Bluestime Vol.1

Wenn der Oktober im Västragötland nass und unfreundlich wird, ist es an der Zeit, sich in den Flieger zu setzen und in freundlichere Regionen zu entfliehen. Vor allem dann, wenn Verhandlungen mühsam und schleppend laufen. So wie bei NEVS CEO Bergman, der vergangene Woche in Richtung Osten abgeflogen ist.

Saab Bluestime - mit Saab 9-5 NG und Saab 9-4x ©2014 saabblog.net
Saab Bluestime – mit Saab 9-5 NG und Saab 9-4x ©2014 saabblog.net

Eine smarte Entscheidung, denn ihm blieb die Farce erspart,  auf der Tagung der nationalen Autoindustrie zu sprechen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung in Schweden wäre jede Rede zum Thema Saab eine Art Selbstbeschädigung gewesen. Egal ob es dringende Verhandlungen, eine Ausrede oder nur der Blues waren – Bergman hat sich Einiges erspart.

Ich war in der letzten Woche nur eingeschränkt Blog-fähig, Mails wurden nicht beantwortet, Anrufe nicht getätigt. Wir haben Nachholbedarf, und aktuell steht die Frage im Raum: was ist los im Norden? Es geht um Saab Markenrechte und die Haltung der Saab AB dazu.

Vor einigen Tagen veröffentlichte mein Lieblingsjournalist Jonas Fröberg einen Artikel über seine Sicht der Dinge in Sachen Marken- und Nutzungsrecht. Ein wunder, wenn nicht sogar entscheidender Punkt, was die Verhandlungen von NEVS mit möglichen Käufern betrifft. Auch wenn man in der Stallbacka so tut,  als ob man Alles unter Kontrolle habe. Aber das hat man nicht…

Der Blick zurueck: Bloggers Rueckspiegel
Der Blick zurueck: Bloggers Rueckspiegel

Über den Saab Markennamen wachen Saab AB und Scania AB gemeinsam. Als das Werk und die Reste der Automobile AB 2012 an NEVS gingen,  gab es bei den Parteien einige Bedenken. Scania verweigerte NEVS den Greif, bei der Saab AB entschied man, vor allem um den Industriestandort Trollhättan zu stützen, NEVS die Nutzungsrechte unter Auflagen einzuräumen. So musste sich das neue NEVS-Saab-Logo auf den ersten Blick vom Markenzeichen der Saab AB unterscheiden. Die traditionellen Farben waren damit vom Tisch, NEVS wählte den schwarzen Hintergrund mit silbernen Schriftzug.

Zeitgleich mit dem Eintritt in die Rekonstruktion verlor NEVS die Nutzungsrechte wieder und soll sie, wenn es nach der Saab AB geht, auch nicht wiederbekommen. Zumindest nicht,  solange das zukünftige Konstrukt rund um NEVS eine Beziehung mit Dongfeng einschließt. Der chinesische Konzern ist ebenfalls im Rüstungsgeschäft tätig, er versorgt die chinesischen Streitkräfte mit Mobilität, Armeelastwagen tragen das Dongfeng Zeichen.

Die Abwehrhaltung der Saab AB ist verständlich, sie muss den Markenamen schützen. Denken wir an BAIC als negatives Beispiel. Der Staatskonzern spielt mit dem Saab Namen, Ursaab und Viggenfighter werden ungeniert zur Werbung für BAIC Produkte eingesetzt. Was, wenn Dongfeng einen Werbefilm  für Militärlastwagen ins Netz stellt…und im Vorspann mit Saab DNA wirbt? Der chinesische Staat hat die Eigenart, seine Armee als Argumentationshilfe einzusetzen, wenn die Bürger die Segnungen des Systems nicht ausreichend zu würdigen wissen. Produkte, die gegen friedliche Demonstranten rollen, sind schlecht für das Image. Dongfeng möglichst auf Distanz zu halten, ist das Mindeste,  was man in Schweden tun kann. Solange Dongfeng beteiligt ist, wird die Saab AB die Lizenz zur Nutzung der Markenrechte nicht mehr freigeben, stellt Jonas Fröberg fest. Punkt.

