Saab 9000 Anna Projekt (Part 7) Abrechnung.

Zwischenzeitlich ist Anna zum täglichen Begleiter mutiert. Der Start war nicht einfach, aber wir haben uns angefreundet. Alte Autos haben Charakter – und Eigenheiten. Es gibt mysteriöse Orte, die Anna nicht mag, was sie unmissverständlich klarmacht.

Ein Rueckblick: Anna Projekt bei Lafrentz in Kiel.
Ein Rueckblick: Anna Projekt bei Lafrentz in Kiel.

Die Ausfahrt einer ganz bestimmten Parkgarage als Beispiel. Ampel rot. Seitenscheibe offen, es beginnt zu regnen. Der Fensterheber stellt sich tot, Fenster bleibt offen. Ampel grün, Saab fährt los, mit 100 Meter Distanz funktioniert alles ganz unschuldig. Und wird es auch weiter tun. Bis der Saab eines Tages wieder an dieser Ampel steht. Diesmal ist es das Schiebedach, das sich tot stellt. Und 100 Meter weiter, na klar…

Die Aufklärung für das Eigenleben des 9000, ein Masterpiece schwedischer Ingenieurskunst aus den 80er Jahren: an dieser spezifischen Stelle befinden sich ein Hotspot, ein Sendepunkt für Betriebsfunk, mehrere über Funk gesteuerte Bedarfsausfahrten. 1980 ein Thema für Perry Rhodan Romane. 35 Jahre später Fakt. Elektrosmog – der Saab kann das nicht leiden.

Für Anna kommt heute auf dem Blog die Stunde der Wahrheit. Zeit für die Abrechnung, ausserdem Gelegenheit,  Fragen für die Zukunft zu stellen.

Was ist ein Saab 9000 wert?

Um das herauszufinden,  haben wir einen Dekra Gutachter beauftragt. Anna war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz fertiggestellt, aber es ging nicht um den letzten Preis, die Tendenz war wichtig und die Gelegenheit günstig. Der Zustand wurde mit 2-3 bewertet, der Preis lag bei 8.000,00 €. Nicht eingeflossen ist die klare Historie, der Innenraum war noch nicht perfekt. Heute ist Anna komplett, der Saab 9000 sollte eine 2 sein. Etwas mehr wert, trotzdem erschreckend wenig.

Die Tendenz der Saab 9000 Preise ist steigend, aber nur weil der Markt fast leer ist. Restaurierte oder gepflegte 2er Zustände finden faktisch nicht statt, ein Schicksal,  das der 9000 mit anderen Fahrzeugen der 80er und 90er Jahre teilt. Die Wirklichkeit ist frustrierend, und ganz selten kommt noch ein gepflegter 9000 aus Rentnerhand auf den Markt. Schrott und Verbrauchsfahrzeuge dominieren. Sind wir ehrlich – sind sie beim aktuellen Preisgefüge keine Sanierung wert. Wie immer bei Fahrzeugen dieser Preisklasse bekommt man Investitionen in Material und Arbeitsleistung nicht wieder zurück.

Wo liegt die Saab 9000 Zukunft?

Die Blog Mission 2015 war, den 9000 aus dem Niemandsland des Vergessens heraus zu schreiben. Das ist in Teilen gelungen, wir konnten einige Leser für den ersten, großen Saab begeistern. Manche Fans haben den 9k neu für sich entdeckt und halten den Fließheck Saab mit viel Liebe auf der Strasse.

Wie sieht die Zukunft aus? Begeisterung für nicht ganz junges Blech ist keine Frage des Alters, es ist eine Angelegenheit von Lust an Technik, Stil und Fahrkultur. Man schätzt die kompakten Dimensionen, die einfache Bedienbarkeit. Man entfernt sich vom Konsumzwang, entdeckt,  dass man sein Geld für spaßigere Dinge als für Neuwagen ausgeben kann.

BMW tut es, Mercedes ist schon lange dabei, Porsche verstärkt die Aktivitäten beim Thema Klassiker und Youngtimer. Im niederländischen Arnheim eröffnet das erste Porsche-Zentrum – nur für Klassiker. Zukünftig gibt es schwäbische Klassiker direkt vom Hersteller, mit Leasing, Finanzierung und Garantie wie beim Neuwagen. Der Weg für Alle, die fahren und genießen möchten, aber weder selbst schrauben noch sich dem Vabanquesspiel des Autokaufs auf Schotterplätzen aussetzen möchten.

