SAAB Bücher: Saab 900 – eine schwedische Geschichte

Wie versprochen beginnen wir heute mit unserer Saab Bücher-Reihe. Vor 20 Jahren erschien Anders Tunbergs Saab 900 Buch, und zwei Jahrzehnte können eine lange Zeit sein. In diesen Jahren hat sich die Autobranche stark verändert, und einige Automarke sind mittlerweile verschwunden. Saab stand damals mitten im Umbruch. GM war mit 50 % in Trollhättan eingezogen, und in der Stallbacka regierte mit Keith Butler-Wheelhouse der erste Manager aus dem US Konzern.

Saab 900 eine schwedische Geschichte von Anders Tunberg
Saab 900 eine schwedische Geschichte von Anders Tunberg

Butler-Wheelhouse ist heute noch in Schweden gerne gesehen. Das Butlers in Trollhättan ist, so erzählt es die Saab-Legende, auf seine Veranlassung und auf Initiative des damaligen Volvo-Aero Chefs entstanden. Vorher soll es im kleinen Städtchen kein Restaurant gegeben haben, in das man seine internationalen Gäste hätte führen können. Aber auch das ist 20 Jahre her, und Trollhättan bietet dem Gast mittlerweile Einiges mehr. Butler-Wheelhouse, der auch den Begriff „Saabisch“ definierte, kehrte mit eisernem Besen. Reduzierte die Belegschaft drastisch, schloß das unrentable Werk in Malmö und peitschte den neuen Saab 900 zur Serienreife.

Rigoroses Durchgreifen war bitter nötig. Denn die Saab-Krise war tiefgreifend, die Bänder standen auf Grund mangelnder Nachfrage über Wochen immer wieder still, und der klassische Saab 900 hatte seinen Zenith schon lange überschritten. In dieser Situation entstand der neue Saab 900, und das Buch beschreibt sehr offen Probleme, die Saab hatte, um dieses Projekt zu realisieren. Heute würde so viel Offenheit nicht mehr autorisiert werden, aber vor 20 Jahren war das machbar.

Saab 900 Entwurf von Einar Hareide
Saab 900 Entwurf von Einar Hareide

Worum es im Buch geht…

Neben einem Ausflug in die Saab-Geschichte, die schön bebildert ist, bietet Autor Anders Tunberg auch Hintergrundwissen zur Vorgeschichte des neuen Saab 900. Mit einem Augenzwinkern merkt Tunberg an, dass Saab den alten 900 wohl noch gerne weiter gebaut hätte. Aber der Geschäftsleitung in Trollhättan war schon zu Beginn der 80er Jahre klar, dass für den klassischen Saab 900 ein Nachfolger gefunden werden musste. Das Konzept, eigentlich noch auf dem 99 basierend, war ausgereizt, und eine wirtschaftliche Fertigung wurde immer schwerer.

1985 startete das Projekt x67, ein neuer Saab 900 auf Bodengruppe des Saab 9000. Schnell merkte man, dass man damit ein Auto mit merkwürdigen Proportionen und vor allem zu teuer und zu nahe am 9000 bekommen würde. Trotzdem wurde die Idee weiterverfolgt, auf einer Bodengruppe zwei unterschiedliche Autos zu bauen.

Heute ist das Alltag, der VW Konzern spielt diese Geschichte virtuos. Ein Audi, ein Skoda, ein VW und ein Seat teilen die gleiche Basis. Keinen interessiert es, keiner merkt es. Damals war es Neuland, und Saab kam als kleine Firma an die Grenzen. Projekt x67 wurde nicht fortgeführt und mündete in Projekt X68a und X68b. Um zwei getrennte Projekte zu realisieren, wurden Aufträge an externe Firmen vergeben, darunter an Abtech. Die Engländer erstellten eine 5-türige Studie, aus welcher der Saab 9000 CS als Nachfolger des 9000 CC entstand. Für die Schweden war damit die zweite 9000 Generation geboren, aber immer noch kein Saab 900 Nachfolger.

Einar Hareide, noch sehr jugendlich, arbeitet am Saab 900 II
Einar Hareide, noch sehr jugendlich, arbeitet am Saab 900 II

1988 stellte man die Entwicklung des X68 Projekts ein und startete mit Projekt 102 neu durch. Erneut auf Saab 9000 Basis, diesmal aber mit den Kernwerten, die den 900 populär gemacht haben. Also ein Kombi-Coupe mit dem typischen Saab-Hockey-Stick in der C-Säule. Das Ergebnis – ein Bild der Studie findet sich im Buch – konnte sich sehen lassen. Allerdings war man mit den Abmessungen und mit dem Preis erneut zu nahe am Saab 9000.

Die Lösung kam 1989. Im Dezember stieg GM mit 50 % ein, und die Schweden bekamen Zugriff zum GM Baukasten. Ein Sündenfall, wie wir heute wissen. Aber wirtschaftliche Notwendigkeit.

Projekt 104, oder es funktioniert eben erst im vierten Anlauf.

Im Dezember 1989 überprüfte Saab in einer Schnellstudie die Kompatibilität von GM/Opel Teilen mit dem Projekt 102. Das Ergebnis sah gut aus, denn in Rüsselsheim war eine Bodengruppe vorhanden, die das dringliche Saab Problem lösen konnte. Aus dem Projekt 102 wurde das Projekt 104. Das Überleben von Saab hing am neuen Saab 900.