Falls die Geschichte mit Mahindra stimmen sollte oder – besser gesagt – immer noch aktuell sein sollte, könnte Mahindra die guten Beziehungen zur Saab AB nutzen und intervenieren. So unser Denken. Es scheint aber das Gegenteil der Fall zu sein, liest man bei Fröberg weiter. Mahindra möchte die langen und tiefen Beziehungen zu Saab nicht durch diesen Konflikt belasten und hält sich zurück. Was, so schreibt er, die Erklärung sein könnte, warum Alles mal wieder etwas länger dauert.

Ohne Saab Markenrechte ist Plan A von NEVS keinen Cent mehr wert, Plan B ist sowieso nur Verzweiflung pur. NEVS wäre früher oder später am Ende. Die Saab AB könnte dieses Risiko eingehen, denn die gerade mal 300 Arbeitsplätze bei NEVS sind ohne Belang. Bergman hat keinen einfachen Stand, und eigentlich hat er keinen Verbündeten auf seiner Seite. Wer auch immer irgendwas kaufen möchte, kann mit Ruhe abwarten,  was passiert. Scheitert die Rekonstruktion, zieht ein Insolvenzverwalter ein. Dongfeng und Mahindra oder wer auch immer, kaufen vom Wühltisch die Reste,  die sie sich aussuchen. Unter Zugzwang ist, bei diesem Hintergrund, nur NEVS. Niemand sonst.

Wirft sich für uns die Frage auf, ob die Lizenz für die Saab Markenrechte  überhaupt wieder vergeben wird? Oder haben wir das Ende der Nordland Saga erreicht? Die Antwort ist einfach. Ein Unternehmen, so wie es 2012 mit NEVS an den Start ging, hätte heute keine Chancen mehr. Das ist, mit Rückblick auf die Entwicklung der letzten Monate, auch gut so. Meine Nerven hätten sich gefreut, wäre ihnen das erspart geblieben !

Allerdings…kommt das richtige Unternehmen mit dem passenden Hintergund, dann werden die Schweden es mit offenen Armen empfangen. Auch Schweden braucht Arbeitsplätze und Investitionen, das Land kann es sich nicht erlauben,  dazu nein zu sagen. Es ist, wie oft im Leben, letztendlich nur eine Frage des Geldes. Saab als Marke fortzuführen ist interessant. Vielleicht nicht nur für Mahindra, denn ich könnte mir mittlerweile auch andere Investoren vorstellen. Mehr über die Gedankenspiele zum Saab Thema morgen in Bloggers Bluestime Vol.2.

8 Gedanken zu „Bluestime Vol.1

  • 20. Oktober 2014 um 12:07 PM
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    Um das Problem zu lösen bräuchte NEVS mehr als nur eine gute Idee. Jetzt verstehe ich auch warum wir schon wieder viel G…….. haben müssen. 😉

  • 20. Oktober 2014 um 12:13 PM
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    Klare Gedanken tun in diesen stürmischen Zeiten immer gut ! 🙂
    Danke Tom!

  • 20. Oktober 2014 um 12:15 PM
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    Nevs ist tote Hose, das war aber schon vorher klar. Die sind unfähig, einen Automobilhersteller zu führen oder zu entwickeln. Sie haben schlicht keine Ahnung davon. Das sind bestenfalls Komponentenfertiger. Es war ein schwerer Fehler der früheren Administratoren, Ihnen den Zuschlag zu geben. Das Automobilgeschäft ist brutal und braucht neben Know-how und langer Erfahrung enorme Mittel, um zu überleben und erfolgreich zu werden. Für start-ups mit vagen Ideen und Powerpoint Folien als Business-Plänen ist kein Platz. Kein ernsthafter Hersteller wird sich darauf einlassen, solange diese Leute irgendein Sagen haben sollen. Typischerweise sehen das gescheiterte Start-up Unternehmer nicht ein und nehmen den Verlust nicht, sondern hoffen wie schon VM mit immer neuen Verhandlungen jetzt noch auf ein gutes Ende. Obwohl realistischerweise wohl das definitive Ende von Saab naht, trotzdem good luck für die Marke und die Region.

