Autosalon Genf. Die Newcomer Qoros 3 und Tesla S

Mit Spannung wurde der erste europäische Auftritt von Qoros erwartet. Nicht nur wir waren voller Erwartungen, auch die Autopresse stürzte sich in Genf auf die neue Marke aus China. Eric Geers, ehemaliger Saab Pressechef, hatte uns Saab-DNA im Qoros versprochen. Und Qoros selbst sieht sich als erste Premiummarke aus China.

Qoros 3
Qoros 3

Beides, da kann man beruhigt sein, trifft nicht zu. Wir haben bis auf einen Turbolader unter der Motorhaube nichts gefunden, was auf Saab hinweist, und die Geschichte mit dem Premiumanspruch ist so eine Sache. Denn der Qoros hat – nach dem ersten Eindruck – zwei Gesichter. Da wäre das Außendesign, welches von Altmeister Gert-Volker Hildebrand, der Mann der den Mini designte, entworfen wurde. Die Hülle ist wertig und routiniert gezeichnet, kleine Details wie der Qoros Schriftzug in den Scheinwerfern und Rückleuchten zeigen Liebe zum Detail. Aber das ist nicht neu, der Volkswagen-Konzern lässt grüßen.

Dem Qoros Logo, das an eine große Sprechblase erinnert, kann der zukünftige Käufer nicht entkommen. Im Grill wird immer wieder das Markenzeichen zitiert, und das ist etwas zuviel des Guten. Das Austellungsfahrzeug selbst, es hatte einen 1.6 Liter Turbo unter der Haube und ein Doppelkupplungsgetriebe und wird in dieser Konfiguration erst später auf den Markt kommen, machte einen dynamischen und wertigen Eindruck. Bis man den Innenraum betritt, der das zweite Gesicht des Qoros zeigt.

Der erste Eindruck zeigt, dass Qoros trotz europäischer Entwicklungshilfe noch ein Stück vom Premium entfernt ist. Die grauen Kunststoffe sind auf Opel- oder Ford-Niveau oder ein Stück weit unterhalb. Vielleicht hätte ein schwarzes Innenraumdesign, wie auf den ersten Pressefotos, einen besseren Einruck gemacht. Manches ist zudem recht instabil wie das Handschuhfach oder das kleine, klappbare Ablagefach an der Fahrerseite. Das Cockpit ist unmotiviert designt, der große Touchscreen lieblos in das graue Plastik eingepasst. Durfte oder wollte Hildebrand hier nicht mehr bieten? Fest steht: die Hülle ist gut, der Innenraum braucht mehr Liebe zum Detail.

Der Qoros Touchscreen spricht “Microsoft” und bringt iphone Integration. Mit zwei Fingern kann man durch die Menüs scrollen, und es geht alles einfach und recht intuitiv. Wenn es mag…denn manchmal stellt sich das Display einfach tot und mag nicht. Qoros ist ausserdem noch ein gutes Stück hinter dem zurück, was an Grafik machbar wäre, aber das kann ja noch werden. Was geht, zeigt Tesla, auch ein junges Unternehmen, auf einem höherem Niveau.

Hinter Qoros stehen große Namen wie Magna Steyr, TRW, Continental, Bosch, Getrag, Benteler, Lear, Microsoft und Harman, die Entwicklungshilfe geleistet haben. Für ein neues Auto einer neuen Marke ist der Qoros 3 recht beachtlich, auch wenn das Ausstellungsstück noch manche Schwäche im Detail hatte. Beispiel gefällig? Ganz einfach in den Qoros setzen, Türe schließen. Zwischen Türverkleidung und B-Säule leuchtet das weiß lackierte Blech Zentimeter breit.

Die Chinesen geben Gas. Zum Jahresende startet die Limousine in Europa, dann werden alle 6 Monate Neuheiten nachgelegt. Kombi und Schrägheck standen bereits auf dem Messestand. Deutschland steht 2014 auf der Liste. Qoros sollte man ernst nehmen. Audi tut das bereits und hat vor Genf den Chinesen die Nutzung des Buchstabens “Q” verboten.

Ernst genommen hat man auf dem Qoros Stand auch die drei “Saab Besucher”, die sich intensiv mit dem Auto beschäftigten. Sehr höflich wurde ich nach einiger Zeit gebeten, den Platz im Qoros 3 für einen anderen “Kunden” zu räumen ;-).

Quoros Check:

Einsteigen: Weil der Arbeitgeber Qoros heißt oder weil man chinesischer Staatsbeamter ist. Warum sonst?

Aussteigen: Weil es in diesem Marktsegment ein Dutzend guter Alternativen gibt, die nicht aus China kommen.

