Saab Interview: Victor Muller spricht mit TTELA

Victor Muller
Victor Muller

Saab Vorstand Victor Muller hat der lokalen Zeitung in Trollhättan ein Interview gegeben nachdem er aus China zurückgekehrt ist. Gegenüber der TTELA sagte Muller „Was mich die ganze Zeit angetrieben hat ist die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern.“

Peking – Mallorca – Washington – Peking – Trollhättan. Victors Vielfliegerkonto ist voll mit Punkten nach den Ereignissen der letzten Zeit. Er sitzt in einem der großen Stühle im Saab Konferenzraum. Die Anzeichen von Müdigkeit seiner langen Reise nach China, der zähen Verhandlungen mit Pang Da und der Tag danach das Treffen mit dem Saab Management und den Mitarbeitern. Vor dem Interview sprach er zu den 3500 Mitarbeitern deren Lebensunterhalt von seinen Entscheidungen abhängt und erzählte über die Vereinbarung die er in Rekordzeit ausgehandelt hat.

Als wir ihn fragten wie es möglich war ein Geschäft in China in so kurzer Zeit auszuhandeln – Verträge in diesem riesigen Land im Osten dauern sonst Monate – sagte er:

„Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen diesem Vertrag und dem Vertrag mit Hawtai, wie zum Beispiel dem Vertrag zwischen Volvo und Geely. Wir sprachen mit einem Händler, nicht mit einem chinesischen Hersteller. Es geht um den Verkauf von Autos, nicht um den Verkauf von Technologie. Diese Vereinbarung war viel leichter zu verhandeln.“

„Du kannst niemals nur einen Plan A haben, dann bist Du geliefert. Du musst immer einen Plan B und C haben. Bei den aktuellen Vereinbarungen darf man nicht gehen bis alle Unterschriften auf dem Papier sind. Ein Gespräch ist nichts wert, wenn man es nicht wirklich schafft eine verbindliche Vereinbarung zu treffen“ sagt er mit einem Blick, der jede weitere Aussage unnötig macht.

Den aktuellen Hintergrund der neuen China Verhandlungen beschreibt Victor Muller so:

„Der Vertrag mit Hawtai bedeutete eine exklusive Beziehung für etwa eine Woche. Als klar wurde, dass Hawtai keine Einwilligung der Behörden bekommen würde, nahm ich letzte Woche den Flieger von der USA nach Peking. Man kann sich vorstellen wie ich mich fühlte bei einer Pressekonferenz vor 200 chinesischen Journalisten, nur ein paar Tage nach der Vereinbarung, und gezwungen war zu sagen dass der Vertrag keinen Bestand hat.“

„Aber – verlieren ist keine Option.“ Das sagt Muller wörtlich. Die schwedischen Medien begannen über den bevorstehenden Untergang von Saab zu berichten, ein beserer Ausgang erschien unwahrscheinlich. Zur gleichen Zeit, als die negativen Berichte aufkamen wurde der starke Victor Muller noch stärker.

Ist es möglich das all die negative Berichterstattung die Kraft gab um die Kritiker zu wiederlegen ?

„Es ist lustig das Sie das sagen“ meint Muller. „Als ich die Headline sah – Muller kann Saab nicht retten – dachte ich mir ihr habt das nicht zu entscheiden“.

Gesagt werden muss, dass die Situation von Saab die letzten eineinhalb Monate alles andere als sicher war. „Wir waren in einer Situation wo es um Probleme mit einigen Lieferanten ging und wir haben die Situation falsch eingeschätzt. Ganz plötzlich wollten andere Lieferanten die Zahlungsbedingungen ändern und zweifelten an userer Zahlungsfähigkeit, angeheizt durch starke Präsenz der Medien. Es ist üblich dass wir eine angespannte Liquidität am Ende des ersten Quartals haben , weil die PKW Verkäufe in den früheren Jahren niemals stark waren. Aber diese Situation war eine völlig andere.

Was Victor Muller zu seinen Mitarbeitern sagte wollte er im Interview nicht mitteilen. „Dies ist alleine eine Sache zwischen den Mitarbeitern und mir“ sagte Muller.

Ein gutes Interview, das einen starken Muller zeigt, der durch die Anfeindungen der schwedischen Presse nur noch mehr gewachsen ist. Weiter so.

Text: tom@saabblog.net