Saab 9-5 Rostvorsorge

Reden wir heute über ein Thema, das uns eigentlich erst in einigen Jahren beschäftigen würde, wäre die Saab Saga anders verlaufen. Rostvorsorge für den noch jungen Saab 9-5 NG ist von Interesse, nachdem er der ( vielleicht ) letzte große Saab aus der Stallbacka ist.

Saab 9-5 NG im Saab Zentrum Bamberg
Saab 9-5 NG im Saab Zentrum Bamberg

Der 9-5 ist aus diesem Grund ein Liebhaberstück – von Anfang an. Viele Fahrzeuge sind in der Hand von Fans, die ihren Schweden möglichst lange fahren möchten. Das Thema Saab 9-5 NG und Rost tut  Not, denn der Hersteller hat beim Thema Rostschutz nur das Nötigste durchgeführt. Wahrscheinlich war das kleine Wunder, überhaupt diese Fahrzeuge auf die  Strassen zu bekommen, schon genug. Mehr Wunder ab Werk geht vermutlich nicht; um die Rostvorsorge müssen wir uns selbst kümmern.

Meine Saab 9-5 BioPower Limousine, im Erstbesitz rund 30 Monate in Göteborg und Umgebung unterwegs, ist ein unfreiwilliges Versuchsobjekt. In Südschweden hält ein unangenehmes Salz-Split-Gemisch die winterlichen Strassen frei, mit ungünstigen Auswirkungen auf Unterboden und Fahrzeugsubstanz.

Schwedische Strassen, ein sparsam aufgebrachter Rostschutz ab Werk, Rostansätze an den Fahrzeugteilen und am Unterboden sind die Folge. Im Normalfall würde das Niemanden interessieren, wenn weiterhin neue 9-5 von den Bändern laufen würden. Tut es aber nicht ! Die Stückzahl der existierenden Fahrzeuge ist limitiert, daher müssen die Objekte der Saab Leidenschaft geschützt werden.

Die Rostvorsorge am 9-5 lasse ich im Saab Zentrum Bamberg durchführen. Ralf Muckelbauer und sein Team haben schon mehrere Fahrzeuge für mich konserviert, immer zur vollsten Zufriedenheit. Für die Bestandsaufnahme werden die Anbauteile und Radkästen demontiert, der Unterboden wird inspiziert. Hohlräume wie Türen, Kofferraumdeckel und Träger werden mit dem Endoskop untersucht.

Das Ergebnis ist den schwedischen Verhältnissen geschuldet, sieht auf den Bildern aber tragischer aus als es ist. Natürlich könnte man den Saab weiter fahren, ohne etwas zu tun. Nur irgendwann wird es wirklich schlimm, und was jetzt Oberflächenrost ist, das wird in einigen Jahren böse Karies sein. Da der Saab mir irgendwie am Herzen liegt, entscheiden wir uns für die große Operation, um viele Jahre ohne Angst vor der braunen Pest unterwegs sein zu können.

Nach der Bestandsaufnahme werden im zweiten Schritt die Deckschichten am Unterboden entfernt, das Fahrzeug entrostet, die freigelegten Karosserieteile entfettet. Dann erfolgt eine zweifache Grundierung mit Rostumwandler, und es wird eine neue Deckschicht aufgebracht.

Weil auch die Optik eine Rolle spielt,  werden die Fahrwerksteile und Träger schwarz, die übrigen Karosserieteile in Wagenfarbe lackiert. Im nächsten Arbeitsvorgang wird die neue Unterbodenversiegelung aufgebracht, zusätzlich werden Radhäuser, Trägerrahmen und Fahrwerksteile geschützt. Unser Saab hat damit einen Unterbodenschutz,  der besser nicht sein könnte.

Die Radhäuser beim Saab 9-5 NG sind ein Thema für sich und können wärmstens zur Vorsorge empfohlen werden. Eine unglückliche Falz zwischen Blech und Innenkotflügel sammelt Schmutz und Feuchtigkeit, und damit mutieren die Kotflügel zum klassischen Kandidaten für Durchrostung. Die hinteren Innenkotflügel schließen in der Regel nicht dicht ab; es scheint ein Montageproblem gegeben zu haben. Wasser dringt bis in den Kofferraum vor. Ob der Saab dicht ist oder nicht, kann man bei einer Inspektion der Reserveradmulde feststellen. Das alles sind Probleme der Kleinserie, einer kurzen Produktionsphase, fehlender Modellpflege. Nicht schlimm, wenn man entsprechend reagieren kann.

