Saabstory

Meine Saab Geschichte begann, als ich 18 war und im Saab Zentrum Bochum in die Schaufenster starrte und einen 9000 2,3 S Turbo ziemlich geil fand – leider zu teuer. Als Azubi klappte das 1991 leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich fuhr überwiegend alle Opel Modelle des Marktes nach und nach vom Kadett bis zum Monza.

Saab 9000
Saab 9000

2003 war es dann soweit. Nachdem ich bei Mercedes und BMW abgeblitzt bin, da ich in deren Augen offenbar nicht der passende solvente Käufer bin (in diesem Jahr bin ich bei Mercedes zum Lieferwagenkauf auch wieder abgekanzelt worden, sollen die ihre Autos doch behalten!) , bin ich zum Saab Service Snippe nach Lage (jetzt Nordhorn) gefahren.

Dort gab s alle Informationen UND Kaffee UND Kekse. Sehr nette Mitarbeiter, einen kompetenten Chef u.v.m.. Auf meine Frage, warum ich nicht zuerst gemustert werde, ob ich mir einen Saab leisten kann, bekam ich als Antwort, dass man Saab Fahrern ihr Vermögen nicht unbedingt ansieht.

Ich kaufte einen 9-3 Aero, was für eine Granate. Leider war er irgendwann nach 220 tkm zu klein. Also wurde er gegen einen neuen 9-5 TID Chrombrille, gehirscht, getauscht, der dann auch 200000 km seinen Dienst unauffällig und zu meiner vollsten Zufriedenheit tat. Er wurde vor 2 Jahren dann aufgrund mangelnder Neusaabs gegen einen Volvo XC 70, “geheikot”, getauscht – auch sehr sehr geil.

Nebenbei restaurierte ich dann zum Abschalten einen Saab 96, den ich aufgrund unseres Anbaus und des Zeitmangels durch zwei Kleinkinder verkaufte. Nebenbei ergatterte ich einen nahezu komplett restaurierten Saab 900 Cabrio, Vollturbo der ersten Generation mit Automatik. Ein hervorragender Cruiser.

Meine Firma wuchs und in diesem Jahr haben mir einige integrative Mitarbeiter einige meiner Lieferwagen beschädigt, so dass die Versicherungsprämien exorbitant stiegen. Als Ausgleich verwendete ich meine Saab Verträge, um die Kosten wieder zu minimieren. Da mein Saabrio in diesem Zuge dann eine Oldtimer Versicherung als Neuvertrag erhielt, riet mit mein Versicherungsmensch, mir doch einfach einen Roller o.ä. zuzulegen, um wieder einen neuen Vertrag zu generieren, wenn es mal wieder nötig sein sollte.

Ich schaute mich also um. Roller – nein Danke. Schon eher eine Goldwing, Trude, oder Harley. Alles mit der Gefahr verbunden, von einem unserer greisen, fahrenden Landsleute umgenietet zu werden. Ausserdem passen die Kinder so schlecht hintendrauf, bzw. in die Satteltaschen.

Warum nicht wieder ein Saab???

Im Blog wurde so viel vom 9000er geredet. Da war doch mal was?? 1991??

Bei Ebay war dann ein einigermassen ansehnlicher 9000er 2,3 S Anniversary zum Kauf. Ich schaute mir das Angebot an und schlug in letzter Sekunde zu. Mit Erfolg. Danach habe ich rote Nummern und ein Zugticket organisiert und habe mich auf den weiten Weg nach Allersberg bei Nürnberg gemacht.

Zugegeben 267 km/h im ICE waren ein Erlebnis.

Endlich angekommen wurde ich von dem sehr netten Verkäufer am Bahnhof abgeholt, bezahlte, checkte den Wagen und fuhr vorsichtig zur nächsten Tankstelle, wo er noch einmal genauer geprüft wurde. Er ist im Innenraum ziemlich ungepflegt und verlottert. Ich denke das bekomme ich aber wieder hin. Die ZV und der Tempomat, genauso wie das Radio und die Innenraumbeleuchtung versagen ihren Dienst – nicht mehr lange. Die ersten hundert km fuhr ich sehr vorsichtig – in den nächsten Stau. Ein Härtetest für das Kühlsystem, welches das ziemlich unbeeindruckt erledigte. Mein Vertrauen wuchs.

