Autos der Marke Saab sind im Bayerischen Wald eher selten anzutreffen…

Matthias Ketterl ist in Saab-Fan-Kreisen bekannt, er veranstaltet für uns wunderschöne Saab Treffen. Wie er zur Marke Saab kam, erzählt er heute im Rahmen unserer Leseraktion.

Saab 99 und Saab 900
Saab 99 und Saab 900

…das war auch vor 20 Jahren nicht anders, als ich meine erste intensive Begegnung mit Saab hatte und meine Leidenschaft für die Marke entflammte. Offizielle Saab Autohäuser waren nicht in meinem Heimatlandkreis vertreten und man musste schon Glück haben, mal einen Saab auf freier Strecke zu sehen.

An die wenigen Wagen, die ich dann wahrnahm, kann ich mich noch sehr bewusst erinnern. In einer Nachbarstadt stand z. B. ein silberner 900 Turbo 16 S, der wohl einem Arzt gehörte, und ich freute mich jedes Mal, wenn ich diesen Wagen in einer Seitenstraße geparkt sah. Allein der geparkte Wagen hatte schon etwas Skulpturartiges an sich, da er meistens vor einer alten Steinmauer unter Bäumen stand.

Im Winter 1995/1996 hatte es dann irgendwie einen silbernen Saab 900 Turbo 16 S zu einem örtlichen Autohaus an dessen Verkaufsstand gespült. Die Form des 900er CombiCoupes hatte mir schon immer gefallen und so schlich ich mit einem Kumpel im Januar 1996 bereits um das Auto herum. Der Wagen hatte rotes Leder, 175-Turbo-PS und schien in einem guten Zustand zu sein. Das Verkaufsschild im Innenraum endete mit einem Preis von 5.500 DM, der Wagen hatte ein bisschen über 200.000 Kilometer gelaufen. Nach einer kurzen Begutachtung ohne Gespräche mit dem Verkäufer setzten wir uns wieder in Bewegung. Da ich einen fahrbaren Untersatz (Mercedes /8 Diesel) hatte und keine Notwendigkeit bestand ein Auto zu erwerben, verschwand der Saab langsam wieder von meinem inneren Bildschirm.

Acht Monate später, mein Kumpel fuhr inzwischen ein silbernes Saab 99 CombiCoupe, das wohl Einzigste im Landkreis, stand der 900 Turbo noch immer zum Verkauf, das Preisschild zeigte nun 4.900 DM. Ich hatte gerade mehrere Wochen Urlaub, die Zeit plätscherte süss dahin, es gab keinerlei Verpflichtungen und auch der Kontostand gab keinen Grund zur Klage. Eine sinnvolle Urlaubsbeschäftigung schien mir mit Anfang 20 darin zu liegen, den silbernen 900er Turbo 1 Tag lang ausgiebig zu testen, zumal ich noch nie einen Turbo bewegt hatte.

Das Auto schien in unserer Region nicht allzu viele Interessenten zu wecken und nach ein bisschen vorgegaukelten Kaufinteresse im Gespräch mit dem Besitzer des Autohauses hatte ich mein Urlaubsvergnügen perfekt. Die roten Kennzeichen wurden montiert und ich durfte den Wagen ausgiebig Probe fahren und testen. „Komm einfach morgen Vormittag wieder her und dann schauen wir weiter!“ sagte der Verkäufer während ich schon mit dem Zündschlüssel zwischen den Sitzen hantierte.

Der Geruch des Wagens im Innenraum, die skurrilen zischenden Geräusche der Lüftung, das wunderschöne rote Leder, die faszinierende Optik des Fahrerblicks auf die Straße durch die gewölbte Frontscheibe – all das hatte ich vorher noch nicht erlebt und nun war ich wirklich mittendrin. Ich fühlte mich wie in einem Film.

Ich weiss noch genau, dass ich den Wagen während dieses Tages öfters einfach im Stand laufen liess und diesem unbeschreiblichen dumpfen und lautem Sound einfach nur zuhörte während ich eine Zigarette rauchte. Von der Technik hatte ich nicht allzu viel Ahnung, doch die erschien mir nach Sichtprüfung „robust“. Nach anfänglichen Zögern wurde auch die besondere Wirkung des Turboladers erforscht. Die Beschleunigung des Wagens raubte mir den Atem, nachdem ich im Diesel-/8 die meiste Zeit überholt wurde und wenn ich selbst mal überholte, waren es meist Traktoren oder Mofas. Ich wurde derart in die einzigartigen Ledersitze gepresst, dass ich Raum, Zeit und auch die Kilometer völlig vergaß.