Warum nicht auch Saab, warum nicht auch die Orio AB? Es gab das Ida Projekt – die in Schweden laut gedachte Idee,  zukünftig Werksrestaurationen anzubieten. Eigentlich logisch, wenn nicht sogar zwingend. Orio hat ein Alleinstellungsmerkmal, die Lieferung von Saab Originalteilen. Ein Restaurationszentrum für jeden wichtigen Markt, betrieben von Orio oder in Kooperation mit einem nationalen Partner. Das wäre mehr als nur eine Stärkung der eigenen Kompetenz.

Das Geschäft, jenseits der Mainstream-Marken, haben unsere Nachbarn bereits erkannt. Die Niederländer machen es mit Saab Youngtimer Lease mal wieder vor. Die Zielgruppe, Selbstständige, Gewerbetreibende, wäre per Leasing dankbar für individuelle, abgefahrene Interpretation schwedischer Fortbewegung. Andere Marken haben das längst im Alltag. Citroen CX, ein Fahrzeug,  dessen Klassiker-Laufbahn ich mit viel Sympathie verfolge, gibt es als Leasingobjekt im Neuwagenzustand. Die Preise liegen um die 30.000 €, CX Basis in Karlsruhe widmet sich seit 40 Jahren erfolgreich dem hydropneumatischen Thema.

Um so mehr Computer mit animierten und virtuellen Cockpits auf unseren Strassen rollen, desto begehrter wird Ingenieurskunst der  80er und 90er Jahre. Überlebende Saab 9000 werden dazu gehören.

Part 7 war nicht der letzte Teil des Saab 9000 Anna Projekts. Es kommt noch mehr. Fest steht ebenfalls, Anna wird nicht für immer bleiben. Irgendwann wird sie, schweren Herzens, Platz machen müssen für ein neues Projektfahrzeug. Da ich der Meinung bin, dass Saabs bewegt werden sollten und sich nicht in Hallen langweilen dürfen, werden wir nach einem neuen Zuhause suchen müssen.

18 Gedanken zu „Saab 9000 Anna Projekt (Part 7) Abrechnung.

  • 2. Dezember 2015 um 12:44 PM
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    Boah, die CX. Toll! Wusste echt nicht, dass es sowas gibt. Geht wohl auch nur im frankophilen Grenzgebiet.

    Ob das mit Saab funktionieren würde? Ich hab den Eindruck, die 900-fahrer sind etwas schrullig und eigen. Die machen wohl eher selbst, als zu kaufen. Und ob der 9000 bei Saab-Traditionalisten den Status hat wie der 900, oder der CX bei Citroen-Fahrern? Nicht sicher. Auch wenn er mein Lieblings-Saab ist und ich total enttäuscht vom 9-5 war.

    Unter Abrechnung verstehe ich übrigens irgendwie was anderes. Ausgaben sollten irgendwie rein, hihi …

    • 2. Dezember 2015 um 1:33 PM
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      Der CX ist ein Auto, dem Hardcore Fans Jahrzehnte keine Chance geben wollten. Die CX Basis engagiert sich seit Ewigkeiten für den großen Citroen, und hat mit viel Engagement einen eigenen Markt geschaffen und französisches Kulturgut am Leben gehalten. Keine Ahnung wie es mit dem 9000 in 10 oder 20 Jahren aussieht, aber möglich ist doch fast alles.

  • 2. Dezember 2015 um 12:48 PM
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    Wie wäre es denn mit einem 9-5 OG Sportcombi der ersten Facevariante als zukünftiges Projektfahrzeug ? Immerhin war er der direkte Nachfolger und der erste Combi von SAAB…
    Und es scheint mir als habe die Fanszene den 9-5 OG noch nicht richtig auf dem Zettel… eigentlich schade…

    • 2. Dezember 2015 um 1:30 PM
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      In diese Richtung gehen unsere Gedanken… Der 9-5 OG bräuchte etwas mehr Aufmerksamkeit. Leider sind solche Projekte nicht mit Taschengeld finanzierbar, und Unterstützung für Projekte zu bekommen wird von Jahr zu Jahr schwieriger für den Blog. Wir werden sehen…

