Saab News Trollhättan: Der Hawtai Deal wackelt

Letzte Woche besuchte eine Delegation des chinesischen Autoherstellers Hawtai die Saab Produktion in Trollhättan. Dann herschte plötzlich seltsame Stille. Freude über den gefundenen Partner sieht so nicht aus.

Heute wissen wir, dass sie Chinesen über den schlechten wirtschaftlichen Zustand des Werks schockiert waren. Bis heute um 14.00 Uhr müssen die Verträge unterzeichnet werden, sonst ist der Deal geplatzt.

Die Chinesen überlegen, so berichten mehrere Quelle, neu zu verhandeln oder sich komplett aus dem Geschäft zurückzuziehen. Saab Vorstand Victor Muller scheint bereits mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehung zu rechnen, ist schon auf den Sprung in die Volksrepublik um Verhandlungen mit anderen Herstellern fortzusetzen. Die Lage ist präker, denn der schnelle und vielleicht überstürzte Abschluß mit Hawtai hat in China verbrannte Erde hinterlassen.

Der Hersteller BAIC, Saab Partner für ältere Saab Technologien, wollte Saab komplett übernehmen, scheiterte aber am Veto von Vladimir Antonov.  Zum anderen sieht BAIC sich als Inhaber der Rechte am kommenden Saab 9-3 Nachfolger und würde, das ist wahrscheinlich, mit diesem Anspruch die Ehe Saab – Hawtai bei der NDRC für lange Zeit blockieren.

Ebenfalls sehr verägert über den plötzlichen Abbruch der Gespräche und die Ankündigung der Partnerschaft mit Hawtai sind Great Wall, welche als idealer Saab Partner galt und die private Youngman Automobile Group. Die Youngman Group und Saab hatten bereits eine Absichtserkärung zur Zusammenarbeit unterzeichnet und einen Investitionsantrag (als einziges Unternehmen bislang) bei der NDRC eingereicht.

Die Lage ist prekär und unübersichtlich. Als relativ sicher gilt mittlerweile, dass der Deal scheitern wird. BAIC wird die Zustimmung der NDRC als einfußreicher Staatsbetrieb verhindern oder herauszögern. Egal was die Hawtai Leute über Trolhättan und den wirtschaftlichen Zustand der Anlagen denken. Saab würde damit wieder in eine Krisensituation zurückgeschleudert werden.

Hat Victor Muller einen Fehler gemacht ? Vielleicht, aber der Druck der seit Monaten auf Muller lastet ist enorm und duch die Blockade jeder denkbaren Lösung zu Gunsten Saab von der Seite der EIB wurde die Situation immer zeitkritischer. Zieht Hawtai die Notbremse und steigt aus, fehlen mindestens 30 Millionen € kurzfristig benötigte Liquidität. Die Konsequenzen die sich daraus ergeben sind noch unklar.

Text: tom/saabblog.net