Projektsaab: To-do Liste

An einigen Stellen ist der Lack ab, an anderen wachsen Moose. Paul, unser Projektsaab, ist kein schönes Auto. Seine besten Jahre hat es hinter sich. Ich hatte Bedenken, als ich die Bilder von Paul online stellte. Auto Blogs beeindrucken für gewöhnlich mit Pferdestärken, einer Menge PS und so. Nichts von dem hat Paul zu bieten. Noch nicht. Trotzdem, die Community scheint das Projekt zu mögen.

Paul - unser Projektsaab 2016
Paul – unser Projektsaab 2016

Vielleicht weil Paul den Familiennamen Saab trägt. Der Blog hat Zulauf, mehr denn je. Um so länger es her ist, dass die Marke sich aus dem Automobilbau verabschiedet hat, desto magischer scheint sie zu sein. Weit mehr als 2.000 Leser hatten Pauls Vorstellung innerhalb von 24 Stunden gelesen – ein beeindruckend guter Wert.

Das beflügelt uns und unser Projekt. Und wir sind der Meinung, Paul wird das Engagement wert sein. Als 9-5 der ersten Generation hat er innere Werte. Gut verarbeitet, zurückhaltendes skandinavisches Design, ehrliche Materialien im Innenraum. Die perfekte Basis – und vor allem ein sicheres Auto. Und das ist, auch aus tragisch-aktuellem Anlass, der wichtigste Punkt von allen.

Denn während ich an dem Artikel arbeite,  kommt eine traurige Mail in mein Postfach. Ein Saab 9-5, im Alter wie Paul, hat gestern seinen Lebenszyklus beendet. Eine Limousine, die schon hier auf dem Blog Thema war. Wie zu erwarten hat der Saab seinen Job getan. Der Vorderwagen hat die Aufprallenergie geschluckt, der 9-5 ist Schrott. Aber er hat ein Leben gerettet. Dem Fahrer, den ich persönlich kenne und schätze, ist nichts passiert, er ist unverletzt – dank der guten Arbeit in Trollhättan. Sein nächstes Auto soll erneut ein Saab 9-5 sein. Wenn er denn einen Passenden findet…

Ich denke diese Saab Stärke, die Real-Life-Safety, ist es wert,  Paul zurück in das Leben zu holen. Sprechen wir über Technik, und ja, ab jetzt wird das Thema etwas “trocken”.

Die Basics

Wenn ein Auto nach langer Standphase zum Leben erweckt wird, sollten alle Flüssigkeiten erneuert werden. Alte Öle raus, neue rein. Ausserdem wollen wir einen Motorreiniger ausprobieren. Im Klassiker-Bereich nach langen Standzeiten die Norm. Da der 9-5 einige Jahre weg gestellt wurde, eine angebrachte Maßnahme. Wir werden dabei auf die Mittel von Blog Unterstützer Triboron zurück greifen.

Natürlich benötigt Paul neue Bremsen, ein großes Inspektionspaket nach Saab Norm mit allen Filtern. Teile des Fahrwerks sind ausgeschlagen. Nachgerüstet werden muss die Kurbelgehäuseentlüftung. Wir erstellen eine Übersicht der zu erledigenden Dinge, und das Gefühl sagt, sie wird nicht zu kurz werden. Denn Paul hat sicher einige Überraschungen im Biotop.

Was wir für Paul investieren, welche Teile verbaut werden – wir führen in den nächsten 12 Monaten darüber Buch und stellen die Teile online. Damit haben wir einen Blick auf Kosten, Nutzen, Erfahrungswerte, und Leser können bei ähnlichen Projekten die benötigten Teile leichter lokalisieren.

Rost?

Es gibt die große, plakative Roststelle an der Tür. Sie wirkt grausam abschreckend, ist aber nur abgeplatzter Lack. Oberflächenrost also, der dramatisch wirkt, es aber nicht ist. Der Unterboden hat keine Durchrostung, nur Ansätze von Flugrost und sieht damit für das Alter verblüffend gut aus.