Zurück zur Rostvorsorge in Bamberg. Wir haben es fast geschafft. Es folgt die Hohlraumversiegelung von Türen, Trägern und sonstigen Hohlräumen. Der 9-5 wird abschließend gereinigt, Rost wird so bald kein Thema sein.

Ist der 9-5 anfälliger für Rost als andere, vergleichbare Fabrikate? Ich denke nicht. Mein Fahrzeug kommt aus Schweden, die Anforderungen sind vor Ort höher als in unserer Region. Trotzdem, oder vielleicht deshalb, hätte man davon ausgehen können,  dass Saab mehr in den Rostschutz investieren würde. Dem war aber nicht so. Wahrscheinlich sollten wir Victor Muller dankbar sein, dass er den Saab 9-5 überhaupt in die Produktion gebracht hat.

Okay, okay, reden wir über Geld. Eine Woche stand der Saab in Oberfranken für eine, wie ich meine, sinnvolle Investition.  Bestandsaufnahme und Unterbodenversiegelung kosteten rund 600,00 €, die Hohlraumversiegelung 350,00 €. Entrosten, grundieren, lackieren, also das ganz große Programm, geht nach Aufwand. Die Preise schwanken nach Zustand. Günstig ist das nicht.

Aber empfehlenswert ist die erweiterte Rostvorsorge auf jeden Fall, will man den 9-5 langfristig nutzen.

18 Gedanken zu „Saab 9-5 Rostvorsorge

  • 26. Januar 2015 um 11:09 AM
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    Eine absolut wichtige Sache! Haben wir an allen SÄÄBen machen lassen, rechnet sich über die Jahre!




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    • 26. Januar 2015 um 1:36 PM
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      Auf jeden Fall, unsere haben auch das volle Programm teils schon vor Jahren bekommen. Die 9000er und der 902 sind in diesem Punkt relativ problemlos, den 9-3I muß man schon im Auge behalten. Da wurde unter GM leider schon mehr und mehr gespart.
      In unserer Winterhalle steht neben meinem 902 Cabrio ein 9-3II Cabrio im Regal, wenn man die beiden von unten anschaut, sieht der 9-3II wirklich alt aus, der 902 nach 18 Jahren fast wie neu!




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      • 26. Januar 2015 um 2:01 PM
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        Beim 9-3 I wurde wirklich gespart, das Ergebnis konnte man bei unserem 9-3 Aero sehen. Unsere Alltags 9-3 II sind nicht auffällig geworden, bei der 2011 neu gekauften Saabbine hatten wir kurz nach dem Kauf bei Muckelbauer noch mal Zusatzarbeiten durchführen lassen. Sie sieht, nach fast 4 Jahren, immer noch aus wie neu.




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  • 26. Januar 2015 um 11:15 AM
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    Habe im Dezember an meinem 9-5 Aero OG eine neue Hohlraumversiegelung durchführen lassen. Rost war nach 7.5 Jahren und >250’000 km kein Thema, weder oben noch unten.
    Das Fahrzeug hat allerdings 3 Wochen bestialisch nach Lösungsmittel gestunken. Ich hab’s in der Garage immer mit offenen Fenstern stehen lassen. Jetzt ist es vorüber.




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    • 26. Januar 2015 um 11:42 AM
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      Bei meinem früheren 9-5 Crombrille, immer im Rhein-Main-Gebiet unterwegs, war Rost tatsächlich auch kein Thema. Trotzdem ist vorbeugen immer eine gute Idee.




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  • 26. Januar 2015 um 11:19 AM
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    Guter Hinweis. Ob die Firma auch alte 901er konserviert?




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    • 26. Januar 2015 um 11:41 AM
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      Natürlich. Wenn ich nicht irre hat man momentan einen 900 Turbo 16S „Last Run“ in Restauration.