Der Zeitplan war ambitioniert, denn Saab verlor Geld. Tag für Tag. Erster Prototyp im Mai 1991, Serienanlauf in der 31. Woche 1993. Das Buch beschreibt die Entwicklung und die Saab-Philosophie hinter jedem einzelnen Bauteil. Was GM angeht, so kann man die Einstellung der Schweden wie folgt beschreiben: „Hej Guys, danke für die Bodengruppe. Wir haben damit unser Problem gelöst. Alles andere haben wir dann doch lieber selbst entwickelt oder von unseren eigenen Lieferanten geholt…

So ging der neue 900 auf Tour zu den internationalen "Clinics"
So ging der neue 900 auf Tour zu den internationalen „Clinics“

Was uns am Buch gefallen hat…

Eine Stärke des Buchs sind die vielen Bilder und Skizzen mit den verschiedensten Entwürfen und Prototypen. Auch externe Designer wie Pininfarina oder American Sunroof Company. Bei Einigen ist man froh, dass sie nicht in Serie gegangen sind. Andere hätten durchaus Potential gehabt. Immer wieder sieht man auf Bildern das Saab Management in einem dieser geheimen Höfe in Trollhättans Design Center stehen und die Prototypen betrachten. Und man sieht den damals noch sehr jugendlichen Saab Designer Einar Hareide bei der Arbeit. Ein Stück spannender Saab Geschichte.

Umweltschutz, Ergonomie bis ins kleinste Detail und warum der Türgriff am neuen 900 so ist wie er ist und bis zum 9-5 so blieb…die ganze Saab Philosophie kommt hier zur Sprache. Das damals neue „Black Panel“, auch als „Night Panel“ bekannt, wird als ein neues Stück „Saabismus“ vorgestellt, und so ist das Buch voller wunderbarer Saab-Details. Stoff für Saab-Leseabende, geballt auf 144 Seiten.

Und was nicht…

Auto-Literatur lädt natürlich immer auch zum Flunkern ein. Das ist immer so gewesen, wird auch immer so sein. Niemals würden wir in einem Audi Buch, falls wir ein solches überhaupt lesen würden wollen, etwas Lobendes über einen Seat Kollegen lesen, von dem die Idee ursprünglich kam. Bei Tunberg und dem Saab Buch ist es ähnlich. Die Flunkerei hält sich allerdings in Grenzen. Der im Saab 902 eingebaute V6 sei in Trollhättan entwickelt, was starker Tobak ist. Die Maschine stammt aus englischen GM-Regalen, was nichts ändert, dass auch dieser Motor seinen Reiz hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Resümee…

Die schwedische Saab 900 Geschichte von Anders Tunberg atmet viel Saab Spirit. Jetzt, mit einem Abstand von 20 Jahren, verändert sich mancher Blickwinkel. Vielleicht auch deshalb, weil das Mantra der Motorpresse „…ist doch nur ein Opel..“ mittlerweile verstummt ist. Auch in den Verlagen hat man gemerkt, dass kleine Hersteller das Sahnehäubchen auf der täglichen Arbeit als Motorjournalist sind oder waren. In einer Monokultur der Großkonzerne ist es eben fad zu arbeiten.

Der Nachfolger der Legende aus Trollhättan hatte es schwer. Vielleicht auch deshalb, weil Saab nicht in der Lage war, all die fortschrittlichen Kleinigkeiten dem Kundenkreis zu kommunizieren. Ein schlechtes Abschneiden im Norm-Crahstest, die Schweden hatten sich in ihrem Sicherheitsdenken zu sehr am wirklichen Leben orientiert, ruinierte den Ruf zusätzlich.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Saab, und auch der 902, stehen in einem neu erwachten Interesse. Man merkt es an Tunbergs Saab Buch. Wie viele Saab Bücher nur noch antiquarisch zu bekommen, war es lange Zeit recht unbeliebt. Bei einer bekannten Internet Plattform gingen die Bücher in den letzten Jahren für durchschnittlich 10,00 € über den Tresen.

Mittlerweile haben sich die Preise vervielfacht. Vor Weihnachten war bei ZVAB ein Exemplar für über 100,00 € im Angebot. Was soll ich sagen?  Verkauft !  Auch das eine stille Wiedergutmachung für den ungeliebten Nachfolger des Saab 901.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

Informationen zum Buch:

Titel: Saab 900 Eine schwedische Geschichte

Autor: Anders Tunberg

Verlag: Motorbuch Verlag Stuttgart

Publiziert: 1993

Bezug: Antiquarisch

 

 

 

 

2 Gedanken zu „SAAB Bücher: Saab 900 – eine schwedische Geschichte

  • 23. Februar 2013 um 1:14 PM
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    Ein sehr schöner Bericht und wie ich finde auch ein sehr interessantes Buch .Habe es auch, aber mit einem anderen Einband, aber auch von 1993.
    Schönes verschneites Winterwochenende!
    Gelegenheit zum Saab-Buch lesen.




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  • 23. Februar 2013 um 8:58 PM
    Permalink

    hab es nach unserem erstem saab geschekt bekommen, …muß es mal wieder zur hand nehmen




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Kommentare sind geschlossen.