 6. Saab, den ich im Allgäu fand (Herr Lafrentz möge mir verzeihen), einen 9-3 Kombi, ebenfalls schwarz, Modell 2007, 1.8t und ich habe die Vermutung, dass er nicht mein letzter sein wird.

Ich werde ihn fahren so lange es geht und wenn er nicht mehr kann, dann begebe ich mich auf die Suche und ich bin mir sicher: Ich werde einen finden!!

Danke an Frieder  für seine Saab Story! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

 Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns.

8 Gedanken zu „„Es hat „zoom“ gemacht…“

  • 10. November 2016 um 11:47 AM
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    Herrlich 🙂

  • 10. November 2016 um 11:51 AM
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    Ja, Saab ist schon etwas ganz besonderes…..
    Übrigens, der 99iger war der einzige Wagen, welcher ohne Überrollkäfig bei Veranstaltungen zugelassen wurde. So fest ist der Innenraum….

  • 10. November 2016 um 12:35 PM
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    Schön geschrieben, schön zu lesen.

    Tom,

    alle Artikel und Lesergeschichten um den 9000 haben mir großen Spaß gemacht. Und immer wieder stieß ich auf mir neue oder von mir vergessene Fakten.

    Der 99 kommt hier wieder vor und taucht zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf dem Blog auf.
    Er war doch auch der erste, den es auch mit Turbo gab und so etwas wie der Papa oder ältere Bruder vom 900, oder?

    Wie wäre es denn, vom 9000 rückwärts zu gehen, eine Serie über den 900 (I) anzuschließen und dann eine über den 99 etc.?

    Wäre mir ein Lesevergnügen.

    • 11. November 2016 um 10:10 AM
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      Das wäre ein anspruchvolles Projekt! Die 9000er Zeit ist in Trollhättan noch präsent, die Entwickler sind aber auch schon um die 80 Jahre alt. Sie bemühen sich Saab Geschichte zu dokumentieren und machen das sehr gut. Geht man weiter zurück wird es eng. Zeitzeugen aus der Entwicklung des 99? Schwierig, schwierig, wenn man 1.200 Kilometer entfernt lebt.

      Von der 9000 Geschichte warten noch zwei Teile auf Veröffentlichung, das nächste, umfangreichere Projekt steht noch nicht fest. Aber die Tendenz geht mehr in Richtung eines neueren Saabs.

  • 10. November 2016 um 9:30 PM
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    Danke für die Geschichte! Ich würde mch mal freuen wenn eine Liste mit allen Saab kommen würde und zu jedem ein Bild mit einem kurzen Satz was Ihn so speziell macht, so eine Art Historie 🙂

    • 11. November 2016 um 10:11 AM
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      Gute Idee! Gehen wir an!

      • 11. November 2016 um 1:34 PM
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        Klasse, da freue ich mich drauf …

        Den Anspruch an Interviews mit Zeitzeugen hatte ich auch gar nicht, als ich meinen Vorschlag machte. Wer bin ich denn? Wir alle haben so schon Grund zur Dankbarkeit für diesen Blog.

  • 11. November 2016 um 8:11 PM
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    Klasse Geschichte und für mich Motivation genug über einen weitere Anschaffung nachzudenken….. Saab more than a Car……

Kommentare sind geschlossen.