Wir haben, und das ist die gute Nachricht, keine größeren Karosseriearbeiten vor uns. Saab hat bei dem 9-5, zumindest bis 2006, gut konserviert. Mit dem Facelift zur Chrombrille schwand die Begeisterung – oder die Kostenoptimierer schlugen zu. Trotz allem: Paul soll einen zusätzlichen Rostschutz bekommen, damit er fit für kommende Jahrzehnte wird.

Lackierung?

Man muss nicht darüber diskutieren. Paul ist aktuell ein lebendes Gesamtkunstwerk, aber Moose und Flechten müssen weg. Wir werden den Saab in Teilen lackieren lassen, dabei versuchen wir so viel wie möglich Original Lack zu erhalten.

Die Liste wird lang und länger, ich fange an,  die Kosten zu addieren. Hmm…eine Rechnung mit einer großen Unbekannten. Wir haben immer noch keine Ahnung, warum Paul ausser Dienst gestellt wurde.

Warum Paul gestrandet ist.

Die Kupplung soll Schuld sein, so erzählt man. Das ist schon Jahre her, Erinnerungen könnten täuschen. Pauls Kupplung tut auf einer ersten, kurzen Proberunde, was sie soll. Sie trennt die Gänge sauber. Täuscht der liebe Paul Gesundheit vor, um der Schrottpresse zu entkommen? Ein ungutes Gefühl bleibt, aber wir legen das Problem zur Seite – für den Moment. Kurze Zeit später finden wir einen Grund, warum der 9-5 Sportkombi zum Biotop auf Zeit wurde. Der Turbolader, das Herz eines jeden Saabs, ist defekt, ein Neuer muss her.

Eine erste Schätzung der Projektkosten:

Ersatzteile: € 1.500,00 – 2.000,00

Lackierer:  € 1.500,00

Rostschutz: €  500,00

Werkstatt:  € 1.000,00

Damit liegen wir bei der Sanierung zwischen 4.000,00 und 5.000,00 €, was schon eine Hausnummer ist. Die Wartungsarbeiten wollen wir in Kiel bei Markus Lafrentz durchführen lassen, ebenso den Rostschutz. Das beschleunigt den Fortschritt, denn wir wollen den Saab fahren; Zeit ist ein wichtiger Faktor des Projekts. In Kiel steht man bereit,  um den Turbo einzuschalten. Die Lackierung möchten wir ebenfalls von einem Betrieb vor Ort machen lassen. Wir hatten mit dem Anna Projekt gute Erfahrung, und werden uns für Paul einen Kostenvoranschlag unterbreiten lassen.

Die Ersatzteilkosten machen Kopfschmerzen. Das Budget ist limitiert, unseren Familien haben Mark und ich versprochen, Alles von diesem Wahnsinnsprojekt aus der Blog Kasse zu zahlen. Ausserdem wäre es gut,  eine Reserve zu behalten. Haben wir zuviel versprochen? Ja, wir haben den Ehrgeiz,  das durchzuziehen, und für unser karitatives Projekt Mittel zu erwirtschaften. Ein Zurück gibt es nicht mehr.

Während ich darüber nachdenke, sich Sorgenfalten auf meiner Stirn abzeichnen, klingelt das Telefon. Ein überraschender Anruf. Wer ist am anderen Ende der Leitung?

Fortsetzung folgt…

13 Gedanken zu „Projektsaab: To-do Liste

  • 11. März 2016 um 11:47 AM
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    Ich mag das Projekt. Seit es Paul gibt, sehe ich jeden Tag ein oder 2 Pauls 😉 . Wenn Hilfe benötigt wird bin ich gerne dazu bereit. Für SAAB ist immer etwas übrig!

  • 11. März 2016 um 12:32 PM
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    Wir hatten auch mal einen Paul. Schwarz und mit Automatik, war unser bester SAAB ever. Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung.