Ich durchfuhr den Landkreis von Ost nach West und da es im Landkreis keine Autobahn gab, musste der Wagen die Landkreisgrenzen hinter sich lassen. Auf der Autobahn Richtung Regensburg erreichte ich dann meine persönliche Höchstgeschwindigkeit. Der Wagen war einfach ein Traum für einen Jungen mit 21 Jahren und das Hochgefühl, dass ich dabei erlebte könnte mir wohl heute kein Auto der Welt liefern – keins!

Ich fuhr eigentlich den ganzen Tag mit dem Saab, sass darin oder ich stand daneben und schaute es aus allen Blickwinkeln an. Damals wie heute gilt für mich, dass das 900er Coupe von keiner Perspektive aus eine Schwachstelle hat – sogar die Schriftzüge der Modellbezeichnung sind state of art. Das Auto aus dem Norden ist für mich designtechnisch, sowohl innen als auch aussen, auf der höchsten Stufe der Automobilbaukunst. Es polarisiert und spricht (mich) an – ein Meilenstein!

Im Laufe des Tages wurde der Wagen natürlich auch im Freundeskreis präsentiert und ich wurde gedrängt etwas sinnloses zu tun. „Kauf den geilen Wagen, mach` Dir einen schönen Sommer und geniesse die Zeit“ lautete der Tenor. In der Clique galt hier im allgemeinen eher die Regel, dass man einem fahrbaren Untersatz, egal welchen Zustands, immer sehr aufgeschlossen gegenüberstand.

Am nächsten Tag stand die Rückgabe des Wagens auf dem Plan und ich war nach unruhigem Schlaf zwiegespalten. Es gäbe wohl nichts unvernünftigeres als jetzt dieses Auto zu kaufen, sagte ich mir. Im Kopf ging ich die wohl folgenden Verkäufergespräche schon mal vorsichtig durch. Wo würde das Preislimit liegen? Wie könnte ich mich galant aus der Affäre ziehen nach dem wunderbaren Tag mit dem Wagen? Als Endergebnis meiner Überlegungen stand meine feste Überzeugung, dass der Verkäufer den Wagen nicht unter 4.000 DM abgeben würde. Endergebnis meiner Hirnverwindungen: Ich würde aber mit meiner Offerte „clever“ unter dem Preislimit bleiben und von dannen ziehen.

Der Verkäufer wunderte sich komischerweise nicht über die zurückgelegte Strecke – die ausgiebigen Test hatten sich nämlich über 500 Kilometer gezogen. Ich zählte alle möglichen Gründe auf, warum das Auto doch nichts für mich wäre und er fragte mich abschliessend, was ich denn bereit sein würde für das Auto zu zahlen. Es ratterte einige Zeit in meinem Kopf und ich sagte 3.800 DM – zu meinem völligen Entsetzten war der Verkäufer einverstanden. Er verkaufte er mir den Saab zu diesem Preis und es gab kein Entrinnen mehr – welch ein Glück.

4 Gedanken zu „Autos der Marke Saab sind im Bayerischen Wald eher selten anzutreffen…

  • 7. Februar 2015 um 1:14 PM
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    Schöne Geschichte Matthias. So muss es sein…

  • 7. Februar 2015 um 4:56 PM
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    Richtig WOW, sehr schöner Bericht und tolle Bilder!

  • 7. Februar 2015 um 9:41 PM
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    Genau so habe ich beim kauf meines Saab auch gehadert. Jetzt ist es für mich der beste Autokauf gewesen den ich je gemacht habe. Auch wenn es um paar tausend mehr ging.

  • 8. Februar 2015 um 9:12 PM
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    Hallo Matthias!
    Schöne Geschichte und noch dazu von einem Schnäppchen (?)!!!
    Ich bin mit meiner Saableidenschaft gnadenlos hintendran!
    Viele Grüße!
    WhatSAAB

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