    • 2. Dezember 2015 um 4:36 PM
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      Ich fahre einen 9-5 Kombi seit Mai 1999. Bin von ihm hellauf begeistert, auch wenn ich schon einiges an Geld reingesteckt gabe. Aber mit Ratzmann im Hintergrund ist der Wagen nicht kaputt zu bekommen. Man sieht ihm die 16 Jahre nicht an. Er ist auch erst 230000 km gelaufen. Auf Langstrecken läuft er super bequem. Ich liebe ihn

  • 2. Dezember 2015 um 2:48 PM
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    Die Frage ist, gibbt es genug Fahrzeuge und Kaufwillige, das auf dauer so etwas bestehen kann und Geld damit verdient wird!? Die Innenräume (900II, 9-3I) könnte man mit den heutigen Möglichkeiten auch auf ein höheres Niveau heben, was die Oberflächen angeht. Das Design ist Zeitlos schön.

    • 2. Dezember 2015 um 4:36 PM
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      Ich kann nur meine Beobachtung wiedergeben, die ich bei einigen Saab Partnern mache. Der Hof ist voll mit Klassikern und Youngtimern, vom 99 bis 900 und 9000 ist alles da. Und wird immer mehr. Ich halte das für eine gute Tendenz, mehr aber nicht. Was Orio/Saab Partner daraus machen werden, ist die andere Frage. Das Potential ist sicher da.

      • 3. Dezember 2015 um 9:33 AM
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        Das sieht wie ein Plädoyer für ein neues Geschäftsmodell für SAAB-Stützpunkte aus. Sinn könnte sowas auf jeden Fall machen.
        Nach Deiner Rechnung müsste ein guter 9000er um die 10’000 Euro kosten.
        Ob dann die Begeisterung der Fans und von Orio auch noch mit der Bereitschaft sich zu engagieren einhergeht, wird sich zeigen.

        • 3. Dezember 2015 um 10:57 AM
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          Das ist es auch. Vielleicht eine Mittelfrist-Perspektive. Ob Orio dieses Feld besetzen wird ist fraglich, die aktuelle Strategie in Nyköping geht in eine andere Richtung. Aber tut es Orio nicht, wird es jemand anderes tun.
          Ein restaurierter 9000, vom Fachbetrieb, müsste ab 15.000,00 kosten düfen, damit die Rechnung stimmt. Diese Situation haben wir noch nicht, eventuell in einigen Jahren. Restaurierte 900 werden aktuell zwischen 20 – 30 k gehandelt, Cabrios auch teurer. Andere Länder machen es vor, da darf ein Saab teuer sein. In Deutschland ist Nachholbedarf.

          • 3. Dezember 2015 um 7:38 PM
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            15’000 für einen guten 9000er? Warum nicht, wenn der Wagen fehlerfrei und gut instand gestellt ist. Wenn man Zeitschriften aus der Old- oder Youngtimer-Szene liest, werden dort noch ganz andere Beträge ausgegeben für Fahrzeuge, die nie mehr auf die Strasse gehen.

            Ich habe eben einen Neuwagen als Geschäftsfahrzeug gekauft und rechne mit etwa dem gleichen Betrag als Abschreiber in den ersten 1.5 Jahren.

          • 3. Dezember 2015 um 8:02 PM
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            Der Preis relativiert sich zusätzlich, wenn man überlegt wieviel automobile Neuwagenlangeweile es für 15.000 € gibt.

            BTW: Bleibst Du auch mit Neuwagen der Saab Familie erhalten?

          • 3. Dezember 2015 um 8:48 PM
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            Ein SAAB-Fan bleibe ich sicher, als Fahrer leider nein. Ich fahre den 9-5 Aero jetzt noch, bis der Neuwagen da ist, dann trennen sich unsere Wege (leider) und der SAAB geht in den Eintausch. Der Liefertermin ist KW 53.

            Ich bin kein Sammler und benötige nun geschäftlich einen Neuwagen.