Tesla S auf dem Autosalon in Genf
Tesla S auf dem Autosalon in Genf

Tesla S

Ist die Zeit der Elektroautos vorbei, bevor sie begonnen hat? Man könnte den Eindruck gewinnen, denn die Renault-Elektroflotte fand kaum Beachtung, der Fisker Stand war wenig besucht, und auch bei Tesla war das Interesse der Journalisten eingeschränkt. Was auf den ersten Blick schade ist. Denn der Tesla S lockt mit fast 500 Kilometern Reichweite und einem aufregenden Design. Also sind wir voller Spannung über den Tesla Stand geschlendert…

Es gibt da diese Autos, die sehen in Natura besser aus als auf Fotos. Beim Tesla ist das merkwürdigerweise umgekehrt. Das Auto sieht, wenn es vor einem steht, weniger gut und spektakulär aus als erwartet. Der Tesla erscheint konventionell und unscheinbar, vielleicht waren wir von Fisker zu sehr verwöhnt in Bezug auf Design. Leider setzt sich dieser Eindruck auch im Innenraum fort. Tesla bemüht, mal wieder, dieses Premium Wort. Der Tesla ist kein Premium, der Tesla ist ein US Car. Ein dünner Sitzbezug tierischen Ursprungs, angeblich Nappaleder, mit Alcantara- Akzenten. Billiger Kunststoff und ein billiges, mir fällt kein anderes Wort ein, Innenraumdekor, so wie es die Amerikaner lieben. Auf dem Sitz neben mir saß ein asiatischer Besucher, der fotografierte und kopfschüttelnd Notizen machte. Auch er sprach von einem “..cheap US Car…“.

Kann ja für die Europaversion noch besser werden, denn Tesla startet mit dem S in Deutschland mit Preisen zwischen 71.000 bis 109.000 €. Da wird mehr erwartet ! Das Highlight des Tesla, gleichzeitig aber auch eine Frage des Geschmacks, ist der große 17” Monitor im Armaturenbrett. Wow, mag man denken, denn die Computermenüs und die Grafik sind erste Sahne. Zumindest die gezeigten Details gefallen, die Grafik ist schnell, schön, und jeder Fahrer kann mit ein paar Klicks seine persönlichen Vorlieben konfigurieren. Im Gegensatz zum Qoros, der gegen den Amerikaner uralt aussieht,  funktioniert im Tesla alles perfekt, und wer will, der kann gleichzeitig die aktuelle Tageszeitung lesen, während auf dem anderen Teil des Monitors eine Fernsehsendung läuft.

Was den Tesla sympathisch macht, ist sein Schrägheck. Eine große Heckklappe traut sich in diesem Marktsegment sonst niemand. Dazu kommt ein zusätzlicher Kofferaum vorne und ein großes Panoramadach. So gefällt es, und der Tesla ist auf jeden Fall eine interessante Story. Denn die Marke geht ihren eigenen Weg und macht das, was andere Hersteller gerne machen würden. Über Blogs arbeitet man am Aufbau einer Tesla Community. Zumindest da ist Saab schon einen großen Schritt den amerikanischen Elektroauto-Pionieren voraus.

Tesla Check:

Einsteigen: Weil der Tesla einen coolen Flatscreen hat und München-Frankfurt mit einer Batterieladung möglich ist.

Aussteigen: Denn Chevy-Plastik für 71.000 € ist dann doch zuviel verlangt.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

 

 

10 Gedanken zu „Autosalon Genf. Die Newcomer Qoros 3 und Tesla S

  • 11. März 2013 um 4:40 PM
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    Mal sehen, wie die Crash-Werte des Qoros ausfallen – an SAAB-Niveau werden diese trotz westlicher Beteiligung vermutlich nicht heranreichen.

    Gibt es über Muller / Spyker doch nichts zu berichten ?

  • 11. März 2013 um 5:37 PM
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    Mal ehrlich, Qoros ist bei diesem kopierten Gähn-Design und den angedachten Preisen eine Lachnummer.
    Ernst nehmen könnte man Qoros, wenn die (Preis-) Orientierung Richtung Dacia ginge.
    Schaut euch die Front an: Renault Laguna ab 2001 lässt grüssen (wenn der obere Teil beim Laguna schwarz ist… vor 12 Jahren!)
    Und die Rückleuchten beim Kombi? Sind die direkt aus Wolfsburg aus dem Golf 6 Regal?
    Wer soll so ein Auto kaufen?

