Meine Saab Geschichte

Es muss Ende der 80er Jahre gewesen sein, als ich mich mit dem SAAB-Virus infiziert habe. Damals fuhr ich im Skiurlaub morgens mit einem Freund von der Hütte ins Tal zum Brötchen holen – mit dessen SAAB 900. Imponiert hat mir gleich die Traktion im Schnee und das sichere Fahrverhalten, nachdem ich bis dahin meist mit verschiedenen Ford Capri oder meiner Ente unterwegs war. Zudem waren die damals ähnlich großen Autos (Opel Rekord, Ford Granada, Daimler oder BMW) allesamt heckgetrieben. Nachhaltigen Eindruck hinterließ aber auch die Sitzheizung…

Saab 9000 - die Aubergine
Saab 9000 – die Aubergine

Nachdem dann ein paar Jahre später mit Hilfe des TÜV die Beziehung zu meiner heißgeliebten Ente beendet werden musste kam als Trost ein weißer 900er gerade recht. Welch ein Quantensprung von 29 auf 110 PS ! Klasse war auch, dass man nach Umklappen der Rückbank ein Fahrrad locker einladen konnte – und das ohne Demontage des Vorderrads ! Ganz zu schweigen vom Gefühl absoluter Geborgenheit, wenn man nur die Fahrertüre hinter sich schloß !

Saab 9000 CS

Nach einigen Jahren kam dann der Wunsch nach mehr Leistung auf. Zum Glück kam die Gelegenheit, aus einem Firmenfuhrpark einen ebenfalls weißen 9000 CS mit 193 Turbo-PS zu einem vernünftigen Preis zu erwerben. Gut ausgestattet, erst zweieinhalb Jahre alt und mit 185.000 km für die Maschine gerade gut eingefahren. Das machte dann richtig Spass ! Wenn eine Ampel dann auf Gelb sprang konnte man mit einem kurzen Druck aufs Gaspedal noch gut vor Rot über die Kreuzung kommen – leider blitzte es einmal aber trotzdem: es war eine Tempomessung gewesen…

Da die Familie sich inzwischen um zwei Töchter vergrößert hatte und nun ein Hausbau anstand wollte ich den alten Bauherrentipp beherzigen, nachdem bei einer Baufinanzierung immer noch ein Auto einzurechnen ist. Wie es der Zufall will, hatte der SAAB-Händler einen schönen 9000 CSE mit 170 Ecopower-PS in aubergine-metallic dastehen, erst 100.000 km und mit Anhängerkupplung. Diese wurde dann kurz darauf mit einem Kompressor für einen Presslufthammer eingeweiht – schade, dass ich von dieser seltenen Kombination kein Foto gemacht habe !

Wir waren dann sieben Jahre glücklich mit unserer Aubergine, besonders als uns meine Schwiegereltern ihren betagten Wohnwagen überließen. Der war da schon fast 35 Jahre alt, aber sehr gut in Schuss, und so erkundeten wir halb Europa. Dabei erlag auf der Autobahn in Zentralfrankreich einmal ein Kühlerschlauch den Beanspruchungen, idealerweise samstags um die Mittagszeit ! Aber dank eines findigen und erfahrenen Renault-Minute-Schraubers, der nach einigen vergeblichen Versuchen mit Renault-Schläuchen einfach das Original mit einer Schlauchschelle schiente, waren wir nach einigen Stunden Zwangspause wieder flott. Und das Provisorium hielt bis Barcelona, den ganzen Urlaub über und sogar auf dem Heimweg – merci beaucoup !

Vom Saab 9000 zu Saab 9 5 Aero Kombi

Eines Tages stand dann beim SAAB-Händler unseres Vertrauens ein dunkelblauer 9 5 Aero Kombi, aus erster Hand, keine 100.000 km – da konnte ich nicht lange widerstehen. Die Aubergine kam in gute Hände und fortan bewegten uns 230 Aero-PS durch die Lande. Wir besuchten mehrfach die

Saab 9-5 Aero. Auf einem Campingplatz nahe London
Saab 9-5 Aero. Auf einem Campingplatz nahe London

Britischen Inseln, Katalonien, die Toskana, Kroatien und irgendwann endlich auch mal die Heimat unseres Aero, Schweden. Als Mankell-Fans zog es uns natürlich erstmal nach Ystad bevor wir uns noch erholsame Tage am Ostseestrand gönnten. Dort bekam unser Aero Heimweh nach einer schwedischen SAAB-Werkstatt (Turbo Wastegate), was wir ihm gnädig gewährten. Leider war keine Zeit mehr für einen Abstecher nach Trollhättan, aber wer hätte auch damals gedacht, was sich dort zusammenbraut ?

Kurz vor der süddeutschen Heimat hatten wir aber noch ein Aha-Erlebnis: Beim Abholen des Wohnwagens aus dem Depot vor dem Urlaub hatte dieser sich im Ort nach einigen hundert Metern selbständig gemacht, was aber durch einen opferbereiten Jägerzaun sanft abgebremst wurde. So hielt sich der Schaden in Grenzen – es war nur das Elektrokabel abgerissen – was mit der freundlichen Hilfe eines kundigen Nachbarn vor dem Start nach Schweden ersetzt werden konnte. Allerdings bemerkten wir dann – nach ca. 2.300 Kilometern, daß der SAAB rechts blinkte, der Wohnwagen aber nach links und umgekehrt ! Wir hatten eben nur kontrolliert: „Blinker ?“ – „Geht“….aber eben nicht, welcher !

