Auf langen Strecken zu Hause. Der SAAB 9000

Die Sorge eines automobilen Defekts, sie ist allgegenwärtig in meinem Unterbewusstsein. Abgescherte Stirnzahnräder. Steuerkettenbruch. Versagen der Benzinpumpe in der schwedischen Einöde. Kabelbruch am OT-Geber. Lassen wir das.

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Der Albtraum: Kettenabriss

Man liest so einiges und Halbwissen aus dem Netz ist der Sorge nicht förderlich. Gerade für einen Hobbyschrauber und technischen Autodidakten.

Man of constant sorrow – Alison Krauss & Union Station

Mein 9000 ist ein Alltagsauto. Ich habe sonst keine andere automobile Redundanz. Nach der Talladega-Pilgerfahrt nach Trollhättan, so dachte ich, wenn er es schafft und uns heil wieder nach Hause bringt, auf eigener Achse, vielleicht dann, eine neue Mission. Wieder älteres, schwedisches Blech, entweder ein 9-5 Kombi der ersten oder zweiten Generation oder, mehr denn je, ein VOLVO. Danke der für mich neuen Erkenntnisse zum 850. (Danke Tom)

Warum diese Zweifel? Es wird zunehmend schwerer für mich, den mittlerweile 25 Jahre alten 9000 zu unterhalten und mobil zu halten. Ist es grundsätzlich überhaupt in Ordnung, einen 25 Jahre alten, schwedischen Exoten jeden Tag den Stress der A3 im Rhein Main Gebiet auszusetzen? In Ordnung im Sinne von ökonomisch, aber auch im Sinne davon, dass die Passion ein echter, wirklicher Zeitfresser ist?
Anspruch und alternativlos, das sind für mich die Begriffe wenn ich SAAB und meinen 9000 definieren soll.

Sie lauern hinter jeder Ecke.

Der eigene Anspruch, den 9000 am Laufen zu halten, doch noch einmal zu investieren. Doch alles im Originalzustand zu belassen und – soweit es möglich ist und die eigenen Fähigkeiten es zulassen – es selbst zu machen. Und wenn es nicht selbst geht, eben doch zum SAAB Service nach Frankfurt zu fahren, denn nur Original ist legal.

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9000 in Smalands Seenlandschaft

Alternativlos, weil (für mich) alles andere nicht mobile Leidenschaft ist. Egal ob es ein anderer SAAB ist, Chrombrille oder ein 9-3 Sportkombi, da prickelt bei mir nichts.

Alternativlos, weil er bereits vergoldet sein müsste. 9000 Fahren ist nicht immer wirtschaftlich.

Ein Wort habe ich noch für Euch zum Thema 9000. Automobiler Nonkonformismus.

Zurück zur Sorge. Es war und ist meine Frau die mir Zuversicht einredet. Warum soll der 9000 (wie der SAAB im familieninternen Sprachgebrauch heißt ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt) uns nicht heil durch Schweden bringen? Er hält schon durch, Die ganze Reise durch Schweden und auch wieder zu Hause. (Du hast doch fast alles durch repariert (oder reparieren lassen und dabei ein Vermögen ausgegeben)). Sie nennt das Dogma, was ich da mit mir rumschleppe, eine sich selbst bestätigende Vorhersage. Und ich solle damit aufhören.

Und Sie hat Recht, es wird dem 9000 nicht gerecht. Er hat es nicht verdient. Wir sind nun knappe zwei Wochen unterwegs und stehen kurz vor Trollhättan. Und was ist defekt? Eine der zwei Leuchtmittel der Kennzeichenbeleuchtung. Es muss auf der Reise durch Schweden ausgefallen sein, Mitte September 2016 hat der 9000 einen makellose HU hingelegt.

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Im Tiefflug durch das Oestra Goetaland

Der 9000 funktioniert, wie Olle Granlund über die drei Talladega 9000 schrieb, wie ein Uhrwerk. Egal ob auf der langen Strecke, ob auf knackigen, kurvenreichen, lang einsehbaren Landstraßen, auf Schotterpisten, tief durch schwedische Wald- und Seenlandschaften.

