Saab Pylone. Nichts hat Bestand.

Klassische Geschichten pflegen stets mit “es war einmal” zu beginnen. Es war einmal in Trollhättan, das wäre der Auftakt für eine lange, nordische Saga – passend zu den dunklen und scheinbar endlosen Winternächten.  Es war einmal in Trollhättan, das ist auch die Sage einer Automarke,  die langsam verschwindet.

Saab Pylone in der Stallbacka
Saab Pylone in der Stallbacka

Nicht aus den Herzen der Fans, dort lebt sie weiter. Aber aus der öffentlichen Wahrnehmung und auch an ihrem Geburtsort schwinden immer mehr Zeichen ihrer einstigen Präsenz. Schweden wird um ein Stück Industriekultur ärmer, aber vielleicht wächst auf historischem Boden Neues.

Saab Pylone. Trotzig und stark wie eine schwedische Eiche.

Die große Saab Pylone, die an der Zufahrt zum Hauptportal wachte – sie ist Vergangenheit !  Endgültig, und sie hat das Ende der Marke trotzig um fast 5 Jahre überlebt. Im Oktober 2011 war sie Fotopunkt für den Start von Saabs aus der Vorserie in Richtung Deutschland. Bei schönstem Wetter, obwohl damals schon der Himmel über Saab grauschwarz war.

Sie überlebte den Konkurs, und ein Jahr später war sie immer noch da. Der traditionelle Scania Greif fehlte jetzt, aber der Saab Schriftzug war noch vorhanden. Im März 2013 verpasste NEVS der Pylone ein neues Gesicht. Saab, ja weiterhin, aber jetzt ohne das Wappentier und mit “National Electric Vehicle Sweden” Schriftzug. Neu, und doch irgendwie vertraut. Eine Beruhigungspille für die Fans, die Kontinuität zeigen sollte.

Dass es so nicht kommen sollte,  wissen wir heute. Im Rückblick sind wir immer schlauer, und 3 Jahre später, im Sommer 2016, beerdigte NEVS alle Pläne,  die Marke Saab zu reaktivieren. Die Pylone stand trotzdem da, trotzig, unbeugsam, sehr solide aussehend, wie eine knorrige, schwedische Eiche. Eine Art Saab Leuchtturm in der Stallbacka. Ein Relikt vergangener Pracht, scheinbar unbeeindruckt von allen Veränderungen.

Im Oktober waren Mark und ich zu Besuch in Trollhättan. Wir stoppten kurz an der Saab Pylone. Für ein Erinnerungsbild, denn es war uns klar, es würde der letzte Besuch auf historischem Grund mit der markanten Pylone im Hintergrund sein. Und so war es. Es ist November, in Trollhättan fällt der erste Schnee. Und es gibt ein Saab Zeichen weniger. Nur die Fundamente erinnern daran, was hier vor kurzer Zeit noch war.

Dinge bewegen sich, nichts hat Bestand. Neues wird kommen. Im nächsten Frühjahr. Aber nichts ist mehr so wie es war.

21 Gedanken zu „Saab Pylone. Nichts hat Bestand.

  • 8. November 2016 um 11:47 AM
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    Das Fundament für das Hobby SAAB (die Teileversorgung für alle bestehenden SAABs) steht noch.. 😉

    • 8. November 2016 um 1:14 PM
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      Und das ist gut so!

  • 8. November 2016 um 12:29 PM
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    Tja, so stirbt die Automobile Kultur.
    Vielleicht auch besser so, eh sie vergewaltigt wird- siehe Lancia.
    Wenn ich heute den Namen Mini höre und seh tut mir alles weh.
    Mainstream wird als individuelles Konzept verkauft. Mit paar farbigen Akzenten.
    Und wer weiß was aus Schweden dann kommt.
    Was soll man heute noch Neues im Autosektor kaufen?
    Ich war noch nie so ratlos wie heute-
    Sind doch eh alles grimmig blinkende Lamettas die einen im Dunkeln Entgegenkommen- und keine Farbe mehr!!
    Schwarz, Silber, schwarz, grau.
    Autos- die farbigen I-Phones.
    Traurig, traurig.

    • 8. November 2016 um 1:32 PM
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      Stimme vollkommen zu. Es sind einfach zu viele Designelemente aus der Proll-Tuning-Szene in den Mainstream gekommen, dazu noch gekünsteltes Design mit Schwindsuchtfaktor (konkave Oberfläche wohin man blickt) und Hipster und sonstige Images. Sachargumente beim Autokauf scheinen nicht mehr zu ziehen oder gibt es nicht mehr.

