«Der lange Weg» zum alten Saab 9000

Eigentlich schlägt mein Herz für BMW. Am liebsten grossvolumiger Reihensechszylinder. Aufgewachsen bin ich in diversen Modellen von Ford und BMW, wobei in unserer autobegeisterten Familie die Modelle von Mercedes Benz stets das Mass der Dinge darstellten. Etwas so exotisches wie ein Saab kam gar nirgends vor und an eine Saab-Vertretung in unserer Gegend war nicht zu denken. Und dennoch haben mir die seltenen Autos aus dem hohen Norden immer sehr gut gefallen.

Saab 9000 CC 2.3i
Saab 9000 CC 2.3i

In meiner Jugend kann ich mich nur an einen Berührungspunkt mit der Marke Saab erinnern. Ein befreundeter Vermieter eines Ferienhauses überbrachte uns die Schlüssel seines Hauses und fuhr mit einem goldenen Saab 900 vor.

Wohl eher ein Fahrzeug für den älteren Herren von der Ausstattung her, aber die Form des Hecks hat mich begeistert und stand mit dem fliessenden Verlauf so arg im Kontrast zur sehr steil stehenden Frontscheibe. Ich fand den 900er schön und freute mich immer, wenn mir mal so ein Fahrzeug auf der Strasse begegnete. Diese Grundsympathie hat sich dann nahtlos auf den 9000er der ersten Serie mit der steilen Front übertragen. Ab der zweiten Serie des 9000ers liess meine Aufmerksamkeit wieder etwas nach. Zwar hatte ich mittlerweile den Führerschein, aber ein Saab war wiederum weit davon entfernt, «mein» Auto zu werden.

Und doch hatte ich für die Fahrzeuge aus Trollhättan stets einen Sympathiebonus im Hinterkopf. Im Urlaub in Schweden war der Besuch des Saab-Museums Pflicht und ein nicht unerheblicher Teil der Urlaubsbilder entstand in diesen Mauern.

Mit dem Erscheinen des 9-5 ging es aus meiner Sicht mit dem Design bei Saab wieder steil aufwärts. Ein tolles Auto, leider hielt ich damals die Motorisierungen für nicht optimal für die Fahrzeugklasse. Vierzylinder in der oberen Mittelklasse? Wo bei BMW ab dem 320i bereits ein seidiger Reihensechszylinder am Werk ist? Nunja, heute ist das auch nicht mehr so… Schliesslich kam ich aber durch den hier im Ort zugelassenen 9-5 NG wieder dazu, nach Saab zu googeln. Das nordische Design, die Light-Bar… alles super umgesetzt.

Schnell war aber klar, dass die Fahrzeugflotte einen zusätzlichen zweitürigen 900er im Aero-Trim oder gar einen 9-5 NG budgetmässig nicht verkraftet. Die Suche grenzte ich dann ein: ein 9000er CC der ersten Serie mit steiler Front, gerne mit Turbo und klassischer Farbgebung (!!) sollte es sein. Hier in der Schweiz ist das schwierig, extrem schwierig zu finden!

In Deutschland habe ich eigentlich mein Wunschfahrzeug gefunden. Doch die bürokratischen Hürden für ein älteres Fahrzeug einer mittlerweile nicht mehr existierenden Marke machten den Kauf und Import unmöglich. Eigentlich habe ich viele sehr hilfsbereite Leute gefunden, aber keiner konnte oder wollte mir das entsprechende Dokument ausstellen und so die Verantwortung gegenüber der Zulassungsbehörde übernehmen.

Saab 9000 CC 1989
Saab 9000 CC 1989

Ich hab mich dann erstmal geschlagen gegeben und sporadisch in der Schweiz gesucht. Bis zu jenem schicksalshaften Tag vor gut einem Jahr, an dem ich einen 9000er, erste Serie, ohne Turbo aber mit vollständiger Servicehistorie, wenigen Kilometern und frisch ab Fahrzeugkontrolle (TÜV), gefunden habe.

Die ersten Bilder haben mir gefallen, auch wenn die Farbgebung mit magentabraun nicht ganz alltäglich war. Ich wollte es ja eigentlich klassisch, am liebsten in Silber… aber beim CC hat man nicht mehr die grosse Wahl. Meine erste Frage an den Verkäufer betraf jedoch den Innenraum: «Kann dies von der Farbe her so in etwa hinkommen oder ist da bei der Belichtung was schiefgelaufen?». Die Antwort des Verkäufers: «Alle Farben der Bilder stimmen und bokhararot wurde in den späten 80er und frühen 90er Jahren als Ton-in-Ton zur magentabraunen Lackierung aufgefasst».

Schockschwerenot! Aber ich musste ihn sehen, fahren und schliesslich auch als meinen «Erstsaab» kaufen. Genauso ist er stimmig, wäre nur noch zu toppen durch einen perlmuttfarbenen mit bokhararotem Innenraum.

Innenraum Saab 9000 CC
Innenraum Saab 9000 CC

Nach der gründlichen optischen Aufbereitung von Innen- und Aussenbereich, dem Ersatz aller Flüssigkeiten sowie der Montage des in Schweden organisierten Spoilers der Turboversion (ja, es musste sein denn ohne Spoiler wirkt das Heck irgendwie nicht komplett) macht der 2.3 i grosse Freude. Er überzeugt durch Laufruhe wie ein Sechszylinder, sein Temperament ist nicht so gemässigt wie befürchtet und ich mag die zahlreichen Schrulligkeiten seiner Konstruktion. Und das grosse Schiebedach.

