We don`t make compromises. We make Saabs.

Die 80er und frühen 90er waren die kreativsten Jahre bei Saab. Nie zuvor – und auch nie mehr danach – gab es mehr Innovationen aus Trollhättan. Saab war Saab. Die schwedische Marke hatte ein ganz eigenes Selbstverständnis entwickelt und positionierte sich bewusst als intelligente Alternative jenseits des Mainstreams.

Saab 9000. Saab ist Vielseitigkeit.
Saab 9000. Saab ist Vielseitigkeit.

Wie man sich zu dieser Zeit sah, wie man vom Kunden wahrgenommen werden wollte, zeigt sehr treffend der Film “We don`t make compromises. We make Saabs” von Saab Nordamerika . Saab 900 und Saab 9000 waren uneitle, gut durchdachte Autos. Intelligente Multitools, so könnte man sagen. Konstruiert,  um die Passagiere sicher von A nach B zu bringen, vielseitig mit einem unerhört flexiblen Ladevolumen. Schnell, verdammt schnell, wenn man es wollte, denn modernste Turbotechnologie befeuerte damals schon die meisten Saabs.

We don`t make compromises. We make Saabs

Dass ein Saab bequem ist, ergonomisch ausgefeilt, dass ein Saab mit seinem Fahrer kommuniziert und dass Mensch und Maschine eine Einheit sind, das alles machte die Fahrzeuge zu etwas ganz Besonderem.

Saab versprach damals Langlebigkeit. Mutig, denn Turbos galten in den 80er Jahren als anfällig, 4-Ventil Motoren als technische Avantgarde. Saab hat das Versprechen gehalten. Wer seinen 9000 oder 900 gut pflegt, der hat ein Auto für den Rest seines Lebens. Wenn er mag.

Saab ist mittlerweile Geschichte. Vielleicht auch, weil die Philosophie des unaufgeregten Langzeitautos, das gleichzeitig zur technischen Avantgarde zählt, heute nicht mehr vermittelbar wäre. Vielleicht ist die Saab Doktrin, seinem Kunden das Beste und Vielseitigste zu liefern, einfach aus der Zeit gefallen,  ohne dass wir es merkten. Autos wurden damals von Ingenieuren erdacht, nicht von Marketingleuten. Die sinnleere SUV Welle, sie war damals einfach undenkbar.

Die 80er und 90er waren nicht nur Sonnenschein. Der 900 war damals schon hoffnungslos veraltet und produzierte nur noch rote Zahlen, die auch der erfolgreiche 9000 nicht mehr ausgleichen konnte. Unternehmerische Fehleinschätzungen zwangen die Automobilsparte der Saab AB zur Suche nach neuen Partnern. GM stieg mit 50% ein, der Rest ist bekannt.

Unser Projekt zur Rettung alter Saab Filme läuft immer noch. Auf Sparflamme zwar, aber ein großer Berg von VHS Kassetten möchte noch von mir bearbeitet werden. Saab Historie zu retten, sie öffentlich zugänglich zu machen,  ist heute vielleicht wichtiger denn je.

21 Gedanken zu „We don`t make compromises. We make Saabs.

  • 8. September 2016 um 9:46 AM
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    Sehr schön geschrieben wieder mal, vorallem “die sinnleere SUV Welle…. ” ! 🙂
    Ich fahre jetzt schon seit 3 Wochen lieber mit meinem Turbo CD als mit meinem 9-3 Cabrio… es ist einfach , einfach schön…diese alten Kisten!

    • 8. September 2016 um 1:56 PM
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      Kann ich nachvollziehen Alex, geht mir ähnlich 🙂

  • 8. September 2016 um 10:27 AM
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    Wie konnte man so eine tolle Marke derart an die Wand fahren? Ich fasse es immer noch nicht. Toller Film, bitte mehr davon liefern!