  • 8. November 2016 um 12:48 PM
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    Klingt schon sehr traurig.
    Ich bin froh, dass ich zum Festival 2013 genau vor dieser originalen Pylone und vor dem Saabschriftzug mit den 5 Fahnenmasten (leider schon ohne Saabfahnen) mit meinem Saab davor noch Bilder gemacht habe. Sie wird es nie wieder geben.
    Habe übrigens die letzten zwei Tage mal alle Prospekte, Bücher, Modelle und alles Andere über Saab sortiert und neu geordnet. Da kommt einesteils schon etwas Wehmut auf gleichzeitig aber auch Stolz diese einmaligen Sachen zu besitzen. Dazu kommen natürlich die Saabfahrzeuge im Original.

  • 8. November 2016 um 12:57 PM
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    Echt traurig. Vielleicht macht NEVS aus dem SAAB Erbe was was tolles für die Zukunft? Ich hoffe dass Tom und Mark noch lange die Power haben weiter Blog zu schreiben. Dieser Verlust wäre echt schlimm.

    • 8. November 2016 um 1:30 PM
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      Ich zitiere mal den Titel des Artikels: “Nichts hat Bestand”. Dieses Jahr war für die Marke extrem schlimm, ich hätte vollstes Verständnis wenn sie aufhören würden. Immerhin sind es jetzt schon fast 6 Jahre im täglichen Einsatz für SAAB.
      Natürlich hoffe ich auf weitere 6 Jahre 🙂

      • 8. November 2016 um 3:46 PM
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        Wir machen uns natürlich Gedanken über die zukünftige Entwicklung, was logisch ist. Dazu kommen demnächst einige Details.

        • 8. November 2016 um 11:25 PM
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          Oh-oh.

  • 8. November 2016 um 1:05 PM
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    Gibt es denn in Schwenden keinen Denkmalschutz? Ich finde, es sieht so aus, als hätte die Stadtverwaltung von Trollhättan da aber mal richtig gepennt.

    • 8. November 2016 um 1:15 PM
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      Eines der Saab Zeichen wird am Innovatum eine neue Heimat finden. In Trollhättan kümmert man sich, auch NEVS ist sich der Verantwortung für die Historie bewusst.

      • 8. November 2016 um 1:34 PM
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        Zum Beispiel die Saab-Schriftzüge auf den Fabrikhallen hätten zumindest in Deutschland relativ sicher geschützt werden können, wenn man einen Denkmalschutz daran durchgesetzt hätte. Das wäre aber Aufgabe der Stadtverwaltung.

        • 9. November 2016 um 2:37 PM
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          Schon mal mit dem Denkmalschutz in Deutschland zu tun gehabt ?

          Ich wundere mich in beiderlei Richtung, sowohl darüber, was der Denkmalschutz so alles untersagt als auch über dessen Versäumnisse.

          Permanent werden Gebäude abgerissen oder durch zeitgeistigen Umbau entstellt, bei denen absehbar ist, dass man sie kurz darauf als einen herausragenden Vertreter ihrer Zeit wertschätzen und konservieren würde – so ähnlich, als würde man heute einen gut erhaltenen SAAB 9000 gegen eine Abwrackprämie tauschen.

          Und was Brandings und Werbung betrifft, scheint das auch in D was ganz “Böses” zu sein, ein profaner Repräsentant für Industrie und Wirtschaft, für Kommerz. Vier Buchstaben in Gill Sans bold?
          Bevor hier was derartiges unter Denkmalschutz käme, müsste es ob seiner gestalterischen Qualität mindestens internationale und museale Weihen erhalten haben. Ansonsten rümpfen gerade deutsche Denkmalschützer einfach nur die Nase. Ist ja keine Architektur.

  • 8. November 2016 um 5:01 PM
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    Als diesen Frühsommer auf dem Blog die Meldung kam, daß NEVS ohne die SAAB-Marke weitermachen wird, schwante mir übles, etwas Panik stieg auf:
    12 Jahre SAAB fahren, mit zunehmendem Fahrzeugbestand, und dann sollen so kurz vor meinem allerersten Trollhättan-Besuch die SAAB Schilder fallen….

    Puuuh, im Nachhinein gerade noch geschafft. Die obligatorischen Fotos in der Stallbacka mit eigenem SAAB sind im Kasten und auf jedem Bildschirm-Arbeitsplatz, den ich nutze.
    Und Ende August schien über den Schildern noch die Sonne von einem strahlend blauen Himmel…

  • 8. November 2016 um 5:31 PM
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    Es ist einfach ein Jammer und mich stimmt es persönlich sehr traurig. Wieder verschwindet ein Stück von dem was für mich Lebensgefühl und Wertigkeit darstellte. Was nun auch immer bei Nevs kommen mag, ich tue mich schwer damit. Fortschrittliche Technologien beschleunigen unser Leben mehr und führen meines Erachtens nach mehr und mehr zu Oberflächlichkeit. Auch ich empfinde Designelemente zB. bei Audi und Co absolut prollig und kann damit nicht anfangen. Allein bei einen vor mir blinkender Audi wird mir das sofort bewusst. Vielleicht sehe ich die Dinge ja auch zu konservativ. Nur wie weiter? Ich sehe nur wenige Alternativen. Daher gilt mein Augenmerk vorerst meinen Saab, mit den ich hoffentlich noch viele Jahre Spaß haben werde. Ich hoffe dass Tom und Mark noch lange weitermachen und den Block und die Fan- Gemeinde am Leben halten.
    Beste Grüße aus Sachsen…

    • 8. November 2016 um 8:53 PM
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      Ich möchte mich anschließen, auch dem Franken Troll:
      Hoffentlich macht Ihr, Tom und Mark, noch lange weiter!!!

