Saab Supermarkt

Für den Beginn der SAAB-Leidenschaft gibt es für jeden von uns einen oder mehrere Schlüsselmomente, ab dem wir auf einmal eine heillose emotionale Verbindung zu diesem kleinen Automobilhersteller aus dem Norden entwickelten. Manchmal kriecht dieser Fetisch aber auch sehr subtil kaum wahrnehmbar in uns hinein.

Saab Supermarkt 1967. Foto: Hamburger Genossenschaftsmuseum
Saab Supermarkt 1967. Foto: Hamburger Genossenschaftsmuseum

Wir schreiben das Jahr 2002 und in dieser Zeit war mir noch in keinster Weise bewusst, dass ich mal als leidenschaftlicher 900er Fahrer enden würde. Ich sortierte während meiner damaligen Tätigkeit bei einem kleinen Genossenschaftsverband die historischen Bilder der Zeitschrift „Der Verbraucher.“ Aus irgendeinem Grund faszinierte mich dabei eine Bilderreihe mit alten 96ern ungemein, so sehr, dass ich den alten Artikel recherchieren musste und meine noch unerkannte SAAB-Faszination ihren Lauf bis zur Unheilbarkeit nahm.

Der Artikel handelt von einem „Supermarkt der Automobile.“

Dieser SAAB-Supermarkt war eigentlich Stockholms Bilvarahus A.B., BIVA im Fabriksvagen 45 und handelte nicht nur mit SAAB. Er wurde 1961 eröffnet und verfügte über eine Verkaufsfläche von 15.000 qm und über einen 5000 qm großen Parkplatz auf dem Dach des Gebäudes.

Die Besonderheit des BIVA lag darin, dass den Kunden Autos zum Festpreis angeboten wurden. Es kamen Neue und Gebrauchte zum Verkauf. Der Bezug von Neuwagen war für die Betreiber des BIVA allerdings nicht ganz einfach, da die Hersteller keine Direktlieferungen unternahmen, um die eigenen Händler nicht zu schwächen. Die BIVA-Verantwortlichen kauften aber im ganzen Land Überkapazitäten bei Händlern auf, die ihren Lagerbestand verkleinern mussten.

Gute Gebrauchte erhielten sogar noch vor dem Verkauf eine „fabrikmäßige Rekonditionierung.“ Sämtliche Autos bekamen außerdem eine BIVA-Garantie was bedeutete, dass der Kunde innerhalb von 10 Tagen seinen Wagen umtauschen konnte. Wenn in dieser Zeit etwas an dem Auto reparaturbedürftig würde, was nicht dem normalen Verschleiß entsprach, trug BIVA kostenlos die Reparatur.

In der riesigen Verkaufsgarage waren die Fahrzeuge nach Marken gruppiert.

Der Käufer konnte sich dort das sein Auto aussuchen. Sofern weitere Informationen gewünscht wurden, oder der Käufer sich genauer über den Zustand informieren wollte, drückte er am nächsten Pfeiler einen Knopf woraufhin ein Verkäufer kam. Es konnte eine Probefahrt durchgeführt oder das Auto auf einer Hebebühne inspiziert werden.

In Deutschland fand zu dieser Zeit der Autokauf unter völlig anderen Rahmenbedingungen statt. Und so kommentierte der ursprüngliche Autor folgendermaßen: „Die hohen Automobilpreise in den skandinavischen Ländern machen den Gebrauchtwagenhandel für Käufer wie Verkäufer im Gegensatz zu den Verhältnissen in der Bundesrepublik durchaus noch attraktiv.“

Für die Bilderreihe bedankt sich der SAABBLOG herzlich beim Hamburger Genossenschaftsmuseum.

Danke an JFK  für den Blick in die Saab Historie! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

4 Gedanken zu „Saab Supermarkt

  • 15. Juni 2016 um 10:29 AM
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    Ein herzliches Danke für diesen tollen Einblick in die “Automobilgeschichte”! Nostalgie kommt auf, habe ich doch auf dem ersten Bild mein erstes Auto, ein Fiat 600 und meinen ersten SAAB 96 welchen ich in 1968 gefahren habe, entdecken können :-)!

  • 15. Juni 2016 um 3:39 PM
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    Ausgefallene Geschichte, Fotos und Quelle – ein bisschen kurios, schön!
    Und auch noch eine Aufnahme von 1967 mit Linksverkehr, vor der Umstellung -dem “Dagen H”- im selben Jahr auf Rechtsverkehr – sieht irgendwie aus, als wäre der letzte Fotoabzug falsch herum, aber die Schriftzüge sind ja alle richtig herum – das macht es noch ein bisschen kurioses 🙂

  • 16. Juni 2016 um 7:28 AM
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    Sehr charmante Fotos. Gäbe es ein Poster von dem Supermarkt, würde ich es mir ins Büro hängen.

  • 17. Juni 2016 um 1:33 PM
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    Schönes Zeitdokument. Ich habe mir die Stelle aus Interesse über Street View angeschaut und das Gebäude gibt es dort noch (Stand Juni 2014). Nur als einseitigen Supermarkt einer mir eher fremden Marke.

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