Don’t stop believin – Journey
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Im Ikea Museum in Aelmhult

Für die Statistik und zur Vervollständigung meines letzten Beitrags. In ganz Schweden habe ich bis heute keinen anderen 9000 Baujahr 1991 oder früher gesehen. Generelle 9000 Dichte bisher: Weniger als zehn Stück. Es dominieren 900-II und 9-5 der Modelljahre bis September 2005

Aber, SAAB ist allgegenwärtig in Schweden und sie fahren. Im IKEA Museum in Älmhult. Als sehr gut erhaltene 900-II in der Trendfarbe braun. Oder als Exponat im Motormuseum von Motala

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902 in Vadstena. Schönes Schokobraun.
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Motala Motormuseum

Gefühlt ist hier jeder vierte PKW ein SAAB

Zum Schluss: Zweitausend Kilometer hat der 9000 gestern  auf seinem DCC Instrument abgebildet, seit der Abfahrt aus der hessischen Heimat vor zehn Tagen. Zweitausend Kilometer, ja und weiter? Wo ist die Pointe?

Es gibt keine. Ich bin der glücklichste 9000 Fahrer in Schweden. Weil er fährt, ohne Murren und Knurren.

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2.000 Kilometer ohne Probleme.

Denn ein SAAB ist zum Fahren da, nicht zum Rumstehen.

Have a Little Faith in Me – Joe Cocker

Nächster Stop: Trollhättan

11 Gedanken zu „Auf langen Strecken zu Hause. Der SAAB 9000

  • 15. Oktober 2016 um 7:49 PM
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    Hallo,
    Fast 50 Jahre habe ich nur Saab’s gehabt und jetzt ist mein letztes Exemplar wege Unterhalts nachlässigkeit vom frühere Besitzer fast zu Ende. Und das währen ich gerade auf Saba mehr Promotion machen hätten wollen. Meine einzige Interesse ist also im Zukunft. Wird es noch eine “Re-start” geben? Ich habe etwas gehört von ein neues Modell in 2017 aber gerade davon möchte ich mehr Informationen haben, damit meine Hoffnung im Leben bleibt.

  • 15. Oktober 2016 um 8:03 PM
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    Mache dich nicht verrückt. Ich hatte vor 3 Jahren mir nochmals einen 901er mit Softturbo gekauft. Am nächsten Tag nach der Lieferung, bin ich mit guten Sommerreifen durch leichten Schneefall in die Stadt gefahren, wo ich seitdem wohne. Auf der Rückfahrt, wurde es stockfinster, immer noch leichter Schneefall. Die Fahrt ging über 15 Km hin und wieder zurück. Auf der Rückfahrt musste ich eine Bergserpentine hochfahren. Keine Probleme, obwohl dieser 901er bestimmt 1 Jahr oder länger gestanden hatte. Die Sitzheizung tat ihr übriges, die Fahrt wie gewohnt, angenehm für mich als Fahrer werden zu lassen. Am nächsten Tag bekam er einen Ölwechsel und es kamen WR drauf…

  • 15. Oktober 2016 um 10:13 PM
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    Danke für den Artikel! Wollte schon neulich kommentieren wg. der Saab-Dichte in Schweden; die ist aus meiner Sicht (ich wohne in Schweden) in den letzten Jahren deutlich geringer geworden (wo sind die Autos geblieben? Vielleicht sind einige nach Polen verkauft worden; da bin ich auch oft und da sehe ich oft Saab 9-3 und deutlich seltener 9-5). Dennoch sieht man natürlich weiterhin oft Saabs, meistens 9-5 oder 9-3. Selbst als es Saab Cars noch gab, lief es für die Firma nicht mehr so gut in Schweden, der Marktanteil wurde immer geringer und der 9-5 NG konnte daran auch nichts ändern (verkaufte sich auch nicht besonders gut). Schön jedenfalls, daß es noch Leute gibt, die ältere Saabs wie den 9000 in gutem Zustand halten. Und ich kann mir vorstellen, daß das viel Zeit und Energie kostet. Wäre interessant, zu dem Wagen mal einen eigenen Artikel zu lesen!

