Saab Hirsch Performance

Trollhättan…vor etwa 10 Jahren. Die Zeiten waren turbulent, das Verhältnis zwischen GM und Saab alles andere als entspannt. Manches,  was damals in Schweden und Detroit beschlossen wurde, ist selbst mit großer zeitlicher Distanz nicht zu verstehen.

Saab 9-3 Hirsch 2006
Saab 9-3 Hirsch 2006

Beispiel Saab: für die im Herbst 2002 vorgestellte 9-3 Limousine hatte Trollhättan ein eigenes Navigationssystem entwickelt, statt den Griff ins GM-Konzernregal zu wagen, wo es Lösungen in jeder Preisregion gab. Wirtschaftlicher Wahnsinn ! Schon in Hinblick auf die möglichen Stückzahlen ! Richtig bitter aber, weil das System nicht zuverlässig funktionierte. Eine ganze Generation von Saab Fahrern, mich eingeschlossen, hat die selbst gestrickte Navigationslösung verflucht – und immer ein mobiles, funktionierendes Billig-Navi im Handschuhfach gehabt.

Während Saab das Geld in ein eigenes Navigationssystem versenkte, die Saab Fahrer sich bis zum großen Facelift ärgerten, verbrannte GM es nicht direkt in Trollhättan. Sondern im Umfeld, in gescheiterten Kooperationen. Davon gab es Einige,  und die Amerikaner erschienen orientierungslos. Saab abzuwickeln oder nicht, die Frage stand in Detroit regelmäßig auf der Agenda.

Die Entwicklungsallianz Schweden – Japan, der auf dem Subaru Tribeca basierende Saab 9-6x war serienreif, wurde 2005 beendet,  als GM die Anteile an den Japanern verkaufte. Heute stehen zwei Prototypen, ein Vier- und ein Zweitürer, im Saab Bilmuseum. Mehr ist davon nicht geblieben.

Etwa zur gleichen Zeit scheiterte die Liaison zwischen GM und dem Fiat-Konzern. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit Saab ist der ursprünglich als Lancia geplante Fiat Croma. Verräterisch ist die Position des Zündschlosses. Saab DNA im Italiener…

Auf einer gemeinsamen Premium Plattform sollten der Saab 9-5 Nachfolger und Alfa 159 entstehen. Brera und 159 kamen 2005 auf den Markt, mutierten zum Flop. Weil zu schwer, zu durstig, nicht überzeugend sportlich, zu wenig Alfa DNA. Der fertig gestellte 9-5 Nachfolger soll aus eben diesem Grund nie in Serie gegangen sein.

Hier setzt unser Videomitschnitt aus dem Jahr 2006 an. Bei Saab sollte es wieder nach vorne gehen. GM hatte sich entschlossen,  den Stecker (noch) nicht zu ziehen, das Problem wurde vertagt, und dem 9-5 wurde ein letztes Facelift gegönnt.

In Deutschland drehte sich in diesen Jahren das Personalkarussel in Turbogeschwindigkeit. Geschäftsführer Knuth Sexauer, er wird nur ein knappes Jahr bei Saab bleiben, gibt bei N-TV den Optimisten. Wenn man genauer zuhört, dann spricht Sexauer Worte, die sich 2010/11 bewahrheiten sollten. Saab aus GM herauslösen, das ist nicht so einfach.

Es geht im digitalisierten Mitschnitt um mehr Leistung für die Saab Modelle. Hirsch Performance, als kompetenter Ansprechpartner für geniale Turbo-Momente verantwortlich,  war die passende Adresse.  Die Hirsch Performance Saabs kamen als Komplettfahrzeuge 2006 in die Preislisten. Aus den Schweizern hätte, auf mittlere Sicht, für Saab so etwas wie die M-GmbH für BMW werden können.

Das Angebot damals passte. 300 PS im alten 9-5 sind eine Ansage. Hirsch spendierte unter anderem leistungsfähigere Bremsen, einen anderen LLK, ein geändertes Fahrwerk und modifizierte Software. Leider ist das Performance Kit für den Aero, das man damals auch nachrüsten konnte, nicht mehr verfügbar. Aber 260 PS im Serien Aero sind selbst heute noch genug Turbo-Spass,  um lässig im Saab unterwegs zu sein.

8 Gedanken zu „Saab Hirsch Performance

  • 21. Dezember 2014 um 12:20 PM
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    Wo Du das Video wieder nur wieder ausgegraben hast, Tom. Super! Dieser Beitrag ist seinerzeit doch tatsächlich an mir vorbei gegangen.
    Es wurde ja erfreulich positiv über unsere Marke berichtet. Der sonst immer zitierte “überforderte Frontantrieb” auch nur ganz nebensächlich angerissen. Stark auch der Satz, dass die Mitbewerber ihre Sport-Versionen mit “unnötigen” 400 und mehr Pferdestärken anbieten. (grins)
    Das ist doch ein schöner Advents-Sonntag – mit immerhin drei schicken und feurigen roten (Saab-)Kerzen. Die Vierte denken wir uns einfach dazu. 🙂
    Schöne Weihnachten Euch allen!

    • 21. Dezember 2014 um 5:22 PM
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      Beim “Ausgraben” haben unsere Freunde in Kiel ganz stark geholfen 😉

  • 21. Dezember 2014 um 7:42 PM
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    Ja, an die SAAB/Opel/GM-Krise 2004 kann ich mich noch lebhaft erinnern – das war das erste Mal, dass ich SAAB wirklich als Hersteller wahrgenommen habe.

    Aber nochmal eine Frage mit dem Zündschloss: Ist das des Fiat in der Mittelkonsole? Ich habe immer gedacht, der SAAB 9000 sei der mit dem Zündschloss in der “konventionellen” Position.

    • 21. Dezember 2014 um 7:58 PM
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      Beim Fiat Croma II ist er auf der Mittelkonsole. Croma I, der Tipo4 Verwandte vom 9000, hat die konventionelle 😉 Position.

  • 21. Dezember 2014 um 10:19 PM
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    Wieder ein interessanter Artikel und ein informatives Video. Aber zum Navi habe ich mal noch eine Frage. Fragt die Kritik nur auf den 9-3 zu oder würde das selbe Navi auch im 9-5 der Baujahre verwendet? Macht es aus heutiger Sicht überhaupt noch Sinn nach diesem Ausstatttungsmerkmal bei gebrauchten Modellen zu schauen?

    Danke für die kleine Info und noch einen schönen vierten Advent. =)

    • 22. Dezember 2014 um 1:58 PM
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      Gilt nur für den 9-3 bis Facelift, die Navis danach kamen aus den Konzernregalen und waren gut. Beim Gebrauchtwagenkauf wäre es für mich kein Kriterium, mobiles Navi rein und gut ist es 😉

      • 22. Dezember 2014 um 9:30 PM
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        Das ist gut zu wissen. Natürlich ist ein fehlendes Navi bei einem entsprechend Alten Auto kein Wi-Fi. Aber ein vorhandenes wäre schon ein Pluspunkt. Hätte ja sein können, dass es Findige in der Saab-Community gibt, die auch heute noch Updates für die Navis organisieren/aufspielen können.

  • 22. Dezember 2014 um 2:46 PM
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    Den Beitrag hab ich damals sogar auf VHS aufgenommen 🙂
    Ich müsste nur mal schauen wo die Kassette gebliben ist.
    Es ist schön den Beitrag mal wieder zu sehen. Hoffentlich kann man bald wieder Beitrräge über Neuwagen von SAAB sehen.

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