Also mal ein wenig mehr Gas. Mein Gott, das Ding geht gut! Doch was war das ? Check Engine – die Anzeige funktioniert, das Auto auch 🙂 – und wie. Zwei km später war Check Engine auch wieder aus – und wieder an und bei einem herzhaften Gasstoss wieder an. Egal ! Die Kiste fährt saugut.

Alte Saabs stellen ihre Wehwechen bei Nutzung oft von selbst ab. Nach einiger Zeit blieb das Lämpchen aus. Ich fasste mehr Vertrauen und gab nach 300 km mehr Gas. Es war sehr bergig. Wie schön! Für einen Saab macht niemand Platz. Also schoben sich die ganzen Protzerkarren in schöner Regelmässigkeit nach links, um meinen Vortrieb zu blockieren. Es scheint eine Unsitte heutzutage zu sein, dass man dann nach einiger Zeit wieder die Spur nach Rechts wechselt, um dann dort Vollgas zu geben und bloß niemanden vorbeilässt.

War das herrlich!! Egal ob ML, S Klasse, 535i BMW, Kringelkarren aus Ingolstadt, egal welcher Größe, bis zum A 8. Alle wurden ausnahmslos an den Steigungen verblasen, teilweise, als ob sie parken würden und das mit maximal 3/4 Gas ! Der Saab machte alles mit als ob er sich freute, endlich wieder standesgemäss bewegt zu werden.

Unschön war natürlich der Verbrauch, dafür fuhr er von Minute zu Minute besser. Beim Tankstop, nach langer Leerlaufphase, habe ich alle Flüssigkeiten gecheckt, ein wenig Öl nachgefüllt und dann ging s weiter. Was für ein Genuss!

Ich erinnere mich an die Bilder aus dem Saab Prospekt, mit der Zeichnung des Saab Fahrers als Strichmännchen mit dem fetten Grinsen im Gesicht. So muss ich auch ausgesehen haben.

Danke an Marco für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

8 Gedanken zu „Saabstory

  • 29. Dezember 2015 um 11:19 AM
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    Herzlichen Glückwunsch zum schönen 9000er. Habe den auch bei Ebay beobachtet… Schön, dass er einen so guten Eindruck macht und in gute Hände kam!

  • 29. Dezember 2015 um 3:24 PM
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    Hast Du den abgebildeten 9000 Turbo S ersteigert? Im Text ist die Rede von einem 900 2.3 Anniversary.

    • 29. Dezember 2015 um 3:40 PM
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      Ich habe mal eine 0 dazu gefügt, es geht um einen 9000, und ich denke das war im Sinne des Autors 😉

      • 30. Dezember 2015 um 10:42 AM
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        Jo. Einmal will ich noch klugsch***** 🙂 :
        Den Anniversary gab es erst in den letzten beiden Modelljahrgängen (1997 und 1998) – Marcos ist ein 9000 2.3 Turbo S – der Vorgänger der 9000 Aero, so nur im Modelljahr 1992 angeboten. Die Ledersitze mit Wildledereinsätzen gab es in diesem Modell und im Griffin der frühen ’90er – der Anniversary hatte dann auch sehr ähnliches Gestühl, allerdings zusätzlich das Propellerflugzeug in den Sitzlehnen.
        Vom Seltenheitswert her ist der schwarze von Marco schon deutlich rarer als ein Anniversary, und auch von der Charakteristik her nochmal anders (früher 2.3 Turbo mit Automatikgetriebe waren anders abgestimmt).

        • 30. Dezember 2015 um 10:56 AM
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          Das passt schon. Für Deine Theorie sprechen ebenfalls dir gelben Blinkergläser.

  • 29. Dezember 2015 um 5:16 PM
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    Die 9000er tragen eine der hochansteckenden Formen des Virus in sich.
    Herzlichen Glückwunsch!

    Ich bin seit 27 Jahren befallen, mir ist noch kein Gegenmittel über den Weg gelaufen… 🙂 .

  • 30. Dezember 2015 um 12:40 AM
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    jaha, die guten alten Turbos.
    bin vor paar Jahren auch noch mit einem BMW im Schlepptau mit 200km/h durch die Kasseler Berge gebrezelt.
    Erst als ich ihn vorbei lies und er dann unseren Tross für viele km anführte, wusste ich die Leistung des 2.3FPT (kein Aero!) zu schätzen: 540i 🙂

  • 30. Dezember 2015 um 1:51 PM
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    Vielen Dank! Eine Erzählung auf dem Hintergrund eines reichen Erfahrungsschatzes, die – ohne ungewollte Stilblüten – auch noch sprachlich Spaß gemacht hat.

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