Die Schatten der Vergangenheit

Ein schöner Tag im März. Die Sonne scheint, die Arbeit geht gut von der Hand, und wenn man das Bürofenster öffnet, dann hört man die Vögel vor Freude auf das Frühjahr singen. Perfekt, oder? Aber gerade dann, wenn es perfekt scheint, lauern die Schatten und warten auf ihre Chance. Das beginnt oft harmlos. Mit einem Telefonanruf zum Beispiel.

Saab Projektauto. Glauben wir an ein gutes Ende der Geschichte?
Saab Projektauto. Glauben wir an ein gutes Ende der Geschichte?

Wenn die Werkstatt anruft und sagt,  dass es kein guter Tag sei, dann wird es meist teuer. Was ist passiert? Im vorherigen Teil unseres abenteuerlichen Saab Projekts haben wir mit Skandix einen Paten für unseren Kombi gefunden. Die Teile kamen schnell, in Kiel machte man sich an die Arbeit. Paul sollte rasch zum Lackierer, der einen freien Slot für unseren Saab hatte.

Die Liste für das Werkstatt-Team war lang, aber mit viel Engagement und einigen Überstunden wurde Paul rechtzeitig fertig. Noch kurz eine Probefahrt, und dann könnte unser Saab 9-5 Kombi zur nächsten Station wechseln. Was so harmlos und einfach klingt,  sollte so nicht sein. Paul fährt, aber nicht so wie erwartet.

Leser erinnern sich bestimmt an den Grund, weshalb der 9-5 damals weggestellt wurde. Die Kupplung sei der Grund, so hieß es. Die tat aber auf der ersten, kurzen Probefahrt,  was sie sollte, dafür entdeckten wir einen defekten Turbolader. Fairer Tausch, Turbolader statt Kupplung? Kann man mit leben,  dachte ich.

Und jetzt? Gang 1 bis 4 trennt sie ohne Befund, in Gang 5 beginnt sie durchzurutschen. Die Lage ist klar, die Schatten der Vergangenheit sind zurück. Paul wurde wegen defektem Turbolader plus defekter Kupplung aus dem Verkehr gezogen. Er ist jetzt 17 Jahre alt, und vor einigen Jahren waren Schäden wie diese noch ein Grund,  ein Fahrzeug mit 150.000 Kilometern zu schlachten. Damals in grauer Vorzeit, als es noch Nachschub gab, und alte Kombis nur alte Gebrauchsgüter waren.

Das hat sich gründlich geändert. Aus Trollhättan kommt nichts mehr, selbst wenn irgendwann irgendwas kommen sollte, dann wird es nicht unbedingt etwas mit Pauls DNA zu tun haben. Ausserdem hat unser Saab nur zarte 150.000 km auf dem Zähler, was heute als fast fabrikfrisch durchgehen mag.

Es hilft nichts, eine neue Kupplung muss ran. Orio macht also Umsatz mit uns, das Budget schmilzt wie der Schnee in der Sonne, Skandix möchten wir nicht schon wieder um Unterstützung fragen. Man hat uns bereits im letzten Kapitel großartig geholfen, das Projekt ist noch jung, vielleicht benötigen wir in den nächsten Monaten nochmals Hilfe.

Die Teile werden bestellt, am nächsten Morgen sind sie in Kiel, das Werkstatt-Team gibt alles. In der Zwischenzeit wurde noch der Rostschutz aufgefrischt, und als Paul am nächsten Tag aus der Werkstatt rollt, läuft die Probefahrt wie gewünscht. Er fährt, er bremst, er beschleunigt wie gewollt. Dem Fahrwerk merkt man die neuen Buchsen für die Vorderachse, Hilfsrahmen, Hinterachse und Stoßdämpfer an. Fahrverhalten und Erscheinungsbild stehen ab sofort in einem krassen Gegensatz. Fährt sich wie ein Neuwagen, sieht aus wie Biotop? Geht gar nicht.

Okay, der Saab ist in den letzten Wochen nicht schöner geworden, dafür ist er ist technisch auf  einem aktuellen Status. Gut so, auch wenn ich nach dem Kupplungs-Schock intensiv auf das Projekt geflucht habe. Wir sind auf dem richtigen Weg!

Was haben wir in dieser Folge investiert?  Auf der Rechnung stehen ein Kupplungskit (# 8781890), ein Nehmerzylinder (#4925822) und Kleinteile. Rund 500,00 € sind zusätzlich in das Projekt Auto gewandert und natürlich sind die Arbeitszeiten noch nicht mit dabei.

Die Geschichte geht weiter, und unser Saab 9-5 Kombi mit Namen Paul rollt jetzt zum Lackierer. In der Zwischenzeit kümmern wir uns um ein paar andere Dinge in Pauls Umfeld. Wir haben ein paar nette Ideen für die Zeit,  wenn Paul auf der Strasse sein wird, und eventuell können wir ja noch den ein oder anderen Sponsor für unser Projekt begeistern.