    SG
    Klaus

    • 11. März 2013 um 7:14 PM
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      Mich erinnert die Front eher an Chevro… Verzeihung, an Daewoo. Daß man diese Gurken in eine Reihe mit Camaro, Corvette und Impala(!) stellt, ist unverzeihlich, auf ewig!

      Mit den Dacia-Preisen könntest Du aber recht haben, ich habe mittlerweile aus verschiedenen Quellen vernommen, daß der Qoros 3 um 12 – 14.000 € kosten soll. Damit wäre er so am oberen Ende der Dacia-Skala, sieht aber um einiges besser aus. Ein Problem habe ich dann aber doch, nämlich welche Käuferschicht in Europa Qoros ansprechen will. Ein großes Auto für wenig Geld, schön und gut. Wer wenig Geld ausgeben will, sucht aber eher nach einem Kleinwagen. Und wer ein Auto in der Größe des Qoros 3 sucht, wird wohl ob des “Billig”- und “China”-Labels die Nase rümpfen. Wer will schon dauernd erklären, wo die Komponenten herkommen?

      Aber immerhin, nach Landwind (erinnert sich noch jemand an diesen rollenden Schrotthaufen? Die Schrotthaufen dieser Welt mögen mir den Vergleich verzeihen…), und Brilliance – bei denen noch das Verpackungsmaterial an den Komponenten im Innenraum klebte – ist der Qoros ein weiterer Schritt nach vorne. Immerhin ist anscheinend jemandem aufgefallen, daß es ohne Entwicklungshilfe aus Europa doch noch nicht so ganz geht. Und die Zulieferer haben ja nun alle klangvolle Namen und viel Erfahrung.

      • 11. März 2013 um 7:22 PM
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        Laut Qoros deutlich unter 20.000 € für den Einstieg. Auf der Qoros Seite kann man seinen “Wunsch-Chinesen” schon konfigurieren.

      • 11. März 2013 um 8:30 PM
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        Premium erwarte ich (noch) nicht. So ein Qoros verkauft sich nicht über Emotionen, sondern über den Preis. Wenn die Chinesen preisagressiv in den Markt treten, wird es erste Achtungserfolge geben. Vorraussetzung ist natürlich ein vernünftiges Händlernetz. Optisch (Aussendesign) finde ich die Modelle schon mal ansprechender als die Billigmarken von GM oder VW… An der Materialqualität kann man ja bis zur Serienfertigung noch arbeiten.

  • 11. März 2013 um 11:26 PM
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    Ich würde doch vorsichtiger die Sache mit den Chinesen angehn und dabei nur an die Japaner in den 1980-er Jahren und an die Koreaner seit 2000 erinnern… Und die Chinesen sind SEHR fleissig,schnell und lernfähig…
    Es wird nicht so lange dauern und wir Europäer werden nach China fahren müssen um Sachen zu lernen!!!

    • 12. März 2013 um 9:08 AM
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      Sehe ich nicht so, da steckt viel Hype und Furcht dahinter. Letztens habe ich im Physik-Journal (DPG-Monatszeitschrift) einen sehr interessanten Artikel über Forschung in China gesehen. Zusammengefasst kann man sagen, daß insbesondere der Nachwuchs dort zwar durch hervorragendes Literaturwissen auffällt, aber es an der Kreativität und Eigeninitiative dann doch hapert. Zudem wird lieber erforscht, was grade in den betreffenden Fachgebiet schon in Europa oder Amerika en vogue ist, aber keine eigenen Akzente gesetzt.

      Und machen wir uns nichts vor: Um einen Motor zu bauen, der ein Spitzenprodukt ist, ist etwas mehr nötig, als die Theorie von Kreisprozessen vorzubeten.

      • 12. März 2013 um 11:25 AM
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        Artikel können sehr interessant sein. Eine andere Angelegenheit ist die Wirklichkeit. Man muss nach China fahren und die vielen Jungunternehmer anschauen,teilweise Multimillionäre die in Ferraris durch die Gegend brausen. Glaube nicht dass denen Initiative fehlt…
        Allerdings hoffe ich, dass die ihre Gefährte bald in Saabs umtauschen!

  • 12. März 2013 um 8:28 AM
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    Ich denke man sollte nicht so einen Wirbel um die chinesischen Kisten machen. Die werden — SAAB — NIE –erreichen. Fürchte nur, dass es irgend wann so kommt wie mit Volvo. Die Chinesen werden Ihr Auto bauen u. kein skandinavisches, egal ob Volvo oder Saab. Hier geht es nur um Abkupfern u. Ausbluten wie die Ami es mit Saab getan hatten. Jedenfalls werde ich mir nie ein Auto aus China kaufen. Saab bleibt Saab.

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