Der 9000 oder hin und zurück

Die hessische Heimat hat uns wieder. Der 9000 hat den Schwedenurlaub und den eigenen, kleinen Long Run nach 3.460 Kilometern beendet. Die restlichen Tage in Schweden hatten es nochmal in sich.

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Die nachgebaute Boxengasse von Talladega in der Sonderausstellung The Long Run im SAAB Museum

Am Dienstag stand der zweite Besuch des SAAB Museums auf dem Programm, jedoch mit zeitlicher Reglementierung meiner Frau, ansonsten hätte man mich vermutlich am Ende des Tages raustragen müssen. Es ist einfach eine tolle Idee vom Museum, ehemalige SAAB Mitarbeiter als Zeitzeugen zu rekrutieren. Diese alten Hasen haben so viel zu erzählen dass ein Tag gar nicht ausreicht um neue Details oder weiterführende Informationen zu bekommen. Diese alten Herren versprühen den SAAB Geist regelrecht, echt und ungefiltert. Eine tolle Erfahrung.

Aus dem Innenraum von Wagen Nr. 2
Aus dem Innenraum von Wagen Nr. 2

Ein Gefühl dafür, warum Trollhättan die Wiege der schwedischen Industrie genannt wird, bekommt man ganz gut bei einer Wanderung rund um die Schleusen und die Wasserkraftwerke. Daneben begegnet einem auch immer wieder die Nähe zur Schwerindustrie, die lange Zeit Turbinen, Dampfmaschinen und natürlich auch Lokomotiven hervorgebracht hat. Ein echter Augenschmaus ist das aus der Gründerzeit stammende Hojum-Kraftwerk, welches 1912 in Betrieb genommen wurde.

Das Generatorenhaus Olide in Trollhättan
Das Generatorenhaus Olide in Trollhättan

Nahtlos daran anschließend ist die Trogbrücke in Håverud, welche den persönlichen Höhepunkt entlang des Dalsland-Kanals darstellte, den wir am Mittwoch abgefahren sind. Wer ein Faible für Industriekultur hat, dem ist ein Abstecher in diese Seenlandschaft wärmstens zu empfehlen.

An der unteren Schleuse der Trogbrücke von Håverud
An der unteren Schleuse der Trogbrücke von Håverud

Großen Spaß hatte der 9000 und der Autor auf der engen  Achterbahnstrecke von Håverud nach Högsbyn, es machte eine Heidenfreude, auf wechselnden Asphalt- und Schotterstrecken durch  leere und einsame Mischwaldgegenden zu fliegen. Hier einmal unter Wettbewerbsbedingungen mit jemand mitzufahren, der wirklich Autofahren kann und die Strecke kennt, wäre eine Mordssache.

Der 9000 in der Sonderlackierung Hunneberg
Der 9000 in der Sonderlackierung Hunneberg

Die Abreise aus Trollhättan steht an, wir sind gebucht auf die Fähre von Göteborg nach Kiel am Donnerstagabend. Zwei Museen stehen auf dem Plan bevor es auf die Fähre geht. Das Aeromuseum und das VOLVO Museum. Leider entscheiden wir uns zugunsten des VOLVO Museums und lassen das Aeromuseum außen vor, da wir viel zu viel Zeit für das VOLVO Museum vorgesehen hatten. Aber es wird den Erwartungen nicht so wirklich gerecht. Eine große Sonderausstellung ist über das Engagement von VOLVO im Segel- und Golfsport. Aber wir wollten ja VOLVOs sehen und zwar PKW.

VOLVO ist halt aber doch mehr als nur PKW  und da war die Ausstellung, subjektiv gefühlt, doch recht übersichtlich. Der Rest waren LKW und Dienstleistungen die VOLVO mittlerweile rund um Mobilität und Logistik anbietet. Der Ehrenrettung halber muss jedoch geschrieben werden, dass das VOLVO Museum als solches auf jeden Fall einen Ausflug wert ist. Nur weil das Herz für SAAB schlägt, gab es von unserer Seite nichts an der Ausstellung und den Exponaten zu meckern.

Leider reichte die restliche Zeit nicht mehr aus, zum Aeromuseum zu fahren und noch eine Zeitreserve für das Einchecken der Fähre vorzuhalten. Das Stena Line Terminal in Göteborg ist zum davonrennen, ebenso waren die vielen Baustellen und die hohe Verdichtung an Verkehr in und um Göteborg herum bereits ein erster Vorgeschmack auf die nahenden, deutschen Verhältnisse.

Die Fährpassage hat uns subjektiv nicht gefallen, zu eng und zu hektisch.  Auch fanden wir die zusätzlich an Bord anfallenden Kosten als deutlich überhöht, so dass wir bei einer zukünftigen Reise doch die Landpassage vorziehen werden. Einen gewissen Charme hatte noch das abendliche Bordentertainment mit Karaoke und Diskokugel.

Die Details der Rückfahrt von Kiel ins Idsteiner Land sind wenig erquickend, gefühlt war es eine stete Abwechslung von Baustellen und oder Staus. Der 9000 und wir wären am liebsten direkt wieder zurück nach Schweden, zu gemütlichen Tempomat-geeigneten Straßen und Geschwindigkeiten.

Und so schließt sich der Kreis.

