Saabblog.net fährt den Saab 9-3 TTID4: Ein starkes Teil.

Saab 9-3 TTID, Powerdiesel, starker Auftritt
Saab 9-3 TTID, Powerdiesel, starker Auftritt

Saab hat mit dem 9-3 TTID4 einen starken Umweltdiesel im Programm. Eigentlich bin ich kein Diesel Fan, für die Diesel Fraktion ist Saab Blogger Marco zuständig, aber was soll man machen wenn man im Saab Zentrum Frankfurt den Schlüssel für einen nagelneuen Saab 9-3 TTID4 in die Hand gedrückt bekommt ?

Wir haben den Saab sowohl auf der Autobahn als auch im Spessart über Landstraßen der dritten Kategorie bewegt und waren begeistert. Das Auto hat nur ein ganz arges Problem, aber dazu kommen wir später.

Wir steigen ein, starten, und rollen los Richtung Autobahn. An der Ampel unsere erste Überraschung. Neben uns steht ein BMW, der Fahrer reckt seinen Kopf und inspiziert unseren Saab ganz genau. Gut der Saab ist in der Farbe Java Metallic ein Hingucker, aber so auffällig ? Wir gewöhnen uns daran, denn so geht es uns auf der ganzen Strecke, Fahrer deutscher Premiumfabrikate finden den Saab schick. Vor allem Audi und BMW Piloten in den jüngeren Jahren verdrehen den Kopf.

400 NM, 180 PS, Bi-Turbo
400 NM, 180 PS, Bi-Turbo

Der Saab Bi-Turbo Diesel:

Der Motor ist zweifellos ein Sahnestück. Zwar war unser Saab noch keine Griffin Ausführung, die war auf Grund der Engpässe in Trollhättan noch nicht verfügbar, aber der 180 PS starke Doppelturbo Heizölbrenner aus unserem 9-3 ist die aktuelle Antriebseinheit.

Beim Start bemerkt man für einige Sekunden den Diesel, dann läuft die Maschine rund. Der Antritt aus niedrigen Drehzahlen ist famos und gibt im Saab 9-3 TTID das Gefühl von viel Hubraum und viel Drehmoment. Das hat der Saab, 400 NM stehen zur Verfügung, man hat Kraft in jeder Lebenslage. Der Motor ist niemals aufdringlich und erinnert mit einem sehr angenehmen, dunklen Hintergrundgeräusch stets sehr dezent, niemals lästig oder dröhnig an seine Präsenz. Die Leistungsabgabe geschieht bemerkenswert kultiviert, kein Turboloch aber auch kein brachiales Einsetzen von Turboschub.

Bi-Xenon, Kurvenlicht, LED Standlicht
Bi-Xenon, Kurvenlicht, LED Standlicht

Getriebe:

Unser Saab war mit einem 6-Gang Schaltgetriebe ausgerüstet. Im Gegensatz zu früheren Baujahren war die Führung nicht hakelig, die Gänge stets sauber und präzise zu schalten. Die Getriebeabstufung ist passend. Ich persönlich würde für einen Diesel mit dieser angenehmen “Schiffsdiesel Charakteristik” immer ein Automatik Getriebe bevorzugen.

Fahrwerk/Bremsen:

Der Saab 9-3 TTID4 Vector kommt in Serie auf 7,5×17″ Alu Felgen, liegt satt und souverän auf der Strasse. Sowohl im Stadtverkehr, als auch auf der Autobahn fühlt man sich stets sicher und beherrscht das Fahrzeug in jeder Situation.

Auch bei hohen Geschwindigkeiten, der Diesel läuft maximal 225 km/h, ist der Saab ohne Tadel. Frühe 9-3 II Baujahre wurden bei höheren Geschwindigkeiten nervös, das Heck wurde leichter, diese Eigenart hat der aktuelle 9-3 nicht mehr.