Ein paar Kleinigkeiten sind noch zu tun, aber ich hoffe, trotz den Ausgleichswellen im 2.3i-Motor noch viele problemlose Kilometer mit dem 9000er zurücklegen zu können – meine Saab-Werkstatt ist da recht zuversichtlich…

Danke an Patrick  für seine Saab 9000 Story! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

 Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört…

Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns auf viele Saab Geschichten!

13 Gedanken zu „«Der lange Weg» zum alten Saab 9000

  • 18. Oktober 2016 um 12:13 PM
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    Sehr schöner CC und tolle Geschichte!
    Gruss aus dem ZH-Oberland.

  • 18. Oktober 2016 um 1:00 PM
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    Gratulation zu diesem schönen 9000er. Also ich finde die Farbe passt gut in die 80er Jahre. Dadurch fällt der schrullige Schwede nur noch mehr auf. Ein Foto der Innenausstattung wäre toll. Gerade diese Eigenarten machen SAAB interessant. Silber kann doch jeder…;-)

    • 18. Oktober 2016 um 2:24 PM
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      Von mir auch herzlichen Glückwunsch. Auf das Innenraumfoto bin ich aber auch gespannt. ;P

  • 18. Oktober 2016 um 4:08 PM
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    Vergiss die Ausgleichswellen, nur die Ölpumpe solltes du mal prüfen lassen ob noch die alte mit einer “Nase” oder die Neuere mit 3 “Nasen” verbaut wurde, erstere könnte abreißen

  • 18. Oktober 2016 um 5:56 PM
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    Ich hab vorhin mal ein Innenraumbild an Tom gemailt. Vielleicht schaltet er es ja noch auf. Das spontan entstandene Bild hat noch ein paar «Schönheitsfehler», die zum Teil schon behoben sind. Einzig die Türverkleidung im schönen Rot macht aktuell noch wirklich Sorgen…

    • 18. Oktober 2016 um 8:11 PM
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      Gerade erledigt. Gruß aus Trollhättan 😉

      • 18. Oktober 2016 um 9:49 PM
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        Vielen Dank Tom!
        @Patrick: Also ich finde Innenraum total cool!

  • 18. Oktober 2016 um 8:45 PM
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    Hallo,
    alles richtig gemacht. Die Farbe der Innenausstatting gehört einfach in die Zeit. Herzlichen Glückwunsch zu so einen schönen und gut erhaltenen Fahrzeug.
    Gruß

  • 19. Oktober 2016 um 8:37 AM
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    die Farbe ist toll, würde ich IMMER schwarz, silber oder grau vorziehen. Naja, war halt auch die Farbe von meinem ersten Saab ( 9000 Turbo aus 88 ) – allerdings hatte der eine “normale” Farbe bei der Innenausstattung. Auch von mir Glückwunsch zu diesem aussergewöhnlichen und schönen Wagen und hoffentlich noch viele zufriedene Kilometer.

  • 19. Oktober 2016 um 10:38 AM
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    Ich finde die Farben cool.

    Man könnte noch zwei kleine Diskokugeln an den Innenspiegel hängen …

    Auf einem Oldtimertreffen stellt man sich dann am besten direkt neben einen türkis-weiß lackierten 55er Bel Air mit Stoffwürfeln am Spiegel.

    Dann kapiert auch noch der Letzte was es mit Farbe und Diskokugeln auf sich hat: Zeitgeist, Authentizität plus etwas Schalk im Nacken!

    P.S.
    Die Laufruhe des 2,3 mit seinen zwei Ausgleichswellen ist legendär. Das haben damals auch etliche Journalisten gewürdigt.

  • 19. Oktober 2016 um 1:53 PM
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    “…und ich mag die zahlreichen Schrulligkeiten seiner Konstruktion” – endlich mal einer der das dem aus Sicht der Alteisenfraktion ach so langweiligen 9000er zugesteht… Es kommt halt immer auf den Standpunkt an – und noch viel Freude auf dem Weg zum Schmuckstück!

  • 19. Oktober 2016 um 5:54 PM
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    Wunderschön, gerade auch weil es ein Steilküstenschnauzer ist (so wurde der 9000 mit der steilen Schnauze von einem,SAAB Veteranen im SAAB Museum genannt) Ich habe auch mal an einen Rückbau nachgedacht, aber mein 9000 soll Original bleiben. Und das ist Dein 9000 ohne Frage. Seine Bruder Nr.1 und Nr. 2 die in Talladega zum Weltrekord gefahren sind, haben auch eine bokhararote Veloursausstattung samt Türpappen und Amaturenbrett. Echt geil.

    • 20. Oktober 2016 um 1:49 PM
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      Es hat mich natürlich sehr gefreut, als ich nach dem Kauf des Fahrzeugs beim googeln auf die Innenaustattungen der Talladega 9000er gestossen bin 🙂

      Allerdings ist bei der Suche nach einem passenden Material für die Türverkleidungen Geduld gefragt. Bis jetzt habe ich noch keine Lösung. Ich bin aber sehr froh, dass die Sitze und die Teppiche sehr gut erhalten geblieben sind.

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