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  • 26. Januar 2015 um 11:54 AM
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    War übrigens kürzlich auch in Bamberg und habe neue Stossdämpfer mit Niveauregulierung in den 9-5 Aero OG einbauen lassen. Die gab’s beim Neukauf 2007 für den Aero noch nicht, ist aber heute lieferbar. Zu empfehlen beim Einsatz als Zugwagen.




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  • 26. Januar 2015 um 1:45 PM
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    Rost vorsorge ist immer gut und sollte schon sehr früh gemacht werden habe bei meinen 900 dertern immer nach dem Kauf schon eine Hohlraumkonservierung gemacht hat sich ausgezahlt. Für den 900 gab es so etwas wie eine Explosionszeichung da waren alle Punkt drauf die Versiegelt werden konnten das war eine große Hilfe. Habe leider für den 9,3 SportCombi noch nicht vergleichbares gefunden




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  • 26. Januar 2015 um 1:51 PM
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    Rostpflege ich leider auch bei unserem 9-3 SC von 12-2008 schon machen lassen. Schwachpunkt sind hier die Teile in der Nähe des Klimakompressor.




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  • 26. Januar 2015 um 1:54 PM
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    @GP382:
    Ich hab bei meinem 9-3 II SC nichts machen lassen und habe nach über 150.000 km vom öster. Autoclubtechniker bei der Pickerl(TÜV)-Abnahme die Antwort bekommen „Wie neu. Wieviele km hat der?“ Vielleichts liegts aber auch daran, dass ich Ihn nach einer Salzfahrt im Winter sofort in die Waschstraße mit einer Unterbodenwäsche schicke…




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  • 26. Januar 2015 um 5:43 PM
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    Hallo Joachim, ich spüle nach Salzfahrten auch immer mit viel Wasser das hilft.
    Vielleicht sind Eure 9-3II SC ja besser konserviert, Tom schreibt das ja auch.
    Mir wäre der Unterschied gar nicht so drastisch aufgefallen, wenn die beiden nicht nebeneinander im Regal stehen würden, aber so hat man den direkten Vergleich von unten. Mein alter 902 (165TKm) hat bisher auch nur Hohlraum- aber noch keinen zusätzlichen Unterbodenschutz bekommen, weil da noch keine braune Pest zu sehen ist. Allerdings hat er auch nur die ersten fünf Jahre bei meinem Vorgänger Winter erlebt.




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  • 26. Januar 2015 um 5:45 PM
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    Hallo Tom,
    welches Mittel von welchem Hersteller wurde denn verwendet?




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    • 26. Januar 2015 um 7:14 PM
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      Bei den beiden vorherigen Fahrzeugen kam Mike Sanders zum Einsatz. Beim 9-5 auch, aber nicht ausschließlich.




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      • 26. Januar 2015 um 10:55 PM
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        Werden die Hilfsrahmen und Achsträger für das Lackieren eigentlich komplett ausgebaut?




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        • 27. Januar 2015 um 9:38 AM
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          Die Frage kann das Saab Zentrum Bamberg beantworten, wenn man mitliest.




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  • 26. Januar 2015 um 10:47 PM
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    Wir haben ein schwedisches Mittel anwenden lassen – Dinitrol




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    • 27. Januar 2015 um 7:07 PM
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      Dinitrol ist aber schon längst nicht mehr schwedisch und schon länger in deutscher Hand…zuletzt, vor ca. 3 Jahren von der Würth Group gekauft.

      Wer das Geld für die Rostvorsorge nur ungern ausgibt kann es natürlich auch selbst machen. Spritzpläne für die Modelle gibt es und das Material auch. Für die Hohlräume braucht man nicht mal eine Bühne…ein Samstag reicht. Für den Unterboden wäre eine Mietwerkstatt mit Bühne ideal. So spart man gut 80% und wenn man sich Mühe gibt, ist das Ergebnis auch nicht schlechter.
      Gerade bei älteren Modellen kommt man überall gut hin und muss keine Angst haben unter einer demontierten Verkleidung zig Airbags oder Sensoren zu finden. 901 und 9k sind in dieser Hinsicht besonders dankbar.




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