Auf Landstrassen geht er gut durch die Kurven, verleugnet aber beim ambitonierten Herausbeschleunigen nicht ein Fronttriebler zu sein. Die Meldungen am aufpreispflichtigen “Super Sport Lenkrad”, das toll in der Hand liegt, sind deutlich aber niemals kritisch. Der Saab bleibt auch beim Flug über die Landstrasse ein reiner Spaßmacher.

Das ESP ist gut abgestimmt und greift sehr diskret aber wirksam ein. Auch die Bremsen sind so, dass man einfach nur eines sagen kann: Perfekt.

Ergonomisches, Saab typisches Cockpit
Ergonomisches, Saab typisches Cockpit

Innenraum/Klimatisierung/Navigation:

Ein Saab ist ein Saab – oder ? Steigt man nachts in einen Saab 9-3 findet sich auch jeder nicht Saab Fahrer sofort zurecht. Gut, Fahrer aus der süddeutschen Premiumfraktion müssen erst das Zündschloß finden, aber dannach steht der reinen Fahrfreude nichts entgegen. Das Cockpit ist klar und selbsterkärend, im Laufe der langen Bauzeit gereift. Alle Bedienungseinheiten sind gut zu finden, die Anzeigen gut abzulesen. Der geteilte, Saab typische Tacho, ist wieder da – nachdem er einige Zeit dem GM Sparwahn zum Opfer gefallen war.

Die Sport Komfortsitze mit einer Stoff-Lederkombination sind Saab typisch bequem und langstreckentauglich. Auf den Rücksitzen ist mehr Platz als man denkt, allerdings für längere Strecken sollte man maximal 2 Personen einplanen.

Die 2-Zonen Klimaautomatik arbeitet präzise und unauffällig. Die Bedienung ist denkbar einfach. Das aufpreispflichtige Navigationssystem, mit Touchscreen und Sprachsteuerung hinterließ eine geteilte Meinung. Die Bedienung ist einfach und schnell, die Sprachsteuerung akzeptiert auch Bediener mit hessischem Zungenschlag. Überholt ist die grafische Darstellung des Systems. Günstige, mobile Navigationsysteme können dies besser.

Asymetrischer Saab Tacho, Turbo Ladedruck Anzeige
Asymetrischer Saab Tacho, Turbo Ladedruck Anzeige

Verarbeitung / Qualität:

Von den frühen Baujahren der Saab 9-3 II Serie waren wir wenig begeistert. Nach dem letzten Facelift und der Saab Unabhängigkeit hat die Verarbeitungsqualität ständig zugenommen und ist jetzt auf einem hohen Niveau. Bei unserem Testwagen war kein Klappern und kein Knarzen festzustellen. Alles ist routiniert verabreitet, die Spaltmaße stimmen. Unser zweifarbiger Innenraum war nobel und freundlich, das Holzdekor machte einen guten, hochwertigen Eindruck. Man traut dem ganzen zu langlebig und haltbar zu sein.

Mit einem Audi, der Weltmeister des “Bling Bling” im Innenraum, kann unser 9-3 freilich nicht mithalten. Dazu ist zuviel Kunststoff und Hartplastik verarbeitet worden. Die Materialauswahl liegt mehr auf dem Niveau einiger BMW Modelle. Ein wahres Ärgernis sind allerdings die Türgriffe, die einfach billig und schlecht entgratet sind wie auch der Handbremshebel und der “Smart Slot” Einsatz für den das gleiche zutrifft.

Von Hirsch Performance, die Schweizer und wir sind einer Meinung, gibt es Abhilfe in Form von Leder – Türgriffen und Handbremshebel.