          • 5. Dezember 2015 um 2:45 PM
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            Es ist natürlich immer die Frage, wie es in das Leben passt. Jemand, der beruflich 40-60.000Km/Jahr runterreißt, ist mit einer Leasingkiste sicher besser bedient. Das Geschäftsmodell der CX-Basis mit absolut alltagstauglichen Traumwagen ist eine richtig interessante Alternative.
            2007 gab es in der WELT mal einen Artikel zu dem Thema, der immer aktueller wird:
            http://www.welt.de/lifestyle/article1085110/Warum-junge-Leute-spiessige-Autos-fahren.html

            Allen ein schönes Wochenende!

  • 2. Dezember 2015 um 3:47 PM
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    Tolle Idee um Saab Yougtimer lease zu stiften.
    Da wird bestimmt einige Interesse vor bestehen. Eine solche Lease Firma koennte einige seltsame Auto Marken im Angebot haben, damit es Geschaeftlich sinn macht.
    Aber Tom, Ihre 9000 niemals in Miete geben aber selbst behalten.

  • 2. Dezember 2015 um 4:14 PM
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    Ich war immer ein Fan der CX. Gegen den altbackenen Kram deutscher Herkunft war dieses Auto aus einer anderen Zeit. Eine Studienfahrt kurz vor dem Abi nach Paris war damals für mich, wie heute eine Fahrt nach TH. Man wusste gar nicht wo man zuerst hinsehen sollte…
    Leider fehlt dem CX ein entscheidendes Detail, ohne das ich damals wie heute schlecht leben kann – die große Heckklappe. Deshalb wurde es Ende der 80er ein 9000CC…bis zum heutigen CS/CSE.

  • 2. Dezember 2015 um 5:35 PM
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    Die Preise bei der CX Basis sind aber auch das Ende der Fahnenstange, was auch für die Ersatzteilpreise dort gilt. Klar, komplett neu aufgebaute Fahrzeug kosten ihr Geld, allerdings werden neu aufgebaute 901 CV auch in dieser Preisklasse angeboten, spiegeln aber nicht den Preis wieder den man für ein vernünftiges und sehr gutes Exemplar bezahlen muss. Diese Fahrzeuge richten sich eher an Leute die sich so ein Auto kaufen um es in die Sammlung zu stellen und weniger um es zu fahren. Es könnten sich ja wertmindernde Kilometer auf dem Tacho ansammeln…Wer unbedingt eine Wertanlage braucht soll sich Kunst kaufen! Autos sind zum Fahren da. Dieser Amerikaner der mit seinem Volvo 1800ES (?) mittlerweile 1,8 Mio Meilen zurückgelegt hat ist mir höchst sympatisch. Das Auto ist auch keine runtergerittene Karre.

  • 2. Dezember 2015 um 7:08 PM
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    CX, Anfang 80er hatte ich einen, einen Pallas! Tolles Auto mit Macken. Heute schaue ich immer wieder nach den Cxs auf Mobile, würde aber doch lieber einen 9000er mir noch in den Stall stellen. Es müsste eine Aero sein und rot müsste er sein, da könnte ich schwach werden! ( mein grösstes Problem, wie sage ich es bloss zu Hause, dass ein 8. Fahrzeug dazu kommt….)

  • 3. Dezember 2015 um 10:41 AM
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    Ein CX ist ein Diva. Extrem schön – kann aber sehr launisch sein. Um so wichtiger ist es jemanden an der Hand zu haben der sich damit auskennt. Nach einem GSA Pallas in der Familie der super zuverlässig war, hatte ich mir Anfang der 90er einen gebrauchten CX gekauft. Traumhaft komfortabel zu fahren, aber die Reparaturen kamen sehr teuer.
    Ich finde der BX, XM und der Xantia sind ebenfalls sehr tolle Autos die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Ich selbst bin auch XM und Xantia V6 gefahren. Reparaturen sind sehr zeitaufwendig und teuer da alles völlig verbaut ist. Da hätten die Franzosen sich in Trollhättan etwas abschauen können. Die Trinkgewohnheiten sind ebenfalls nicht von Pappe. Aber es machte immer Spaß auf der Autobahn TDIs mit diesen Raketen zu ärgern. Man sah es ihnen nicht an- genau wie beim Anna- Projekt.
    Die klassischen Franzosen teilen das Schicksal der meisten Autos der 80er und 90er. Vielleicht ist es eine Frage der Zeit bis die natürliche Auslese die Anzahl der Fahrzeuge so weit dezimiert hat, bis es für Sammler anfängt interessant werden.

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