Von Aero zu Aero

Nach sechs Jahren Aero konnte ich über die Osterfeiertage eine Chrombrille Probe fahren – auch ein Aero-Kombi, allerdings mit 260 PS und Automatic. Erst vier Jahre alt, mit erst 60.000 auf der Uhr, wer hätte da Nein sagen können ? Nachdem auch ein Freund als Abnehmer für den ersten Aero gefunden werden konnte, kam also SAAB Nr. 5 ins Haus.

Fliegender Wechsel von Aero zu Aero
Fliegender Wechsel von Aero zu Aero

Die Automatic passte hervorragend zum Motor, besonders mit angehängtem Wohnwagen. So ging es dann ins Baskenland, nach Schottland, wieder mal in die Toskana und in die Bretagne. Zwischenzeitlich wich auch der betagte Wohnwagen mit sage und schreibe 41 Jahren, aber frischem TÜV einem Nachfolger, der zwar deutlich schwerer, aber für den Aero auch kein Problem war.

Je länger jedoch die Chrombrille im Einsatz war, umso mehr zeigte sich das GM-Spardiktat: zwar war der Wagen vom Konzept her ein Traum, im Detail zeigten sich jedoch SAAB-untypische Mängel. 
Die Lautsprecherabdeckung im Armaturenbrett sprang immer wieder aus der Führung. Der Plastikschalen-Türinnengriff war eine ständige haptische und akustische Zumutung, Zündboxen und Zylinderkopfdichtung wechselten. Aber das Fahren machte dennoch einfach Spaß und man fühlte sich immer sicher aufgehoben und abseits vom Mainstream stilvoll unterwegs. Am schönsten war es aber, wenn mal es mal eilig hatte und auch kleine Lücken im Gegenverkehr zum Überholen nutzen konnte…

Ein rechter Aero macht auch als Lastesel eine gute Figur !
Ein rechter Aero macht auch als Lastesel eine gute Figur !

Leider jedoch mußte die beste Ehefrau von allem dann unfreiwillig einige Male die Hilfe der gelben Engel in Anspruch nehmen und das CHECK ENGINE-Lämpchen schien zum integralen Bestandteil der Innenbeleuchtung werden zu wollen. Auch ließ ein vergeblicher Versuch, den Wohnwagen aus einer feuchten Wiese zu ziehen den dringenden Wunsch nach einem Allradantrieb aufkommen.

Die Wege trennen sich

So trennten sich nun schweren Herzens unsere Wege – vom SAAB, nicht von der Ehefrau !  Und nach 24 Jahren und 425.000 km taten wir es Kommissar Wallander gleich und wechselten auf ein norddeutsches Fabrikat.

Als Trost bleiben nun – neben den vielen schönen Erinnerungen – der unverzichtbare SAAB-Blog und die alten Wallander-Folgen mit den Streifenwagen aus Trollhättan !

Danke an Gerd  für seine Saab Summertime Story! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört…

Was immer es ist, schreibt uns. Wir bedanken uns mit Saab Literatur und saabigen Kleinigkeiten für jeden veröffentlichten Artikel!

9 Gedanken zu „Meine Saab Geschichte

  • 8. September 2016 um 7:59 PM
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    Wunderbar. Was ein Wohnwagen mit ein Saab tun Kan,.Reise machen..

  • 9. September 2016 um 9:50 AM
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    Schöner Bericht mit traurigem Ende! Ich könnte mir nicht vorstellen ohnen mindestens einen SAAB zu sein. Wie hält man das aus, man vermisst doch SAAB einfach, oder?

    • 9. September 2016 um 3:33 PM
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      Aber klar – man vermißt ihn sehr ! Aber immerhin gibt es einen tollen Blog – wobei man sich die Frage stellen kann, ob das mehr tröstet oder Salz in die Wunde streut 😉

      • 9. September 2016 um 5:46 PM
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        Wenn der Blog den Trennungsschmerz etwas lindern kann, dann ist es gut. Besser wäre natürlich, wenn der Blog die Argumente liefern würde, um zum passenden Zeitpunkt einen Saab Youngtimer oder Klassiker nach Hause zu holen. Dann wäre die Mission erfüllt.

        Lieber Gerd, vielen Dank für die Saab Geschichte!

      • 9. September 2016 um 8:01 PM
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        Salz! Was sonst. Damit es noch einen Grund zur Rückkehr gibt! 😉

  • 9. September 2016 um 12:42 PM
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    Sehr gute interessanter Bericht, ja Mankell hat schon was

  • 9. September 2016 um 12:56 PM
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    Klasse Bericht und ein toller Abriss von fast 24 Jahren mobiler Freude. Leider ohne Happy End. Auch Kurt Wallander hat wohl nicht ganz freiwillig das norddeutsche Fabrikat gewählt.
    Ich habe es ohne Saab übrigens nur 9 Monate ausgehalten. Danach auf Grund von Entzugserscheinungen mir schnell wieder einen zugelegt. Das war eine gute Entscheidung!

  • 11. September 2016 um 4:51 PM
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    Fur alle reise mobile mit eine Zugkopf saab eine fabelhafte beitrage. Seltsam so sehn..Aber turbo saabs mit haldex 4wd ist better in die natte wiesen..

  • 21. September 2016 um 12:33 AM
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    Eine schöne Geschichte mit bitterem Ende…
    Der Wechsel vom 9000 CSE zum 9-5 (vor 1.Facelift) deutete den Niedergang an, die Chrombrille konnte nur noch enttäuschen… Wie Tom immer wieder nahelegt: zuschlagen bei den alten (bis MY2000, besser noch MY1998), solch eine Langzeitqualität gibt es nicht mehr.
    Und die “Mittelzeitqualität” aktueller norddeutscher Fabrikate ist dieser Tage ja schon fast ein Klischee…

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