Türverkleidung mit Walnussholz Dekor
Türverkleidung mit Walnussholz Dekor

Umwelt/Verbrauch:

Der Saab ist mit 4.5 Litern Diesel und einer CO/2 Emission von 121 g/100 km angegeben. Damit gehört der Saab 9-3 TTID4 zu den umweltfreundlichsten Dieseln dieser Leistungsklasse überhaupt. Damit man diese Werte erreicht, muss man fleißig das 6 Gang Getrieb schalten. Um den Fahrer zur Umweltfreundlichkeit zu erziehen, meldet sich im zentralen Display ein dezenter Hinweis auf einen sinnvollen Gangwechsel.

Saab 9-3 TTID4 Rückbank vom Kofferraum zu entriegeln
Saab 9-3 TTID4 Rückbank vom Kofferraum zu entriegeln

Was wir über den Saab 9-3 TTID4 denken:

Die 4,5 Liter Diesel als Verbrauchsziel kann man getrost vergessen. Denn, und das ist das arge Problem an dem Saab, man ist dem Auto immer, und wir meinen wirklich immer, zu schnell unterwegs. Der Diesel ist dermaßen souverän, die Geräuschdämmung effektiv, dass man beim Blick auf die Tachonadel erschrickt. Dazu kommt das Handling, das in Verbindung mit dem starken Motor eine “Fahrfreude” erzeugt, dass man nicht mehr aussteigen will.

Ist der 9-3 TTID4 ein richtiger Saab ? Wir sagen ja, obwohl zu GM Zeiten entstanden, trägt der 9-3 sehr viel Saab DNA in sich. Das “Willkommen zu Hause” Gefühl wenn man einsteigt ist typisch Saab, sogar mehr Saab als, sorry, im aktuellen Saab 9-5. Der 9-3 ist eine Exote auf unseren Straßen. Die Schweden verkaufen hier so wenige Autos dass der Hersteller aus der Zulassungsstatistik herausgefallen ist. Das gibt dem 9-3 einen Aufmerksamkeitswert den sonst nur teure Exoten genießen.

Unser Test Saab hat einen Listenpreis von fast 45.000 €. Schock. Die Listenpreise sind beim Saab Zentrum verhandelbar, was den hohen Preis gleich in einem anderen Licht erscheinen läßt. Ausserdem war der Wagen sehr gut ausgestattet mit Xenon Kurvenlicht, der großen Navigation, Schiebedach, einer Standheizung und vielen anderen Goodies. Der Preis liegt auf dem Niveau der deutschen Mitbewerber, an die der 9-3 bis auf die Auswahl mancher Materialien locker herankommt.

Kaufen ?  Unbedingt, denn in unserem Fall kauft man kein altes Modell, sondern einen 9-3, stetig verbessert mit den Jahren, in seiner  allerbesten Form. Wartet man noch einige Wochen dann ist der 9-3 Griffin beim Händler verfügbar. Der ist noch cooler, noch skandinavischer, noch mehr Saab.

Text: tom@saabblog.net

Weitere Testberichte:

Saab 9-5 TTiD4 Vector XWD

Saab 9-3 TTiD4 Aero Sportkombi

40.000 Kilometer mit dem Saab 9-5 Biopower

Saab 9-5 BioPower 2.3t Hirsch Performance

8 Gedanken zu „Saabblog.net fährt den Saab 9-3 TTID4: Ein starkes Teil.

  • 30. Mai 2011 um 8:10 PM
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    Fahre selbst begeistert seit Anfang April ein 9-3 Cabrio TTid4 mit zusätzlichem Hirsch-Tuning (200 PS, 430NM).
    Kann den Testbericht voll und ganz bestätigen. Ein tolles Auto mit einem hervorragenden, in allen Bereichen äußerst souveränen Motor, zu dem das Automatikgetriebe tatsächlich sehr gut passt. Wenn das Motorgeräusch nicht von außen in den Innenraum reflektiert wird, ist nichts davon zu spüren einen Dieselmotor zu fahren. Das Auto macht insgesamt einen sehr ausgereiften Eindruck.

  • 31. Mai 2011 um 12:37 PM
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    @hkk9-3c

    Hast Du das Hirschkit direkt bei Auslieferung einspielen lassen?