    • 8. September 2016 um 12:13 PM
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      Warum und wie eine tolle Marke gegen die Wand gefahren wurde? Kann man in der aktuellen Auto Bild, in der auch etwas über Saab steht nachlesen. Darin geht es um Plymouth genauer um die Studie XNR. Die Marke Plymouth, wurde spätestens mit dem Einstieg von Daimler bei Chrysler eingestampft. So oder ähnlich, erging es auch Saab bei GM. Nur das dort keiner Einstieg bei GM, sondern Konzernintern die Marken abgestossen wurden, die m.M. nach, nicht dem Mainstream des neuen Jahrtausends folgen wollten oder konnten. Darunter befand sich auch die SUV-Welle. Kann man auch bei Volvo sehen mit seinem XC90 oder VW mit seinem Touareg oder oder…

    • 10. September 2016 um 7:00 AM
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      Die Fahrzeuge waren vermutlich in Produktion oder/und Entwicklung zu teuer für das Preisniveau, dass Saab am Markt erzielen konnte. Offensichtlich gab es damals schon ein Profitabilitätsproblem. In einem Buch über den neuen Saab 900, das ich gelesen habe, wird beschrieben, wie mehrere Projekte gestartet wurden, aus Komponenten des 9000 den neuen 900 zu starten, die alle aus Kostengründen gestoppt werden mussten. Saab stand dann wohl (nach der Erzählung in diesem Buch) ohne 900 Nachfolger da, bis die Rettung in Form der GM2900 Plattform von GM erschien.

      Was GM nicht verstanden hat, ist, dass Premium mehr Wert für den Kunden, nicht mehr Geld für den Hersteller bedeutet.

      War nicht Mercedes in einer ähnlichen Situation? Der 1995 auf den Markt gekommene Typ 210 der E-Klasse wich vom vorigen Entwicklungsschema ab, erst zu entwickeln und dann auszurechnen, was der Wagen kostet, und hat prompt wegen Rost etc. Mercedes den Ruf eines Premiumherstellers gekostet.

  • 8. September 2016 um 10:42 AM
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    ich nahm letztens den 901 Aero wieder mal mit zum Stammtisch, anstelle des 9-3 l Cabrio,
    dabei merkte ich der Aero hat das viel bessere Licht, und ich fahre ihn lieber als das Cabrio, ergo hatte GM da schon viel verschlimmbesseret!

  • 8. September 2016 um 10:57 AM
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    Sehr gut geschrieben, Tom. Bringt mir zurueck nach 1991; meine erste Saab war eine 9000 CD und danach folgte manche 9000 CSE’s. Weil es Geschaeftswagen waren muesste ich jede 120.000 KM den Wagen umtauschen, und natuerlich fuer eine neue Saab. So ist meine Leidenschaft fuer Saab enstanden.

  • 8. September 2016 um 11:20 AM
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    Emotionaler Bericht. vielen Dank Tom. Ich hatte auch einen CD und danach einen CSE. So viel Platz in dieser Klasse findet man Heute nicht mehr. die “SUV”-Welle werde ich wohl auch nie verstehen. Denn Platz haben die nicht mehr als 9-5er. Von der katastrophalen Übersichtlichkeit her will ich gar nicht sprechen. Die bieten ihre Strassendampfer mit Rückfahr-Kameras an, anstelle von übersichtlichen Fahrzeugen. Mein 9-5er Aero 2,3Lt. 2002 SC hat bescheidene 356’000km drauf, erster Motor, erster Automat, Ich mache alle 50’000 km eine Automatenoel-Spühlung. 2x im Monat fahre ich von Zürich nach Bremerhaven zu meiner Zukünftigen. Bequemer finde ich keine anderen Fahrzeuge. Ich werde nie verstehen, warum TATA nicht auch Saab gerettet hat. Sie hätten die Mainstream-Marke Volvo und eine exklusive Nischenmarke Saab. Denn Geld hätten die genug. ich glaub ich schreibe denen ernsthaft einen Brief. 🙂 svenska Grüsse aus Zürich.