  • 12. März 2016 um 10:46 AM
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    Meine SAAB Limousine 9-5 SE 150 PS (Benzin) fahre ich seit 01.07.1998 und kann mich noch nicht von dem Wagen trennen. Der Wagen ist 101300 KM gefahren.
    Gewechselt wurdenin der Zeit:: Der Auspuffendschalldämpfer, Akku und ein Satz Reifen.
    Der Lack (Blau Metallic) ist bis auf einige Kratzer ohne Roststellen.
    Ich wünsche dem Team das Paul wieder gefahren werden kann und das sich die Instandsetzungskosten in den kalkulierten Grenzen halten.
    M.f.G. Karl aus Bad Zwischenahn

  • 12. März 2016 um 10:52 AM
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    Klingt sehr interessant. Bin mal auf das Ergebnis gespannt. Ab wann können wir den Paul in freier Wildbahn erleben?

  • 12. März 2016 um 12:09 PM
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    Das mit Paul ist eine super Aktion vom Blog!! Respekt!! Freue mich schon auf die nächste Nachricht von Paul…

  • 13. März 2016 um 10:49 AM
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    Bin gespannt und ein wenig ungeduldig zu erfahren wie es weiter geht.
    Wer is da am Telefon; Orio???

    • 13. März 2016 um 11:53 AM
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      Die Auflösung kommt am Dienstag auf dem Blog. Die Paul Fortsetzung wird spannend…

    • 14. März 2016 um 9:32 AM
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      Es wird wohl Orio sein. Paul braucht Teile, wer sonst als Orio wäre der logische Sponsor?

  • 14. März 2016 um 11:48 AM
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    Liebes Blog-Team, dieses Zitat: ” zumindest bis 2006, gut konserviert. Mit dem Facelift zur Chrombrille schwand die Begeisterung – oder die Kostenoptimierer schlugen zu.” ängstigt mich als Chrombrillen-Fahrer ein wenig. Worauf sollte ich achten und was ist bei einem sechs Jahre alten Auto zu tun? – Danke für einige kurze Hinweise!

    • 15. März 2016 um 9:35 AM
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      Ich würde die Chrombrille nicht als auffällig einstufen. Saab hat lediglich etwas weniger Energie in die Rostvorsorge investiert, man kann das ausgleichen.
      Wie, das muss jeder selbst entscheiden. Will man den Saab lange fahren, weil definitiv nichts inn dieser Art nachkommt, dann würde ich umfänglich investieren. Mike Sanders oder vergleichbar, komplett für alle Hohlräume. Das kann 4-stellig kosten, lohnt aber. Alternativ genügt es den Unterboden aufzufrischen, und bei der jährlichen Durchsicht ein Auge auf dieses Thema zu haben. Es gibt im Norden etliche gute Saab Adressen, die mit dem Thema sehr vertraut sind!

      • 16. März 2016 um 10:25 AM
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        Danke für die Nachricht. Zwar sagt mir “Mike Sanders” nichts, aber nach den weiteren Ausführungen kann ich beruhigt weiterhin auf die Saab-Werkstatt E. in Halstenbek vertrauen und werde dies auch tun.

  • 14. März 2016 um 8:41 PM
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    Schön endlich mal etwas über den 9-5 bei Euch zu lesen !
    Bin sehr gepannt wie es weitergeht mit Paul !

    Evt kann man ja auch etwas Spenden.. Sach oder Geldspende ?
    So könntet ihr die Kosten etwas drücken .. als Blog Leser weiss man ja das die Spende später gutes tut ! 🙂

    • 15. März 2016 um 9:31 AM
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      Danke! Wir freuen uns über jede Spende, per Paypal, oder auf Wunsch mailen wir die Bankverbindung! Jeder Euro zählt doppelt, wir halten einen Saab auf der Strasse und nach 12 Monaten gibt es Geld für eine gute Tat!

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