  • 1. Juni 2011 um 6:22 AM
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    Ja, kann deshalb nicht sagen, wie es den Verbrauch beeinflusst. Der Verbrauch liegt zwischen 7,5 und 8,2 l/100km.

  • 1. Juni 2011 um 11:58 AM
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    Danke, mal meinen Händler fragen. Mein Griffin ist seit Freitag fertig und kommt Anfang nächster Woche. (Das Auto ist zufällig im “Production Restart” Video auf Youtube zu sehen.

  • 2. Juni 2011 um 10:10 PM
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    Schöner Fahrbericht. Ich musste allerdings zweimal hingucken, um die Farbe zu erkennen 🙂

  • 4. Juni 2011 um 3:06 PM
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    Man sollte besser die Finger von der Automatik lassen!

    Ich fahre einen 9-3 TTID4 SportCombi MY 2008. Ein gutes Auto mit einem guten Motor und einem – leider nur allenfalls noch – grenzwertig zu nennenden Automatikgetriebe. Obwohl ich einen eher großväterlichen Fahrstil pflege, gerate sogar ich zuweilen in Situationen, in denen ich zügig beschleunigen will oder auch muß. Tritt man im Normalmodus das Gaspedal durch, passiert aber erst einmal gar nichts. Das hat mich schon das eine oder andere Mal in brenzlige Situationen gebracht. Z.B. sollte man vor einem schnellen Spurwechsel in der Stadt nach vorhergegangenem Bremsmanöver wegen eines plötzlich aufgetauchten Hindernisses (so noch gestern geschehen) gehörigen Respekt haben. Es vergehen (gefühlte)lähmende Sekunden bis sich das Getreibe endlich entschließt, zurückzuschalten, und die Motorelektronik ihren Dienst aufnimmt und das Fahrzeug beschleunigt.

    Im Sportmodus ändert sich das allerdings zum Besseren, so daß ich mittlerweile vor jedem Überholmanöver auf der Landstraße die Umschalttaste drücke. Tut man dies nicht, verlängert man den Überholweg und potenziert das Risiko. Es kann aber nicht im Sinne des Erfinders sein, vom Normal- auf den Sportmodus umzuschalten, sobald man nur mal überholen will. Abgesehen davon gibt es Situationen, in denen einfach nur schnell reagiert werden muß (s.o.), und in diesen wird es dann brenzlig, weil die Taste alles andere als blind zu finden ist. Permanent im Sportmodus zu bleiben, ist übrigens auch nur dann zu empfehlen, wenn man Potentat eines OPEC-Staates oder mit einem solchen verwandt ist.

    Die Konsequenz für mich war, dass ich im April das Cabrio zwar mit dem TTiD-Motor bestellt, mich aber bewußt gegen dieses – allenfalls suboptimale – Automatikgetreibe entschieden habe. Mögen mir die Götter beistehen, dass ich nicht erst nach den Chinesen beliefert werde.

  • 4. Juni 2011 um 4:39 PM
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    Die Probleme mit dem Automatikgetriebe kann ich nicht nachvollziehen. An meinem neuen 9-3 Cabrio arbeitet es ziemlich perfekt, genauso gut wie das Powershift-Getriebe im aktuellen Ford Galaxy, obwohl das Automatikgetriebe im Saab kein Doppelkupplungsgetriebe ist. Den Sportmodus benutze ich praktisch nie.

  • 3. Juli 2011 um 5:03 PM
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    Fahre seit 3 Jahren einen TTiD Sportkombi. Bin sehr zufrieden, ebenfalls immer zu schnell…. bei einem Verbrach von ca. 5,5 Litern auf 100 KM im Jahres-schnitt. “Rekord” mit einer Tankfüllung bei 4,9 Liter.
    Hoffentlich geht die Story in Trollhättan positiv aus….

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