      Wer braucht eine allumfassende mediale wie virale Marketingbegleitung für die Leidenschaft Auto, wenn er saabblog.net hat…?

    • 13. November 2016 um 11:29 AM
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      Lieber Gebhard, genau so ist es! Und wir sind nicht allein, bloss halt kein “Markt” für den es sich lohnen würde. So ein fahrender Computer als Auto verkleidet kommt mir nicht in Frage. In der Schweiz kann man zur Zeit sehr tolle Saab für wenig Geld erstehen. Es lockt mich sehr meinen fünften in die Garage zu stellen…..
      Gruss aus Basel, Hans

  • 8. November 2016 um 9:21 PM
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    Was ich nicht verstehe, vielleicht bin ich ja auch zu naiv, warum ist es nicht möglich mit dem skandinavischen KnowHow, was es ohne Zweifel gibt und dem skandinavischen Design dem Namen Saab Automobile wieder Leben einzuhauchen. Die Technik muss ja nicht von GM sein, wenn ich mir heutige Autos ansehe auch von unten, ist sehr vieles aus dem Zubehör, d.h. Bremsen, Fahrwerke, Steuerung, Elektronik, Multimedia, Sitze und und und. Bosch ist einer der größten Zulieferer, Magna und wie sie alle heißen, finde ich in allen exklusiven Produkten von Audi bis VW, es gibt genug Kreative, die mit großem Geschick gezeigt haben, wie die Zukunft von Saab aussehen könnte.
    Waren es zuletzt 100.000 Fahrzeuge?, damit können andere Unternehmen doch auch über die Runden kommen. Und bitte Produkte für den Saab-Kunden, d.h. Schrägheck, große Klappe, 4-Zylinder Turbo, Sicherheit, Robustheit, Exotisch – ein Saab sollte auch immer als Saab erkennbar sein, 2-türig (3-türig), 4-türig, herumgezogene Windschutzscheibe, Anlehnungen aus dem Flugzeugbau, wintertauglich, gerne auch wieder ein 4-sitziges Cabrio, große Plattform, kleinere Plattform, klassenlose Reisewagen und kräftige Sportwagen,
    9000/9-5, 900/9-3, Cabrio, Sonett – was brauchen wir mehr. Die Autos müssen auch nicht jeder Mode hinterherrennen, dürfen eigen sein, aber gut und von guter Qualität.

    Schaue ich mir das skandinavische Design an, Jensen, Stelton, Tandberg, Eva Solo, DK, Bang & Olufsen, Ericsson, …
    Volvo hat sich gerappelt, muss man ja nicht mögen, aber die Kunden schätzen Volvos sehr,
    einfaches Konzept, nicht Autos für jede Nische in jeder Variante … na ja so ein paar Gedanken,
    in Bremen erleben wir gerade die Auferstehung von Borgward, und viele sind entzückt,
    Triumph im Bereich der Motorräder hat es auch gut getroffen und gerade die modernen Retrobikes kommen an …
    Mir fehlt noch das Geld …

    • 9. November 2016 um 1:25 PM
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      Vielleicht folgt ja tatsächlich etwas typisch sknadinavisches aus Trollhättan. Das Mitschwimmen im üblichen Mainstream wäre für die Entwicklung von NEVS auch höchst Nachteilig – häßliche und langweilige Fahrzeuge kommen doch seit Jahren aus allen Richtungen der Fahrzdeugindustrie und spezielle Käuferschichten (z. B. SAAB-Enthusiasten, die über den ganzen Globus verteilt sind) haben es schwer, ein adäquates Fortbewegungsmittel zu finden.

      Vom Markennamen ist dies doch letztendlich nicht abhängig.

  • 9. November 2016 um 8:52 PM
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    Muss ´mal was Allgemeines anmerken. Gestern und heute habe ich gut 1.100km mit meinem 10 Jahre alten 9-5 “abgerissen”. Nicht nur ich sondern auch meine Mitfahrer waren mehr als angenehm überrascht von der entspannten Fahrt. Auch wenn die Pylone nicht mehr da sind, meine SAABs fahren immer noch. Ich hoffe, das geht den Anderen im Blog genauso.

    • 10. November 2016 um 11:10 AM
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      Ich denke schon. Aktuell fahre mich mit “Anna” in Richtung Winter. Fast 20 Jahre alt, aber immer noch so richtig gut unterwegs.

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