SAAB Buch. Saab – Der Weg einer Kultmarke.

Noch ein Saab-Buch? Ja, noch eine neue Veröffentlichung und ein Buch, mit dem ich das ein oder andere Problem hatte. Ein Grund, warum die Besprechung des Buchs so lange gedauert hat. Denn immer wieder stellte ich mir die eine Frage: mag ich das Buch, oder mag ich es nicht. Denn so ganz einfach macht es uns der Autor Dieter Günter nicht.

Saab Buch: Der Weg einer Kultmarke
Saab Buch: Der Weg einer Kultmarke

Das Buch hat 160 Seiten. Davon sind 10 Seiten für Volvo reserviert. Volvo? Nein, ich habe nichts gegen die Göteborger. Im Gegenteil !  Wir Saab Fans sind tolerant. Aber… man stelle sich vor, es gäbe ein neues BMW Buch. Prominent – in der Buchmitte – wären dann 10 Seiten für Audi reserviert unter der Überschrift „Die andere bayerische Marke“. BMW Fans würden, mit Recht, Sturm laufen. Saab Fans aber akzeptieren diese Zumutung. Denn eine Zumutung ist es. Aber ist das Buch damit schlecht?

Nein, denn es gibt starke Seiten, die durchaus versöhnen können. Die Bilder sind sehr gut, teilweise noch nie gesehen. Die grafische Gestaltung ist hochwertig und anspruchsvoll, so dass es Spass macht, das Werk in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Ein weiteres Plus ist der sehr feine Erzählstil von Dieter Günter. Ich kenne und mag seine Artikel, die er für die FAZ schreibt, und seine spezielle Art zu schreiben versöhnt mit den 10 Seiten Volvo. Man spürt die lange Erfahrung als Motorjournalist, und dann gibt es noch eine Spezialität. Das Buch reflektiert nicht nur die Entwicklung der Marke Saab, es streift auch immer wieder den deutschen Markt und seine Besonderheiten. Ein Thema, das bisher in keinem anderen Buch über die Kultmarke aus Trollhättan behandelt wurde.

Sehr schön werden die Saab Klassiker beschrieben. Auch der Saab 9000 bekommt sein Kapitel und einen gebührenden Platz in der Saab Geschichte. So könnte es weitergehen, denkt man. Und dann…. Ja, dann wird eine große Chance vergeben. Dieter Günther hätte Saab 900 II, Saab 9-3 I und Saab 9-5 I so beschreiben können, wie es die Modelle verdient haben. Aber er vergibt diese Gelegenheit. Warum? Die Fahrzeuge der GM Ära werden komprimiert besprochen. Lieblos und schade darum. Da könnte man von den Schweden lernen. In Trollhättan ist man da schon weiter mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Im Magazin des Saab Museums stehen auch einige Cadillacs. Diese Fahrzeuge gehören mehr zu GM als zu Saab. Aber sie sind ein Teil der Geschichte und werden deshalb nicht schlechter behandelt als die Fahrzeuge mit dem Saab Logo.

Im letzten Kapitel geht es dann um die Zukunft von Saab. Der Autor hat dieses Kapitel erst zum Jahresbeginn geschrieben, um möglichst aktuell zu sein. Der letzte Satz im Buch lautet dann „Blicken wir also nach vorn!“. Ein schöner Abschluss eines Buchs mit einer großen Ungereimtheit und einer vergebenen Chance. Trotzdem, vor allem durch den Stil des Autors, ein lesenswertes Buch, wo die positiven Dinge überwiegen. Ein versöhnliches Ergebnis also?

So fast ! Ich mag das Buch, es hat einen festen Platz in meinem Bücherschrank, das gebe ich zu. Aber es hat einen Beigeschmack, den ich nicht für mich behalten mag. Denn zur gleichen Zeit, als der Delius Verlag sein Saab Buch realisierte, lief bei einem anderen deutschen Verlag ebenfalls ein Saab Projekt. Der Autor, mit einem 100 % Saab Hintergrund, wäre nicht auf die Idee gekommen, 10 Volvo Seiten in ein Saab Buch zu packen. Er hätte mit Sicherheit die GM Ära besser behandelt und er hätte auf Grund seiner Lebensgeschichte noch mehr Saab in das Buch gepackt. Mit dem Erscheinen „Saab – Der Weg einer Kultmarke“ wurde dieses Projekt auf Eis gelegt.

Was bedauerlich, aber hoffentlich nicht das letzte Wort ist. Denn die Saab Geschichte geht weiter und bleibt nicht im Frühjahr 2013 stehen. Die nahe Zukunft könnte interessant werden und damit Platz für eine weitere deutsche Publikation machen. „Saab – Der Weg einer Kultmarke“ ist im Buchhandel und in unserem Fanshop erhältlich.

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

 

4 Gedanken zu „SAAB Buch. Saab – Der Weg einer Kultmarke.

  • 12. Juli 2013 um 1:30 PM
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    Voller Freude habe ich das Buch gekauft weil genau, wirklich genau der Gleiche – mein erster Saab das Titelbild zierte – noch grösser war die Freude als ich im Buch den Volvo (Farbe stimmt nicht) sah der mich in meiner Jungesellenzeit vor dem Saab begleitete 🙂
    Jetzt habe ich zwei Fliegen auf einen Streich!
    Tom – ich habe aber jetzt natürlich einen Aero V6 turbo xwd – also keine Angst es steht kein falscher Schwede bei mir.

    Gruss aus Davos
    Andy Hirschi

  • 12. Juli 2013 um 4:41 PM
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    ….das Projekt „SAAB-Buch“ auf Eis gelegt. Ich kann nur sagen: Schade! Denn für mich kann ich sagen: Der Trent geht zum „Zweit-Buch“!!! Warum so ängstlich??? Gibt doch auch mehrere Krimiautoren, Romanautoren, Bücher über Italien oder Schweden etc.!
    Mich haben die Volvo-Seiten nicht gestört. Liegt aber an meiner „Toleranz“ den Mitschweden gegenüber. Ansonsten habe ich das Buch incl. der guten Fotos zügig durchgelesen! Nette Lektüre für ein SAABig sonniges Wochenende!

  • 12. Juli 2013 um 4:50 PM
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    Bei den Volvo Seiten wusste ich anfangs auch nicht ob ich weinen oder lachen soll. Tom bringt das recht charmant auf den Punkt. Bei BMW/Audi wäre alles viel schlimmer gewesen. Ich mag das Buch und bitte, liebe Verlage, macht noch mehr SAAB Bücher!

  • 15. Juli 2013 um 9:53 AM
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    Wenn der Verlag das Projekt auf Eis legt – selbst schuld. Dann dürfte auch kein einziges Porschebuch welches sich mit der Vergangenheit beschäftigt erscheinen. Ich habe mittlerweile fast alle deutschsprachigen Erscheinungen zu Saab gelesen. Die gibt es ja nach wie vor zu kaufen, wenn man danach sucht. Was für mich als Bucherscheinung Sinn machen würde wäre der Zeitraum ab 1997 mit Einführung des 9-5 bis in die Jetztzeit. Alles andere ist den Fans eigentlich schon bekannt. Aber jedes Buch hat seine Berechtigung und wir dürfen für jede Erscheinung dankbar sein. Es gibt ja auch Leser die wenig(er) Hintergrundwissen haben oder auch wollen.

    Wiese werden eigentlich die englischsprachigen Bücher von Cole nicht ins Deutsche übersetzt?

    Schönen Gruss!

    Matthias

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