Saab News Schweden: Die Saab Diskussion dauert an

Saab Werk Trollhättan
Saab Werk Trollhättan

In Trollhättan wird Victor Muller hoch geschätzt. Muller entspricht nicht dem üblichen Bild eines Automobilchefs, aber vielleicht ist es gerade die unkonventionelle Art von Muller, die Saab zurück auf die Erfolgsspur führen wird. Nicht alle in Schweden sehen das so, Dagens Industri aus Göteborg gehört zu den anerkannten Saab Skeptikern, und heizt die Saab Diskussion weiter an.

Es ist immer gut zu wissen was die Gegner denken, deshalb sollte man den Beitrag von Tony Fang von der Universität Stockholm lesen. Aber Achtung – Fang nimmt kein Blatt vor den Mund und fährt schwere Geschütze auf.

Fang ist der Meinung dass Saab sterben muss um neu geboren zu werden. Konkret schreibt er:

Den Saab Besitzern fehlt ein langfristiger Plan damit das Unternehmen überleben kann. Die ständigen China Reisen haben Victor Mullers Glaubwürdigkeit nicht erhöht. Jetzt wäre es das beste für Saab bankrott zu gehen um mit neuen Eigentümern eine neue Geburt zu erleben.

Saab wird weiterhin bluten. Die Produktion ist seit mehr als einem Monat gestoppt. Jede Nachricht aus China über Mullers Suche  nach einen neuen chinesischen Investor scheint in Schweden willkommen zu sein. Der neue Investor ist nur ein Händler, Saab braucht zum Überleben einen starken Hersteller der von der Regierung unterstützt wird. Viele scheinen zu glauben dass Victor Muller jedes Mal zaubern kann und chinesisches Bargeld Saab das Überleben sichert.

Ich habe, schreibt Fang, ein ganz anderes Bild von der Saab Zukunft. Nicht der Mangel an Bargeld sondern das Versagen der Eigentümer und falsche Führung sind das Problem. Geld löst Probleme am rechten Ort, zur rechten Zeit bei den richtigen Personen wie der Volvo – Geely Deal gezeigt hat. Erschwerend kommt hinzu: Je mehr Geld Muller findet um so mehr Krisen wird Saab in Zukunft erleiden.

Es gibt sicher Gründe zu fragen wie die Führung arbeitet, so schreibt Fang, da wären Fragen wie:

– Wie konnten Victor Muller sich nur zwei Tage vor dem Zusammenbruch rühmen dass Saab dem “Businessplan folgt” ?

– Wie konnte Muller sich einen großen Bonus doppelt zahlen während Saab blutet ?

– Wie konnte Jan Ake Jonsson am Tag seines Rücktritts sagen das Saab im Plan liegt während die Krise kurz bevorstand ?

– Wie konnte Saabs PR Direktor Zahlungsprobleme mit den Subunternehmen bestreiten, während Saab akute Liquiditätsprobleme hatte ?

Forschungen haben gezeigt dass drei Dinge wichtig sind um das Überleben einer Automarke auf dem globalen Markt zu sichern.

– Eigentümer und Manager mit einer Autoleidenschaft und Erfahrung in der Massenproduktion

– Starke Finanzkraft auf lange Sicht

– Eine langfristige Vision und gute Beziehungen zu den aufstrebenden Märkten in China und Indien

Auf Victor Muller und seinen guten Freund Antonov treffen diese Kriterien wohl kaum zu. Beide sind gute Unternhemer, aber die langfristigen Pläne und Strategien sind fragwürdig. Die Übernahme von Saab durch den niederländischen Geschäftsman Mullers ist wohl einer der größten Fehler der modernen schwedischen Industriegeschichte. Muller hat kein Geld, keine Erfahrung in der Massenproduktion, noch ist er vertraut mit den Schwellenländern wie China.