Fortsetzung folgt…

12 Gedanken zu „Die Schatten der Vergangenheit

  • 24. März 2016 um 10:26 AM
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    Hallo Tom,

    So ist es mit den alten Schätzchen, die man am Leben erhalten möchte. Ich kenne da auch Einiges und gebe jährlich mehr Geld in den Erhalt meiner SAABs als es die Vernunft zulassen sollte. Aber was soll es. Hobby und Leidenschaft sind Lebensqualität und ich freue mich über jeden erhaltenen SAAB. Sollte es noch an etwas fehlen, ich wäre bereit, noch mal etwas dazu zu geben.

    Beste Grüße

    Erik900

    • 24. März 2016 um 11:55 AM
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      Hej Erik, so ist es eben. Überraschungen lauern in jeder Ecke. Danke für die Hilfsbereitschaft, es sieht so aus dass wir 2, eventuell sogar 3 Saab Partner für das Projekt begeistern können. Somit wären wir weiterhin im grünen Bereich!

  • 24. März 2016 um 10:37 AM
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    Klar, 500 € tun weh. 5000 € tun richtig weh.
    Doch was am Ende (hoffentlich) wieder auf die Strasse kommt ist ein starker Gebrauchswagen, der seines Gleichen sucht! 🙂 Wenn jetzt (!) schon der Fahrzustand — Zitat: Fährt sich wie ein Neuwagen … zu solchen Hymnen hervorhebt, dann ist das “Äußere” nur noch (hoffentlich) ein Klacks.
    Das Projekt kann ein Beispiel für Nachhaltigkeit sein….
    Bin gespannt, was am Ende unter dem Strich für € geflossen sind, und ein SAAB mit 150000 Km zum neuen Leben erweckt wurde!
    Wahrlich, frohe Ostern!

    • 24. März 2016 um 2:27 PM
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      Danke, Bergziege, für den Hinweis auf die Nachhaltigkeit. Hier erleben wir den Begriff, wie der im Duden steht, nämlich im Sinne von Dauerhaftigkeit, in diesem Falle durch Ressourcenschonung. Heutige PKW scheinen darauf ausgelegt zu sein, nach wenigen Jahren durch Korrosion (z.B. die Marke mit dem Stern) oder Funktionsausfälle von Nebenaggregaten (z.B. die Marke aus der bayerischen Landeshauptstadt) praktisch entwertet und sodann entsorgt zu werden. Währenddessen erleben wir mit “Paul” Umweltschonung durch Langlebigkeit und mit einem für das Alter und die Geschichte des Autos doch bisher vergleichsweise geringem Einsatz.
      Auch die mögliche Nutzung etwas verbauchsärmerer Motoren rechtfertigt nicht die Verschrottung von 1,7 Tonnen wertvoller Rohstoffe. Danke also an die Blogger für das Projekt.

      • 25. März 2016 um 4:02 PM
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        Naja, Rost haben auch unserer Saabs meistens genug, weshalb ich da auch mit Merc und BMW nicht zu Hart ins Gericht gehen würde. So ist das nun Mal mit altem Kram. Er geht irgendwann kaputt, aber auch Merc und BMW werden ja am Leben gehalten.

  • 24. März 2016 um 10:41 AM
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    Die Kupplung war das ungewünschte, dicke, Osterei im Nest, oder? Ihr seid Helden, dass ihr euch an das Projekt wagt! Vielleicht spendet die Orio ja ein nettes Osternestchen 🙂

  • 24. März 2016 um 12:17 PM
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    Damit hätte Paule mehr als den halben Weg geschafft. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung!

  • 24. März 2016 um 2:05 PM
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    Fünfgang-Schaltgetriebe? So ein Mist. Vor allem, ich hab mir den 9-5 mit dem Getriebe gekauft, weil das im 9-3 praktisch 340000 km mit den ersten Kupplungsbelägen gehalten hat.

    • 25. März 2016 um 2:46 PM
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      Ich erlebe sehr starke Unterschiede, was Kupplungshaltbarkeiten angeht (auch bei identischen Modellen)… und denke, das liegt viel weniger am Material, sondern vielmehr am Nutzer. Ich würde von einem anderen von unbekannt gefahrenen Wagen nicht auf den eigenen schließen, was die Kupplungshaltbarkeit (und auch die anderer beteiligter Komponenten) angeht.
      Ich hatte schon verschiedene Saab mit original ersten Kupplungen und über 300.000km (900 Nichtturbo wie Turbo, auch 9000 2.3 Vollturbo), als auch welche mit geringeren Leistungsstufen und völlig verschlissenen Kupplungen bei Laufleistungen deutlich unter 200.000km.

  • 24. März 2016 um 2:16 PM
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    Von meinem”Paul” habe ich mich nach 290.000km trennen müssen mit einem Motorschaden vor einem Jahr. Nachfolger wurde ein 9/3er Kombi.
    Nicht ganz so geliebt, aber nun auch 170.000 km ohne Macken gelaufen..30.000 mit mir.
    Der Alte stand noch kürzlich beim Händler auf dem Hof in Neumünster. Viele gute Teile sind noch da….Fa. Timmler evtl. anfragen. Liebe Grüße von Helga Lütt

    • 25. März 2016 um 8:46 PM
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      Danke für den Tipp 🙂

  • 24. März 2016 um 4:29 PM
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    Als stiller Mitleser muss ich sagen, Paul ist ein tolles Projekt. Auf Paul in Scön bin ich gespannt, eventuell ist der Projekt Saab Vorbild um andere alte 9-5 beliebter zu machen?

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