  • 20. Oktober 2014 um 1:15 PM
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    So ganz kann ich die Gedankenspiele bezüglich Nutzung des Markennamens SAAB nicht nachvollziehen.

    Bei Dongfeng geht es doch lediglich um die Rechte an einer zum größten Teil fertig entwickelten Plattform – diese Plattform läuft unter der Bezeichnung PHOENIX-Plattform und wird wohl auch für künftige SAAB-Modelle Verwendung finden. Aber was hätte das Ganze mit Dongfeng-Militärfahrzeugen zu tun? Dieser Argumentation kann ich nicht folgen – selbst Chinesen könnten könnten hier keinen Zusammenhang mit ihren Miltärfahrzeugen konstruieren. Dies kann eigentlich nicht der Grund für die Zurückhaltung bei der Vergabe der Namensrechte sein – hier werden andere Dinge für Zurückhaltung sorgen. Vielleicht möchte die SAAB AB Dongfeng nicht mit im Boot haben, weil dieser Konzern auch Konkurrenz für die Vermarktung eigener Produkte nach Indien bedeuten könnte, wenn ein enges Zusanmmenspiel mit Mahindra entstehen würde. Dies könnte ich mir als Grund für eine Verweigerungshaltung eher vorstellen – aber auch hier hätte NEVS schlechte Karten, den Namen SAAB zurückzuerhalten.
    Es bleibt wohl nur die Annullierung der Verträge mit Dongfeng (falls dies noch möglich ist), um die SAAB AB glücklich zu machen – für den künftigen Großaktionär, der bei NEVS einsteigt, dürfte es dann aber etwas kostspieliger ausfallen, da er die künftigen Kosten bei der Wiederbelebung von SAAB fast alleine schultern müßte!

    SCANIA gehört bekanntlich zum VW-Konzern und hat mit der Vergabe des Markennnamens SAAB allerdings nichts zu tun – meines Wissens hat SCANIA bzw. der VW-Konzern nur Einspruchmöglichkeiten bzüglich der Ausgestaltung des Emblems (Greif) und wollten schon nicht, dass NEVS ein Emblem verwendet, welches dem LKW-Emblem ähnelt.

    • 20. Oktober 2014 um 2:20 PM
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      Ich denke die Vorbehalte mit Dongfeng sind nur ein Teil der Story. Leider bekommen wir immer nur Fragmente serviert, was sich wirklich abspielt, und wo die Beweggründe sind, das bleibt zum großen Teil verborgen.

  • 20. Oktober 2014 um 3:44 PM
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    Das beste Mittel um die Nerven zu schonen : Auch wenn`s schwer fällt sich damit abfinden das es keine Saab Neuwagen mehr geben wird , und falls doch noch was kommt , dann einfach freuen und zum Händler gehen.

    • 20. Oktober 2014 um 7:35 PM
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      Hallo Peter,

      wenn es keine SAAB-Produktion auf absehbare Zeit mehr geben sollte, hätten viele Dilettanten (GM, Insolvenzanwälte nach Spyker etc.) dazu beigetragen und im Falle von GM wäre dies sogar auf eine besonders miese Masche (Versagung von Lizenzen) zurückzuführen.

      Das alle diese Figuren mit ihrem Dllettantismus (bei GM geht es noch darüber hinaus) einfach so davon kämen, würde mich bei einem endgültigen Aus von SAAB-Automobile am meisten stören. Erst an zweiter Stelle käme der nicht mehr zur Verfügung stehende Nachschub
      von SAAB-Fahrzeugen aus Trollhättan – für uns SAAB-Eigner “das Auto”. Eine echte Alternative, die wirklich alle Kriterien erfüllt, wäre doch wirklich sehr schwer auszumachen – für mich käme dann ggf. vielleicht ein SUBARU oder evtl. der kommende “kleine” Jaguar in Frage.

      Aber wie von Dir richtig erwähnt, sollte Nachschub kommen, dann einfach freuen und zum Händler gehen!

      • 21. Oktober 2014 um 9:42 AM
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        Das Saab Automobile durch die Hände vieler Pfeifen und Traumtänzer gegangen ist, ist leider wahr , aber umso erstaunlicher ist da auch , das es so lange bis zum Ende gedauert hat .

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