    • 8. September 2016 um 1:32 PM
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      Noch weniger zu verstehen ist das Verhalten der Schweden selbst. NEVS scheint ja nach enormen Anstrengungen mittlerweile auf dem richtigen Wege zu sein – eigentlich nach wie vor unverständlich, warum die SAAB AB bei den Namensrechten nicht noch eingelenkt hat.

      Inzwischen zeichnet sich doch ab, dass NEVS mit Trollhättan nicht mehr viel im Sinn hat – bereits die Vorfertigung von Karosserieteilen für China steht für Trollhättan auf der Kippe. Verstehen kann man NEVS – Leidtragende werden die schwedischen Arbeitnehmer sein. Die SAAB AB sowie die staatlichen Stellen geben nach wie vor ein jämmerliches Bild ab. Auch die Insolvenzverwalter dürfen hier mit eingereiht werden – alles höchst unverständlich!

      • 8. September 2016 um 1:55 PM
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        Es gab in den letzten Tagen einen Bericht über NEVS in der deutschen Presse. Dieser ist sehr spekulativ und bezieht sich zum größten Teil nicht auf Fakten. Bisher wissen wir nur dass sich der Zeitplan ändert, alles andere sind pure Spekulationen.

      • 8. September 2016 um 3:38 PM
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        Richtig. Aber sie haben ein kontrakt fur fertig gefarbte 93 ev bodies. gesamt 150-200000.Mindesest drei jahre arbeit, bis die fabrik in china fertig ist. Sie solten bereits die production gestarted haben.

        • 9. September 2016 um 5:48 PM
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          Das ist richitg, die Veträge bestehen. Die Tatsache, dass in Trollhättan weder Lackieranlage noch Presswerk bereits laufen hat allerdings nichts damit zu tun, dass NEVS den Standort Schweden in Frage stellen würde. Die Gründe der Verzögerung liegen in China.

    • 8. September 2016 um 1:58 PM
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      Bei den alten Filmen wird man emotional… Ich kann auch etliches an der aktuellen Entwicklung nicht nachvollziehen, aber der Kunde scheint es zu wollen. Viel Spaß mit dem 9-5 und bitte Meldung an uns Blogger wenn die halbe Million voll ist!

      • 8. September 2016 um 2:26 PM
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        Hallo Tom. Ja gerne. Werde ich. Im Monat fahre ich etwa 6’500 km, privat und geschäftlich. da habe ich relativ rasch die 500’000 km. Mein Vater hatte seit 1967 Saab. mit JEDEM problemlose 450’000. Tägliche Langstrecken sind besser als nur kurze Schönwettertouren. Meine Saab-Garage in St.Gallen (bekannter Saab-Tuner “Hirsch”) wollte mir immer einen “neuen” verkaufen. Da der 2004er nine-to-five für mich der beste je gebaute Saab ist, werde ich mich nie trennen. sollte tatsächlich der Motor oder der Automat die ewigen Jagdgründe erreichen, werde ich sie ganz einfach fachmännisch bei Hirsch St.Gallen restaurieren lassen, denn das ist es mir Wert. Er ist auch absolut rostfrei, da Hohlraumversiegelung mit Wachs. Spirit of Saab.