    • 17. Oktober 2016 um 5:58 PM
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      Guten Abend Arndt,
      Danke für Deinen Kommentar. Ich schreibe gerne mal etwas über den 9000 in einem separaten Artikel, generell hoffe ich das ich mit der Beitragsreihe das Interesse an diesem unaufregendem Modell etwas anregen kann. Grüße, Thorsten

  • 16. Oktober 2016 um 12:08 AM
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    Hallo Thorsten
    Schöner Bericht, danke. 2 Fragen bleiben offen: 1) Wie viele Kilometer ist Dein 9000er gelaufen? 2) Warte noch gespannt auf die Auflösung zum schwarzen Talladega 9000er?
    Fahre ebenfalls einen 9000er als Daily Driver, allerdings aus dem Jahr 1992. Bin bereits 3 Mal mit ihm in Trollhättan gewesen beim Festival. Gibt aus der Schweiz jeweils gut und gerne gegen 4000 km. So don’t worry and enjoy your 9000, Daniel

    • 17. Oktober 2016 um 6:06 PM
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      Hallo Daniel,
      Danke für Deine Rückmeldung! Mein 9000 hat 199.000 Meilen auf der Uhr, ich hatte gedacht das wir mit der Rundreise durch Schweden die 200.000 Meilen knacken, jedoch fahren wir mit der Fähre zurück und daher wird es im Alttagsbetrieb in der Heimat stattfinden. Leider besitze ich keinerlei Vorbesitzerdokumentation um so etwas mehr über die Genauigkeit dieser Laufleistung oder über etwaige Austauschszenarion an Getriebe oder Motor schreiben zu können.
      Die Auflösung zum Wagen Nr. 4 gibt es im nächsten Beitrag, bis dahin wünsche ich Dir ebenfalls ein entspanntes und souveränes dahingleiten im besten Auto das SAAB je gebaut hat.
      Grüße, Thorsten

  • 16. Oktober 2016 um 2:35 AM
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    Hab mir vor 2 Mon. meinen 4. SAAB (9-5 2.3t combi 2002) gekauft. Allerdings hat der nen neuen Motor. Mein letzter 19J. alter 900 hat ein Händler mit Kusshand genommen.
    Bin damals extra aus dem ADAC ausgetreten, denn mit SAAB blieb ich nie liegen.

    Diese Autos werden leider nicht mehr gebaut, da sie einfach zu gut waren.
    Den Schrott von heute mag ich nicht

  • 16. Oktober 2016 um 3:11 AM
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    Die Farbe des MY98 900 II ist nicht schokobraun, sondern kupferbronze.

  • 17. Oktober 2016 um 12:12 AM
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    Wer täglich und echt so einen schnieken und überaus seltenen 9000 Turbo S in der Öffentlichkeit fährt, gehört gehörig unterstützt – das Auto gehört raus und weitererhalten, gerade dieses, weil es seinen (und einen wichtigen!) Teil zur Verkehrskulisse beiträgt.
    Ein anderes Fabrikat ginge da viel schneller unter – ein 9000CC mit Spoiler-Kit ist das, wonach ich mich wohl am längsten umdrehte.

    • 17. Oktober 2016 um 6:09 PM
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      Werter Saabansbraten.
      Danke, Danke, Danke, der 9000 und ich fühlen uns geschmeichelt. Demnächst mehr von unterwegs und natürlich aus Trollhättan.
      Grüße, Thorsten

  • 17. Oktober 2016 um 4:29 PM
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    Ganz versteh ich nicht, warum man diesen Artikel verfasst. Der Saab 9000 ist ein ganz normales Alltagsauto/Youngtimer. Es ist weder besonders exotisch noch besonders “Besonders”. Frontantriebslayout, Brot und Butter Starrachse hinten. Er ist sehr zuverlässig, ähnlich wie deutsche Fahrzeuge seiner Zeit. Qualitativ durchwachsen(man merkt halt schon teilweise den GM-Rotstift; vor allem im Innenraum, die Haptik u Qualität der Materialien; vor allem dort wo man sie nicht offensichtlich sieht, klappern tut er halt auch ordentlich…) kommt er an die deutsche Konkurrenz nicht heran.
    Aber , wie gesagt ein ganz normales Auto. Relativ einfach zu reparieren. Durchschnitt. Ich mag es nicht, wenn Saab Fahrer und auch Werkstätten den Wagen zu einer großen Wissenschaft hochstilisieren. Ihm den Exotenstempel umhängen.
    Repariert mal einen alten Jaguar. Oder einen Maserati Biturbo aus den 80ern. Oder selbst einen 126er Benz mit seiner komplizierten Bosch K/KE jetronic. das ist schon eher die große Wissenschaft…

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