Die Sonderlackierung Hunneberg wurde gestern entfernt und der Rest des 9000 wieder in den Alltagsmodus zurückgebaut. Offensichtlich ist die Windschutzscheibendichtung  undicht, da sich nach der erfolgten Hochdruckreinigung eine kleine Wasserlache an der Unterkante des Scheibenrahmens gebildet hat. Außerdem hat der (fast neue)Kupplungsgeber entschieden, die Reviermarkierung wieder aufzunehmen. Die Fußmatte im linken Fußraum beginnt bereits mit der Materialauflösung.

Ich bin der Meinung, dass es zum guten Ton gehört zum Ende ein paar Worte des Dankes zu formulieren.

Danke an Euch, liebe Leser, dass Ihr uns auf unserer persönlichen Reise gefolgt seid. Persönliche Geschichten und Meinungen sind immer subjektiv. Davon nehmen wir uns nicht aus. Umso schöner ist es, dass Ihr Euch die Zeit für unsere genommen habt.

Danke an Tom und Mark. Wir hatten mit Euch ein paar tolle Stunden in Trollhättan und auf der Fährpassage. Danke für die Möglichkeit, unsere Reise zu erzählen. Danke, dass Ihr den SAAB Geist am Leben erhaltet.

Danke an Olle Granlund und Peter Bäckström. Das Zusammentreffen mit ihnen war ein unvergessliches Erlebnis und ein einmaligen (Geburtstags) Geschenk.

Vielen Dank an unsere Haus- und Tierbetreuerin Carina. Ohne Dich hätten wir den Trip nicht machen können.

Unser Kater beschnuppert den 9000 nach der Rückkehr
Unser Kater beschnuppert den 9000 nach der Rückkehr

Zu guter Letzt gilt mein Dank meiner Frau. Für die vielen Stunden in diesem Jahr, die ich eher am SAAB geschraubt und gewischt habe, statt im Haus und im Garten zu helfen. Danke dafür, dass Du mich meinen eigenen SAAB Traum leben lässt.

Ich bin noch eine Auflösung schuldig. Im ersten Beitrag schrieb ich über die Begegnung mit dem (unbekannten) Wagen Nr. 4 im Museum von Talladega. Er fällt etwas hinten runter, da er nie mit seinen drei silbernen Brüdern gezeigt wurde, oder in den einschlägigen Berichten erwähnt wird. Allerdings gibt es einen ausführlichen Bericht über den Long Run, vom Projektleiter Olle Granlund persönlich verfasst, der auf der Internetpräsenz der ehemaligen SAAB Mitarbeiter im Werk Trollhättan abgerufen werden kann (Veteranföreningen Trollhättan).

Wagen Nr. 4 war ein Versuchsfahrzeug der ein Jahr vor dem Long Run um die 20.000 Kilometer in Talladega zurückgelegt hat, um Praxiserfahrungen und weiterführende Parameter für weitere Entscheidungen zu sammeln. Er wurde 1987 im Rahmen einer NASCAR Veranstaltung von Olle Granlund an das Museum in Talladega übergeben.

Herzliche Grüße aus dem herbstlichen Hessen,

Thorsten

7 Gedanken zu „Der 9000 oder hin und zurück

  • 27. Oktober 2016 um 10:01 AM
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    Wieder sicher gelandet… 🙂
    Danke Thorsten, das Du uns Leser hast teilnehmen lassen an Eurem Trip gen Trollcity! Emotional geschrieben, nette unbekannte Details und Fotos aus der Region mit viel SAAB drauf! 🙂 🙂
    Es war für mich ein netter “Ausflug vom Schreibtisch” aus…, doch Eure reellen Eindrücke sind so nicht zu toppen. Ich bin sicher, diese Reise wird bei Euch lange positiv nachklingen…
    Und weiterhin viel Freude und unfallfreie Fahrt mit dem 9000-sender Sahnestück! 😉

  • 27. Oktober 2016 um 10:45 AM
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    Kann mich dem Kommentar oben nur anschliessen, wunderbarer und spannender Bericht. Nach dem IntSaab 2016 waren wir auch noch ein paar Tage in Helsingborg und Göteborg wo wir uns u.a. aber für das Aeromuseum entschieden haben. Hat sich absolut gelohnt, super Ambiente in den Kaverenen und gut aufgebaut.

  • 27. Oktober 2016 um 2:30 PM
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    Lieber Thorsten,

    vielen Dank für Deinen Reisebericht! Es war Mark und mir ein Vergnügen Dich und Barbara in der Saab Hauptstadt zu treffen! Wir bleiben weiterhin in Kontakt!

  • 27. Oktober 2016 um 5:13 PM
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    Wunderbar deine 3460 Kilometer reise bericht. Mit eine Saab 9000 Heck Klappe CC genannt.

  • 27. Oktober 2016 um 8:03 PM
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    Danke für die Reiseberichte! Das Lesen hat viel Spaß gemacht!

    • 28. Oktober 2016 um 11:54 AM
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      Kann mich voellig an das Kommentar von Franken Troll anschliessen.

  • 27. Oktober 2016 um 10:55 PM
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    Danke auch von mir für die tolle lustige und nach “muss ich auch mal machen ” Geschichte! Da macht es immer wieder mehr Spaß mit dem 9000der zu fahren. Danke Thorsten

Kommentare sind geschlossen.