Mullers neueste, blitzschnelle Verhandlung mit China wird von vielen gefeiert als ein Ende des Elends in Trollhättan. Aber man muss nicht Betriebswirtschaftslehre studiert haben um zu erkennen was Muller tut. Dadurch dass er chinesische Hersteller gegeneinander ausspielt ist er zu weit gegangen, auch im Sinne der chinesischen Geschäftskultur.

Hätte er eine langfristige Geschäftsstrategie, er hätte schon längst die NDRC (die mächtige chinesische Reform und Entwicklungskomission) besucht. Aber immer nur nach China reisen um ein neues Mittel gegen die “Schmerzen” zu finden, dazu die manipulative Verhandlungstaktik, zeigt schwache Führung. Die hat bereits den Ruf in China beschädigt und eine Menge Mißtrauen gegenüber Saab und Schweden erzeugt.

Während viele befürchten dass Saab in Konkurs gehen könnte und 3.500 Arbeitsplätze aus Schweden verschwinden würden meint Fang es wäre klug das Unternehmen in Konkurs gehen zu lassen. Das Unternehmen könnte mit frischen Eigentümern neu starten und besser leben als mit den aktuellen Eigentümern, den hohen Schulden und der Unsicherheit über die Zukunft.

Um zu überleben brauch Saab neue und starke Eigentümer, vorzugsweise solche mit großen Visionen und Ambitionen, die Saab in eine gute Zukunft führen können in einer globlisierten Welt. Die Eigentümer werden vermutlich aus China oder Indien kommen. Ein solches Szenario bedeutet aber nicht, dass Arbeitsplätze aus Schweden verschwinden. China zum Beispiel liefert konstante Überraschungen wie die Firmenehe Geely – Volvo zeigt.

So weit der Artikel von Tony Fang bei der heutigen Ausgabe der DI. Auf einem Saab Blog sollte man auch über weniger angenehme Dinge schreiben können die uns auf den ersten Blick nicht gefallen, ich denke die Leser sind dafür offen genug. Fang will nicht das Ende von Saab – im Gegenteil. Er möchte für Saab einen anderen Lösungsansatz. Wer über die Argumentation von Fang nachdenkt sollte, bevor er alle Argumente abtut,  sich auch die Firmenehe Tata – Jaguar vor Augen führen. Jaguar bekommt von senem Eigentümer etliche Milliarden € in Cash zur Modernisierung von Fabriken und der Erneuerung der Produktpalette.

Text: tom@saabblog.net

3 Gedanken zu „Saab News Schweden: Die Saab Diskussion dauert an

  • 18. Mai 2011 um 2:29 PM
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    Goldig dieser Schreiberling….

    Wenn sich aber nun keiner findet, der Saab neu aufbauen möchte – dann ist alles perdu, aber er hat sein Honorar für seine geistigen Ergüsse erhalten.

    Da ist mir ein VM weitaus lieber, der für etwas kämpft und eben nicht nur faselt, auch wenn er Fehler gemacht hat.

    Wichtig erscheinen auch mir Kontakte nach Indien – ob der Volvo-Deal so gut war, wie hier ein Schreiberling der Meinung ist wird die Zukunft erst noch zeigen – spätestens dann, wenn Alles bei Volvo nach China verlagert wird, was ich Volvo auf keinen Fall wünsche.

  • 18. Mai 2011 um 2:32 PM
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    …und noch etwas:

    Es gibt wohl kaum jemanden, der sich im letzten Jahr nicht einen höchst finanzkräftigen Käufer für Saab gewünscht hätte, da dies eigentlich alles leichter machen würde.

    Hat die jemand gesehen und nicht beachtet? Wohl kaum.
    Es gab einfach keine weiteren Käufer, so sieht es doch wohl aus.

    Dies dann einem VM zum Vorwurf zu machen, finde ich schon dreist.

    • 18. Mai 2011 um 3:21 PM
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      Doch gab es Herrn Antonov, nur hatt man ihn ja nicht lassen, jetzt darf er nur die EIB sträubt sich immernoch :-(.

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