        Mein Arbeitgeber wollte mir als Geschäftswagen einen Audi A6 geben, brandneu, Kombi, V6 Benziner. Ich sagte selbstverständlich dankend ab. Er fragte wieso, fuhr dann mal als Beifahrer von Zürich nach Genf mit. Beim Nachhauseweg nach Zürich liess ich ihn selber fahren (was ich sonst nie mache!). In Zürich abgekommen sagte er würdevoll, dass er jetzt verstehe, WARUM ich den Saab-Gleiter anstelle eines brandneuen Mainstream-Audi fahre. Das schönste war sein Grinsen, leuchtende Augen und Begeisterung, als er auf der Autobahn überholen durfte, ohne kickdown, einfach nur Gas geben; uiii, 160 km/h, sorry sagte er, er hätte nicht bemerkt, dass er schon so zügig unterwegs sei

        Ich erklärte ihm die Geschichte von Saab, jedoch hörte er nicht zu, er war zu begeistert vom Schwedenschloss. Als er dann trotzdem mal einen kickdown wagte, konnte ich gar nichts mehr sagen. Er traute seine leuchtenden Augen nicht, dass da 190km/h angezeigt wurde, und das in der Schweiz, max. 120km/h. Er wollte unbedingt den Motor sehen, da er mir nicht glauben konnte, dass da “nur” ein 2,3 Lt. 4-Zylinder werkelt. Übrigens fährt er jetzt privat einen nine-to-three 4×4 2,8 SC privat. Schön, einfach schön, sowas selber mitzuerleben zu dürfen.

        • 9. September 2016 um 11:35 AM
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          Schöne Geschichte!

        • 9. September 2016 um 5:49 PM
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          Markus, das sind die Geschichten, die man nur mit Saab erlebt. Ist eben eine besondere Marke und ich hatte gestern auch so ein sehr spezielles, sehr nettes Saab Erlebnis. Die kurze Geschichte kommt nächste Woche auf dem Blog!

    • 9. September 2016 um 10:28 AM
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      Markus; vielleicht zu spaet aber ich finde trotzdem das Sie diesen Brief an TATA schreiben muessen. Werde die noch einmahl kraeftig auf Ihre Zaehnen beissen koennen 🙂 Hoffe ich sehe Sie naechstes mahl wenn ich in Zuerich rumfahre.

  • 8. September 2016 um 1:59 PM
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    fabelhaft die idee uber alte saab videos. Er gibt eine uber der viggen production bei valmet on you tube aber ich bin die link verloren. War nur 40 secunden.

  • 8. September 2016 um 4:09 PM
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    Habe nun seit 4 Wochen meinen 4ten SAAB (99 – 900 – 93 – 95combi) und bin immer sehr zufrieden mit den Autos.
    Und Top ServiceWerkstatt aus Bad Tölz.
    Es geht heute weltweit nicht mehr um Qualität oder den Menschen – nur noch Kommerz zählt.

  • 8. September 2016 um 7:22 PM
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    Interessante Fakten zum “Long Run”, inkl. einer tabellarischen Übersicht über die erzielten Rekorde: https://duddha.me/2016/02/08/touringcarmadness-saab-turbo-the-long-run/

    Übrigens sind bei allen 9k nach ca. 75% der Distanz Auslassventile durchgebrannt (wie letzten Sommer bei meiner “alten Dame” ;-)), weil die Benzinpumpe aufgrund der Kurvenüberhöhung von 34° bei fast leerem Tank für ein viel zu mageres Gemisch und damit viel zu hohe Temperaturen in den Brennkammern gesorgt hat.
    Als Abhilfe wurde dann der komplette Zylinderkopf (und vorsichtshalber auch der vollkommen intakte Turbolader) gewechselt.

  • 9. September 2016 um 12:23 PM
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    Den Nagel auf den Kopf getroffen! Genau das alles (uneitel, universell etc.) war der 9000.

    Das obere Ende der Mittelklasse ist nun bei über 1.900 Kg Leergewicht. Das ist verdammt viel Material für ein Wegwerfprodukt. Vielleicht gäbe es für “die Philosophie des unaufgeregten Langzeitautos” doch wieder einen Markt?

    Wer einfach ein gutes Auto will – und zwar einfach gut aber nicht billig – hat heute ein Problem. Kein Wunder, dass der Markt für Young- und Oldtimer boomt und auch mehr mehr Geld in die Pflege von Babytimern gesteckt wird.

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